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Lamb Of God

Storie von: arne, am 01.01.2012 ]

Drei Jahre nach „Wrath“ gibt es wieder frisches Material der NeoThrasher von LAMB OF GOD. Die Band aus Richmond, Virginia lässt sich nicht lange bitten und eröffnet „Resolution“ standesgemäß mit brachialer Härte und Mark erweichenden Grooves. Über alle 14 Tracks hinweg präsentiert sich die Roadrunner-Kombo abwechslungsreich, souverän und routiniert. …und zum Ausklang dann unverhofft episch.

 
Im Gespräch mit Fronter Randy Blythe richtet sich der Blick jedoch zunächst in die Vergangenheit. Im vergangenen Jahr ließ das Quintett mit der „Hourglass-Anthology“ zwanzig Jahre – inklusive der Startphase als Burn The Priest – und die eigene Entwicklung Revue passieren: „Wenn ich mich an die frühen Tage erinnere, ist da vor allem die Liebe zum Metal, die dazu führte, dass wir die Band gegründet haben. Für unseren Sound hat sich anfangs niemand interessiert. Was daraus über die Jahre geworden ist, haben wir weder kommen sehen noch erwartet. Dass wir heute von dem, was wir lieben, unseren Lebensunterhalt bestreiten können, ist ein wahr gewordener Traum. Wir kommen in der Welt herum und werden dafür bezahlt, unseren Metal auf die Bühnen bringen. Besser geht‘s doch gar nicht! Jeden Tag, den ich auf Tour in einer anderen Stadt aufwache, neue Leute kennen lerne und merke, wie toll und erfüllend das ist, was wir mit LAMB OF GOD haben, hoffe ich, dass es ewig so weiter geht. Viele andere Gruppen beneiden uns darum, und wir sind uns bewusst, dass es etwas Besonderes ist. Das motiviert uns täglich, nicht nachzulassen und weiterhin unser Bestes zu geben. Wir haben nicht vergessen, dass es fast zehn Jahre Vorlaufzeit gebraucht hat, bis wir unsere Jobs aufgeben und von der Musik leben konnten. Man kann nicht morgens aufstehen und sagen „So, jetzt sind wir professionelle Musiker.“

Das funktioniert so nicht. Als wir den Schritt vollzogen hatten und ich nicht mehr auf den Bau musste, war das ein tolles Gefühl. Der Arbeitsaufwand hat seither aber nicht nachgelassen. Ich arbeite sogar mehr als früher. Wir touren kontinuierlich, haben viele Pressetermine, schreiben wann immer es geht neue Songs, nehmen Alben auf und sind auch mit den anderen Aspekten und Fragen rund um die Band beschäftigt. Heute gehen wir damit professionell um, doch das mussten wir lernen. Man muss sich mit dem Business-Kram arrangieren und darauf achten, dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. Kommt der irgendwann abhanden, werde ich aussteigen, denn der Spaß ist die Triebfeder, die mich alle Widrigkeiten durchstehen lässt und Motivation gibt. Liebe zum Metal und Spaß am Musizieren waren die Gründe zur Gründung von LAMB OF GOD und sind bis heute das Fundament, das uns zusammen hält.“

