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Volbeat

Storie von: arne, am 03.12.2011 ]

VOLBEAT stehen für mitreißende Hymnen, die vor allem zwischen Heavy Metal und Rock’n’Roll entwickelt werden, die aber gleichfalls auch Elemente aus dem Country, Rockabilly und Blues integrieren. Wilde Attitüde und relaxte Rockigkeit bilden die Grundlage für den intensiven Sound der Dänen, der sich quer durch die Bank großer Wertschätzung erfreut. Es ist so ähnlich wie bei Social Distortion: Jeder mag die Band, weil sie so unverkrampft, selbstbewusst und treffsicher zwischen Gut und Böse zu unterscheiden weiß und ihre Songs auf einen wesentlichen Kern herunter bricht, der ob seiner Leidenschaftlichkeit schnelle Identifikation schafft.

 
Die Titel der vier Longplayer von VOLBEAT lauten „The Strength/The Sound/The Songs”, „Rock The Rebel/Metal The Devil”, „Guitar Gangsters & Cadillac Blood” und „Beyond Hell/Above Heaven”. Die Dänen um ihren charismatischen Fronter Michael Schøn Poulsen bringen in plakativen (Wort-)Bildern auf den Punkt, worum es ihnen geht und was sie inhaltlich transportieren. Gleichfalls treten sie mit ebenso viel Authentizität wie Herzblut an, und haben es auf diesem Weg in zehn Jahren zu enormer Popularität gebracht: „Wir kennen beide Seiten der Medaille und wissen deshalb umso mehr zu schätzen, dass wir heute unseren Lebensunterhalt von der Band bestreiten können,“ erzählt ein gut gelaunter Sänger und Gitarrist am Telefon. „Das ist schließlich nicht immer so gewesen. In den frühen Jahren mussten wir im Privaten große Einschränkungen in Kauf nehmen, um mit VOLBEAT voran zu kommen. Wir haben lange dafür gekämpft, dorthin zu kommen, wo wir heute sind. Wir haben den harten Weg genommen und uns die erste Zeit über um alles selbst gekümmert. Ohne Geld kann man weder einen Booking-Agenten noch jemanden für das Merchandise oder andere Belange anheuern. Also habe ich neben dem Songwriting und dem Verfassen der Texte auch noch Booking, Management und alles andere, was mit der Band zusammen hing, geregelt. Es hat mir eine andere Art der Erfüllung gegeben, denn natürlich ist es toll, zu sehen, was man alles auf die Beine stellen kann, wenn man hart für seinen Traum arbeitet und sich nicht abwimmeln lässt. In dieser Zeit habe ich gelernt, wie die Mechanismen im Business funktionieren, so dass mir heute niemand etwas vormachen kann. Als wir dann endlich die Möglichkeit hatten, Arbeit auf andere Schultern zu verteilen, ist mir das Loslassen schwer gefallen. Wenn man so lange die Verantwortung für alles getragen hat, muss man anderen gegenüber zunächst Vertrauen aufbauen. Sie wissen ja ebenfalls, wie die Dinge laufen, also musste ich lernen, mich zurück zu nehmen. Dennoch hänge ich mich gelegentlich noch immer voll mit rein, wenn die Zeit da ist. Bis zu einem gewissen Grad macht es mir nach wie vor viel Spaß. Nicht zuletzt möchte ich den Leuten, mit denen wir zusammen arbeiten, zeigen, dass ich es im Zweifel auch alleine könnte. Meine Erwartung ist es, dass sie mindestens genauso schnell und produktiv arbeiten, wie ich es selbst tue. Dafür müssen sie mein Tempo kennen. Wir haben heute Unterstützung bei der Buchhaltung und in Steuerfragen, einen Anwalt, Management, eine Booking-Agentur und ein großes Label. Mit allen von ihnen bin ich in engem Kontakt, um Fragen zu klären und Entscheidungen zu treffen. Es ist mir wichtig, in alles eingebunden zu sein und die Entwicklung von VOLBEAT auch jenseits der Musik mit zu gestalten.“

