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God Forbid

Storie von: arne, am 26.03.2012 ]

Fans der Modern-Metaller von GOD FORBID sind es notgedrungen gewöhnt, sich in Geduld zu üben. Der neue Longplayer des Quintetts, „Equilibrium“, ließ wiederum Jahre auf sich warten. Dafür melden sich Gitarrist Doc Coyle & Co. souverän und spritzig zurück und beweisen, dass die New Wave Of American Heavy Metal ihren Entwicklungszenit längst noch nicht überschritten hat.

 
„Es hat viel Kraft und Anstrengung gekostet, das Album fertig zu stellen,“ berichtet der Band-Kopf im Gespräch. „Es wird auch nicht leicht werden, die nötige Zeit zum Touren freizuschaufeln und uns wieder an den stressigen Alltag im Tour-Bus zu gewöhnen. Seit der Veröffentlichung von „Earthblood“ sind drei Jahre vergangen. Auf Tour waren wir zuletzt vor zwei Jahren. Eine solch lange Pause hatten wir noch nie. Dabei ist es nicht einmal so, dass wir nichts getan hätten. Die Arbeit am neuen Album ist bereits Ende 2009 gestartet. Mit den neuen Songs jetzt endlich an die Öffentlichkeit gehen zu können, kommt einer Erlösung gleich. Wir haben so intensiv gearbeitet und so viele Entwicklungsstufen durchlaufen. Jetzt können wir endlich wieder Präsenz zeigen – dafür ist es höchste Zeit. Schließlich sind GOD FORBID als Band bekannt, die viel tourt und ihre Fans vor allem auf Konzerten gewinnt. Trotz der längeren Ruhephase sind wir glücklicherweise noch nicht in Vergessenheit geraten, was die vielen Nachfragen und Buchungsversuche belegen. Die Leute können es kaum erwarten, uns wieder live zu sehen, und wir freuen uns, für sie spielen zu dürfen.“

Der spritzige und modern inszenierte Metal der Band aus New Jersey bewegt sich durchgängig im Grenzbereich zwischen Death und Thrash und integriert zwanglos Elemente aus dem Core-Segment. „Equilibrium“ überzeugt mit kompromissloser Härte und sprudelt vor Spielfreude fast über: „Für mich zählt zunächst einmal, dass es endlich ein neues Lebenszeichen von GOD FORBID gibt,“ sagt Doc Coyle. „Mit dem Weggang von Dallas (Gemeint ist der frühere Gitarrist und Bruder von Doc, der die Band 2009 freundschaftlich verließ.) waren wir erstmals mit einem Wechsel im Band-Gefüge konfrontiert und mussten uns mit der neuen Situation arrangieren. Letztlich sind die resultierenden Veränderungen aber weniger einschneidend, als man meinen könnte. Die songwriterische Qualität von „Equilibrium“ hält mit den Vorgängern Stand. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, neue Dinge aus zu probieren und unseren Status als modern eingestellte Heavy Metal-Band zu bestätigen. Das Schöne ist ja, dass wir nicht an Referenz-Platten gemessen werden, die als legendär gelten. GOD FORBID haben weder ein „Reign In Blood“ noch ein „Master Of Puppets“ veröffentlicht. Unsere Entwicklung ist frei und nicht von überzogenen Erwartungen begleitet. Es ist sogar hilfreich gewesen, unter dem Radar arbeiten zu können, um sich nun umso stärker zurück zu melden. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht einmal, welche Erwartungen ich mit unserem Comeback verknüpfen soll. Alles, was ich sagen kann, ist, dass ich an das neue Album und seine Qualität glaube und auch daran, dass wir eine richtig gute Live-Band sind. Alles Andere wird sich finden.“

