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Biohazard

Storie von: arne, am 27.12.2011 ]

Die Crossover-Kings aus Brooklyn verzichten auf ihrer Comeback-Scheibe auf unnötige Experimente und ziehen „Reborn In Defiance“ straight durch. Eine effektive Melange aus Hardcore, Punk und Metal prägt das Bild, wobei BIOHAZARD mit Old School-Attitüde und den obligatorischen Power-Grooves punkten. Alles wäre gut, hätte Bassist und Sänger Evan Seinfeld nicht schon vor Erscheinen des Albums seinen Ausstieg bekannt gegeben.

 
„Die Platte ist im originalen Line-Up entstanden, also auch unter Beteiligung von Evan, der von Beginn an Teil von BIOHAZARD gewesen ist,“ äußert sich Gitarrist und Sänger Billy Graziadei im Gespräch. „Über die Umstände seines Ausstiegs werde ich nicht sprechen, dass soll wenn Evan selbst tun. Nur so viel: Es gibt nachvollziehbare Gründe, die es verwehren, dass er mit der Band weitermacht. Darüber hinaus kann ich nur sagen, dass auch er sehr stolz auf „Reborn In Defiance“ ist und voll hinter diesem Album steht. Die Situation ist schon ein wenig verrückt, doch sie ändert nichts an der Tatsache, dass wir ein tolles Album vorlegen, das unsere Fans lieben werden.“ Dieser Aussage ist zuzustimmen, denn das Quartett knüpft an die eigenen Referenzwerke – das selbst betitelte Debüt von 1990, „Urban Discipline“ von 1992 und das wiederum zwei Jahre später veröffentlichte „State Of The World Address“ – nahtlos an. In der Besetzung von Evan, Billy, Danny Schuler (Schlagzeug) und Bobby Hambel (Lead-Gitarre) haben BIOHAZARD drei viel beachtete Werke zwischen Hardcore, Punk Metal und Hip Hop veröffentlicht, die den legendären Status der Band bedingen und dem Quartett zu einer treuen Anhängerschaft rund um den Globus verholfen haben. Und auf die Fans ist Verlass, wie Billy mit Verweis auf die Live-Reaktionen auf das neue Material berichtet:

„Es ist fantastisch. Die Leute gehen auf die neuen Tracks ebenso sehr ab wie auf unsere Klassiker. Einige der neuen Songs spielen wir ja schon längere Zeit live, lange, bevor wir ins Studio sind, um sie aufzunehmen. So war es bei uns schon immer. Für BIOHAZARD sind Konzerte und der direkte Kontakt zu unseren Fans sehr wichtig. Diese Band existiert zu dem Zweck, die Songs auf die Bühne zu bringen. Wenn wir etwas Neues geschrieben haben, trauen wir uns auch, die Stücke direkt zu testen. Das geht nun einmal nur live. Auch auf der Bühne kann man Ideen oder Alternativen ausprobieren und die Songs noch verändern. Man muss sich nur trauen. Wir sind bereit dazu, auch wenn ich natürlich zugeben muss, dass mir auch die Arbeit im Studio viel Spaß macht. Sie gehört dazu und ist eine der beiden Welten, in denen ich als Musiker lebe.“ Eine klare Präferenz für Studio oder Bühne äußert Billy auf Nachfrage nicht:

„Mein Leben ist eine einzige, ewig währende Tour. Ich bin praktisch immer unterwegs und beschäftigt. Wenn wir nicht touren, bin ich im Studio, wo ich für eigene Projekte arbeite oder andere Bands produziere. Dieses Leben gefällt mir, denn es ist immer etwas los und wird niemals langweilig.“ Kein Wunder also, dass der Sound von BIOHAZARD nach wie vor frisch und ungeduldig sowie kraftvoll und wuchtig ausfällt: „Egal, ob ich mit anderen Bands im Studio arbeite oder auf Tour bin – überall bin ich von jungen Leuten und frischen Ideen umgeben, mit denen ich Spaß habe und mich beschäftige. So bleibe ich automatisch jung und voller Energie. Für mich ist alles so faszinierend und erfüllend wie zur Anfangszeit von BIOHAZARD. Dass das mein


Job ist, kann ich noch immer nicht glauben. Fairerweise muss ich ja von einem Job sprechen. Musiker und Künstler zu sein, ist für mich allerdings mehr Erfüllung und Selbstverwirklichung als Arbeit. Ich muss nicht erwachsen werden und kann machen, was ich will. Geht es nach mir, geht das ewig so weiter.“ Das Alter hat allerdings auch bei Billy & Co. kleine Spuren hinterlassen. Die Brooklyner agieren auf ihrem neuen Album insgesamt melodischer als zu Beginn ihrer Karriere und auch einen Tick weniger ungestüm. Wenn es die Situation erfordert, teilen BIOHAZARD aber nach wie vor kompromisslos aus und laden dazu ein, angestaute Aggression und Wut gemeinsam mit ihnen in die Welt hinaus zu schreien:

„Der Rock’n’Roll hat schon immer mein Leben bestimmt. Es ist ja nicht so, dass ich zuerst Familie hatte und dann tourender Musiker geworden bin. Es war genau anders herum, so dass wir uns alle mit der Situation arrangieren konnten und sie als normal ansehen. Natürlich ist es heute schwerer, lange Zeit auf Tour zu sein und die Familie nicht zu sehen, aber dafür erleben wir die gemeinsame Zeit noch intensiver. Auf Tour wäre man 23 Stunden am Tag lieber zu Hause. Doch die eine Stunde, die man auf der Bühne steht, zeigt dir jeden Abend, warum du unterwegs bist und für wen du deine Songs schreibst und spielst. Heute ist es wieder wie in den 90er Jahren. Für uns gibt es nichts anderes als BIOHAZARD, für uns zählen nur unsere Songs. Die Arbeit an „Reborn In Defiance“ lässt sich stark mit der Zeit von vor unserem Debüt verglichen, nicht nur aufgrund desselben Line-Ups. BIOHAZARD sind nicht in der Erwartung unterwegs, von der Band leben zu können. Wir lieben diesen Sound und können nicht ohne ihn. Für uns steht vor allem der Spaß im Vordergrund, und wir tun das, weil wir es wollen und nicht, weil wir es müssen. BIOHAZARD ist unsere Leidenschaft.“

Sechs Jahre nach „Means To An End“ präsentieren sich die New Yorker in Bestform. Das Quartett agiert heavy, ruppig und fokussiert. Fans werden mit dem neunten Longplayer schnell warm werden. „Reborn In Defiance“ basiert auf den erprobten Stärken und Trademarks des Quartetts und steht für eine geglückte Reunion: „Für uns liegt die letzte Platte noch länger zurück, denn die Arbeit war natürlich schon etliche Monate vor ihrem Erscheinen beendet. Durch die lange Wartezeit zwischen beiden Alben sind die Leute noch begieriger, endlich alle neuen Stücke kennen zu lernen. Wir werden sie nicht enttäuschen, denn wir haben auf das vertraut, was in uns ist. Wenn man auf sein Herz hört, kann man nicht falsch liegen. So haben wir es immer gehalten. Für uns ist es keine Option, uns zu verstellen, nur um Erfolg zu haben. Wir wissen, was wir können und was wir wollen. BIOHAZARD sind mehr als alles andere Wut und Energie und genau dafür bekannt. Wir wollen nicht perfekt sein, sondern präsentieren uns bewusst so, wie wir sind. Kleine Fehler gehören mit dazu, doch gerade sie und die Emotionalität unserer Tracks machen es am Ende aus.“

 
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