Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1649

An Early Cascade

Interview von: arne mit Maik, am: 10.11.2011 ]

Mit „Versus“ haben AN EARLY CASCADE ein Album vorgelegt, das partiell als Informationsüberflutung ausgelegt werden kann. Das Quintett aus Stuttgart scheut sich nicht davor, dorthin zu gehen, wo es weh tut. Elemente aus dem Hardcore, MathCore, Emo/Screamo, Indie- und Post-Rock werden mit elektronischen Akzenten vermengt und zu einem vielschichtigen, Kraft zehrenden Post-Crossover verbunden, der es in sich hat. Für die Rezeption ist es dabei wichtig, dass die Musiker eine gesunde Mischung aus progressivem Experimentieren, bissiger Härte, verschachteltem Freidrehen und nachvollziehbarer Entwicklung finden. Das ist auf „Versus“ gegeben. Bisweilen darf es sogar vordergründig melodisch und eingängig werden, Clean-Gesang und wiedererkennbare Refrains inklusive.

 

Musicscan: Mit welcher Einstellung geht ihr generell an die Band und eure Musik? Wie lässt sich euer Selbstverständnis in Worte fassen?

An Early Cascade: Ungezwungenheit, Spaß und Leidenschaft. Wir haben schon eine gewisse Ernste mit der Band. Allerdings nicht zu verbissen, sodass noch Platz für die Kreativität bleibt. Untereinander sind wir einfach gute Freunde. Teilweise kennen wir uns über zehn Jahre. Daher funktioniert das Miteinander als Selbstläufer, weil jeder weiß wie der andere Tickt. Mit der Musik schaffen wir für uns selbst unvergessliche Momente und Emotionen. Ob wir damit tausende Euro verdienen ist da eher nebensächlich. Ist einfach ne gute Zeit!

Musicscan: Mit „Versus“ ist euer Longplay-Einstand sehr spät erschienen. Andere Bands streben danach, möglichst bald ein erstes Album zu veröffentlichen. Bei euch ließ es vergleichsweis lange auf sich warten. Woran lag das?

An Early Cascade: Ja. Das lag einfach daran, dass wir relativ viel Zeit in Touren und allgemein Shows investiert haben. Dann kamen noch einige Umstrukturierungen der Band durch Besetzungswechsel an den Drums und am Bass seid "Your Hammer To My Enemy" dazu. Neue Songs hatten dazwischen irgendwie nie so den richtigen Moment erwischt. Man musste sich da immer erst mal wieder richtig reinfinden. Auf den nächsten Output wollen wir aber nicht mehr so lange warten lassen wie jetzt auf "Versus".

Musicscan: In meinem Review habe ich von einem Album gesprochen, das partiell als Informationsüberflutung ausgelegt werden kann. Wie seht ihr das, und wie ist es generell um eure Aufmerksamkeitsspannen und eure musikalischen Vorlieben bestimmt? Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, ihr könnt nicht still stehen und habt breite Vorlieben und Einflüsse, die ihr auch alle zusammen bringen wollt…

An Early Cascade: In allen Punkten muss ich dir recht geben. Das genau war allerdings auch der Plan mit "Versus". Die vielen Gegensätze und unterschiedlichen Stimmungen. Klar! Vieles, wie die härtere Sorte, kam auch aus der Historie. Einige Gitarren-Riffs sind auch schon alt gewesen und nur nie verwendet worden. Was natürlich ganz eindeutig hervorsticht sind die vielen unterschiedlichen Einflüsse. Frühere Tonträger von uns, waren stilistisch sehr einheitlich geprägt. Damals waren wir auch noch fast immer einer Meinung. Heute sind wir prinzipiell immer unterschiedlicher Meinung. Haha! Genau das hat "Versus" gezeichnet. Die unterschiedlichen Ansichten, Stimmungen und Gefühle in der Band untereinander. Klingt alles ein bisschen nach Konzept, war's aber nicht. Wir haben uns teilweise richtig heftig gezofft und der ein oder andere Ausstieg meinerseits war da oft Thema, auch in den Texten. Deshalb kann man "Versus" weniger als Informationsüberflutung bezeichnen, eher als ein Durchleben von echten und authentischen Gefühlen.

Musicscan: Was zeichnet für euch ganz generell einen „guten Song“ aus, der es rechtfertigt, auf eines eurer Releases zu kommen? Welche Art von „Qualitätscheck“ nutzt ihr?

An Early Cascade: Das ist ganz unterschiedlich. Wenn z.B. das richtige Gefühl im richtigen Moment bei jedem ankommt. Das kann allerdings heute so und morgen wieder komplett anders sein! So nen richtigen Check machen wir eigentlich nur, indem wir den Song durchdiskutieren um herauszufinden was dem einen gefällt und dem anderen komplett auf den Sack geht. Manche Songs von "Versus" z.B. haben wir Kumpels gezeigt, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Ich wüsste also kein Wundermittel, um zu sagen "ja der Song muss aufs Album". Letztlich geht irgendwo alles dann doch nach Bauchgefühl!

Musicscan: „Versus“ steht für eine Mixtur aus progressivem Experimentieren, bissiger Härte, verschachteltem Freidrehen und doch auch einer nachvollziehbaren Entwicklung – wie wichtig sind euch die einzelnen Punkte, und wie behaltet ihr am Ende die Übersicht?

