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Dawn Of Disease

Interview von: arne mit Tomasz, am: 27.04.2012 ]

Qualitativ hochwertiges Todesgeprügel ist mittlerweile eine echte Seltenheit geworden. Klar, es gibt tonnenweise Bands, die Technikriff an Technikriff reihen, aber richtig guter Death Metal, eher oldschool und weniger verspielt, das ist im Jahre 2012 fast eine Rarität geworden. Dafür gibt es aber passenderweise DAWN OF DISEASE. Keine zahnlose Werkschau der eigenen Fingerfertigkeiten, sondern eine Amokfahrt mit Dramaturgie. Alles fängt noch recht harmlos an, aber spätestens beim dritten Track packt das Quintett den Vorschlaghammer aus und dann gibt es mit Anlauf vor die Schnauze.

 

Musicscan: Vergleicht doch bitte zu Beginn unseres Gesprächs die Vorstellungen dessen, was ihr euch von der Band im Gründungsjahr erhofft habt und dem Status und dem Erreichten von Dawn Of Disease, wie er sich heute darstellt. Inwieweit haben sich eure Erwartungen erfüllt? Welche Erfolge sprecht ihr euch zu? Was gilt es noch alles zu erreichen?

Dawn Of Disease: Als Dawn of Disease 2003 gegründet wurde, war der Gedanke, irgendwann mal "ein wenig größer/bekannter" zu werden, eigentlich gar nicht vorhanden. Wir waren alle relativ unerfahren und wollten einfach nur Death Metal spielen. Bis sich die Band 2007 auf Grund von fehlender Motivation und Besetzungsproblemen vorerst auflöste, hat sich daran, trotz guter Resonanzen (die ich rückblickend gar nicht mehr nachvollziehen kann, haha) zu unserer MCD "Through Bloodstained Eyes", und Auftritten mit bekannten Bands, nicht wirklich viel geändert.

Dawn Of Disease: Im Frühjahr 2009 habe ich mich dazu entschlossen die Band wieder ins Leben zu rufen. Natürlich auch mit dem Hintergrund mehr als nur eine MCD in knapp 4 Jahren Bandgeschichte zu veröffentlichen. Zu dem Zeitpunkt hat Mathias (bereits ab 2007 bei Dawn of Disease am Schlagzeug) ein paar mal mit seinem Kumpel Lukas (Gitarre) geprobt und wir haben uns zusammen getan. Mit Oliver (Gitarre) und Michael (Bass), die ich beide privat kannte, war die neue Besetzung schnell komplett. Und diese ist bis heute noch konstant.

Dawn Of Disease: Während ich die "Erfolge" (in dem Fall die Auftritte mit größeren Bands und Zusagen von nicht unbekannten Festivals) zwischen 2003-2007 dem guten alten Vitamin B zuschreiben würde, sieht das heutzutage ein wenig anders aus. Jedes Bandmitglied hat in anderen Bands Erfahrungen gesammelt und weiss worauf es ankommt. Das merkt und hört man! Außerdem ist jeder mit 100% bei der Sache und wir haben verdammt viel Spaß miteinander. Die "Erfolge" (irgendwie kann ich mich mit diesem Wort nicht anfreunden, da ich uns nicht als "Erfolgreich" bezeichnen würde, hehe) seit 2009 bis heute würde ich der Erfahrung, dem Ehrgeiz und schlussendlich der daraus resultierenden guten Musik zuschreiben.

Dawn Of Disease: Abschließend kann ich dazu nur sagen, dass es verdammt schön ist, zu sehen, was aus Dawn of Disease letztendlich geworden ist. Ich denke jeder, der Dawn of Disease seit 2003 kennt, wird dies bestätigen können. Wo der Weg noch hinführt, kann ich nicht einschätzen und solange wir weiterhin soviel Spaß haben, ist uns das denke ich auch egal. Wie heißt es so schön: Death Metal - For Passion, Not For Fashion!

Musicscan: Inwiefern hilft euch Crypts Of The Unrotten dabei, als Band weiter zu kommen bzw. wie hat euch die Arbeit an dieser Platte schon daran geholfen?

