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Outcast

Storie von: arne, am 09.01.2012 ]

Die Franzosen von OUTCAST sind bislang ein gut behütetes Geheimnis geblieben, weil das Quintett aus Paris ausschließlich in der eigenen Heimat und dem französischsprachigen Teil Belgiens Präsenz zeigte. Seinen Listenable-Einstand „Awaken The Reason“ nimmt die Band nun zum Anlass, erstmals auch international Flagge zu zeigen. Mit ihrer experimentellen Mischung zwischen Death und Prog Metal treffen die Musiker immer wieder unverhofft und empfehlen sich allen Fans fordernder Frickel-Sounds.

 
„Wir achten darauf, uns von den weit verbreiteten Klischees fern zu halten,“ erklärt Gitarrist Nicolas gleich zu Beginn. „Unser Sound entsteht im Zusammenspiel traditioneller und moderner Stilelemente, die unsere vielfältigen Interessen widerspiegeln. Was dabei am Ende herauskommt, ist schwer zu beschreiben. Sofern wir aufgefordert sind, uns zu verorten, sprechen wir gemeinhin davon, zwischen Gojira, Periphery, Devin Townsend und Steve Vai zu liegen.“ 1998 legte man zunächst als Overlander los und firmierte dann 2002 zum heutigen Namen um. Das letzte der beiden Alben der Band ist vor vier Jahren erschienen und stand noch unter ganz anderen Vorzeichen, wie sich der Gitarrist im Rückblick erinnert: „Es hat einen Paradigmenwechsel gegeben, was unseren Sound anbelangt. Auf „Self-Injected Reality“ stand die melodische Schlagseite zentral und wurde von der Brutalität nur flankiert. Dieses Mal ist es genau umgekehrt. Aggressivität und Technik stehen im Mittelpunkt, während die Melodien die Songs hörbar halten, sie jedoch nicht bestimmen. Auf diese Art und Weise erreichen wir eine bessere Balance zwischen den verschiedenen Zutaten unserer Musik. Wir bewahren uns sogar das spontane Moment, das es auf den Platten früher nicht gegeben hat. Das hat zur Folge, dass „Awaken The Reason“ so intensiv ausfällt und man meinen könnte, es handle sich um ein Kon-zept-Album.“

Auf dem dritten Longplayer von OUTCAST passiert eine Menge, was nicht zuletzt an veränderten Ansprüchen an die Umsetzung der eigenen Kreativit liegt: „Unsere Interessen haben sich mit der Zeit verschoben und sind gewachsen. Das gilt für die Sachen, die ich privat höre, aber auch für das, was wir mit der Band haben,“ erläutert Nicolas. „Als ich vor Jahren ausschließlich auf Annihilator, Metallica und Megadeth abging, wollte ich nichts davon hören, was mir ältere Bekannte über die Qualitäten von Motörhead, Led Zeppelin und Pink Floyd vorschwärmten. Ich habe einfach nicht geglaubt, dass auch sie etwas für mich sein könn-ten. Erst Jahre später habe ich meinen Fehler erkannt und meine Ignoranz eingesehen. Sich mit den großen Referenz-Bands und Innovatoren zu beschäftigen, ist immer sinnvoll und befruchtend und einer der Gründe und Erklärung dafür, weshalb „Awaken The Reason“ ganz anders als seine Vorgänger klingt.“

Der zweite Gitarrist im Bunde, Jean-Francois, ergänzt: „Meinem Verständnis nach basiert gute Musik unabhängig von ihrem jeweiligen Stil auf starken Emotionen, die sich auf die Hörer übertragen. Kunst ist keine Wissenschaft, in der sich klare Grenzen zwischen gut und schlecht ziehen lassen. Blicke ich auf die Entwicklung meiner Inte-ressen zurück, sind sie bei mir über die Jahre ebenfalls breiter geworden. Wir schätzen all diejenigen Bands, die ihre Instrumente beherrschen, krasse Songs spielen und bei denen alles leicht und locker wirkt. Das zu erreichen, ist unser Ziel für das neue Album gewesen. Unsere Freunde von Textures dienten uns in dieser Hinsicht als Vorbild. Sie sind phänomenale Musiker, die im kreativen Bereich keine Kompromisse eingehen und sich voll und ganz verwirklichen.“ Das tun auch OUTCAST, die dank ihrer Altersstruktur zu anderen Ergebnissen als viele ihrer Mitbewerber finden:

„Jeder von uns hat seinen eigenen Anspruch an das, was die Band repräsentieren soll. Die unterschiedlichen Interessen zusammen zu bringen, bedingt einen intensiven Austausch, eröffnet uns aber zugleich viele Chancen,“ weiß Jean-Francois. „Wir pro-fitieren davon, dass wir vom Alter her weit auseinander liegen. Mit 23 Jahren bin ich der Jüngste, Nicolas ist mit 33 der Älteste von uns. Zehn Jahre Altersunterschied machen eine Menge aus. Hinsichtlich der Einstellung zur Band bestehen Unterschiede, aber auch bezüglich der stilistischen Vorlieben und dem individuellen Entwicklungsstand als Musiker. Jeder von uns ist mit anderen Bands und Stilen aufgewachsen. All das kommt nun in unseren Songs zusammen. Was ich sehr schätze, ist unser starker Zusammenhalt untereinander und die Tatsache, dass wir uns mit Respekt und Aufgeschlossenheit begegnen. Jeder nimmt sich die Zeit, sich mit den Ideen und Vorlieben der Anderen ernsthaft zu beschäftigen und zu schauen, wie sie mit seinen zusammen passen. Davon lebt unser Sound. Jede Stimme ist dabei gleich viel wert. Hat nur einer von uns Bedenken, verwerfen wir die jeweilige Idee und beginnen von vorn.“

