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Coredust

Storie von: arne, am 29.05.2012 ]

So düster und rabiat, wie es der Titel „Decent Death“ suggeriert, fällt das Debüt-Album der Band aus Helsinki gar nicht aus. COREDUST sind eine Kapelle, die zwischen Death und Thrash Metal ein sattes Brett auffährt. Die schroffe Anmutung der acht Songs steht nicht in Frage. Da ist aber noch mehr. Die Finnen integrieren zwanglose Rockigkeit, akustische Momente und stützende weibliche Vocals, die das Gesamtbild weiten und den offenen Ansatz der Musiker unterstreichen. Immer wieder gönnen sich die Debütanten zudem die Freiheit, kreativ abzudrehen und kleinere Fusion-Experimente einzubauen.

 
„Zuletzt habe ich mich zum ersten Mal richtig alt gefühlt,“ äußert sich Gitarrist Sakke. „Wenn ich mir die Welle der extremen, experimentellen Bands aus dem Djent-Genre anschaue, scheint es mir fast, wir seien eine sehr traditionelle Gruppe, was eigentlich nicht der Fall ist. Es kommt stark auf den Blickwinkel an. Mit COREDUST sind wir allenfalls dahingehend traditionell, als dass wir die Technik nicht zum Selbstzweck auffahren und ein sich entwickelndes Songwriting für unsere Tracks eine wichtige Bedeutung besitzt. Wenn wir an Songs arbeiten, konzentrieren wir uns nicht nur auf einzelne Aspekte, sondern behalten immer das gesamte Bild im Blick. Gemeinsamkeiten mit den Djent-Bands sehe ich aber auch – etwa bezüglich des Strebens, atypische Song-Strukturen zu benutzen und auf Innovation abzuzielen. Beunruhigen lasse ich mich jedenfalls nicht, und ich verfolge die kulturelle Evolution im extremen Metal mit starkem Interesse. Es ist doch spannend, auf welche Kombinationsmöglichkeiten andere Musiker kommen und welche Stile mit anderen wie zusammen passen, auch wenn man das nie für möglich gehalten hätte. Abgefahrene Ansätze muss man würdigen, und ich lasse mich durch nichts herunterziehen. Vielmehr dienen sie mir als Antrieb, selbst noch besser zu werden.“

An Spannung und Ideen lässt es „Decent Death“ nicht mangeln, und auch die Fokussierung kommt COREDUST niemals abhanden. Das Quartett besteht seit fünf Jahren und legt nach einem Demo und der MCD „Past Lives“ vergleichsweise spät seinen ersten Longplayer vor. „Grooves und gute Melodien sind der Schlüssel zu unseren Songs,“ erklärt der Gitarrist. „Wann immer wir vor der Wahl stehen, entweder in technischer angelegte Passagen zu schwenken oder es der Band mit einfachen Riffs zu ermöglichen, zu grooven, wählen wir die zweite Option. Vielleicht liegt es daran, dass wir so stark von den Thrash-Pionieren der 1980er und 90er Jahre beeinflusst sind. Die haben es genauso gehalten. Unsere Einflüsse sind jedoch breit gestreut und reichen von klassischer Musik über progressiven Rock bis hin zu brutalem Metal. Das spiegelt sich in unseren Songs wider. Als wir die Band gestartet haben, ist es unser Anspruch gewesen, aggressiven Metal zu spielen. Mit der Zeit spielten dann progressive Aspekte eine immer wesentlichere Rolle. Bei den Vocals haben wir aber von Beginn an auf den Wechsel old schooliger Death Metal-Growls und melodischer, cleaner Gesänge gesetzt. Die daraus resultierende Variabilität prägt unseren Sound bis heute.“

Die lange Vorbereitungszeit haben die Musiker genutzt, als Songwriter zu wachsen und für das Debüt dramaturgisch wertvolle Stücke zu konzipieren. Die Mischung aus bissiger, spröder Härte und progressiver Forderung bzw. Zwanglosigkeit garantiert auf „Decent Death“ für ein Wechselbad der Gefühle und viele interessante


Wendungen. „Im Songwriting ist es mein Ziel, die klassischen Strukturen im Sinne von Strophe und Refrain zu vermeiden, weil sie die Kreativität von vornherein zu sehr einschränken. In unserer Riff-Rotation versuchen wir, so überraschend wie möglich aufzuspielen, um den Sound frisch zu halten. Jeder Song startet mit starken Riffs. Beim Arrangieren legen wir das Augenmerk dann darauf, Spannung zu erzeugen und einen stimmigen Kontext zu schaffen. Dabei sind die Vocals überaus wichtig. Wenn man sie von Beginn an in den Prozess einbindet, hat man vielfältige Möglichkeiten. Abhängig von den Ideen, die Esa hat, verändern wir bisweilen bewusst die Strukturen der Lieder.“

Bemerkenswert dabei ist das reife Selbstverständnis, mit dem die jungen Finnen agieren und selbst komplexeste Aufgaben schlüssig lösen. Nicht minder interessant ist die Tatsache, dass der Debüt-Longplayer mit zunehmender Spielzeit immer tiefer in den Prog eintaucht und die Härte von Death und Trash-Metal, die den Auftakt bestimmt, ein Stück weit relativiert: „Spannung und Kontraste innerhalb der Musik sind wichtig,“ weiß Sakke. „Man muss dabei aber aufpassen, nicht zu durchsichtig zu agieren, um die Hörer zu fesseln. Gute Musik baut immer auf Gegensätzen wie laut und leise oder komplex und einfach auf. Die Leute wissen, dass nach besonders brutalen Passagen häufig weniger harte Parts kommen, damit sie durchschnaufen können. So etwas versuchen wir zu umgehen. Stattdessen verschieben wir unauffällig die Atmosphäre oder wechseln den Stil.“

COREDUST schätzen es, ihre Hörer und sich selbst heraus zu fordern: „Ich glaube daran, dass man sich im Songwriting nicht selbst bescheiden sollte,“ so der Gitarrist. „Die Frage, ob man seine Ideen auch in die Tat umsetzen kann, ist zunächst nachrangig. Gute Ansätze, die scheinbar außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegen, darf man nicht verlieren. Man kann immer mehr, als man sich selbst zutraut. Und gegebenenfalls kann man ja so lange üben, bis man gut genug ist. Als Künstler will ich mich fordern und meine Komfortzone verlassen. Andernfalls gäbe es für mich kein Fortkommen.“

Sänger Esa weiß davon nicht nur im übertragenen Sinn ein Lied zu singen: „Das kann ich nur bestätigen. Jede zweite Woche stoße ich bei den Proben an meine Grenzen und erkenne, dass die Vocal-Linien, die ich im Kopf hatte, für mich zunächst zu schwierig sind. Doch Sakke hat recht. Mit intensiver Arbeit lässt sich am Ende fast alles erreichen, und wenn ich einzelne Parts dafür gefühlt tausend Mal neu angehe. Diese mentale Stärke und unser unerschütterlicher Glaube zeichnen COREDUST aus. Wir stecken niemals zurück und geben immer alles.“ Die Finnen verbuchen mit „Decent Death“ einen starken Einstand, der schon jetzt darauf gespannt macht, wie die weitere Entwicklung des Quartetts verlaufen wird.

 
 Links:
  coredust.com
 
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