Familiäre Old School-Vibes mit frischer Attitüde

In den Jahren der Vorbereitung der neuen Platte hat das Quintett sowohl neue Motivation getankt als auch ein Album geschrieben, dem man als Fan Genre-übergreifender Metal-Sounds nicht widerstehen kann: „Mit „Equilibrium“ beginnt für uns eine neue Zeitrechnung. Matt Wicklund (ex-Himsa) hat als neuer Gitarrist den überwiegenden Teil der neuen Songs geschrieben und unserem Sound einen neuen Vibe gegeben. Da es der erste Wechsel für GOD FORBID überhaupt gewesen ist, muss man zwingend von einem Neustart sprechen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir ein neues Label und ein neues Management haben. Und auch das musikalische Umfeld ist irgendwie neu – in jedem Fall anders. Von den Bands, mit denen wir einst angefangen haben, sind nicht mehr viele aktiv. Dafür gibt es Unmengen an ambitionierten Newcomern und etliche neue Substile und Trends. Ich bin schon gespannt, zu erfahren, wie GOD FORBID in diese Gemengelage passen. „Equilibrium“ ist das Album, an dem wir am längsten gearbeitet haben und das eine ereignisreiche Zeit repräsentiert. Vielleicht ist seine Wirkung deshalb stärker und nachhaltiger als die seiner Vorgänger. So oder so ist es die Platte, die wir machen wollten und machen mussten.“

Hinsichtlich der eigenen Ansprüche gibt sich der Gitarrist bescheiden, was nicht überrascht, wenn man um den Werdegang des Quintetts weiß: „Als wir die Band starteten, habe ich nicht erwartet, dass wir 2012 immer noch beisammen und aktiv sein würden. Um ehrlich zu sein, habe ich anfangs nicht einmal geglaubt, dass wir es über einige lokale Shows hinaus schaffen würden. Insofern sind selbst meine kühnsten Erwartungen schon vor Jahren übertroffen worden. Als wir irgendwann erkannten, dass GOD FORBID uns die Chance zu einer richtigen Karriere bietet, haben wir ernsthaft und mit voller Kraft um diese Möglichkeit gekämpft. Wir haben uns jedoch nicht dazu hinreißen lassen, unsere Qualitätsansprüche herunter zu schrauben, nur um irgendeinem Automatismus gerecht zu werden, nach dem man sich vermeintlich richten muss. Einen solchen gibt es nicht. Wichtiger ist das Vertrauen an die eigene Kraft und in seine Qualitäten. Wir sind heute noch genauso heavy und intensiv wie zu Beginn unserer Karriere. Die bodenständige Ethik der Hardcore-Szene, aus der wir stammen, bestimmt noch immer unser Tun, auch wenn wir schon lange Zeit eine Metal-Band sind.“ Mit der Metal-Internet-Community kann sich Doc Coyle aber noch immer nicht anfreunden, obwohl er sich und seine Band als Teil der Metal-Szene versteht:

„Im Internet-Zeitalter gibt es unglaublich viel negative Energie. Weshalb verwenden so viele Leute ihre Energie darauf, andere schlecht zu machen? Ich kann kaum glauben, was für Kommentare die Leute auf Lambgoat oder Blabbermouth posten. Würde diese fiktive Internet-Welt die Metal-Szene darstellen, wäre es ein Ort, an dem jeder jeden hasst. In der realen Welt erfahre ich aber das genaue Gegenteil. Dort regieren Achtung voreinander und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Es scheint mir übrigens so zu sein, dass Gruppen, die im Internet besonders heftig angefeindet werden, die größten und erfolgreichsten sind. Was sagt das also aus? GOD FORBID sind in den digitalen Weiten gegenwärtig kaum ein Thema, was sich hoffentlich bald ändert. Wir werden uns allerdings nur mit den Leuten beschäftigen, die uns zu schätzen wissen und uns gegenüber positiv eingestellt sind. Alles Andere wäre vergebene Liebesmühe. Und was unsere Verortung anbelangt: Die Position zwischen den Stühlen ist mir schon immer die liebste gewesen. Als Band haben wir von jeher verschiedene Metal-Stile miteinander verbunden – das Alte mit Neuem. Wir sind keine Nostalgiker, was es uns verwehrt hat, bekannte Größen nur zu imitieren.


