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Wretched

Storie von: arne, am 06.03.2012 ]

Die Hartnäckigkeit, mit der sich WRETCHED seit Jahren durch den Extrem-Underground spielen, trägt zusehends Früchte. Auf seinem Drittwerk „Son Of Perdition“ präsentiert sich das Quintett aus Charlotte, North Carolina so souverän und unerbittlich wie niemals zuvor. In der stimmigen Durchmischung traditioneller und moderner Metal-Stile findet die Victory-Kombo zu bissigen, spannenden Songs, die amerikanischen Death, skandinavische Melo-Tendenzen, Thrash-Grooves und corigen Extrem-Crossover lebendig und fokussiert zusammen bringen.

 
Mit Shouter Adam Cody (Glass Casket) und Bassist Andrew Grevey (Loculus) sind wiederum zwei Neuzugänge im Line-Up zu verzeichnen, doch auf die Ausrichtung des Sounds von WRETCHED schlagen die Veränderungen nicht durch. Der Entwicklungsbogen, der mit dem Debüt „The Exodus Of Autonomy“ begonnen und mit „Beyond The Gate“ fortgesetzt wurde, findet auf dem Drittwerk einen vorläufigen Höhepunkt, der dem Fünfer um Gitarrist Steven Funderburk endgültig Relevanz einbringt:

„Marshall Wieczorek, unser Drummer, und ich haben die Band 2005 gestartet. Damals wie heute ist es unser Ziel gewesen, mit der Musik unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Metal ist unser Leben. Wir wollen ihm so viel Zeit wie möglich und unsere volle Kraft widmen. Das geht nur, wenn man sich voll und ganz auf ihn konzentriert. Und das wiederum bedingt, dass man seine Band Vollzeit betreiben muss. Diesen Weg müssen alle Mitglieder mitgehen. In den Jahren seit der Gründung hat sich an unserer Einstellung nichts geändert. Bei uns hat sich nur der Wunsch verfestigt, dieses Ziel wirklich zu erreichen. Wir sind als Musiker individuell besser geworden und als Band gereift. Nach einigen Wechseln im Line-Up haben wir heute ein schlagkräftiges Team beisammen, mit dem wir zuversichtlich in die Zukunft blicken.“ Kein Wunder, wenn man rekapituliert, was WRETCHED bislang erreicht haben:

„Was die Entwicklung der Band anbelangt, ist das Signing auf Victory Records ein einschneidender Schritt gewesen,“ äußert der Gitarrist nach seinem bisherigen persönlichen Highlight in der Karriere der Gruppe befragt. „Das war 2008. Bis dahin bewegten wir uns unter dem Radar und waren nur regional unterwegs. In den ersten Jahren habe ich alle Touren selbst gebucht, und wir haben nahezu jede Show in der Hoffnung gespielt, dass irgendjemand auf uns aufmerksam werden würde. Dann haben wir mit Jamie King unsere erste 6-Song-MCD aufgenommen und ein halbes Jahr später klopften Victory an. Seither leben wir unseren Traum, schreiben kontinuierlich Songs, nehmen sie auf, veröffentlichen Platten und befinden uns auf Tour. Und unsere Fan-Basis wächst, was für uns ebenfalls ein wichtiger Antrieb ist, immer weiter zu gehen. Egal, ob in kleinen Clubs oder auf großen Festivals – es sind immer Leute da, die wegen uns gekommen sind und uns unterstützen. Nach sechs Jahren und mehr als 20 Touren kreuz und quer durch die Staaten treffen wir auf den Shows immer mehr vertraute Gesichter. Das ist der Lohn unserer harten Arbeit und einfach toll.“

Ein komfortables Auskommen sichert die Band den Beteiligten allerdings noch nicht: „Neben harter Arbeit muss man viele Entbehrungen wegstecken, doch ich möchte mich nicht beklagen. Wir bewegen uns immer an der Existenzgrenze, denn Geld ist mit dem, was wir tun, kaum zu verdienen. Tütensuppen und andere Fertiggerichte sind unsere treuen Begleiter. Wenn wir auf Tour gehen, planen wir alles sehr genau. Wer von bzw. mit aggressivem Metal leben will, muss es wirklich wollen und hart im Nehmen sein.“

Wachstumsgrenzen im Metal

Im Extrem-Underground, dem auch das Quintett aus Charlotte zuzurechnen ist, tummeln sich zahllose Gruppen, die für ihren Teil vom Kuchen kämpfen und ebenso wie Steven Funderburk & Co. auf eine Karriere spekulieren: „Für aggressive Metal-Bands gibt es naturgemäß Grenzen, über die ihr Wachstum nicht hinausgehen kann. Das ist aber völlig okay, und wir wissen es. Wir blicken ja nicht auf die Charts oder den breitentauglichen Rock, sondern sehen eine reelle Chance dafür, dass sich Leute für uns interessieren, die Sachen wie Death, King Diamond, Lamb Of God etc. hören. Wer sich ausgehend von diesen Bands nach Optionen umsieht, die noch etwas weiter gehen, findet in WRETCHED eine gute Alternative. Wir legen uns aber nicht auf bestimmte Hörergruppen fest. Es ist unser Ziel, jeden Metal-Fan zu überzeugen. Deshalb streben wir danach, nicht nur in bekannten Strukturen aufzuspielen, sondern immer wieder auch Genre übergreifend einen reifen, spannenden Sound zu erschaffen. Darauf, was wir erreicht haben, ruhen wir uns keinesfalls aus. Schließlich wollen wir längerfristig attraktiv bleiben und unsere Hörer immer wieder neu überraschen.“

Mit ihrem Drittwerk „Son Of Perdition“ gelingt das der Band zweifellos, denn die Musiker finden partiell erstmals zu Eigenständigkeit und einer Aufstellung, mit der man sie zukünftig assoziieren kann: „Spätestens wenn die Leute unsere neue Platte gehört haben, werden sie


sehen, dass WRETCHED mit Deathcore oder MetalCore nicht mehr zusammen passen,“ zeigt sich Steven Funderburk überzeugt.

