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Beneath The Massacre

Storie von: arne, am 23.02.2012 ]

Die Kanadier von BENEATH THE MASSACRE sind dafür bekannt, immer so extrem und abgefahren wie möglich in Erscheinung zu treten und auch dann noch nachzulegen, wenn anderen bereits die Puste ausgeht. „Incongruous“, der Nachfolger des 2008er „Dystopia“, folgt genau diesem Muster. Das Quartett führt seine niemals nachlassenden Grind-meets-Tech-Death-Blastbeats bis in die Schmerzzone und kennt allein die Unterscheidung zwischen schnellen und ultraschnellen Blasts.

 
„Wenn ich nach dem gehe, was uns die Fans schreiben, müssen wir auch mit dem Songwriting unserer Platten deutlich schneller werden und noch viel mehr touren,“ entgegnet Frontmann Elliot Desgagnés darauf angesprochen, dass die neue Platte von BENEATH THE MASSACRE weitaus später erscheint, als von vielen Hörern erhofft: „Bisweilen sind die Mails und Kommentare auf unseren Internet-Profilen richtig wütend. Es ist schön, so begehrt zu sein. Ich denke aber auch, dass sich die Wartezeit gelohnt hat. „Incongruous“ brauchte eben seine Zeit, um diese tolle, starke Platte zu werden. Innerhalb eines „normalen Zyklus“, wie ihn andere Bands zum Schreiben ihrer Longplayer ansetzen, werden wir einfach nicht fertig bzw. können unsere eigenen Ansprüche nicht adäquat umsetzen. Ohne die nötige Ruhe geht es nicht. Auf Tour schreiben wir nur selten Songs, denn das funktioniert für uns nicht. Wir nehmen es lieber in Kauf, das es für den einen oder anderen zu lange dauert. Wir schreiben das Material ohnehin zunächst für uns selbt. Erst, wenn wir zufrieden sind, können wir damit an die Öffentlichkeit gehen – nicht vorher. Unser Label teilt diese Einstellung nicht vollends, aber auch damit wissen wir umzugehen, haha.“

Die Kanadier melden sich stark zurück und beeindrucken wiederum mit Fingerfertigkeiten, um die sie von vielen Kollegen beneidet und für die sie von Fans begefeiert werden. „Was soll ich schon sagen?,“ erwidert der Frontmann sichtlich zufrieden. „Von dem, was wir geschaffen haben, sind wir überzeugt – ohne Einschränkungen. Und wenn wir schon denken, alles richtig gemacht zu haben, können die Fans doch gar nicht anders, als dem zuzustimmen. Wir freuen uns auf die Reaktionen und zweifeln nicht daran, dass wir die Leute umhauen werden. Letztlich nehmen wir es aber so, wie es kommt. Unser kommerziell erfolgreichstes Album bislang ist „Dystopia“ gewesen, das unserer Auffassung nach unsere zerfahrenste Veröffentlichung war. Dass wir so viele Einheiten davon abgesetzt haben, lag aber nicht zuletzt am Timing, denn es passte einfach perfekt in die Zeit, und daran, dass wir wie blöd getourt sind. Dieses Mal haben wir uns ganz bewusst Zeit genommen, ein gut strukturiertes und arrangiertes Album zu schreiben. Gegenwärtig wüsste ich nichts, was ich an „Incongruous“ ändern würde. Hoffentlich empfinden es die Leute genauso. Ich kann nur jeden einladen: Hört die Platte, kommt zu unseren Shows und erlebt, dass wir anders und alles andere als Durchschnitt sind.“

Veränderte Prioritäten

Elliot Desgagnés und seine Mitstreiter treten mit einem gehobenen Qualitätsbewusstsein an. „Incongruous“ ist ein ungemein verdichtetes, kompaktes Album. Breakdowns und kurze Mosh-Parts nehmen bisweilen Druck heraus, doch BENEATH THE MASSACRE scheinen sich einen Spaß daraus zu machen, einen extremen Highspeed-Exzess abzufackeln: „Daran, unseren Sound zu verbessern, arbeiten wir die ganze Zeit über. Praktisch ununterbrochen, seitdem die Band besteht. Eigentlich hat es schon angefangen, als es BENEATH THE MASSACRE offiziell noch gar nicht gegeben hat. Unsere Ansichten und Ansprüche haben sich im Zeitverlauf nicht verändert, doch heute sind wir endlich in der Lage, das umzusetzen, was uns schon immer vorschwebte. Für die kommenden Monate werden die neuen Songs das sein, was man auf unseren Konzerten hören wird. Auf die anstehenden Touren bin ich richtig heiß, denn ich will das neue Material auf die Bühnen bringen. Ich sehe es nicht, dass noch viele ältere Stücke im Programm sein werden. Warum auch? Wir glauben an die neuen Songs, denn sie stellen aggressiv und schön schnell das dar, wofür wir stehen und wie wir uns als Band definieren.“