Nach mehr als zehn Jahren sind die Franzosen selbstbewusst, was die Bewertung ihrer Songs anbelangt, erzählt Gitarrist Nicolas: „Wenn wir ein Stück fertig gestellt haben, sind wir von ihm überzeugt und werden es


nicht noch einmal anfassen oder verändern. Spätestens seit der Arbeit an „Awaken The Reason“ gilt das für jeden einzelnen Song. Wir haben hunderte, wenn nicht sogar tausende, von Stunden an diesem Album gearbeitet, Ideen getestet, verworfen, neue ersonnen, diese weiter entwickelt und immer wieder alles auf den Prüfstand gestellt. Das taten wir so lange, bis wir völlig zufrieden gewesen sind. Wir sind jedes Stück ergebnisoffen und mit voller Konzertration angegangen und haben jeweils nur an einem gearbeitet. Wer aufmerksam zuhört, kann nachempfinden, wie in den Songs unterschiedliche Interessen und Vorlieben durchschlagen. Sich immer wieder neu zu finden, braucht Zeit und kann ein Nerven aufreibender Prozess sein. Doch so kommen wir zu den besten Ergebnissen. Mit dem Songwriting allein ist es aber noch lange nicht getan. Im Dezember 2009 stand das Material. Bis die Platte dann komplett fertig und wir mit dem Mix und allem zufrieden waren, sind noch einmal zwei Jahre vergangen. Der Sound sollte dieses Mal perfekt sein. Deshalb haben wir so lange und akribisch an ihm gearbeitet. Wir sind bei allen Arbeitsschritten mit dabei gewesen, um sicher zu stellen, dass alle unsere Einflüsse adäquat zur Geltung kommen. Von der Arbeit an den ersten Riffs in 2006 bis hin zu den letzten Synthie-Spuren, die wir 2010 hinzu fügten, haben uns Steve Vai, Devon Townsend, Dream Theater, Sikth, Periphery, Gojira und Textures die ganze Zeit über begleitet. Ihren Einfluss spürt man durchaus, doch in jedem Song gibt es einen Punkt, ab dem wir uns aus ihrem Dunstkreis entfernen und die verschiedenen Stile und Elemente so verändern, wie sie in unser Konzept passen.“

Mit progressivem Death Metal und Genre übergreifenden Sounds moderner Prägung kennen sich OUTCAST zweifellos aus. Weshalb die Musiker aus Paris so lange an ihrem dritten Album gearbeitet haben, kann Gitarrist Nicolas aber auch auf Nachfrage nicht so recht erklären: „Die ersten Ideen für „Awaken The Reason“ sind wirklich fünf Jahre alt. Irgendwie ging es anfangs nicht voran. Wir wollten möglichst viele Schattierungen und Abstufungen in die Songs einbauen und die weit verbreiteten Stereotype des Death Metal umgehen. Unsere Songs sollten so progressiv und offen gehalten sein, wie es unsere Einflüsse und Interessen sind. Die ersten beiden Alben haben das nicht wider gespiegelt. Dieses Mal sollte es uns gelingen, das endlich umzusetzen und unsere Hörer auf ganzer Breite zu überraschen. Deshalb arbeiten wir mit Elementen, die man selbst in unserem Genre nicht häufig findet, und das braucht Zeit.” Die Strukturen der Songs der Franzosen sind komplex und vielschichtig angelegt. Gleichzeitig arbeiten die Musiker aber auch feine Melodielinien mit ein, die für Hörbarkeit sorgen und bisweilen einfach nur schön sind. Das Kontrastprogramm bilden kopflastige Poly-Rhythmik, wilde Breaks und die Umsetzung abgefahrener Ideen, wie man sie wirklich nicht alle Tage zu hören bekommt:

„Einige der Ideen, die sich im Arbeitsprozess einstellten, haben uns vor enorme Herausforderungen gestellt,“ gibt Nicolas zu. „Nur mit viel Fleiß und intensiver Beschäftigung mit unseren Instrumenten konnten wir sie umsetzen. Das ist die Kehrseite der Medaille, wenn man Sachen spielen will, die es zuvor noch nicht gegeben hat. Hat man es dann endlich geschafft, geht es darum, das abgefahrene Zeug in den Kontext einzubetten, denn natürlich soll alles stimmig und verbindend klingen.“ Hilfreich ist es dabei, wenn im Line-Up neben progressiven Tüftlern auch pragmatische Realisten stehen, die kreatives Ausufern verhindern und das Gesamtbild im Auge behalten: „In unserer Band sind die Rollen gut verteilt,“ weiß Gitarrist JF. „Nicolas und ich kommen häufig mit völlig abgedrehten Ideen in die Proben und haben eine Vorstellung davon, was die Anderen daraus machen sollen. Meistens ist es dann unser Bassist Clément, der uns vor Augen führt, was Nonsens und nicht umsetzbar ist. Es ist ein interner Running-Gag, dass er uns regelmäßig auffordern muss, ruhig zu bleiben und einzusehen, dass wir über das Ziel hinausgeschossen sind. Anschließend vereinfachen wir die Dinge dann gemeinsam. Dafür sind wir eine Band. Alle Songs entstehen in der Gruppe, auch wenn die ersten Ideen von uns Gitarristen eingebracht werden.“

Nach dem Fortgang von Gojira und Textures haben sich Listenable mit Betraying The Martyrs und OUTCAST adäquaten Ersatz gesucht. Das Quintett aus Paris legt mit „Awaken The Reason“ ein Drittwerk vor, das sowohl im Deathcore-Segment als auch unter Djent-Freunden und Prog-Death-Anhängern für Furore sorgen kann.

 
 Links:
  myspace.com/outcastband
 
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