Die Heavy Metal-Tradition ist toll, doch meiner Auffassung nach muss man ihr etwas Frisches hinzufügen, um über das Bekannte hinaus zu kommen. Bands wie Lamb Of God und die unsere verbindet ein familiärer Old School-Vibe, der um eine moderne, frische Attitüde ausgebaut wird. Allein Pantera und Slaxer nachzuspielen, wäre mit zu wenig.“

Kreative Sabotage

Apropos Lamb Of God und – im weiteren Sinne – Ostküsten-Metal. Der Begriff der New Wave Of American Heavy Metal wird in letzter Zeit nicht mehr so häufig gebraucht, doch unter diesem Banner sind Bands wie Killswitch Engage, Shadows Fall, Chimaira und GOD FORBID vor Jahren bekannt geworden: „Uns allen ging es um die Verbindung von Alt und Neu, wobei Heavy Metal und Thrash die Basis unserer aller Sounds darstellten, zu der jeder seine eigenen Vorlieben hinzu addierte,“ erinnert sich der Gitarrist. „Seither ist viel passiert. Über den MetalCore sind wir zum Deathcore gekommen. Insgesamt ist der Metal heute technischer und progressiver orientiert, was sich derzeit im viel beachteten Djent-Genre ausdrückt. An Bands wie Periphery, Textures und The Human Abstract schätze ich ihre Kreativität wie auch die Tatsache, dass sie nötige Melodien nicht vergessen. In unseren Anfangstagen ging es uns um die Wiederbelebung der großen Metal-Tradition und ihre Positionierung in der Moderne. In den letzten fünf Jahren standen bei vielen Kollegen vor allem Technik und abgefahrenes Handwerk im Fokus. Ich hoffe, das richtiges Songwriting bald wieder mehr Anerkennung erfährt, denn Technik oder Breakdowns allein machen noch keine gute Musik.“

GOD FORBID glückt der Spagat, auf „Equilibrium“ hart und eingängig zugleich, dramaturgisch wertvoll und auch noch songdienlich aufzuspielen: „Wir gehen unseren Weg einfach weiter,“ fasst Doc Coyle das zu Hörende in Worte. „Weder treten wir so heavy wie Emmure an noch so zornig und extrem wie Suicide Silence oder derart technisch wie Born Of Osiris. Unser Anspruch ist es, in den Grenzen von GOD FORBID tolle Songs zu schreiben, ohne dabei altes Material von uns zu wiederholen. Es liegt in der Natur eines jeden Musikers, zu spüren, was seine Vorlieben sind und womit er den größten Spaß hat. Es ist ein Klischee, doch man schreibt seine Songs zunächst für sich. „Equilibrium“ enthält genau die Stücke, die wir von uns hören wollten. So einfach ist es. Das Album ist heavy und brutal, aber auch melodisch und eingängig. Eine Platte kann aber nur dann intensiv sein, wenn sie zugleich abwechslungsreich angelegt ist. Andernfalls wäre sie langweilig, was niemand 40 oder 50 Minuten lang durchsteht. Die besten Platten gleichen einer Berg-und-Tal-Fahrt, oder sie sind so wie „Reign Of Blood“ auf eine halbe Stunde Spielzeit verdichtet.“