Dawn Of Disease: Die Arbeit zu "Crypts Of The Unrotten" hat uns auf jeden Fall dabei geholfen konstant weiter an der Band zu arbeiten. Als Band brauchst du einfach feste Termine. Das fängt schon bei Terminen für regelmäßiges Proben an. Ansonsten schiebt man halt alles vor sich her. Wir haben das Soundlodge Studio frühzeitig gebucht um uns selber davor zu bewahren. Außerdem tragen wir die Songs von "Legends of Brutality" ja schon länger mit uns rum und jede Woche im Proberaum die gleichen Songs zu spielen macht auf Dauer einfach keinen Spaß. Also musste was neues her.

Musicscan: Crypts Of The Unrotten ist wiederum eine kompakte und dichte geworden, die brutal und wuchtig nach vorne geht, aber auch songdienlich orientiert ist und mit ihren Melodien für Nachvollziehbarkeit und Hörbarkeit sorgt. Welche Ansprüche richtet ihr an euer Songwriting, und wie stellt ihr sicher, das im Ergebnis starke Songs stehen?

Dawn Of Disease: Wenn ich mir deinen ersten Satz durchlese, brauche ich zu den Ansprüchen eigentlich gar nix mehr zu sagen, außer, dass vielleicht jeder Song seinen eigenen Charakter/Wiedererkennungswert haben sollte. Wobei dies weniger unsere Ansprüche sind, als viel mehr das, was beim Komponieren einfach rumkommt. Leider kann man sich nie sicher sein, dass am Ende starke Songs stehen. Man kann sich dabei nur auf sein Gefühl verlassen und hoffen, dass die Leute genau so empfinden.

Musicscan: Rein musikalisch finde ich, seid ihr mit der neuen Platte mehr in die Extreme gegangen. Die Songs sind auf der einen Seite härter geworden, viele Passagen klingen andererseits auch melodischer und insgesamt griffiger. Wenn ihr das selbst beurteilen müsst: Wo liegen die größten Unterschiede zu den älteren Releases?

Dawn Of Disease: Also zwischen der MCD "Through Bloodstained Eyes", welches noch mit komplett anderem Lineup (bis auf mich) enstand und unserer letzten CD "Legends of Brutality" (mit neuem Lineup) liegen Welten! Auf der MCD haben wir noch Death Metal der amerikanischen Schule gespielt, während wir mit "Legends of Brutality" eher in Richtung Skandinavien einzuordnen sind. Die Produktion ist fetter und das Songwriting wesentlich ausgereifter. Die Musik ist außerdem um einiges schneller und aggressiver. Im Grunde genommen kann man die beiden Alben aber nicht miteinander vergleichen. Anders sieht es da schon zwischen "Legends of Brutality" und der neuen Scheibe "Crypts Of The Unrotten" aus. Mit COTU haben wir einfach unsere Stärken ausgebaut und noch ein wenig mehr an uns gearbeitet. Wie du schon sagst, ist das neue Album härter, melodischer und griffiger. Wir hatten diesmal mehr Zeit im Studio und haben hier und da noch kleine Details eingebaut. Beim letzten Album hatten wir dafür nicht wirklich die Zeit. Auch der Sound ist diesmal noch besser (vielen Dank Jörg / Soundlodge Studio!) geworden.

Musicscan: Seit der Veröffentlichung von Legends of Brutality ist nicht viel Zeit vergangen. Wie kommt es, dass ihr jetzt schon in der Lage seid, ein neues Album zu veröffentlichen, noch dazu ein solch starkes? Waren einige der Songs schon geschrieben oder habt ihr euch voll und ganz auf die Band konzentrieren können?

Dawn Of Disease: "Legends of Brutality" ist zwar erst letztes Jahr im April auf den Markt gekommen, das Album selbst war aber bereits im Sommer 2010 aufgenommen. Lukas (Gitarre und Hauptsongwriter) hatte außerdem noch genug Ideen bei sich auf dem Rechner rumliegen. Fertige Ideen wurden dann per eMail an alle rumgeschickt, so dass sich jeder zu Hause schon mal Gedanken machen konnte. So hat man sich viel Zeit, die man eventuell im Proberaum "verplempert" hätte, gespart.

Musicscan: Stilistisch haltet ihr das Banner „Swedish styled Death Metal“ in die Höhe. Was fasziniert euch an diesem Substil? Welche eigenen Akzente bringt ihr ein, um über das hinaus zu gehen, was die einschlägig bekannten Vorreiter aus Schweden vor euch gemacht haben oder aktuell noch neben euch treiben?