Vier ganz normale Typen

Michael Schøn Poulsen ist das, was man einen Workaholic nennt. Mit hoher Schlagzahl und noch mehr Leidenschaft ist der Däne ein Vollblut-Musiker, wie er im Buche steht. Trotz eines beachtlichen Pensums hat der Däne bereits Lehren aus eine Dekade mit seiner Band gezogen: „Meine Motivation und mein Antrieb sind heute noch so stark, wie sie es vor zehn Jahren gewesen sind. Meine Liebe zur Musik und die Möglichkeit, mich mit VOLBEAT auszuleben, lassen mich immer weiter machen. Meine Songs zu spielen und auf der Bühne zu performen, ist das Größte für mich. Das bestimmt mein Leben. Unsere Zeitpläne sind straffer geworden. Wir spielen heute weitaus mehr Shows als früher, die noch dazu wesentlich größer sind, und haben viele fixe Termine, die wir einhalten müssen. Früher ist alles etwas lockerer gewesen. Inzwischen kann man durchaus von Arbeit sprechen, bei der aber nach wie vor der Spaßfaktor überwiegt. Touren, die über mehrere Wochen oder Monate gehen, stellen für den Körper und die Psyche allerdings eine enorme Belastung dar. Man muss lernen, sich damit zu arrangieren und damit umzugehen. Beschweren möchte ich mich aber nicht. Vielmehr bin ich überaus dankbar, diese einzigartige Chance und mit der Band so tolle Möglichkeiten zu haben. An meiner Einstellung hat der Erfolg nichts verändert. Sobald ich die Gitarre in die Hand nehme, bin ich elektrisiert und will rocken. Es gibt so viele große Rock-Bands da draußen, und wir sind eine von ihnen. Wer kann schon von sich behaupten, es seinen Idolen gleich zu tun, und die Massen zu bewegen? Es ist einfach unglaublich! Kommerzieller Erfolg und Popularität sind ein netter Nebeneffekt. Zentral stehen für uns jedoch die Verwirklichung unserer Träume und das zu tun, worin wir gut sind.“ Die Dänen wissen aber auch, dass Pausen wichtig sind, um die Balance aufrecht zu erhalten, was der Sänger und Gitarrist bestätigt: „Unbedingt, und die Leute, mit denen wir arbeiten, müssen das respektieren. Wer jeden Tag in einem Büro sitzt und halbwegs geregelte Arbeitszeiten hat, kann nicht nachvollziehen, was es bedeutet, eine tourende Band zu sein. Wir sind keine Roboter, die ein bestimmtes Programm abspulen und das Abend für Abend können. Wir sind vier ganz normale Typen mit Blut in ihren Adern, die Gefühle haben und von Zeit zu Zeit eine Auszeit brauchen, um neue Kraft zu tanken. Deshalb ist es so wichtig, in alle Entscheidungen rund um die Band mit eingebunden zu sein. Nur wir selbst können in uns hinein hören und wissen, wann es zu viel wird und wir pausieren müssen. Natürlich hat man nicht jeden Tag Spaß. Manchmal ist es auch einfach nur Arbeit, wenn man an einem mentalen Tiefpunkt ist und lieber zu Hause wäre. Doch selbst wenn wir krank sind, müssen wir auf der Bühne abliefern. Das ist unser Job. Solche Momente kennt doch aber jeder. Leute, die im Büro arbeiten, können auch nicht zu Hause bleiben, nur weil sie sich nicht gut fühlen. Der Unterschied ist vielleicht, dass wir vielen hunderten oder tausenden Konzertbesuchern gegenüber eine Verantwortung tragen, die nur zu den Shows kommen, um uns zu sehen. Dieses Wissen verleiht uns am Ende immer die nötige Kraft, durch zu ziehen und einen guten Auftritt hinzulegen. Das ist die Erwartung der Leute und für uns die Pflicht, der wir Rechnung zu tragen haben. Unser Booking und Management würden uns am liebsten das ganze Jahr auf Tour sehen. Das geht natürlich nicht, denn auch wir sind Familienmenschen, die bei ihren Frauen und Kindern sein und sich entspannen wollen. Zwischendurch muss man einfach auch ganz normale Dinge tun. Gegenwärtig bin ich in meinem Haus, das wir letztes Jahr gekauft haben. Hier ist es unglaublich ruhig und friedlich. Wir haben einen großen Garten und das Wasser in Sichtweite. Ich heimwerke ein wenig und lasse es mir ohne