Das Quintett aus New Jersey präsentiert sich fokussiert und abgeklärt, aber auch spielfreudig und prägnant: „Wir wollen uns ja auch als Musiker entwickeln. Der Sound verändert sich damit zwangsläufig, doch man kann steuern, wie sehr das geschieht. Dramatische Brüche führen dazu, dass man von seiner Fan-Basis zu viel verlangt. Das hat man bei Cave In oder Metallica gesehen. Es ist charmanter und erfolgreicher, wie Mastodon vorzugehen, die sich langsam und nachhaltig verändert haben. Oder auch wie Machine Head, die über die Jahre einen weiten Weg zurück gelegt haben, noch immer relevant sind und die Unterstützung ihrer frühen Fans bis heute nicht verloren haben. Es führt aber kein Weg daran vorbei, sich zu entwickeln. Alles andere wäre kreative Sabotage, die es zu vermeiden gilt. Niemand kann doch ernsthaft behaupten, er hätte im Alter von 30 oder 40 Jahren immer noch dieselben Vorlieben und denselben Blick auf den Metal, den er mit 20 hatte. Wer soll das glauben? Wichtig ist, dass man nachvollziehbar und authentisch bleibt. Andernfalls nimmt man seine Fans nicht mit.”

Killer-Riffs müssen her

GOD FORBID verstärken auf „Equilibrium“ einerseits die metallische Brutalität ihrer Kompositionen und lagen andererseits hinsichtlich der verträglichen Anlage nochmals nach: „Ich selbst höre gar nicht so viel extremes Zeug,“ erzählt der Gitarrist. „Selbst die brutalen Sachen, die ich schätze, besitzen zumeist cleane und Rock-basierte Vocals, was die Härte und Aggressivität wieder relativiert. Dennoch hatte ich erwartet, ein deutlich härteres Album zu schreiben. Daraus wurde nichts, wie wir heute wissen. Auch die Anderen finden großen Gefallen an eingängigen Hooklines und großen Melodien, also sind wir in diese Richtung gegangen. Die Wirkung fällt umso stärker aus, weil unser neuer Gitarrist Matt einen melodischen, europäischen Stil pflegt. Wann etwas nach GOD FORBID klingt, wissen bzw. fühlen wir. Das ist der Qualitätsfilter, der es sicher stellt, dass wir uns treu bleiben und nachvollziehbar entwickeln.“ Die Zusammenarbeit mit dem zweiten Klampfer im Gefüge fiel Doc Coyle leicht, auch wenn es sich nicht länger um seinen Bruder handelt:

„Matt und ich haben uns von Beginn an blendend verstanden und früh unsere Ideen für das Album ausgetauscht. Zunächst haben wir gemeinsam am Computer gewerkelt und die Richtung verdichtet. Anschließend jammten wir mit der ganzen Band und füllten die Ideen mit Leben. Später haben wir unabhängig voneinander weiter gearbeitet, doch alles, was Matt und ich schrieben, passte letztlich richtig gut zusammen und hätte auch nur von einem von uns stammen können. Das spricht dafür, dass er der ideale Ersatz für Dallas ist.“ Das Verständnis für die Arbeitsweise ist schnell zusammen gefasst: „Am Beginn des Songwritings einer Metal-Band muss ein Killer-Riff stehen, das den jeweiligen Song auszeichnet und seine Rezeption bestimmt. Anschließend muss man einen stimmigen Kontext mit starken Melodien schaffen, die die Wirkung verstärken. Nimmt man noch eine gute Dosis natürlichen Groove dazu, kann nichts mehr schief gehen. Verschweigen möchte ich aber nicht, dass dieses Mal noch mehr Wert auf die Verbindung von Musik und Texten gelegt worden ist, und wir die Emotionalität der Lyrics in melodischen oder aggressiven Passagen spiegeln. Auf diese Art und Weise weitet man die Variabilität des Materials zusätzlich aus. Im Ergebnis stehen quasi automatisch schnelle, langsame, melodische und emotionale Songs.“ …die noch dazu eine aufbauende, positive Message transportieren: „Fast alle Texte auf „Equilibrium“ beschäftigen sich mit Fragen rund um innere Kraft. Es geht darum, durchzuhalten und mit voller Energie daran zu arbeiten, dass seine Träume Realität werden. Das Album ist persönlicher als die Vorgänger gehalten, weniger spirituell und nicht politisch gefärbt. Wir wollen unsere Hörer inspirieren und ihnen Kraft geben.“

 
 Links:
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