Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1648

16

Storie von: arne, am 13.05.2012 ]

Sobald sich das Quartett aus Los Angeles schleppend in Bewegung setzt, geht es durch einen rohen Mix aus Sludge, Noise, Heavy Metal und herbem Southern-Rock, der sich mittels fieser Nackenbrecher und effektiver Walzen kanalisiert. 16 sind beileibe keine Band, die in der Breite Anklang findet, doch im Heavy-Underground bieten sie Identifikationspotenzial für unterschiedliche Vorlieben. Der selbstzerstörerische, rücksichtslose und unheilvoll rollende Sound der Kalifornier hat es in sich.

 
„Bei jeder Platte habe ich das Gefühl, sie sei unsere beste,“ meint Bassist Tony. „Jedenfalls ist es noch nie anders gewesen. „Deep Cuts From Dark Clouds“ ist für die nächste Zeit mein liebstes Album, und genauso muss das auch sein. Wenn die Hörer es ebenfalls mögen, ist das toll, doch wesentlich wichtiger ist mir, dass wir zufrieden sind. Die Schar der Leute, die sich für uns interessieren, ist überschaubar klein. Diese Leute wissen dafür, welchen Sound sie mit uns zu verbinden haben. Daran, dass sich unser Hörerkreis noch stark erweitern wird, glaube ich aber nicht mehr.“ Schlagzeuger Mateo sieht es nicht anders und ergänzt: „Ich kenne nicht einmal viele Leute, die sich als Fans von 16 bezeichnen. Das ist traurig, aber wahr. Wenn überhaupt, habe ich sie bei euch in Europa getroffen, denn dort geben sie sich zu erkennen.“

Die Musiker aus Los Angeles gehen dennoch unbeirrt ihren Weg, denn für sie stehen Selbstverwirklichung und der Spaß an der Sache im Vordergrund: „Ich mag Metal-Musik, doch ich höre heute weit weniger Metal als früher,“ erzählt Tony. „Meine Favoriten sind nach wie vor Bands wie die Melvins oder High On Fire. Mit neuen Gruppen bin ich nicht auf dem Laufenden. Meine Zeit wende ich lieber dafür auf, mit den Anderen abzuhängen und an neuen Songs zu arbeiten. Die Band ist unser Hobby, keine Karriere oder so. Wirtschaftlich betrachtet zahlen wir seit zwanzig Jahren drauf – egal, ob es um das Equipment, die Fahrtkosten zum Proberaum – eine Rundreise von einhundert Meilen, bis alle zusammen sind – den Proberaum selbst oder Mehrkosten für Studio-Aufnahmen geht, die über Budget liegen. Wir haben viele tausend Dollar in die Band gesteckt, und dabei ist kaum etwas rumgekommen. Selbst auf Tour ist es nur selten ein Nullsummenspiel. Dennoch bereue ich nichts. Die Erfahrungen und die Selbstbestätigung sind es allemal wert. Hätten wir keinen Spaß an dem, was wir mit 16 haben, gäbe es und schon lange nicht mehr.“

Das Jubiläum ließe sich dann dieses Jahr ebenso wenig feiern. Zwanzig Jahre besteht die Band inzwischen. Drei Jahre nach „Bridges To Burn“ präsentieren sich die Heavyweights auf ihrer neuen Platte zum freudigen Anlass ein weiteres Mal so, wie man sie kennt und liebt: mit bestem Sludge-Metal. „Wir spielen diesen Stil, seit wir 1992 angefangen haben. Wir wollten auch nie etwas anderes, denn wir fühlen uns mit diesem Sound wohl,“ rekapituliert der Bassist. „Dass wir vor allem Hörer in unserem Alter ansprechen und bei den Teenagern wenig populär sind, ist für mich verständlich und okay. Natürlich möchte man als Musiker gerne möglichst viele Leute erreichen, doch wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass 16 tiefster Underground sind. Von Beginn an gab es nichts, worauf wir aufbauen konnten. Wir haben nie irgendwo dazu gehört und saßen immer zwischen den Stühlen. Für unsere Art der Musik gibt es nicht einmal eine richtige Szene. Über die Jahre sind wenigstens einige Bands hinzugekommen,


die sich unserem Verständnis schwerer Musik angenähert haben. Geändert hat das allerdings nicht viel. Wir sind mit 16 weit davon entfernt, einen coolen oder angesagten Sound zu spielen. Wäre das anders, würde ich die Fragen hier nicht während der Mittagspause meines langweiligen Allerweltjob beantworten.“

