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For The Imperium

Storie von: arne, am 27.02.2012 ]

Diese Finnen legen es ganz bewusst darauf an: Entweder gehen FOR THE IMPERIUM in der Gunst ihrer Hörer mit Pauken und Trompeten unter oder sie werden von ihnen vorbehaltlos abgefeiert. Anders geht es nicht. Zwischen Extrem- und NuMetal, Mathrock, Post-Rock, Screamo, Punk, Rave-Sequenzen, balladesker Klavier-Klänge und cheesigem, biederem Pop dreht das Quartett wüst am Rad. Entlang kurzer Aufmerksamkeitsspannen und beständiger Veränderung folgen die elf Tracks des selbst betitelten Debüts der Band klaren Intentionen, was sich an der starken und pointierten Wirkung der Platte ablesen lässt.

 
„Es ist unser Drummer Tuomas gewesen, der die fixe Idee hatte, eine Band aus dem Boden zu stampfen, die musikalisch „mehr“ sein und sich gewöhnlichen Spielmustern verwehren sollte,“ berichtet Shouter Hakim Hietikko. „Zunächst hat er verschiedene Musiker ausprobiert, bis irgendwann die „Fantastischen Vier“ beisammen waren, die man nun als FOR THE IMPERIUM kennt. Ganz zu Beginn sind wir sogar ein Quintett gewesen. Als wir ernsthaft loslegten und damit begannen, erste Shows zu spielen, hat sich aber schnell herauskristallisiert, dass die Viererbesetzung die ideale für die Band ist. Was unseren Anspruch anbelangt unterscheidet sich dieser gar nicht so sehr von dem anderer Gruppen. Wir streben danach, gute Songs zu schreiben, jedoch koppeln wir das an das Ziel, uns selbst und die Hörer mit jedem Track auf ein neues Level zu heben. Sag jetzt nicht, das hättest du schon tausendfach gehört. Schon klar, das sagt jede Band. Genau deshalb muss man uns eine Chance geben. Wir lassen den Worten Taten folgen! Wir setzen uns permanent selbst unter Druck, um immer wieder dieses Gefühl der Ekstase zu erreichen, das sich einstellt, wenn wir etwas Besonderes und Einzigartiges geschaffen haben. Wie lange wir das durchhalten werden? Keine Ahnung, das fragen wir uns auch immer wieder!“

Der erste Kontakt mit den Finnen führt zu einer Reaktion zwischen Unverständnis, Erregung, Respekt und Vorfreude auf das, was noch kommen wird. Dem heutigen Frontmann ging es nicht anders: „Ich bin als Letzter zur Band gestoßen. Als mir die Jungs im Proberaum ihre Songs vorspielten, dachte ich: „Heilige Scheiße, Dream Theater auf Steroiden.“ Und doch ist dieser erste Eindruck nicht einmal ansatzweise nah an dem dran, was FOR THE IMPERIUM treiben, haha.“ Ein Album wie das selbst betitelte des Lifeforce Records-Zugangs muss polarisieren und das wird es auch. Noch dazu kann es nicht von jedem Hörer verstanden und nachvollzogen werden. Dafür ist die Grundhaltung des Quartetts viel zu ungestüm, innovativ und progressiv: „Das Spannende in unserer Band ist der kreative Findungsprozess,“ weiß Hakim. „Jeder Einzelne möchte sich gleichberechtigt einbringen und sich ernst genommen fühlen. So funktioniert das jedoch nicht immer und bei uns schon gar nicht. Man muss sich darauf einlassen und anerkennen, dass Andere abgefahrene Ideen haben, die es lohnen, ausprobiert und entwickelt zu werden, auch wenn man sich dafür selbst zurücknehmen muss. Im besten Fall werden alle Mitglieder mitgenommen und es stellt sich ein gesunder Kompromiss aus Selbstverwirklichung und geteiltem Konsens ein. Manchmal verstehen wir uns als Einheit blind und agieren zielgerichtet in dieselbe Richtung. Manchmal ist das aber nicht der Fall. Wichtig ist dann, dass mindestens drei von uns vier überzeugt sind. Der Vierte hat im Zweifel Pech und muss sich arrangieren.“



Das Ergebnis spricht für sich. Es gibt es viele Bands, die es für sich in Anspruch nehmen, etwas Neues zu spielen und sich gängigen Konventionen und Standards zu verwehren. FOR THE IMPERIUM sprechen nicht nur davon, sie tun es tatsächlich und das mit einem Selbstverständnis und einer Konsequenz, die aufhorchen lässt: „Als Künstler musst du versuchen, etwas Bahnbrechendes und Neues zu erschaffen,“ so der Shouter. „Wenn du dieses Ziel nicht verfolgst, kannst du gleich aufhören. Jedenfalls wäre es uns zu wenig, Bekanntes nur nachzuspielen, ohne am Rad zu drehen und verrückte Dinge auszuprobieren. Viele Musiker und Gruppen scheuen sich davor, den Pfad des Bekannten und Vertrauten zu verlassen. Daraus kann man ihnen nicht wirklich einen Vorwurf machen. Der sichere Platz unter den Schlafenden ist jedoch nichts für uns. Wir müssen wenigstens versuchen, das Rad neu zu erfinden. Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Nur, wenn man das tut, hat man überhaupt die Chance, aus der grauen Masse hervor zu stechen. Das ist der Weg, den wir beschreiten.“ Mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein, mehr als nur einer Prise Wahnsinn und übersprudelnder Kreativität zelebrieren die Finnen ihre Andersartigkeit. Auf dem ersten Longplayer der Band muss man sich mit jedem Break auf eine Überraschung gefasst machen, denn das Unerwartete ist für die Musiker stets das Naheliegende. Als Hörer hat man gar keine andere Chance, als den Sound-Clash auf sich wirken zu lassen:

„Mut, Inspiration und eine optimistische Einstellung zur Kreativität bilden die Grundvoraussetzung, die gegeben sein muss, um das zu machen, was wir als FOR THE IMPERIUM tun. Wir schauen, was uns einfällt und wohin uns das führt. Wann immer wir als Band zusammen kommen, genießen wir jede Sekunde und fordern uns, bis nichts mehr geht. Als Künstler und Musiker musst du bereit sein, Risiken einzugehen. Die Plattenfirmen zu beschuldigen, sie würden die kreative Freiheit einschränken, wie es viele Künstler tun, ist durchsichtig und ein Versuch, das wirkliche Problem auf anderen Schultern abzuladen. Letztlich sind es die Musiker, die Songs schreiben und Alben aufnehmen. Man kann nur sich selbst einen Vorwurf machen, wenn man mit seiner Musik nicht glücklich ist. Es hat seinen Grund, dass es nur je ein einziges Mal Metallica, Foo Fighters, Paramore, Nightwish, Black Sabbath, Oasis und all die Größen gibt, an denen sich in der Folge so viele Gruppen orientiert haben. Nur das Original hat kreativ wirklich etwas geleistet. Deshalb ist es ja bekannt. Dafür ist es anerkannt. Einige Nachahmer mögen noch okay sein, aber tausende von ihnen sind es nicht. Seid mutig und versucht, das nächste große Ding zu werden! Wir tun das jedenfalls!“

Leicht fällt die Auseinandersetzung mit den Finnen nicht, denn immer wieder wird man beim Hören vor den Kopf gestoßen. Doch wer wirklich innovative, neuartige Metal-Klänge hören will, ist bei FOR THE IMPERIUM genau an der richtigen Adresse.

 
 Links:
  fortheimperium.com
 
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