jeglichen Stress einfach nur gut gehen. Dieser Kontrast ist wichtig. Das heißt jedoch nicht, dass ich zwischendurch nicht auch die Gitarre zur Hand nehme und an neuen Ideen und Songs arbeite. Ganz ohne Musik geht es natürlich nicht, schließlich ist die Musik mein Leben.“

Konsens-Phänomene

Apropos Familienmenschen: Im Publikum von VOLBEAT treffen Generationen aufeinander, oder sie kommen gleich gemeinsam zu den Konzerten. Mit dem 2010 veröffentlichten Viertwerk „Beyond Hell/Above Heaven” haben VOLBEAT hinsichtlich ihrer Beachtung in der Öffentlichkeit neue Rekorde aufgestellt. Und natürlich sind die Dänen auch auf großer Tour gewesen. Die Nachlese in Form von „Live From Beyond Hell/Above Heaven“ gibt es nun auf CD, DVD und Blue-ray. Herzstück des zweiten Live-Zeugnisses der Dänen ist der Auftritt vor 10.000 begeisterten Fans im heimischen Kopenhagener Forum. Zusätzlich finden sich imposante Impressionen von einigen Festivals, etwa Rock am Ring 2010. So kann man das „Konsens-Phänomen“ VOLBEAT auf verschiedenen Bühnen bestaunen und sehen, wie sie allerorten abgefeiert werden: „Unser Publikum spiegelt den Familienaspekt tatsächlich wider,“ stimmt Michael Schøn Poulsen zu. „Wir mussten schmunzeln, als uns zum ersten Mal bewusst geworden ist, wie durchmischt unser Publikum vom Alter her eigentlich ist. VOLBEAT sind etwas für jede Altersklasse, angefangen von Kids zwischen acht und zehn Jahren, die alleine da sind, über Väter, die ihre Kids mitbringen und gemeinsam mit ihnen abrocken, bis hin zu headbangenden Metalheads und Fans in den 60ern. Die Spanne unserer Konzertbesucher reicht sogar bis hin zu Mainstream-Hörern, die sonst eigentlich nicht zu solch harten Shows gehen. Unser Publikum ist so unterschiedlich, was Alter und Vorlieben anbelangt, dass wir es selbst kaum glauben können. Ich führe es darauf zurück, dass wir unseren Stil seit Jahren kontinuierlich durchziehen und etwas Reales bieten, das jederzeit eingängig und schnell zugänglich ist. Als Menschen bringen wir ein Image mit, mit dem sich praktisch jeder identifizieren kann. Wir sind wie du und ich; einfach vier Typen, die auf die Bühne gehen und in ihren Alltagsklamotten Rock’n’Roll spielen. Wir brauchen keine Maskerade und keine Legende. Wir sind VOLBEAT! Bei uns steht die Musik im Mittelpunkt; nicht die Leute, die sie spielen, oder ein künstliches Image. Wer sich auf unsere Musik einlässt, findet in ihr viel Kraft und Zuversicht und nimmt unseren Optimismus mit, mit dem wir dem Alltag und dem Leben begegnen. Dass ich die ganze Zeit über singe und nicht growle, ist sicherlich von Vorteil, denn so verschrecken wir niemanden. Zum einen kann ich das nicht besonders gut. Zum anderen ist es für mich unvorstellbar, so etwas noch im Alter von 70 Jahren zu tun. Wir sind keine extreme Band und wollen das auch gar nicht sein. Slayer gehen auf die Bühne und ziehen ihr Ding durch. Sie haben einen Stil definiert, der für sie prima funktioniert. Mit VOLBEAT haben wir das auch getan, nur ist unser Ansatz weniger extrem und ungleich verträglicher. In unserem Sound findet man Country-, Rock’n’Roll-, Rockabilly- und natürlich auch Metal-Elemente. Die vielen unterschiedlichen Einflüsse, die bei uns zusammen kommen, werden es uns ermöglichen, noch lange so weiter zu machen. Schließlich können wir unseren Sound immer wieder neu erfinden, indem wir ihn anders zusammen setzen, ohne seine grundlegende Richtung aufzugeben. Die Fokussierung auf die Musik wird uns den Weg weisen.“

