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Soulfly

Storie von: arne, am 02.03.2012 ]

15 JAHRE UND IMMER WEITER. Nach seinem Ausstieg bei SEPULTURA hat Metal-Ikone Max Cavalera SOULFLY 1997 als neues Betätigungsfeld aus der Taufe gehoben. Eineinhalb Dekaden später erscheint mit „Enslaved“ der achte Longplayer des Outlets, der die Band zum Jubiläum unverhofft bissig und brutal präsentiert.

 
„Für mich ist es jedes Mal aufs Neue aufregend, wenn ich eine neue Platte herausbringe, denn es ist der Abschluss einer intensiven Arbeitsphase, in die ich meine volle Energie gesteckt habe,“ erzählt ein gut gelaunter Max am Telefon. „Das Tolle ist es ja, dass man mit jedem Album die Chance erhält, die Dinge anders anzugehen und sich zu verändern. Ich fühle mich jedenfalls nicht auf einen bestimmten Weg oder Sound festgelegt, auch wenn es natürlich wiederkehrende Elemente gibt. Wer die neue Scheibe hört, wird schnell feststellen, dass sie um einiges extremer und härter ausfällt, als man es von uns gewohnt ist. „Enslaved“ steht für eine andere Art von Energie, eine sehr brutale, und repräsentiert eine Seite von SOULFLY, die es so noch nicht gegeben hat. Ich kann es kaum abwarten, mit den neuen Songs auf Tour zu gehen, um zu sehen, wie die Fans reagieren.“

Den Plan, die Band immer wieder neu zu erfinden, verfolgt der Brasilianer seit deren Gründung. Personelle Wechsel, denen das Line-Up regelmäßig unterworfen ist, sind ausdrücklich gewünscht: „Sie tragen einen wichtigen Teil dazu bei, dass sich der Sound verändert und weiter entwickelt,“ so der Frontmann. „Schon von Anfang an hatte ich den Plan, von Zeit zu Zeit mit neuen Musikern zusammen zu arbeiten, um andere Sichtweisen auf den Metal kennen zu lernen. Mit Dave an den Drums und Tony am Bass hat es wieder zwei Veränderungen gegeben. Mit Marc arbeite ich inzwischen seit 2004 zusammen, und er ist einfach ein toller Gitarrist, mit dem ich mich blind verstehe. Auf seine Beteiligung möchte ich nicht mehr verzichten. Ginge es nach mir, bliebe er so lange Teil der Band, bis es sie irgendwann nicht mehr gibt.“

Mit Dave ist Dave Kinkade gemeint, dessen frühere Stationen BORKNAGAR und MALEVOLENT CREATION heißen. Bassist Tony Campos kennt man von MINISTRY, PRONG und STATIC-X, während Gitarrist Marc Rizzo früher Teil von ILL NINO gewesen ist und gemeinsam mit Max auch in der CAVALERA CONSPIRACY aktiv ist. In seiner neuen Besetzung frönt das Quartett auf „Enslaved“ barschen, rohen Klängen, die Thrash, Death und Groove-Metal in Form von jähen Attacken zusammen bringen und SOULFLY mit vernichtender Vehemenz präsentieren:

„Rückblickend gefällt mir besonders, dass jede Platte ihren eigenen Vibe hat und für sich steht,“ meint Max Cavalera. „Wir erfinden uns jedes Mal neu. Das neue Album ist dafür der beste Beweis. So brutal sind wir bislang noch nicht unterwegs gewesen.“ Angesichts der enormen Produktivität von acht Longplayern seit 1997 überrascht es nicht, dass SOULFLY die Veränderung pflegen. Andernfalls würden sie Gefahr laufen, sich zu wiederholen und den Spaß zu verlieren, was es zu vermeiden gilt: „Die 15 Jahre sind wie im Flug vergangen,“ erwidert der Band-Kopf, dem Motivationsprobleme unbekannt sind. „Es fühlt sich an, als habe ich gerade gestern den ersten Track für SOULFLY geschrieben.


Die Zeit war überaus intensiv. Der Spaß ist mir in all den Jahren nicht abhanden gekommen, und meine Motivation ist heute noch genauso stark wie zu Beginn. Auch meine Ziele sind unverändert. Ich strebe danach, „Killer-Metal-Songs“ zu schreiben, zu denen die Leute auf den Konzerten abgehen können. Anlässlich der neuen Platte und des Jubiläums werden wir das ganze Jahr unterwegs sein, um gemeinsam mit unseren Fans zu feiern. Für sie machen wir es schließlich.“

Der treuen Fan-Basis von SOULFLY ist es egal, ob die Band ihre Groove-Orientierung zentral stellt oder die rigorose Thrash-Keule ausgepackt. Max & Co. sind ohnehin stets als sie selbst erkennbar und überzeugen mit unverwechselbarer Attitüde und wuchtiger Leidenschaft. Da sich „Enslaved“ thematisch mit Fragestellungen rund um Sklaverei, Ausbeutung und Unterdrückung beschäftigt, musste es wütend und unbeherrscht ausfallen:

„Es gab aber keinen definierter Plan, ein solch extremes und aggressives Album einzuspielen,“ stellt der Shouter klar. „Gefühlt ist es die brutalste Platte, die ich jemals gemacht habe, doch sie passt einfach in die Zeit. Als Künstler bin ich von meinem Umfeld beeinflusst. Wie kann ich ruhig bleiben, wenn ich all die Konflikte in der Welt, die Kriege und die Ungleichgewichte anschaue? Ich musste Dampf ablassen und bin mir sicher, dass es die Fans verstehen und dass es ihnen nicht anders geht. Immer wieder wurde der Wunsch an uns heran getragen, wir mögen doch direkter und roher auftreten. Dieses Mal tun wir das, ohne dass wir die Songs an irgendwelchen Erwartungen ausgerichtet hätten. Die Zeit war einfach reif und hat es erfordert.“

Tracks wie ,Resistance’, ,World Scum’ oder ,American Steel’ sind textlich wie musikalisch unmissverständlich und schonungslos. Dez Fafara von DEVILDRIVER und Travis Ryan von CATTLE DECAPITATION treten als Gäste in Erscheinung und unterstreichen die extreme Ausrichtung des Albums, das allein der Gefühlslage der Musiker Ausdruck verleiht, wie Max auf Nachfrage bestätigt:

„Es bringt nichts, sich nach anderen Leuten zu richten oder gar zu versuchen, Erwartungen zu erfüllen. Das ist aussichtslos. Das habe ich schon sehr früh bei SEPULTURA gelernt. Nachdem „Morbid Visions“ unverhofft so viel Beachtung auf sich gezogen hat, fingen die Leute schon bei unserem zweiten Album damit an, von Sell-Out zu sprechen, was absoluter Quatsch war. Diese Erfahrung hat mich als Musiker geprägt. Ich schaue nicht zurück und gebe nicht viel auf das, was andere Leute über meine Platten sagen. Wichtig ist mir allein, dass unsere Fans verstehen, was unser Anliegen ist. Damals mit SEPULTURA und heute mit SOULFLY höre ich im Songwriting ausschließlich auf mein Bauchgefühl und meine Vorlieben. Deshalb bereue ich nichts. Jedes Album, an dem ich mitgewirkt habe, spiegelt die Umstände seiner Entstehungszeit und Besetzung wider. Das ist bei „Enslaved“ nicht anders.“

 
 Links:
  soulfly.com
 
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