Musicscan: In meinem Review habe ich u. a. geschrieben: „Im Sound des Quartetts begegnen sich Zwanglosigkeit und
fordernder Anspruch, jedoch dominieren klar die natürliche Attitüde und ungeschöntes Herzblut.“ Würdet Ihr
das unterschreiben, und wie kam/kommt es grundsätzlich zu dieser Mixtur, die den Sound von ASHES OF
POMPEII bestimmt?
Ashes Of Pompeii: Ungeschöntes Herzblut würden wir alle auf jeden Fall sofort unterschreiben. Da kann schon fast
daneben stehen, was will! Unser Ansatz beim Songwriting war schon immer einfach, dass es uns in
dem Moment, wo der Song entsteht, so richtig packen muss. Dass wir zusammen irgendwas erschaffen,
was uns selber auf irgendne Art umhaut – sei es nun, weil es eher brachial und wuchtig ist oder weil es
eher sehr zerbrechlich wirkt. Das zeigte sich beim Songwriting für Places wahrscheinlich noch stärker
als bisher.
Musicscan: Klar ist, dass Eure Musik eher Hörer anspricht, für die Musik noch eine Herausforderung darstellt und die nicht
lediglich unterhalten werden wollen. Stößt man dabei in Zeiten des kurzlebigen musikalischen Vergnügens
schnell an Grenzen, oder wie erlebt Ihr das?
Ashes Of Pompeii: Freut mich, dass du das so siehst! Wir alle mögen Musik, in die man sich reinhören kann, bei der man
was entdeckt. Solche Art Musik ist vielleicht auf den ersten Blick sperrig und es kostet auch schon
etwas Kraft, um sich reinzuhören, aber auch gerade darin liegt der Reiz. Ich finde es immer wieder
erstaunlich, was manche Bands, die ich zunächst nicht direkt verstehe und die etwas sperriger
rüberkommen, mir im Laufe der Zeit für neue Welten aufmachen können. Wenn wir es schaffen, dass
wir genau so eine Band für manche Leute sein können, dann macht mich das sehr stolz.
Musicscan: Wie sehen/sahen die Reaktionen auf Places bisher aus? Ihr habt die Stücke ja auch schon live gespielt - Welche
Art Rückmeldungen habt Ihr bisher gekommen? Gibt es Unterschiede zwischen der Aufnahme seitens Presse,
Internet-Feedback und Eindrücken von den Shows?
Ashes Of Pompeii: Die Reaktionen sind bisher sehr positiv. Die Shows der Release-Tour waren die besten, die wir bisher
gespielt haben und das lag nicht nur daran, dass wir selbst so viel Spaß beim Spielen hatten, wie selten
zuvor. Da ist ja immer auch eine Beziehung zwischen Publikum und Band. Die Reviews sind bisher
auch meist positiv, ein paar waren aber auch dabei, die nicht so richtig einzuordnen wussten, was wir da
nun für Musik machen. Aber wir sind froh, dass viele Leute, die auch unsere letzten Alben kennen und
schon früher auf Konzerten von uns waren, mit uns zusammen diesen Weg zur neuen Platte gehen und
sich drauf einlassen.
Musicscan: Apropos Internet: Für wie wichtig erachtet Ihr den Online-Auftritt Eurer Band und die diversen Profile, die man
heutzutage scheinbar haben muss? Seht Ihr das persönlich als Chance oder als lästiges etwas, um das man nicht
herum kommt?
Ashes Of Pompeii: Das ist so’n zweischneidiges Schwert... Generell bieten die verschiedenen Plattformen schon große
Chancen, Leute zu erreichen und die Band und die Songs zu präsentieren. Auf der anderen Seite haben
wir ne zeitlang auch sehr viele verschiedene Plattformen genutzt, um möglich präsent zu sein. Dass
dann alles zu pflegen und immer aktuell zu halten, ist aber schon ne extrem zeitaufwändige
Angelegenheit. Und da wir das alles selbst machen und neben der Band auch alle normale Jobs haben
oder Studieren, nutzen wir uns eure freie Zeit lieber für Konzerte oder Songwriting – Sachen, die uns
einfach auch mehr Spaß machen. Das ist vielleicht nicht die marketingtechnisch-richtige Einstellung,
aber wir sind immer noch auf einigen Plattformen vertreten und Leute, die uns finden wollen, finden
uns auch.
