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Allegaeon

Storie von: arne, am 25.05.2012 ]

Das Zweitwerk von ALLEGAEON ist „Formshifter“ betitelt. Es entwickelt sich beängstigend extrem und ist gleichzeitig schön griffig. Die 2008 gegründete Band bewegt sich wiederum zwischen den Stühlen dessen, was als gängig und machbar angesehen wird und setzt ihre eigene Vision technischen und melodischen Death-Metals verspielt und kompromisslos in die Tat um.

 
„Mir ist es wichtig, dass ALLEGAEON als vielseitige Band wahrgenommen werden,“ meint Gitarrist Ryan. „Wir sind weder nur Death noch Tech oder Melodic Metal. Wir vermischen die verschiedenen Stile miteinander und das scheinbar so gut, dass sich die Leute für das Ergebnis interessieren. Berührungspunkte gibt es mehr als genug, so dass es mich nicht verwundert, wenn wir unterschiedliche Hörer auf uns vereinen. Bei uns findet sich sowohl der Metal der 1980er und 90er Jahre als auch der der frühen 2000er. Nur die ganz neuen Trends lassen wir aus. Mit ihnen verhält es sich wie mit unserer Band. Man muss noch abwarten, wohin sie sich entwickeln, und sie müssen erst noch ihren Platz finden. Das bedeutet aber nicht, dass wir sie partiell nicht streifen.“

Bei ALLEGAEON ist nicht ausgeschlossen. Die Lektion lernt man schnell. Aufgrund seiner furiosen und ein Stück weit wahnsinnigen Anlage ist das 2010er Debüt der Band, „Fragments Of Form And Function“, weltweit abgefeiert worden. Mit „Formshifter“ schickt sich das Quartett um Shouter Ezra Haynes nun an, die eigene Position zu festigen und weiter auszubauen: „Wir halten es klassisch und verfolgen das Ziel, gute Songs zu schreiben und uns dabei nicht einzuschränken. Das ist es auch schon,“ zeigt sich Ryan bescheiden. „Für junge Bands mag es einfach sein, sich am Anfang an den Sachen zu orientieren, die angesagt sind, doch sie müssen möglichst schnell einen eigenen Ansatz für sich entwickeln, um aus der Masse hervor zu stechen. Wir selbst streben nicht bewusst nach dem einen oder dem anderen, und konkrete Ansprüche kann ich nicht einmal benennen. Wahrscheinlich ist unsere Musik genau aus diesem Grund derart weit gefasst und berücksichtigt verschiedene Stile.“

Auf Nachfrage verrät der Gitarrist dann aber doch etwas mehr darüber, was die Metal Blade-Kombo antreibt: „Es ist schon eine herausfordernde Aufgabe, uns selbst zufrieden zu stellen und Songs zu schreiben, die alle in der Band cool finden. Damit sind wir gut beschäftigt, denn wir hegen den Anspruch, uns außerhalb der gängigen Trends und Stilkombinationen zu bewegen und dabei den Stolz auf unsere spielerischen Fertigkeiten nicht zu kurz kommen zu lassen. Als Musiker sind wir seit der Veröffentlichung unseres Debüts besser geworden. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Darüber hinaus verteilt sich das Songwriting heute auf mehrere Schultern, und auch das hat sich positiv ausgewirkt. Zuletzt ist mir aufgefallen, dass sich die Strukturen unserer Songs hier und da ähneln. Das ist nicht weiter schlimm, denn im Riffing haben wir viele Ideen, die das gesamte Bild variabel halten und für die nötige Abwechslung sorgen.“

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres zweiten Longplayers werden ALLEGAEON wohl immer noch ein Quartett sein. Gegenwärtig ist die Position des Schlagzeugers wieder einmal vakant, und einen qualifizierten Ersatz zu finden, der allen Anforderungen gerecht wird, ist sicherlich nicht einfach. Bei der Gruppe aus Colorado kommt es mehr als bei anderen gleichermaßen auf individuelle


Klasse und extrovertierte Charaktere als auch auf Teamplayer an, die mal sich selbst ins Zentrum stellen und gleich danach ihre Kollegen glänzen lassen. Keine leichte Aufgabe, zumal auch die Ansprüche in puncto Präzision nicht von schlechten Eltern sind, wenn es um den extremen und melodischen Death Metal von ALLEGAEON geht, der partiell auch in Black-Gefilde hinein reicht:

„Mit der neuen Platte sind wir immer noch dabei, unseren Sound zu definieren. Es ist erst die zweite ernst zu nehmende Veröffentlichung, unsere dritte insgesamt,“ so Ryan. „Zu Beginn der Band-Aktivitäten verfolgte die damalige Besetzung noch einen anderen Weg. Dieser ist mit dem, was wir heute tun, nur schwer zu vergleichen. Die Unterschiede sind offensichtlich. Die selbst betitelte MCD von 2008 ist ein Überbleibsel dieser Tage. Wenn ich sie höre, muss ich immer schmunzeln. Das war vor meiner Zeit. Damals war alles noch berechenbarer und in der Entwicklung weniger frei. Heute ist das Songwriting von ALLEGAEON überhaupt nicht festgelegt. Ohne es zu sehr zu simplifizieren: Alles, was wir tun, ist es, die Riffs und Parts immer und immer wieder zu spielen, mit ihnen zu experimentieren und sie so lange neu zu arrangieren, bis alles wirklich perfekt passt. Woran es liegt, dass wir uns damit von anderen Gruppen absetzen, kann ich nicht sagen. Ich bin aber froh, dass es so ist. Wir versuchen, langweile Musik zu vermeiden und solche, die man bereits von anderen Gruppen kennt. Wir betrachten jeden Song zunächst für sich selbst und holen aus ihm das Beste heraus. Bisweilen stehen im Arbeitsprozess Egos im Weg, doch schnell lösen wir solche Situationen, indem wir objektiv abklopfen, was für einen Song notwendig und wichtig ist. Dass am Songwriting inzwischen alle beteiligt sind, ist diesbezüglich von Vorteil, denn die Meinung und die Leistung der Gruppe hat meiner Auffassung nach größeres Gewicht als die einzelner Musiker.“

Klassisches Proben ist für ALLEGAEON jedoch ausgeschlossen: „Wir leben über das Land verstreut, so dass gemeinsames Songwriting im Proberaum für uns keine Option darstellt. Unsere Ideen und Verbesserungsvorschläge tauschen wir aber kontinuierlich aus, so dass wir letztlich doch gemeinsam an ihnen arbeiten. Es startet mit individuellem Input und ist am Ende eine Gruppenleistung. Mit dieser Arbeitsweise haben wir uns angefreundet, und das Interesse an uns belegt, dass dabei etwas Hörbares herauskommt.“ Das Zweitwerk „Formshifter“ steht seinem Vorgänger hinsichtlich Spielwitz und handwerklichen Leckerli in nichts nach, bietet dafür aber noch mehr verdichtete Hittigkeit, was die Nachhaltigkeit der zehn Tracks anbelangt: „Letztlich geht es darum, Gefühle und Stimmungen herüber zu bringen und die Leute anzusprechen,“ weiß der Gitarrist. „Wir tun das mit aggressivem Metal und hoffen, damit einige zu inspirieren. Es ist wie mit jeder Art von Kunst und Unterhaltung. Es geht immer auch um Gefallen und Zugang, ob man sich nun Horror- und Liebes-Filme, Comedy, Gemälde oder eben Metal anschaut.“

 
 Links:
  myspace.com/allegaeon
 
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