An Early Cascade: Wie ich schon sagte. Manche Sachen, wie die härteren Songs, kommen aus unserer Historie. Einen noch krasseren Cut hätten wir zwar machen können, haben wir uns aber ehrlich gesagt noch nicht zugetraut oder uns bereit dafür gesehen. Wir wollten auch endlich mal wieder was releasen. Alles umzukrämpeln hätte dann doch noch etwas länger gebraucht. Was genau in der Zukunft musikalisch auf uns zukommt bleibt ungewiss. Sich nicht festzulegen war auch schon das Ziel bei "Versus" und das hat extrem viel Spaß gemacht. Nen wirklich übersichtlichen Plan haben wir dabei nicht. Brauchen wir aber auch nicht! Der Kern bei uns kennt sich schon so lange, da kann man sich aufeinander verlassen. Man streitet sich dann vielleicht, aber im Endeffekt kommt was noch viel besseres dabei raus als ursprünglich "geplant"...

Musicscan: Clean-Gesang und eingängige Refrains werden bisweilen ja immer noch als polarisierend und anbiedernd gewertet. Gibt es diesbezügliches ein bewusstes „Kalkül“, sie als Mittel zu nutzen, oder wie kam es zu ihnen? Euer Sound würde ja auch ohne sie gut „funktionieren“…

An Early Cascade: Meinst du? Also ich für meinen Teil, wollte mich einfach persönlich weiterentwickeln. Den Reiz nicht verlieren. Wir bzw. ich habe/n das aber jetzt nicht wirklich gezielt eingesetzt oder so. Die Gesangslinien hab ich mir zwar still und heimlich allein daheim überlegt, aber das war nie irgendwie gezwungen. Im Gegenteil. Die Jungs in der Band waren vom Gesang mehr angetan, als immer nur mit dem "Rumgebrülle". Man hat sich dann auch zusammen an den Tisch gesetzt und Feinheiten im Zusammenspiel mit Instrumental und Gesang ausgearbeitet. Das war eine echte Herausforderung und hat alles noch viel spannender und interessanter, auch für uns selbst, gestaltet. Egal in welchem Bereich stehen zu bleiben, wäre einfach nicht funktional gewesen!

Musicscan: Wie erlebt ihr es: Mir scheint es immer, als würden Bands aus den USA und dem UK, die ähnliche Sounds spielen, ernster genommen werden und generell mit Vorschusslorbeeren bedacht. Ist dem so, und muss man als deutsche Gruppe noch mehr bieten oder noch „krasser“ sein?

An Early Cascade: Das liegt, meine ich, eher am Markt. Vermutlich ist der Output an Bands in Deutschland einfach nicht so groß, sodass die Aufmerksamkeit primär auf neuen Releases hierzulande liegt. Nicht, dass es dadurch einfacher in USA oder UK ist. Nur vermutlich ist ne "neue Band" oder ne neue Platte aus den typischen Regionen einfach schneller im Umlauf, weil man das von dort erwartet bzw. genau darauf wartet.

Musicscan: Welche Erfahrungen macht ihr auf Konzerten, auf denen euch die anwesenden Leute überwiegend und augenscheinlich noch nicht kennen? Finden sie schnell Zugang zu euren Songs, oder stehen sie eher reaktionslos herum? Ich würde euren Sound als nicht unbedingt kompatibel skizzieren, so dass meine Erwartung wäre, ihr könnt nicht jedes Publikum mitreißen. Oder doch?

An Early Cascade: Also über neue Songs kann ich noch nicht so viel aus den Live-Erfahrungen schöpfen, aber mit den älteren (härteren) Songs war es meist eher schwieriger. Das lag natürlich auch an der sperrigen und hektischen Struktur der alten Songs. Ist nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Auf "Versus", zumindest meiner Meinung nach, gibt es schon einige Augenblicke die auch "Unbekannte" mitreißen könnten. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf!

Musicscan: „Versus“ ist jetzt ja schon einige Zeit draußen. Welches Feedback von Hörern und Presseleuten hat euch gefreut und welche Punkte haben euch geärgert? Was ist euch in dieser Hinsicht besonders in Erinnerung geblieben?

An Early Cascade: Am meisten haben wir uns natürlich über das überwiegend gute Feedback von Hörern als auch Presse gefreut. Viel ärgern konnte man sich da nicht. Ab und zu denkt man bei einigen Reviews aber schon, dass der-/diejenige sich nicht wirklich damit auseinander gesetzt haben. Stellenweise ein wenig lieblos. Da wäre mir persönlich eine begründete negative Kritik lieber. Was besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die unterschiedlichsten Philosophien über den Sound zu Beginn von "Everything Is Wrong. Everything Is OK.". Verraten will ich's jetzt aber auch nicht. Da muss man sich dann schon live davon überzeugen!

Musicscan: Welche Pläne bestehen für die nähere Zukunft, und welche längerfristigen Ziele habe ihr noch mit der Band?

An Early Cascade: Ein Musikvideo. Nähere Details plaudre ich aber noch nicht aus. Dann natürlich Shows, um "Versus" unter die Leute zu bringen. Bisher hat sich das noch in Grenzen gehalten. Längerfristig natürlich das nächste Album und ne Support-Tour für The Mars Volta! ;)

Musicscan: Bitte in aller Kürze: Wer sollte euch warum antesten?

An Early Cascade: Eigentlich jeder, den unkonventionelle Songs nicht zurückschrecken lassen und sich mit unterschiedlichster Musik und Stimmungen aufgeschlossen auseinandersetzen möchte.

 
 Links:
  myspace.com/anearlycascade
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Noiseast
  Seeds Of Mary
  The Yellow King
  LDOH & SxRxOxM
  Process Of Guilt

Interviews/Stories:

  Asking Alexandria
  All Will Know
  Minipony

Shows:

  14.12. Stahlmann - Wuppertal
  14.12. Peter And The Test Tube Babies - Hannover
  14.12. Deadsmoke - Dresden
  14.12. B.o.s.c.h. - Wuppertal
  15.12. Doro - Ravensburg