Auf Tour mit Carnifex kann man sich selbst ein Bild davon machen, was die Kanadier auszeichnet und wie sie sich technisch fordern. Es stellt fast eine Olympia-reife Höchstleistung dar, die elf Tracks der neuen Platte live zu spielen. Man darf sich auf nicht weniger als einen musikalischen Wirbelsturm einstellen, mit dem die vier Musiker die Lehren der Vergangenheit umsetzen: „Die Platte sollte genau so angriffslustig und direkt ausfallen. Wir gehen immer in die Offensive, und dabei ist es egal, wer von uns die Idee für den Song hatte. Es stimmt aber – auf der neuen Platte haben wir das Tempo nochmals angezogen. Das ist eine bewusste Entscheidung gewesen. Wir haben „Dystopia“ mit 230 Beats Per Minute (BPM) aufgenommen, was nicht sonderlich schnell ist. Natürlich klingt es verdammt schnell, und bei uns passiert in den Songs ja auch noch eine Menge. Nach einem Jahr auf Tour mit dem Material waren wir live aber schon bei 240 bis 260 BPM angekommen. Wir spielen praktisch jedes unserer älteren Stücke live schneller, als es im Original mal angelegt worden ist. Für die neue Platte wollten wir deshalb unbedingt von Beginn an schneller in die Tracks gehen und das antizipieren, was sich später live ohnehin eingestellt hätte. „Incongruous“ ist damit unser erstes Album, das nah an unseren Live-Sound heran kommt. Es ist weniger linear, und jedes einzelne Stück hat seine eigene individuelle Qualität. Wenn man genau hinhört, erkennt man Unterschiede zwischen den Songs. Mindestens drei verschiedene Grundarten finden sich auf der neuen Platte. Da sind zum einen diejenigen, die weh tun, weil sie so technisch, nintendo-artig und aggressiv voran getrieben werden. Zum anderen hört man vereinzelt Stücke, die etwas melodischer orientiert sind und mehr Atmosphäre besitzen. Zu guter Letzt wartet das eine oder andere Lied mit dicken Grooves auf. Der resultierende Dreiklang hält das Album abwechslungsreich, ohne dass wir vorher darüber gesprochen hätten, dass es so werden muss. Wenn wir arbeiten, schreiben wir Songs. Wenn sie fertig sind, befinden wir darüber, ob sie gut sind oder nicht. Unsere individuellen Vorlieben und Abneigungen kennen wir gut. Deshalb sind wir bestrebt, Stücke zu schreiben, mit denen sich alle vier von uns gut fühlen.“


>Dass zwischen dem Opener ,Symptoms‘ und dem beschließenden ,Unheard‘ weitere neun Songs liegen, erfährt man erst beim Blick auf die Tracklist. Freunde kanadischer Abriss-Metaller wie Kataklysm, Cryptopsy, Ion Dissonance und Neuraxis sind beim Quartett gut aufgehoben. Über die Jahre hat sich die Band den Status einer Tech-Death erarbeitet, die nicht ignoriert werden kann. „Zu Beginn hatten wir keinen Plan, was wir eigentlich wollten,“ erinnert sich Elliot Desgagnés. „Als es offiziell mit BENEATH THE MASSACRE losging, lagen schon einige Jahre gemeinsamen Jammens im Proberaum hinter uns. Irgendwann mussten wir einfach einen Schritt weiter gehen, denn wir wollten auch Shows spielen und touren. Dann hat alles eine Eigendynamik angenommen, die wir nicht erwartet hatten, und es passierte immer mehr. Inzwischen sind wir schon gut herum gekommen und waren an Orten, die wir ohne die Band niemals gesehen hätten. Das steigert die Motivation und treibt uns an, weiter zu machen, auch wenn das mit zunehmendem Alter schwieriger wird. Früher ist die Musik immer Priorität Nummer eins gewesen, doch heute ist das nicht mehr immer und uneingeschränkt so. Unser Schlagzeuger Justin wird beispielsweise nicht auf der anstehenden Tour in Europa dabei sein, weil er zum ersten Mal Vater wird und sich das zeitlich überschneidet. Also reisen wir mit einem Session-Drummer an.“

Wir sind, was wir denken.

