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Gravety

Interview von: Daniel mit Kevin, am: 07.04.2012 ]

Was mag man von einer Band zu hören bekommen, die sich "Heavy fuckin' Metal" auf ihre Fahnen geschrieben hat? Sicher keinen Hüpf-Metal, keinen HC und keine deutschen Betroffenheits-Lyrics. Nein, hier gibt es erfrischend und unverblümt auf die Mütze. Dabei kann man sich nicht ganz sicher sein, ob man ein erfrischendes Metal-Album mit Oldschool-Kante vor Ohren hat, oder ein Oldschool-Album, das hier und dort mit modernen Elementen aufwartet. So oder so: Die Marschrichtung ist Heavy Metal, und in dem Bereich macht man keine Gefangenen.

 

Musicscan: Seid so nett und beschreibt in kurzen Worten, wie es zum Album und davor zur Bandgründung kam.

Gravety: Gernot und Phil auf der einen Seite und Kevin zusammen mit unserem damaligen Schlagzeuger auf der anderen Seite haben im saarländischen Forum Saarmetal.de nach jeweils fehlenden Mitgliedern für eine Band gesucht. Die Chemie zwischen dem Sechssaiter-Duo und Kevin hat gestimmt. Nach Besetzungswechseln an Bass und Schlagzeug, sowie einigen geschriebenen Songs kam eins zum anderen und wir beschlossen ein Album aufzunehmen.

Musicscan: Wer hat sich die Genrebezeichnung „Thrash’N’Doom“ ausgedacht? Ein Mittel zur Promotion, oder doch eine Bandeigenschöpfung?

Gravety: Nach einem unserer Konzerte hat uns ein Kumpel auf die Idee gebracht. Er meinte die Mukke klingt wie „heavy thrashing doom“ - oder so ähnlich. Da Kevin bereits zuvor selbigen Vorschlag genannt hatte, haben wir gemeinsam darüber diskutiert und sind so letztendlich auf diese Bezeichnung gekommen. Das passte mit unseren eigenen Vorlieben doch recht gut zusammen. Die Instrumentalfraktion war zu dieser Zeit in Richtung melodischen Thrash-Metal (alte Metallica, Testament) ausgerichtet, während Kevin zu dieser Zeit den Doom lieben gelernt hat und im gleichen Atemzug Ronnie James Dio, Messiah Marcolin, Robert Lowe u.a. zu seinen gesanglichen Vorbildern auserkohren hat. Durch unsere musikalischen Vorbilder (u.a. Metallica, Testament, Heathen, Vicious Rumors, Helstar, Iced Earth, Candlemass und natürlich Black Sabbath) hat sich dann die Musik ergeben. Heavy Riffs, inspiriert von Iommi, Hetfield, Schaffer und co, gepaart mit melodischen Thrash-Sprenklern und dem doomigen Gesang von Kevin hat uns wohl dazu bewogen unseren Stil und damit verbunden eine durchaus erfolgreiche Veranstaltung auf der sowohl Thrash-Metal-Bands (Godslave), als auch Doom-Metal-Kapellen (Surtr, Wheel) und wir als verbindendes Glied gespielt haben. Leider gab es aus zeitlichen Gründen nur eine Veranstaltung dieser Art, aber vielleicht ergibt sich ja wieder was in der Art. Mit dieser Bezeichnung wollten wir lediglich eine knackige Beschreibung unserer Musik und kein neues Genre erzwingen, aber Thrash und Doom sind nunmal die Eckpfeiler unserer Musik.

Musicscan: Mit dem Titel, einer Anspielung auf Black Sabbath (meine Vermutung) legt ihr ein bisschen eure Einflüsse offen. Stimmt meine Vermutung mit der Anspielung und welche Größen würdet ihr sonst zu euren Einflüssen zählen?

Gravety: Wenn man so will kann man Black Sabbath auf jeden Fall als den, in den Reviews oft benutzten Kit, nennen, der die beiden anderen Stile zusammenhält. Dabei sehen wir aber nicht nur die Anfgansjahre als Inspirationsquelle, sondern stehen ebenso auf die Dio- und Tony Martin-Scheiben. Jeder in der Band und insbesondere Kevin und Simon lieben Black Sabbath und von daher ist das die logische Konsequenz. Phil ist absoluter Metallica-Fan, Gernot liebt Iced Earth und Lukas System of a Down sowie Amon Amarth. Die Mischung aus diesen und zahlreichen anderen Bands bilden das Grundgerüst unserer Musik.

Musicscan: Soweit ich es verfolgen konnte, ist „Into the grave“ teils sehr kritisch in der Presse besprochen worden. Schmerzen euch schlechte Reviews? Lest ihr so was überhaupt?

Gravety: Bisher können wir uns eigentlich nicht beklagen. Die Reviews waren bis auf eine Ausnahme durch die Bank weg positiver Natur. Tatsächlich lesen wir alle Reviews und sind auch offen für jedwede konstruktive Kritik. Klar, Musik ist nun mal Geschmackssache und von daher kann man es niemandem abstreiten etwas nicht zu mögen. Natürlich freuen wir uns darüber sehr, wenn wir mit unserer Musik gefallen können, aber am Ende kann man es sowieso nicht jedem recht machen.

