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Job For A Cowboy

Storie von: arne, am 15.04.2012 ]

Mit ihrem Drittwerk „Demonocracy“ emanzipieren sich JOB FOR A COWBOY endgültig von ihrer Deathcore-Vergangenheit und positionieren sich als gereifte, ernst zu nehmende Tech-Death-Kapelle. Das wird den Fans der ersten Stunde vielleicht nicht gefallen, ermöglicht es dem Fünfer aus Arizona jedoch, neue Hörergruppen für sich zu gewinnen und seine Band-Karriere längerfristig erfolgreich fortzusetzen.

 
Extrem und abgefahren ist der Vortrag von JOB FOR A COWBOY nach wie vor, nur eben auf einem weniger trendigen und festgelegten Weg. Sänger Jonny Davy freut sich vor allem darüber, dass es nach kleinerer Durststrecke für die Band nun wieder richtig losgeht: „Wir sind das vergangene Jahr ein wenig kürzer getreten, so dass die Leute nun gespannt sind, was sich bei uns getan hat. Es hat seine Vorteile, wenn man sich rarmacht, auch wenn wir das so nicht geplant hatten. Die Leute lernen so allerdings, was sie an einem haben und schätzen dich anschließend umso mehr. Das zeigt mir wenigstens der Buzz, den wir gerade erleben. Erwartet haben wir ihn nicht, und auch von der Tatsache, dass es noch keine negativen Stimmen gegeben hat, sind wir überrascht. Bei allen früheren Releases dauerte es nicht lange, bis Kritik einsetzte. Bei „Demonocracy“ ist es anders. Alles, was wir bislang gesehen und gehört haben, ist wohlwollend. Stilistisch hat sich eine Menge verändert, weshalb uns das einheitliche Stimmungsbild besonders freut. Grund, uns zu beschweren, haben wir nicht.“

Diese Aussage erlangt noch größeres Gewicht, wenn man um die Hintergründe der beiden Wechsel im Line-Up von JOB FOR A COWBOY weiß. Der frühere Despised Icon-Gitarrist Tony Sannicandro und Cephalic Carnage-Bassist Nick Schendzielos geben als neue Mitglieder ihren Einstand auf Album-Länge: „Wenn man sich vor Augen hält, welche Widrigkeiten wir durchgestanden haben und wie gestärkt wir aus diesen hervorgegangen sind, kann ich nur zufrieden sein. Man muss nicht weit zurückschauen, um die harten Zeiten zu finden. Das Jahr, bevor die „Gloom“ MCD erschienen ist, war sehr schwer für uns. Die privaten Probleme von Brent und Bobby, unserem früheren Bassisten bzw. Gitarristen, wurden immer schlimmer und wirkten sich zunehmend negativ auf die Band aus. Brent hatte und hat ein riesiges Drogenproblem und kommt mit der Realität nicht mehr klar. Bobby war das Touren leid und wollte eine Familie gründen, was er inzwischen auch getan hat. Wir hatten in dieser Phase überhaupt keinen Spaß mehr, und die Moral war im Keller. Irgendwann stiegen beide dann aus. Zunächst stieß Tony zu uns. Dass er nun als Gitarrist mit dabei ist, war einfach ein Glücksfall. Despised Icon lösten sich auf, und sie empfahlen uns, ihn zu testen. Al (Gitarre) ist früher ja auch drei Jahre bei Despised Icon gewesen und kennt die Band gut. Wir waren mit ihnen zudem häufig auf Tour. Es passte einfach. Nick von Cephalic Carnage stand praktisch auch direkt bereit, die Lücke am Bass auszufüllen. Cephalic Carnage gehen es inzwischen ruhiger an. Sie haben Familien und sind nicht mehr so aktiv. Nick ist Mitglied beider Bands, steht uns aber Vollzeit zur Verfügung. Seitdem sich unsere Line-Up-Probleme vor circa einem Jahr gelöst haben, sind wir mit neuer Motivation unterwegs. Erst dann waren wir in der Lage, ein neues Album zu schreiben und aufzunehmen.“

Die Stimmung innerhalb der Gruppe ist heute wieder gelöst, was sich musikalisch in einem neuen positiven Vibe äußert. Der neue Sound von „Demonocracy“ ist dabei auch auf die beiden neuen Mitglieder zurück zu führen, wie Jonny erzählt: „Auf der „Gloom“ MCD ist der Beitrag von Tony und Nick noch nicht so groß gewesen. Für Schreiben und Aufnehmen blieb uns kaum Zeit, und eigentlich ging es nur darum, uns im Arbeitsprozess kennen zu lernen. In den zwei Wochen, in denen alles entstanden ist, hatten wir viel Spaß. Mehr wollten wir damals nicht. Jetzt auf dem Album tritt ihr Einfluss deutlicher zutage. Man bemerkt ihn im variableren Gesamt-Sound, aber auch in den Details. Nick’s Technik am Bass ist einzigartig und markant und kommt in seinen Soli toll zur Geltung. Und Tony ist eine echte Unterstützung, der sich mit uns älteren Mitgliedern blind versteht. Schon während des Songwritings konnten wir kaum glauben, wie gut JOB FOR A COWBOY mit ihnen heute klingen.“

Kein kleiner Schritt, sondern ein Quantensprung.