Ein Kinderspiel

Setzt sich die ausgewiesen positive Entwicklung der letzten Dekade fort, wird man von VOLBEAT auch künftig eine Menge hören und weitere Hymnen der Extraklasse geboten bekommen: „Die vier Alben, die wir bislang veröffentlicht haben, sind allesamt erfolgreich gewesen,“ weiß auch der Däne. „Dass sich nach jedem von ihnen der Druck erhöht hat, war keine Überraschung und ist aus meiner Sicht verständlich. Unter positivem Druck arbeite ich ohnehin viel besser. Es ist so ähnlich, wie mit dem generellen Interesse an VOLBEAT. Wenn Leute Erwartungen an uns richten und sie sich mit uns beschäftigen, heißt das, dass wir ihnen etwas bedeuten und sie gerne mehr von uns hören wollen. Das ist doch toll, und natürlich will ich sie ein weiteres Mal für uns gewinnen. Um das zu gelingen, schauen wir allerdings allein auf uns selbst und in unsere Herzen. Wir verstellen uns nicht, sondern folgen immer nur dem, was sich richtig anfühlt. Wer sich selbst nichts vormacht, weiß, wann er bereit ist, ins Studio zu gehen, um etwas Starkes zu schaffen. Wer sich von Deadlines und Zeitdruck verunsichern und hetzen lässt, stellt oftmals sein Bauchgefühl zurück, was falsch ist. Bands, die sagen, sie hätten im Studio mehr Zeit gebraucht, machen sich selbst und auch ihren Fans etwas vor. Für „Beyond Hell/Above Heaven“ haben wir unseren Studio-Slot zwei Mal verschoben, weil wir fühlten, noch nicht fertig zu sein. Ich will 100 Prozent vorbereitet und von meinen Songs voll und ganz überzeugt sein. Nur wenn das gegeben ist, gehe ich ins Studio, nicht vorher. Eine gewisse Drucksituation kann stimulierend wirken, doch letztlich muss jeder Musiker für sich selbst entscheiden, ob er von seiner Leistung überzeugt ist, oder nicht.“ Michael Schøn Poulsen und seine Mitstreiter nehmen sich die nötige Zeit, bis sie ausreichend präpariert sind. Noch hat die eigentliche Arbeit am fünften Album nicht begonnen, wie der Däne verrät: „In meinem Kopf habe ich mehr als genug Material für zwei neue Platten, doch noch habe ich nicht durchsortiert und all die Ideen eliminiert, die nicht stark genug sind, um weiter verfolgt zu werden. Aktuell gibt es nicht mehr als einige Intros und eine Handvoll halbfertiger Songs. Ich fange gerade damit an, mich mit allem intensiver zu beschäftigen und die Puzzle-Teile zusammen zu setzen. Dass ich zunächst viel Quantität produziere und anschließend die Hälfte davon wieder verwerfe, ist für den Entstehungsprozess unserer Platten normal. Im Zeitverlauf fordere ich mich, immer fokussierter zu werden. Wir haben für VOLBEAT einen Sound definiert, mit dem ich sehr gut umgehen und auf den ich mich immer sehr schnell einstellen kann. Dennoch sind die ersten fünf Songs, die ich für ein neues Album schreibe, immer die schwersten. Zu Beginn der kreativen Phase bin ich mit so vielen Gefühlen konfrontiert, dass ich sie zunächst entwirren und ordnen muss. Anfangs überwiegt zumeist der Eindruck, dass kein neues Stück gut genug ist. Sobald dann aber fünf stimmige Songs beisammen sind, ist der Rest ein Kinderspiel.“

 
 Links:
  volbeat.dk
 
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