Musicscan: Auf Places kommen Elemente aus Post-Hardcore und -Punk, Indie-Rock und Emo zusammen. Warum
wollt/könnt Ihr Euch nicht weiter festlegen bzw. was sind die Vorzüge der breiteren Crossover-Anlage?
Ashes Of Pompeii: Wir machen uns da bewusst ja keine Gedanken, wie wir klingen wollen oder was alles Einfluss auf
unsere Songs haben soll. Wir hören halt schon alle gerne Bands, die in den Richtungen unterwegs sind,
die du genannt hast, und dann ergibt sich das wahrscheinlich automatisch, dass das Einfluss darauf hat,
wie wir unsere Songs schreiben. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, das Bands so an ihre Songs
rangehen, dass sie da so nen bestimmen Sound raus haben wollen und sich da von vornherein auf
irgendwas einschränken. Das mag von außen Betrachtet ein Vorzug unserer Band und der Musik sein,
die wir machen, aber an sich war auch die Grundidee bei uns schon immer, dass wir einfach das
machen, worauf wir Bock haben.
Musicscan: Wenn Ihr an Songs arbeitet, was ist wichtiger: Das Vertrauen auf Bauchgefühl und Intuition oder durchdachtes
Arrangieren und bewusstes Verfolgen von „Plänen“?
Ashes Of Pompeii: Eindeutig Intuition und Bauchgefühl. Meistens haben wir noch keine Grundidee, wenn wir in den
Proberaum gehen und fangen dann einfach an, zusammen was zu entwickeln. Das kann teilweise sehr
zäh sein und manchmal verrennen wir uns auch in was und verwerfen das dann nach wochenlangem
Gefeile wieder. Aber an sich ist es genau diese Herangehensweise, die die Songs für uns selbst
spannend macht und die den Reiz beim Songwriting für uns ausmacht.
Musicscan: Inzwischen gibt es Euch acht Jahre: Wie lässt sich Eure musikalische Entwicklung knapp zusammen fassen? Wo
seid Ihr gestartet, was interessierte Euch zu Beginn? Wie hat sich das zu Places und ASHES OF POMPEII anno
2012 verändert oder auch nicht? Als Band empfindet man das ja oft anders als die Hörer…
Ashes Of Pompeii: Ja, das ist mittlerweile schon ne lange Zeit, obwohl wir uns das selten so vor Augen führen. Ich habe oft
das Gefühl, dass wir immer noch weit am Anfang stehen und das ist ein sehr gutes Gefühl! Da ist noch
kein Ende in Sicht für uns und es hat sich gottseidank auch noch nie das Gefühl eingestellt, dass wir
kreativ nix mehr Neues aus der Band rausholen wollen oder könnten. Es kommen immer wieder neue
Ideen auf und immer wieder entdecken wir was Neues für uns.
Das war auch vor acht Jahren so, obwohl wir da natürlich noch viel weniger Erfahrungen gemacht
hatten, was Konzerte und Songs angeht. Wir haben die Band ja als Nachfolger von unseren
Schülerbands gegründet und wollten damit einfach Musik machen, die uns von vornherein auch viel
Platz zum Experimentieren lässt. Wir hatten in Marburg keine wirkliche Szene damals und haben uns
sowieso auch von Allem ferngehalten und unser eigenes Süppchen gekocht – allein schon durch
unseren Proberaum, der schön weit weg von anderen Bands und überhaupt irgendwelchen Leuten war.
Der Ansatz war und bleibt, dass wir selbst Bock drauf haben und etwas auf die Beine stellen möchten,
dass uns fordert und uns weiterbringt. Insofern hat sich die Band in all den Jahren nicht grundlegend
verändert, vielleicht ist das alles intensiver geworden. Musikalisch entstehen durch den Ansatz
rückblickend gesehen schon unterschiedliche Wege – einfach auch, weil wir uns alle persönlich und
auch wir Vier zusammen als Band über die Jahre verändern. Die Musik entwickelt sich dann mit. Das
macht es für uns spannend, weil wir nicht wissen und auch nicht wissen wollen, wie sich unsere
nächsten Songs anhören werden. Und ich denke, dass es das auch für Leute, die uns verfolgen und
unsere Musik hören, spannend macht, vorausgesetzt, sie lassen sich drauf ein.