Lebendige Fan-Kultur

Das Umfeld hat sich über die Jahre allerdings stark verändert, sowohl was die Wettbewerbssituation als auch den Zugang zu und den Umgang mit Musik anbelangt: „Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass ich in der Zeit vor dem Internet aufgewachsen bin,“ sagt Randy. „Das digitale Zeitalter hat seine Vorteile, doch es gibt auch etliche Schattenseiten. Vielen der Künstler, die ihre Musik am Computer zusammenstellen, fehlen grundlegende Kenntnisse über den Aufbau von Musik und das Verständnisnis für die Interaktion der einzelnen Instrumente. Wir haben ganz klassisch begonnen, uns aufeinander einzustellen und einen Stil heraus zu arbeiten. Über die Zeit haben sich unsere Songwriting-Qualitäten verbessert. Nur einige Riffs aneinander zu packen, reicht schließlich nicht. Tracks am Computer kann heute jeder zusammen schustern und es dauert nicht einmal lange. Sind das dann aber wirklich richtige Musiker? Ich habe da meine Zweifel. Das Komponieren und die Strukturierung von Songs muss man in der Praxis lernen. Kein Computer ersetzt das, und es ist dann erst die halbe Miete. Man muss seine Tracks auch live umsetzen können und auf die Bühne bringen. Das ist eine Hürde, die man nur dann erfolgreich nimmt, wenn man in dem, was man tut, sicher und in der Gruppe eingespielt ist. Als LAMB OF GOD pflegen wir den Band-Ansatz und fahren mit diesem gut. Wir bewahren uns den erdigen Heavy Metal, den wir über alles schätzten und der uns bekannt gemacht hat. Wir treten direkt und hart an, doch ohne Groove und Swing geht es bei uns nicht. Die Southern-Schlagseite mit ihrem Blues-Feeling zeichnet unseren Metal aus und stellt sich ganz automatisch ein, ohne dass wir sie erzwingen müssten. Nur aggressiv aufzuspielen, wäre uns zu wenig. Unsere Songs sollen auch zum Headbanging einladen und dafür bedarf es an Groove und Swing. Wir denken darüber allerdings nicht zu viel nach, sondern lassen einfach das heraus, was in uns ist. So haben wir es schon bei jeder Platte gehalten – auch jetzt bei „Resolution“.“

Fronter Randy Blythe & Co. agieren gewohnt bissig und gehen lautstark und temporeich in die Offensive. Die Musiker aus Virginia vertrauen musikalisch auf Bewährtes und treten in den Texten wiederum erdig und authentisch an: „Nicht nur in meiner Rolle als Sänger muss ich sagen, dass Lyrics sehr wichtig sind und man sich mit ihnen beschäftigen sollte. Neben der Musik sind sie das Erste, was man von einer Band hört. Und wir haben auch etwas zu sagen. Meine Texte handeln vom Alltag, von realen Dingen und Problemen, deren Kern man schnell versteht. Zu Gruppen, die von Zauberern und Drachen singen, findet man vielleicht schwerer Zugang, doch auch sie


kann man nur dann richtig verstehen, wenn man sich Musik und Texte vornimmt. Das ist wenigstens mein Glaube, doch natürlich kann ich niemanden zwingen, es mir gleich zu tun. Wer sich allein an unseren Heavy Metal-Songs erfreut, ist auch willkommen. Der Hörer entscheidet allein, wie weit er gehen will.“

Randy selbst will immer das ganze Bild, wie er erzählt: „Über die nach wie vor aktive Fan-Kultur freue ich mich sehr. Ich selbst bin bis heute Fan von Bands wie den Misfits und Van Halen und sauge inzwischen seit Jahrzehnten alle Infos auf, die ich über sie bekommen kann. Seit meiner Highschool-Zeit habe ich alle Interviews gelesen, News verfolgt und Platten gehört. Cool ist es natürlich, dass ich sie inzwischen persönlich kenne. An meiner Fan-Perspektive hat das nichts geändert. Aus diesem Grund weiß ich um so mehr zu schätzen, welchen Wert loyale Fans haben. Für sie macht man die Band, und ohne Fans ist man nichts.“ LAMB OF GOD können selbst auf eine treue Anhängerschaft bauen, die sich mit ihren Veröffentlichungen und Songs intensiv beschäftigt: „Für mich sind insbesondere die Interpretationen der Texte spannend. Es freut mich, dass sich so viele Leute mit ihnen auseinander setzen und sich Gedanken darüber machen, was ich meinen könnte. Gelegentlich rufe ich im Internet Seiten ab, auf denen sich Fans mit Lyrics beschäftigen und Vermutungen über die Hintergründe anstellen. Die Spannbreite dessen, was die Leute in den Texten sehen, überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Bisweilen sind manche nah an dem dran, was mich bewogen hat, sie zu schreiben oder was ich mit ihnen verbinde. Das freut mich dann, doch darum geht es mir gar nicht unbedingt. Was wir als Band verkörpern, verstehen fast alle Hörer. Es muss nicht jeder jeden Songs bis in die kleinste Feinheit nachvollziehen können. Ein richtig und falsch gibt es auch gar nicht. Jede Form von Kunst ist offen für Interpretationen. Andernfalls würde ich mich doch hinstellen und alles bis ins Detail erklären. Warum sollte ich das aber tun? Einige Songs sind von ihrer Anlage her klar und deutlich und bedürfen keiner weiteren Erläuterung. Die, die es nicht sind, sollen es nicht sein. Man darf jedenfalls nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und muss nicht hinter jeder Zeile eine tiefere Botschaft vermuten.“