Musikalisch würde man es nicht unbedingt vermuten, doch die Kanadier sind lockere Zeitgenossen, die sich mit allen Facetten ihres Band-Daseins und ihres Wirkens im Extrem-Underground arrangiert haben. Das versetzt sie in die Lage, ihre Geschichte motiviert und konzentriert fortschreiben: „Mit zunehmender Erfahrung lernt man, nicht alles zu ernst zu nehmen und hier und da ignorant zu sein, wenn es nötig ist,“ erzählt der Shouter. „Wir wissen, dass es immer Leute geben wird, die technischen Metal schätzen, und dass man es niemals allen recht machen kann. Als Band haben wir enorm davon profitiert, dass extremer Death und Grindcore vor Jahren so populär geworden sind. Das fiel genau mit dem Zeitpunkt zusammen, als wir als BENEATH THE MASSACRE an die Öffentlichkeit gingen. Deshalb hatten wir keine Probleme, ein Label zu finden, und auch die Hörer wurden schnell auf uns aufmerksam. Das wissen wir zu schätzen, wie wir es auch gelernt haben, dass wir zwischen Touren und Platten Pausen einlegen müssen, um neue Kraft zu schöpfen. Gerade zu Beginn sind wir eine Zeit lang prktisch Non-Stop getourt, was die Band an den Rand der Auflösung gebracht und uns den Spaß genommen hat. Glücklicherweise haben wir die Felhlentwicklungen noch früh genug erkannt und korrigieren können. Als Konsequenz haben wir uns zurück genommen und gehen die Dinge heute mit der nötigen Ruhe an. Deshalb hört man „Incongruous“ den Spaß und die Motivation an, die wir im Proberaum haben. Wir arbeiten hart daran, etwas Neues auf den Tisch zu zaubern. Manchmal funktioniert das richtig gut und wir und die Hörer sind baff. An anderen Tagen glückt uns das nicht ganz so gut, doch am Ende finden wir immer eine spannende Mischung. Und extrem geht es bei uns sowieso immer zu.”

Die Mission der Band ist schließlich klar und einfach in Worte zu fassen: „Wir wollen spannenden Metal spielen! Mit jedem Song kommen wir der Vision dessen näher, was wir als wirklich gute Musik ansehen. Auf „Incongruous“ haben wir in dieser Hinsicht eine große Entwicklungsstufe genommen und uns besonders in den Details stark verbessert. Das Album ist nicht grundlegend anders, aber viele kleine Facetten und Akzente wirken im Zusammenspiel mit den besten Riffs, die Chris je geschrieben hat, einfach viel stimmiger. Jedenfalls empfinde ich das so,“ führt Elliot aus. Inspiration für die Weiterentwicklung erfahren BENEATH THE MASSACRE dabei aus unverhofften Richtungen:

„Gerade in den letzten Jahren sind unsere Interessen zunehmend breit geworden und innerhalb der Band noch dazu ganz unterschiedlich verteilt. Unser Bassist Dennis geht im Tour-Van fast immer auf seinen 70er-Jahre-Funk ab. Chris, unser Gitarrist, hört vor allem 90er Hip Hop, und Justin, Drums, legt Sachen wie Simon And Garfunkel auf. Natürlich schätzen wir alle intensiven Death Metal, denn diese Musik hat uns als Teenager stark beeindruckt und dazu animiert, mit einer eigenen Band aktiv zu werden. Man sollte aber wissen, dass Chris und ich zuerst eine Sex Pistols-Cover-Kombo hatten. Das aber schon im Alter von elf Jahren. Vom Punk ausgehend haben wir die agressive Musik entdeckt, bis wir schließlich zu dem extremen Metal und Grindcore gekommen sind. Der technische Aspekt unserer Musik ist heute die Voraussetzung dafür, dass wir gefordert sind und uns ausleben können. Im textlichen Bereich knüpft Elliot Desgagnés an seine Vergangenheit im Punk an und entwirft eine gesellschaftskritische Vision, die aufrütteln soll:

„Auf „Incongruous“ beschäftige ich mich mit mentalen Blokaden, die wir Menschen uns so gerne aufbauen. Es passiert sehr häufig und bei vielen Themen, dass wir die offensichtliche Relität und Wahrnicht nicht akzeptieren. Warum auch immer scheint es für uns einfacher, uns selbst zu verleugnen und uns etwas vorzumachen. Diesem Dilemma begegnen manche Menschen mit Religiösität, andere mit hemmungslosem Konsum. Jeder glaubt an irgendetwas und hat seinen eigenen Weg, sich etwas vorzumachen und so Erlösung zu finden. Wir glauben gerne, dass sich alles wieder einrenken und so wie bisher weiter gehen wird. Darauf vertrauen können wir aber längst nicht mehr. Der Umstand, dass die Menschheit immer noch die Entwicklungen auf der Erde bestimmt, verwundert mich bisweilen. Wir müssen endlich die Kraft freisetzen, nötige Schritte einzuleiten, um unseren Fortbestand zu sichern. Ändern wir nichts, gehen wir sehenden Auges in den Untergang. Umweltverschmutzung, Energiekrisen, schwindende Ressourcen, Atomkriege etc. – es gibt verschiedene Themen, die für die Zukunft nichts Gutes verheißen. Wir müssen die metalen Blokaden endlich lösen und handeln.“

 
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