Musicscan: Rein musikalisch kann man Euch heute längst als „ausgereift“ bezeichnen. In welche Richtung können sich
Sound und Band noch steigern? Wo seht Ihr Ansatzpunkte?
Ashes Of Pompeii: Ansatzpunkte gibt es in der Musik, die wir bisher in den letzten Jahren gemacht haben: Musik mit
lauten Gitarren und treibendem Schlagzeug. Das ist und bleibt einfach das Grundgerüst für alles, was
wir machen. Dazu kamen immer wieder elektronische Spielereien, worauf wir auch nach wie vor Bock
haben und auch Ausflüge in härtere oder noch ruhigere oder monotonere Gewässer. Wir werden auch in
Zukunft einfach ausprobieren und versuchen, für den Entstehungsmoment der Songs das Intensivste
rauszuholen.
Musicscan: Versteht Ihr ASHES OF POMPEII eher als Live- oder als Studio-Band? Angesichts des partiell experimentellen
Sounds, der dichten Atmosphäre und der bisweilen vertrackteren Anlage muss man schon fragen. Lässt sich live
alles 1:1 umsetzen. Inwieweit unterscheidet sich das Gefühl für die Songs zwischen Studio und Bühne?
Ashes Of Pompeii: Wir sehen uns nach wie vor absolut als Live-Band. Konzerte spielen ist einfach das Beste, was man mit
einer Band machen kann. Das war auch schon von Anfang an das Leitmotiv und das wird auch so
bleiben. Wir experimentieren aber auch sehr gerne im Proberaum oder später im Studio rum und
versuchen, immer wieder neue Elemente mit reinzubringen, allein auch schon, um das Alles für uns
interessant zu halten. Die Frage, ob wir das auch Live umsetzen können, stellen wir uns in dem Sinne
nicht wirklich, da auch die experimentelleren Passagen und Elemente fast immer direkt im Proberaum
entstehen, wenn wir Songs schreiben. Daher sind das mehr oder weniger live gespielte Sachen, die wir
dann auch auf die Bühne bringen können.
Musicscan: Was mich im Zusammenhang mit Eurer Band noch interessiert: Welche Erfahrung habt Ihr außerhalb
Deutschlands sammeln können? Wie wurdet/werdet Ihr auf- und wahrgenommen? Sind da regionale
Unterschiede auszumachen? Wer versteht Euch, wer findet vielleicht keinen Zugang?
Ashes Of Pompeii: Wir haben vor einigen Jahren ja mal eine England-Tour gespielt, die mit eine der abgefahrensten
Touren war, die wir je gemacht haben. Wir hatten trotz oder gerade aufgrund teilweise sehr weiter
Strecken extrem viel Spaß und die Leute haben uns sehr positiv aufgenommen. Auch in Österreich im
letzten Jahr hatten wir das Gefühl, dass es die Leute interessiert und dass die sich drauf einlassen
wollen. Ich denke, dass es schon regionale Unterschiede, auch innerhalb Deutschlands, gibt. Allerdings
versuchen wir auch meistens und vor allem in den letzten Jahren, in Läden zu spielen, wo Leute die
Konzerte mit genau so viel Herzblut veranstalten, wie wir unsere Musik machen. Dadurch ergibt sich
da von vornherein ein positiv verzerrtes Bild von den Leuten einer Region, was Konzerte natürlich aber
auch extrem angenehm für uns als Band und das Publikum macht.
Musicscan: Zum Abschluss: Worauf darf man sich 2012 noch von Euch freuen, welche Pläne gibt es noch?
Ashes Of Pompeii: Wir planen gerade noch Shows für Herbst/Winter und versuchen, auch im nächsten Frühjahr noch
häufiger unterwegs zu sein. Wer da Bock hat, dass wir vorbei kommen, kann sich auch gerne bei uns
melden!! Neben Konzerten treffen wir uns aber auch schon wieder häufiger im Proberaum und basteln
an neuen Sachen. Einen Song haben wir schon fertig und sind gespannt, was da noch passiert. |