Nur auf den Sludge-Sektor ist das Quartett aber nicht zu reduzieren. Der Blick der Musiker hat sich im Zeitverlauf kontinuierlich geweitet, so dass mit „Deep Cuts From Dark Clouds“ ein breiter orientiertes, malmendes Heavy-Werk erscheint: „Bobby (Gitarre), Cris (Gesang) und ich spielen seit einer Ewigkeit in dieser Band zusammen, wenn man die kurze Auszeit vernachlässigt,“ entgegnet Tony. „Unsere Songs haben wir immer in Abhängigkeit unserer Möglichketen geschrieben, und in den Jahren haben wir eine Menge dazugelernt. Das tun wir auch heute noch, wie es uns auch nach wie vor Spaß macht, gemeinsam zu musizieren. Ehrlich, mehr Motivation brauche ich nicht, und mit Mateo haben wir nun auch noch den besten Drummer, der jeweils mit von der Partie war. Mehr kann ich mir nicht wünschen.” Der gelobte Schlagzeuger hält es pragmatisch:

„Wichtig ist mir, mich mit dem, was wir tun, wohl zu fühlen. Das Leben ist zu kurz, um Zeit zu vergeuden. Wenn man etwas gefunden hat, das man gut kann und das auch noch Spaß macht, muss man sich darauf auch einlassen.“ Partiell gibt es auf den Veröffentlichungen von 16 aber doch auch kleine Veränderungen. Noch dazu geht es bei den Südkaliforniern um einiges positiver gestimmt zu als bei vielen Kollegen aus dem Sludge-Genre: „Wenn man nicht gerade AC/DC heißt, kann man sich nicht ständig wiederholen und es sich leisten, dasselbe Album immer und immer wieder zu machen. Mir scheint es wenigstens eine gute Idee zu sein, die Dinge jeweils ein Stück weit anders anzugehen. Dass das leichter gesagt als getan ist, ist klar. Mit dem, was man kennt und beherrscht, fühlt man sich sicher und weiß, damit umzugehen und was zu erwarten ist. Das zu durchbrechen, bedingt Kraft und Notwendigkeit. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich mit unserem Sound sehr wohl. Große Veränderungen sind für 16 daher ausgeschlossen. Ich schiebe das auch aufs Alter. Hinsichtlich der Songs haben wir Änderungen auf der neuen Platte nicht aktiv voran getrieben. Unser Stil wächst mit uns und unseren Fähigkeiten.“

Da trifft es sich gut, dass die vier Musiker eine eingeschworene Gemeinschaft sind, die sich blind versteht: „Wir haben ähnliche Vorstellungen davon, wie wir klingen wollen, ohne dass wir uns groß darüber austauschen müssten,“ stimmt der Bassist abschließend zu. „Das spielt sich in den Proben ganz von selbst ein. Es dauert niemals lange, bis die Songs eine Eigendynamik annehmen und wir als Einheit agieren. In der Gegenrichtung ist es genauso. Wir wissen, was wir nicht wollen und was bei uns nicht geht. Im Ergebnis sind alle mit dem zufrieden, was wir als 16 veröffentlichen.“

 
 Links:
  myspace.com/16
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Avatar
  The Atlas Moth
  Cane Hill
  Cursed Earth
  Good Tiger

Interviews/Stories:

  All Will Know
  Minipony
  Lionheart

Shows:

  13.12. Deadsmoke - Weimar
  13.12. Jo Stockholzer - Zwickau
  13.12. Peter And The Test Tube Babies - Bremen
  13.12. Mia Aegerter - Frankfurt
  14.12. B.o.s.c.h. - Wuppertal