Musicscan: Ihr seid noch eine junge Band: Ist so etwas wie professioneller Musiker zu werden für euch noch realistisch und/oder überhaupt erstrebenswert? Wie denkt ihr über die Kommerzialisierung der Szene, über Downloads und internationale Märkte?

Gravety: Wir machen unsere Mukke hauptsächlich aus dem Antrieb heraus, dass uns das sau viel Spaß macht bzw. wir die Musik spielen, die wir selbst gern hören. Da wir alle zur Zeit in unserem Leben dermaßen verwurzelt sind (Job, Familie etc.), ist es momentan schwierig sich das konkret vorzustellen. Die Frage ist dabei auch, ob dann nicht der Spaß an der Sache auf der Strecke bleiben wird. So haben wir die Möglichkeit, ohne Druck an neuen Stücken zu arbeiten. Sie müssen in erster Linie uns gefallen. Aber wer weiß schon was die Zukunft für uns bereit hält? Es ist schwierig die zweite Frage kurz und knapp zu beantworten. Wacken zum Beispiel ist schon seit langem kein Underground-Festival mehr. Viele Leute fahren dorthin weil sie mal davon gehört haben und mit der Szene im Prinzip nichts zu tun haben. Das ist eigentlich schade, aber im Prinzip ist diese Entwicklung doch kaum aufzuhalten. Viele Leute, nennen wir sie doch einfach mal "Wochenend-Metaller" wollen einfach dazugehören. Viele dieser "Weekend-Warriros" setzen Metal mit einer Woche Koma-Saufen auf Wacken gleich. An Festivals wie dem Rock Hard oder dem Keep It True finden wir eher gefallen, weil dort die Fans aus Leidenschaft hingehen. Die Freude am gemeinsamen abfeiern der Bands sollte der Hauptbeweggrund sein, ein Konzert/Festival zu besuchen. Wenn du mit Downloads auf die Abschaffung des CD-Formats anspielst, was ja schon seit längerem im Gespräch ist, so finden wir das als Musikliebhaber schlecht. Jeder von uns greift zum Booklet um das Artwork auf sich wirken zu lassen, oder um in Songtexten zu stöbern während das Album grade im Player rauf- und runterläuft. Man will einfach was in der Hand haben. Eine MP3 lässt sich schwer anfassen oder ins CD-Regal einreihen. CDs lassen sich doch besser verschenken wie MP3s. Über internationale Märkte haben wir uns eigentlich noch keine konkreten Gedanken gemacht. Aber wenn´s nach uns geht, wollen wir unsere Musik in die ganze weite Welt hinaus posaunen!

Musicscan: Oft kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Metal, seitdem er dem Underground entwachsen ist, nicht mehr die Lebenseinstellung repräsentiert, wie früher. Wie denken junge Musiker wie ihr über dieses „Underground-Underdog“-Ding?

Gravety: Das stimmt schon. Mangelnde Unterstützung im Underground ist nur ein Aspekt, der in hier zu Tage tritt. Eine Ursache hierfür ist in unseren Augen, dass Metal in unserer aufgeschlossenen und weitestgehend toleranten Wohlstandsgesellschaft schon lange kein Zeichen der Rebellion ist. Metal ist in der Gesellschaft akzeptiert. Daher gibt es viele „Szene-Mitläufer“, die nur an der Oberfläche der Metalszene kratzen, sich das Zeug großer Bands besorgen, weil dafür am meisten Werbung gemacht wird und den Underground teilweise mit Ignoranz strafen. Mit ihnen lässt sich für die Musikindustrie am meisten Geld verdienen, was man ihr aber auch nicht verübeln darf. Zum Glück gibt es seit ein paar Jahren eine Gegenbewegung, angestachelt durch die hiesigen Metal Magazine, die dazu führte, dass auch alten Bands wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird (wie zum Beispiel Vicious Rumors), obwohl sie in der kommerziell orientierten Phase des Metals in der Versenkung entschwunden waren. Und in diesem Zuge wird auch der Underground wieder mehr Wert geschätzt. Wenn man sich vor Augen führt, dass die großen Bands (Maiden, etc.) irgendwann mal ausgestorben sein werden, ist diese Entwicklung daher auch sehr zu wünschen. Im Underground gibt´s viel zu entdecken, weil die "Underdogs", wie du sie nennst, oft hungriger sind und bissiger zu Werke gehen, als diverse "satte" Legenden.

Musicscan: Wo soll es mit Gravety als Band hingehen?

Gravety: Unser gemeinsames Ziel ist mit unserer Musik weiterhin Spaß zu haben, möglichst viel live zu spielen und uns musikalisch weiterzuentwickeln. Den ersten Schritt haben wir ja nun gemacht und wir sind sehr gespannt was das Musikbusiness für uns offen hält. Natürlich wollen wir auch auf größere Bühnen und Festivals um neue Gravety-Zombies zu gewinnen.

 
 
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