Dawn Of Disease: Mittlerweile geht es im Death Metal ja oft nur noch darum, brutaler, schneller, oder technischer als die anderen zu sein. Das ist im Schweden-Death definitiv nicht der Fall. Dieser Art von Death Metal ist einfach roh und trägt eine einzigartige Atmosphäre in sich, ohne jeglichen Zwang! Im Gegensatz zu den anderen Bands haben wir zum Beispiel nicht den typischen HM2-Sound. Wir sind also keineswegs "typisch" schwedisch, sondern versuchen insbesondere durch unsere Melodien diese einzigartige Atmosphäre vom Schweden-Death in unsere Musik einzubauen.

Musicscan: Ist es für euch eher motivierend oder störend, mit skandinavischen Death-Größen verglichen zu werden? Mich würde zudem interessieren, welche Bands ihr insgesamt für eure musikalische Sozialisation als am wichtigen erachtet…

Dawn Of Disease: Es stört uns auf keinen Fall. Solange niemand behauptet wir klingen wie eine Kopie dieser Bands, ist alles okay, haha. Bands wie Dismember, Grave, Bloodbath, The Duskfall oder Vomitory sind bestimmt irgendwo Einflüsse. Auf der anderen Seite hat man dann aber auch Bands, die nicht aus Skandinavien kommen, wie zum Beispiel God Dethroned, Vader, Gorefest, oder Cannibal Corpse. Immerhin hören wir diese Bands in unserer Freizeit und letztendlich spielt man das, was einem selber Spaß macht und versucht nicht auf Teufel komm raus was neues zu erfinden.

Musicscan: Deckt sich das Ergebnis Crypts Of The Unrotten mit euren Vorstellungen, wie die Platte werden sollte, als ihr ins Studio gegangen seid? Stand das Album schon komplett, als ihr angefangen habt, aufzunehmen, oder gab's da Freiheitsgrade, die ihr euch bewusst offen gehalten habt?

Dawn Of Disease: Ja, das Ergebnis deckt sich in etwa mit unseren Vorstellungen. Wir wollten ganz klar eine Steigerung zum letzten Album und ich finde, das ist uns gelungen. Das Album war bis zum Beginn der Aufnahmen, von den Instrumenten her, komplett fertig. Hier und da kam spontan noch die ein oder andere Gitarren-Melodie dazu und bei dem Song "Catacombs" sogar ein Gastsolo-Beitrag von Even Hensley (Nightfall). Was fehlte, waren die Texte/Gesangslinien zu einigen Songs. Diese wurden aber im Laufe der Studiozeit fertig gestellt.

Musicscan: Wie wichtig ist Bestätigung für euch als Band? Feedback von euren Anhängern zu bekommen oder einzufordern, ist sicherlich normal. Doch wie geht ihr mit negativer Presse-Kritik um? Nehmt ihr das ggf. zum Anlass, Euch kritisch zu hinterfragen? Oder vertraut ihr darauf, dass das, was sich stimmig anfühlt und einspielt, richtig ist, ganz gleich, was andere davon halten?

Dawn Of Disease: Also sollten wir zu dem neuen Album überwiegend negative Kritik bekommen, würde ich mir auf jeden Fall Gedanken machen! Allerdings nicht über unsere Musik, sondern ob die ganzen Leute sie noch alle haben, haha. Kritik wird aber auf jeden Fall ernst genommen, wenn sie begründet ist, aber ich glaube wir sind selbstkritisch genug und schlimmer als jeder Presse-Kritiker und arbeiten an uns, wen uns was auffällt. Sprich, wenn es uns gefällt, dann bleibt das auch so!

Musicscan: Letzte Worte, Wünsche, Botschaften?

Dawn Of Disease: Dir natürlich erstmal Dankeschön für das Interview! Schaut auf unsere Facebook-Seite (facebook.com/DawnofDisease) vorbei und kauft euch unser neues Album, es lohnt sich! Ach ja, außerdem Wünsche ich mir einen Clubgig zusammen mit Bloodbath und Hypocrisy...unbedingt!!!

 
 Links:
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