King Me

Apropos Internet – die lange Karriere von LAMB OF GOD ist in den digitalen Weiten umfänglich dokumentiert und Suchen nach dem Band-Namen fördern unglaublich viele Einträge zutage. Das ist dem Sänger auch schon aufgefallen: „Im Internet steht sehr viel Unsinn von Leuten, die sich auf Kosten Anderer profilieren wollen und Andere zu belehren versuchen. So etwas würden wir niemals tun. Doch jeder, der sich eine Meinung über LAMB OF GOD bildet und etwas über uns schreibt, liegt für sich genommen richtig, wenn er eigene Schlüsse zieht. Wer bin ich schon, persönliche Einschätzungen in Frage zu stellen oder zu korrigieren. Von Zeit zu Zeit bin ich neugierig und recherchiere, was über uns so alles geschrieben und veröffentlicht wird. LAMB OF GOD ist mein Leben, also interessiert es mich, wie wir ankommen und was die Leute über uns denken. Das ist doch ganz normal. Dem, was ich lese, messe ich aber nicht zu viel Bedeutung bei. Den intensiven und persönlichen Kontakt mit unseren Fans auf Konzerten ziehe ich in jedem Fall vor. Über die Jahre haben wir viele loyale Fans gewonnen, die unseren Werdegang verfolgt haben und über die Beschäftigung mit uns und unserer Musik verstanden haben, wofür wir stehen und worum es uns geht. Sie lesen und schauen sich Interviews mit uns an, kommen zu den Konzerten und reden mit uns persönlich. Für diese Leute bedeutet unsere Band viel und wir sind ihnen wichtig. Sie schauen hinter die Fassade und sehen die Menschen hinter dem Namen. Musik und Texte sind ja der Spiegel unserer Persönlichkeiten, die wir im Kontext der Band nicht verstellen oder ausklammern. Unser Verständnis von Musik und Kunst hat sich im Verlauf unserer Karriere nicht verändert. Unser Grundnaturell ist dasselbe geblieben. Wenn ich in Interviews erzählen würde, dass ich Dance-Musik total abfeiere, wäre das wenig authentisch und kaum glaubhaft. Die Rückkopplung mit dem, was wir mit LAMB OF GOD spielen, zeigt ja, dass es nicht so ist. Andernfalls würde ich keinen Metal, sondern besagte Dance-Musik spielen.“

Auf „Resolution“ dominiert spritzig und temporeich inszenierter NeoThrash, der technische Momente mit einem natürlichen Rollen kombiniert. Zum Ausklang ihrer siebten Langrille warten Randy Blythe & Co. dann sogar mit einer faustdicken Überraschung auf, wenn sie mit ,King Me‘ das wohl epischste Stück vorlegen, das man jemals von ihnen gehört hat. Motivation und Spaß sind in zwei Dekaden demnach nicht abhanden gekommen und auch was die vertonte Wut und Aggression anbelangt stecken die Ostküsten-Musiker nicht zurück. Die Verbindung aus Operation Attacke und derben Southern-Grooves kommt überaus pointiert und absolut stilsicher.

 
 Links:
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