Das neue Album „Demonocracy“ wird kontrastreich und songdienlich entwickelt. Genau das ist der springende Punkt und der entscheidende Vorteil. Die Songs besitzen mehr Substanz und Nachhaltigkeitswert als die früheren Platten. Dafür mussten die Musiker nicht einmal die Brutalität zurück nehmen oder das Level an Frickelei reduzieren: „Dem Songwriting liegt ein bewussteres Storytelling zugrunde, obwohl wir auch den technischen Aspekt ausgebaut haben“, benennt der Frontmann die Veränderungen. „So sind die Tracks einer beständigen Veränderung unterworfen und durchlaufen Entwicklungen, die die Spannung aufrecht erhalten. Was ich an „Demonocracy“ besonders schätze, ist die prominente Betonung des Bass-Spiels. Dass wir heute Soli sowohl mit den Gitarren als auch dem Bass spielen, bietet mehr Möglichkeiten, uns selbst und die Hörer zu überraschen. Und genau das ist unser Ziel. Deshalb werden auch kritische Hörer, die unsere frühen Tage zurück sehnen, die stilistische Verschiebung, die wir genommen haben, positiv aufnehmen. Gerade, wenn man die Songs mit etwas Abstand betrachtet, bemerkt man erst so richtig, wie stark sie geworden sind.“

Die skizzierte Entwicklung ist absehbar gewesen, jedoch nicht als Selbstverständlichkeit anzusehen. Im Verlauf ihrer Karriere hat sich die Band aus der Sparte hinein in die extreme Breite vorgearbeitet, was beileibe keine einfache Angelegenheit gewesen ist: „Dass es uns inzwischen schon neun Jahre gibt, ist verrückt“, entgegnet der Sänger spontan. „JOB FOR A COWBOY sind ein wesentlicher Teil meines Lebens, ohne dass es jemals so geplant gewesen ist.


Wir sind von den Entwicklungen zunächst überrollt und dann mitgerissen worden. Schon mit der „Doom“ MCD haben wir viel Aufsehen erregt. Dabei ist es rein objektiv betrachtet ein Release gewesen, auf dem wir musikalisch noch nicht sonderlich gut waren. Wir wurden direkt bekannt, ohne eine Historie zu haben und ohne schon eine Entwicklung vollzogen zu haben. Diese mussten wir anschließend in aller Öffentlichkeit machen – keine leichte Aufgabe. Zu Beginn waren wir unglaublich jung und haben einfach drauf los gehauen. Als wir älter und erfahrener wurden, hat sich auch unser Sound verändert. Dadurch haben wir zwar einige Fans verloren, doch wir mussten einfach unserem Instinkt folgen. Dem Deathcore-Trend, dem wir zugeschrieben wurden, haben wir uns nie zugehörig gefühlt. Es ist unser Anspruch, im kreativen Bereich weiter zu kommen und dieselbe Platte nicht zwei Mal zu veröffentlichen. Das sagen viele Bands, doch wenn man unsere Alben nebeneinander legt, kann niemand bestreiten, dass uns das bislang gelungen ist. Sie alle klingen unterschiedlich. Geht es nach mir, setzt sich dieser Prozess künftig fort, denn wir wollen weiter kommen und mit unserem Metal wachsen.“

