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Coldworker

Storie von: arne, am 17.01.2012 ]

Nach zwei Alben für Relapse Records stehen COLDWORKER nun bei Listenable unter Vertrag. Dort veröffentlicht das Outlet früherer und aktiver Mitglieder von Nasum, Relentless, Ruin und Phobos sein Drittwerk „The Doomsayer’s Call“. Die Schweden bleiben ihrem beinharten, kompakten Stil treu und bringen in ihren Songs Death Metal, Crust-Zitate und Grindcore-Blastbeats zusammen.

 
„Es ist wirklich höchste Zeit, dass es ein neues Album von uns gibt. Das sehen nicht nur unsere Fans so“, stimmt Frontmann Joel Fornbrant zu. „Die Veröffentlichung von „Rotting Paradise“ liegt schon einige Jahre zurück. Uns ist ebenfalls daran gelegen, mit COLDWORKER weiter zu kommen, zumal es heute spannender ist, neue Sachen herauszubringen. Die Leute kennen uns inzwischen, haben Erwartungen und sind kritischer. Wir sind keine Newcomer mehr und müssen uns mehr denn je beweisen. Das spornt uns natürlich an, und auch wir wollen mehr. Als wir das Cover-Artwork der neuen Platte vorstellten, haben sich einige Fans Sorgen um unsere musikalische Entwicklung gemacht. All diese kann ich beruhigen – wir sind noch immer extrem und brutal unterwegs. COLDWORKER waren von jeher eine traditionell angelegte Band zwischen Death Metal und Grindcore und werden es bleiben.“

Das Cover von Pär Olofsson ist vom Fritz Lang-Klassiker „Metropolis“ inspiriert und mutet im ersten Moment tatsächlich eigenartig an. Das Quintett steckt auf „The Doomsayer’s Call“ aber niemals zurück und ist schön aggressiv und bissig unterwegs. Im Hintergrund wird das Drittwerk mit einem herben Groove und so schroff-melodisch aufgeladen, dass im Ergebnis brachial-eingängige Heavy-Smasher mit Wiedererkennungswert stehen: „Es geht uns nicht darum, das Rad neu zu erfinden“, meint Joel. „Von Beginn an sind wir mit dem Ziel angetreten, brutale Musik auf die uns bestmögliche Art und Weise zu schreiben. Fragen nach der Originalität sind nachrangig bzw. stellen sich uns gar nicht, weil der Rahmen unserer Stilkombination gesetzt ist. Entwicklung ist meiner Meinung nach auch dann möglich, wenn man sich Traditionen verpflichtet und selbst kontinuierlich verbessert. Heute fällt es uns leichter, unsere Gefühle auszudrücken und in Songs zu überführen. Auf „Rotting Paradise“ hatte noch jedes Stück Blastbeats. „The Doomsayer’s Call“ weist nun deutlich mehr Abwechslung auf, ist aber trotzdem ein brutales, hartes Album. Im Songwriting haben wir darauf geachtet, jedem Track eine eigene Identität mitzugeben. In der Vergangenheit ist uns das nicht immer gelungen, doch dieses Mal passt alles.“

Keine Brutalität zum Selbstzweck

COLDWORKER hatten ja auch Zeit genug, an der Variabilität und der Wirkung ihrer neuen Songs zu feilen. Seit dem Erscheinen des Zweitwerks sind vier Jahre vergangen: „Es hat wirklich lange gedauert, und nie zuvor in unserer Geschichte sind die Tracks über so einen langen Zeitraum entstanden“, sagt der Frontmann. „Ob das Ergebnis anders aussehen würde, wenn wir schneller gearbeitet hätten, kann ich aber nicht sagen. Trotz der langen Spanne zwischen Start und Ende des Songwritings repräsentieren alle Songs das, was uns als Band auszeichnet und unsere gegenwärtige Aufstellung darstellt. Wir sorgen uns jedenfalls nicht, denn wir sind davon überzeugt, ein starkes Album geschaffen zu haben. „The Doomsayer’s Call“ bringt all die Qualitäten mit, die man mit uns verbindet, und führt zusätzlich mehr Abwechslung und Substanz ein. Es wird immer Leute geben, die es anders sehen und „The Contaminated Void“ aufgrund der Tatsache abfeiern, dass es unser erstes Werk gewesen ist, oder „Rotting Paradise“, weil es ihnen schlicht und ergreifend mehr zusagte. Das ist okay, solange sich die Leute überhaupt mit COLDWORKER beschäftigen und Gefallen an uns finden.“

Auffällig ist die Tatsache, dass sich die Basis des Sounds der Band nicht wesentlich verändert hat und sie dennoch ein Stück weit anders klingt: „Vielleicht liegt es daran, dass wir uns inzwischen selbst klarer darüber sind, was wir eigentlich wollen,“ meint Joel. „Das hilft uns dabei, immer näher an unsere Idealvorstellung von COLDWORKER heran zu kommen, und es erleichet es uns auch, zu experimentieren und neue Dinge auszuprobieren. Als wir an den ersten beiden Alben gearbeitet haben, waren wir mental noch lange nicht so weit, wie wir es heute sind. Es scheint eine Frage des Alters und von Erfahrung zu sein. Bewusst haben wir allerdings nur die langsameren, massiven Passagen mit auf die Platte genommen, um einen Gegenpol zu den vielen Blastbeats zu setzen.“ Die Schweden haben gelernt, dass extreme Brutalität zum Selbstzweck nur kurzzeitig funktioniert und es auch im Feld zwischen Death, Crust und Grindcore auf Tiefe und Song-Dienlichkeit ankommt:

„Härte und Aggression ohne Sinn und Verstand sind uns zu wenig und auf lange Sicht nicht erfüllend,“ sagt der Sänger. „Auch im Death Metal muss man seine Songs entwickeln, Spannung aufbauen und versuchen, die


gängigen Standards zu umgehen. Wer es sich traut, kann auch Elemente in die Songs einbauen, die nicht aus dem Stil stammen, den man spielt – etwa akustische Gitarren oder Clean-Gesang, wie wir sie auf dem neuen Album haben. Es bieten sich so viele Möglichkeiten, was Subgenres, die man einbinden kann, und abgefahrene Ideen anbelangt. Wer ausschließlich puristisch an Traditionen festhält, ohne nach links und rechts zu schauen, vergibt unnötig Chancen, es noch besser zu machen, und läuft Gefahr, irgendwann zu langweilen. Wie heißt es doch gleich – wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. Als ich Mitte der 1990er Jahre den Death Metal für mich entdeckte, war die Spielart quasi tot. Dennoch gab es Gruppen, die ihm die Treue hielten und ihn weiter entwickelten. Heute ist der Death Metal stärker denn je und wieder viel beachtet. Worauf die Leute anspringen und was sie interessiert, lässt sich nicht vorhersagen. Als Musiker sollte man sich deshalb nur nach seinem eigenen Geschmack richten. Wer gut ist und authentisch bleibt, hat bei den Leuten immer eine Chance. Mit COLDWORKER sind wir auch deshalb auf einem guten Weg, uns in unserer Nische der Death Metal-Welt nachhaltig zu verankern.“

Eine Spur der Verwüstung

Die Schweden treten auf auch ihrem Drittwerk technisch orientiert und aggressiv direkt in Erscheinung, und auch an ihrer Motivation ist nicht zu rütteln: „Im letzten Frühjahr haben wir unser fünfjähriges Band-Jubiläum gefeiert. Seither ist fast schon wieder ein Jahr vergangen, und es gibt uns immer noch. Musikalisch und menschlich liegen wir voll auf Linie und richten unsere Energie in dieselbe Richtung. Das erleichtert das gemeinsame Arbeiten und führt dazu, dass jeder von uns mit den Ergebnissen sehr zufrieden ist. Wir alle haben Erfahrungen mit Bands, in denen unterschiedliche Geschmäcker und Ansprüche aufeinander getroffen sind, was dazu führte, dass es nur langsam voran ging oder gar nicht funktionierte. So etwas macht keinen Spaß. Deshalb schätzen wir die Harmonie in COLDWORKER und unser effektives Arbeiten sehr.“ Zunächst müssen die Musiker allerdings in Fahrt kommen:

„Der erste Song, den wir schon früh fertig gestellt hatten, war ,Violent Society‘. Schnell haben wir ihn als Indikation für die Richtung verstanden, in die wir mit dem ganzen Album gehen wollten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie angenehm wir alle davon überrascht gewesen sind, was uns da für tolles Stück geglückt ist. Auch bei allen folgenden Songs haben wir darauf geachtet, uns im kreativen Bereich nicht einzuschränken, ohne uns zu sehr von dem zu entfernen, was wir als unseren typischen COLDWORKER-Stil verstehen. Es dauerte eine Weile, bis wir in die Gänge kamen. Als wir dann schließlich wussten, in welche Richtung es gehen sollte, überschlugen sich die Dinge und wir kamen immer schneller voran. Am Ende blieben sogar einige Ideen auf der Strecke, für deren Bearbeitung uns die Zeit fehlte. Wir mussten ins Studio zum Aufnehmen, doch darüber bin ich nicht unglücklich. „The Doomsayer’s Call“ wäre in meinen Augen sonst zu lang geworden. Die kompakte Spielzeit, die das Album hat, ist genau richtig. Jeder weitere Song wäre zu viel gewesen.“

Für die Zukunft sieht Joel Fornbrant weiteres Entwicklungspotenzial: „Mein Gefühl sagt mir, dass wir unseren Platz noch nicht abschließend gefunden haben. Daran arbeiten wir jedoch mit Hochdruck, denn wir sind davon überzeugt, etwas zu bieten zu haben. Um uns den Leuten vorzustellen und sie von uns zu überzeugen, müssen wir viel mehr touren und noch mehr Shows spielen. Daran wollen wir ansetzen. Meine Vision für die Zukunft unserer Gruppe ist ihre Verankerung in der Speerspitze des Grindcore-lastigen Death Metal. Das ist ein hehres Ziel, wenn man bedenkt, dass die Zeiten, in denen es einen Grundkonsens im extremen Metal gab, lange vorbei sind. Bands, die von allen geschätzt werden, gibt es praktisch nicht mehr. Heute ist es durchaus möglich, dass zwei Metalheads ganz unterschiedliche Gruppen abfeiern, ohne dass es zwischen ihnen eine Schnittmenge gibt. Doch auch früher war nicht alles eitel Sonnenschein, wenn ich daran denke, wie sehr es mich aufgeregt hat, dass zwar jeder At The Gates kannte und mit ihren Shirts rumgelaufen ist, viele aber nicht wussten, wer Autopsy sind. Dennoch arbeiten wir daran, unsere Spuren zu hinterlassen.“

Mit „The Doomsayer’s Call“ haben COLDWORKER schlagkräftige Argumente auf ihrer Seite. Das Drittwerk der Combo aus Örebro pfeffert wuchtig und rabiat am Hörer vorbei und hinterlässt eine Spur der Verwüstung.

 
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