„Schon mit dem letzten Album waren wir dem meiner Meinung nach entwachsen. Das drückt sich nicht zuletzt darin aus, wie sich unsere Hörer zusammen setzen. Das Publikum unserer Shows ist sehr divers. Den typischen WRETCHED-Hörer gibt es nicht. Wir ziehen Leute aus dem Metal, Hardcore, Deathcore, MetalCore und sogar aus dem Prog-Bereich. Die Mischung gefällt mir, auch wenn die Gruppe unserer Unterstützer noch überschaubar ist. Mit unserer aufgeschlossenen Grundhaltung und dem vielschichtigen Metal-Sound sind wir jedoch auf einem guten Weg.“

Der neue Longplayer präsentiert tatsächlich eine Band, die mit dem Sound des Debüts nicht mehr viel gemein hat. Daran, das Schubladen-Denken der Leute gerade zu rücken, werden die Amerikaner wohl aber noch lange zu arbeiten haben: „Angesichts der Tatsache, dass Deathcore und MetalCore vielen als verpönt gelten, ist es nicht unbedingt hilfreich, in diesen Topf geworfen zu werden. Um ehrlich zu sein, sind wir davon zunehmend genervt, weil wir uns selbst niemals als Band dieser Richtung verstanden haben. WRETCHED ist für uns von Beginn an eine Metal-Gruppe. Warum sollten wir uns selbst auf irgendwelche Substile beschränken, die limitierend wirken?“

Ein wenig Stolz

Das neue Album „Son Of Perdition“ stellt heraus, das die Musiker aus North Carolina als findungsreiche und bewusste Metaller unterwegs sind: „Wir nähern uns zusehends dem Sound an, der unserer Auffassung nach das repräsentiert, was WRETCHED ausmacht,“ so der Gitarrist. „Es gibt zu viele Bands, die sich nicht darüber im Klaren sind, wohin sie wollen und nach welchem Sound sie streben. Bei uns ist die Stoßrichtung klar, und ich denke, die Leute werden gerade mit der neuen Platte noch besser verstehen, wohin die Reise bei uns führt. Wir nutzen die Freiräume, die wir erkennen. In der Art und Weise, wie wir traditionellen Metal spielen, geben wir den genutzten Elementen einen frischen Anstrich, so dass man häufig nicht mehr erkennt, woher sie ursprünglich stammen. Die Mischung aus bereits existierenden Elementen und neuer Sounds muss man nur extrem und selbstbewusst umsetzen und darauf vertrauen, dass die Leute den Ansatz verstehen werden. So halten wir es wenigstens, und damit fahren wir gut.“

Zusätzlich gilt es aber auch, sich ein offenes Ohr und Entdeckerfreude zu bewahren: „Auf der neuen Platte sind wir gelegentlich Groove-orientierter unterwegs als früher. Songs und Passagen mit markanten Grooves hatten wir bisher nicht geschrieben. Für uns sind sie eine Herausforderung gewesen. Die Fans werden von ihnen überrascht sein. Rhythmische Spielereien, komplexes Abdrehen und simple, direkte Strukturen müssen gut ausbalanciert zusammen kommen, um ein spannendes Album entstehen zu lassen. Das war unser Ziel für „Son Of Perdition“, und ich bin fest davon überzeugt, dass es uns gelungen ist.“

Was die Strukturen der Platte anbelangt, überzeugen WRETCHED mit einem verbindenden Sound-Fluss, der Härte und Nachvollziehbarkeit ausgewogen miteinander kombiniert. Steven Funderburk gibt sich dennoch kritisch: „Zufrieden bin ich mit dem, was ich geschrieben und aufgenommen habe, im Rückblick nie. Das darf man als Musiker auch nicht sein, denn sonst fehlt ja der Ansporn, sich weiter zu entwickeln und zu verbessern. Es gibt immer Aspekte und Ansätze, die man anders oder besser machen könnte. Jeder ist sein größter Kritiker, und ich gehe nicht davon aus, irgendwann einmal den Punkt zu erreichen, an dem ich mich selbst vollends zufrieden gestellt haben werde.“

Fragt man genauer nach, ist dem Gitarristen aber durchaus Stolz auf die jüngste Leistung anzumerken: „So weit, wie mit dieser Platte, sind wir zuvor noch nicht gegangen. Songwriting, Einproben und Aufnehmen waren herausfordernd und intensiv. Wir haben wirklich alles gegeben. Gerade die Hörer, die unsere Entwicklung über die Jahre verfolgt haben, werden mehr als angenehm überrascht sein. Das ist uns selbst auch passiert. Dieses Mal stand für uns insbesondere im Fokus, unseren Live-Sound im Studio einzufangen. Die Leute dürfen sich deshalb auf verdichtete, brutale Metal-Tracks einstellen. Der Tenor der Platte ist ungemein düster, jedoch auch frisch und lebendig. Das neue Material ist verdammt abgefahren und bissig – und ein Stück weit unberechenbar. Diesen Aspekt schätze ich am neuen Album ganz besonders.“

 
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