Schon vor der Veröffentlichung von „Demonocracy“ konnten sich Fans anhand zweier Songs davon überzeugen, dass JOB FOR A COWBOY nicht auf der Stelle getreten sind: „Die Wahl für diese beiden Stücke ist uns nicht leicht gefallen. Jeder in der Band hat seine eigenen Favoriten, so dass es intensive Diskussionen darüber gab, mit welchen Songs wir uns zurückmelden sollten. ,Nourishment Through Bloodshed‘ und ,Black Discharge‘ sind es geworden, weil es die beiden Lieder sind, die noch am ehesten einen Gruppenkonsens darstellen.“ Inzwischen weiß man, dass jeder der neun Tracks stark ist und repräsentativ für das Album stehen könnte. Sie alle belegen die veränderten Ansprüche der Musiker. Ihre größere Erfahrung im Songwriting schlägt durch: „Die kreative Weiterentwicklung ist offenbar“, stimmt Jonny zu. „„Demonocracy“ ist kein kleiner Schritt in unserer Karriere, sondern ein Quantensprung. Im Songwriting legen wir von jeher Wert darauf, uns nicht zu wiederholen und die Stücke unter unterschiedlichen Gesichtspunkten zu schreiben. Dieses Mal ging es weit darüber hinaus. Wir haben acht, neun Monate hart an den Songs gearbeitet und uns in dieser Zeit als Künstler wie als Menschen gefunden. Das Album spiegelt das wider.“

Informiert zu sein, ist von Vorteil.

Das zugrunde liegende Bewusstsein wird über die Spielzeit des Drittwerks deutlich und ist ebenso anspruchsvoll wie bissig. Härte und Technik werden in einen schlüssigen Rahmen eingebunden, der Melodien zulässt und für intensive Stimmungen sorgt: „Von einem bin ich felsenfest überzeugt: Wenn eine Band Spaß an dem hat, was sie spielt, und das ihr Bestmögliche gibt, hören die Leute das auch und wissen es zu schätzen. Dabei ist es unerheblich, um welchen Stil es sich handelt. Am Anfang steht immer die Frage, ob Authentizität und Leidenschaft gegeben sind. Das ist bei uns der Fall – früher im Deathcore genauso wie heute im breiter gefassten Death Metal, den man auf dem neuen Album hört.“ Mit Stilfragen beschäftigen sich JOB FOR A COWBOY Frontmann Jonny zufolge heute nicht mehr: „Selbst im extremen Metal herrscht ein Kommen und Gehen. Ein Trend jagt den nächsten, und die Leute feiern im Turnus von Monaten neue Heilsbringer der Metal-Welt ab. Wer als Band eine nachhaltige Karriere verfolgen und Bestand haben will, muss sich davon entkoppeln und sein eigenes Ding machen. So halten wir es und hoffen, unseren relevanten Platz im Metal zu verteidigen. Wir richten wir uns nicht an kurzlebigen Trends aus, sondern streben danach, als Einheit beständig besser zu werden. Zudem vertrauen wir auf die Qualität unserer kreativen Arbeit. Wir verfolgen natürlich, was in der Metal-Szene passiert und hören uns neue Bands an. Informiert zu sein, ist von Vorteil. Dennoch hören wir allein auf uns, wenn es um das Schreiben neuer Songs geht. Stagnation kommt für uns nicht in Frage, und wir verbiegen uns auch nicht. Wir würden sicherlich weitaus mehr Geld verdienen, wenn wir immer noch im Deathcore-Stil der „Doom” MCD unterwegs wären. Diesen könnten wir heute jedoch nicht mehr authentisch verkörpern. Unsere Ansprüche und Fertigkeiten sind gewachsen.“

Gleich geblieben sind indes die Leidenschaft, mit der die Musiker ihrer Band nachgehen, und die Bescheidenheit, mit der sie die Strapazen und Entbehrungen, die das Leben tourender Künstler mit sich bringen, wegstecken: „Wir schlagen uns so durch. Das letzte Jahr über hatte ich einen Aushilfsjob. Wenn man als Musiker mehrere Monate lang nicht tourt, geht das nicht anders. Nach der Veröffentlichung unserer Alben sind wir im Schnitt acht-neun Monate auf Tour. Dann sichert die Band unseren Lebensunterhalt, aber so viel, wie die Leute gemeinhin denken, kommt dabei nicht rum. Von den CD-Verkäufen hat man de facto nichts. Deshalb muss man möglichst viel touren. Etwas überspitzt formuliert wird man zu einer rollenden Merchandise-Fabrik, die nebenher ihre Musik spielt. Damit muss man sich arrangieren können oder die Konsequenz ziehen und sich mit einem zeitintensiven Hobby zufrieden geben. Unsere Wahl der professionellen Band-Karriere haben wir allen Widrigkeiten zum Trotz bislang nicht bereut, auch wenn es hart ist, in der Musik-Industrie zu bestehen. Wir sind wohl einfach im falschen Genre unterwegs. Andererseits: Wir kommen in der Welt herum, dürfen unsere Songs vor unglaublich vielen Leuten spielen, lernen interessante Menschen kennen und sind dabei mit dem beschäftigt, was uns so unglaublich viel bedeutet. Beschweren können wir uns nicht.“

 
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