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Heirs

Storie von: arne, am 02.11.2011 ]

Wenn eines gewiss ist, dann ist es die Unberechenbarkeit von HEIRS. Mit „Hunter“ erscheint die dritte Veröffentlichung der Australier, die sich ein weiteres Mal neu erfinden. Mit dem, was auf dem Debüt „Alchera“ und zuletzt auf „Fowl“ zu hören gewesen ist, hat der 2011er Sound des Quintetts nicht mehr viel gemein. Das Experimental-Outlet aus Melbourne geht mehr denn je in Richtung elektronischer Klangwelten im Sinne von Dark-Wave, Ambient und Industrial.

 
„Für mich stellt „Hunter“ den vorläufigen Höhepunkt unseres Schaffens dar,“ meint Schlagzeuger und Elektro-Tüftler Damian Coward. „Die visuelle Komponente wirkt stärker als bisher, während wir musikalisch die drei Jahre unserer Existenz rekapitulieren. Ganz bewusst haben wir einige Themen von „Fowl“ wieder aufgegriffen und weiter entwickelt, weil wir der Überzeugung waren, ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft zu haben.“ Die Australier fordern ihre Kreativität seit jeher ganzheitlich und leben sie über verschiedene Kanäle aus: „Was uns stets das größte Kopfzerbrechen bereitet, ist die grafische Umsetzung unserer Veröffentlichungen. Mit der bloßen Musik sind wir immer sehr zufrieden, denn diese liegt in unseren Händen. Das Artwork ist für uns allerdings ebenso wichtig, wie die Musik, und muss ebenso hohen Ansprüchen gerecht werden. Bislang ist das noch immer aufgegangen, doch diesen essentiellen Part unserer Kunst an eine andere Person außerhalb der Band abzugeben, ist für uns immer mit Unbehagen verbunden. Würde unsere Mindesterwartung einmal nicht erreicht werden, würden wir ein Release sogar komplett zurück halten. Bislang war das glücklicherweise noch nicht erforderlich.“

Abgesehen von Gesängen im Hintergrund bleiben HEIRS wieder rein instrumental. „Hunter“ besitzt neben einem Gothic-Überzug auch eine subtile Dark-Pop-Kante: „Die neuen Tracks gehen von ihrer Stimmung her stärker in Richtung der frühen Gothic-Bewegung. Unsere Idee war es, die kalte Aura zu reproduzieren, für die Bands wie Sisters Of Mercy, Cocteau Twins, Southern Death Cult und Joy Division legendär sind. Die Gratwanderung zwischen Melodien und Dunkelheit und die Bestimmung ihrer optimalen Balance zueinander fasziniert uns,“ erzählt Damien. Die Australier stellen neuerlich auf Intensität, Atmosphäre und Stimmungen ab; zeigen sich im Aufbau der Klangwelten bedächtig und in der Wirkung vielschichtig: „Für den Moment scheint es, als hätten wir den für uns optimalen Weg im Songwriting gefunden. Wir beginnen mit einer elektronischen Version jedes Songs, der zu einer Version von 30 bis 40 Sekunden Länge komprimiert ist, jedoch schon zwei Drittel der Riffs besitzt. Anschließend arbeiten wir den Rest aus. Haben wir die richtige Länge gefunden, beginnen wir mit den Proben und legen fest, wer welche Melodien spielt. Im Verlauf der weiteren Arbeit stellt sich dann heraus, was funktioniert und was nicht geht. Wir arbeiten also mit einer Mischung aus freiem Experimentieren und definiertem Blueprint, dem wir möglichst treu bleiben. Diese Arbeitsweise hat sich als sehr effektiv heraus gestellt, zumal sie den Dualismus zwischen Elektronik und Live-Crossover vorweg nimmt.“



HEIRS arbeiten mit hypnotischen, repetitiven Themen, Motiven und Passagen, mit denen sie einen kontinuierlichen Verstärkungseffekt erreichen, der eine entrückte, verdichtete Wirkung bedingt: „Mit jedem Song, den wir schreiben, nähern wir uns dem gemeinschaftlich geteilten Ideal unserer Musikalität an. ,Hunter‘ ist das neueste Stück und damit die aktuellste Annäherung an die Umsetzung unserer Vision. ,Symptom‘ hingegen stammt noch aus der Entstehungsphase von „Fowl“. Wir hatten viel Zeit, an diesem Track zu arbeiten. Die heutige Version hat nichts mehr mit der ursprünglichen gemein, was ebenfalls ein Beleg unserer Fähigkeit ist, uns weiter zu entwickeln.“ Das Outlet aus Melbourne gibt sich in allen Belangen experimentierfreudig und scheut sich nicht davor, sein musikalisches Antlitz beständig zu hinterfragen und zu verändern: „In der Frühphase unserer Band gab es noch einige Konventionen, denen wir uns verpflichtet fühlten, und kleinere Kompromisse, die wir eingegangen sind. Die Phase war jedoch kurz und ging schnell vorüber. So etwas bringt ja nichts. Das haben wir schnell erkannt. Heutzutage befinden wir uns in einer Position, in der wir niemals irgendwem irgendetwas recht machen. Als instrumentale Band legen wir allenfalls besonderen Wert auf die Gefühle und Stimmungen, die wir vertonen. Das bedeutet, dass wir uns zunächst darüber im Klaren sein müssen, was wir ausdrücken wollen, und was uns bewegt. Ansonsten könnten wir niemals die nötige Tiefe erreichen und die Intensität erlangen, die es uns ermöglichen, nicht richtungslos und zufällig aufzuspielen.“

Dass sowohl „Alchera“ als auch „Fowl“ jeweils mit ihrem härtesten Stück gestartet sind, ist Damien zufolge volle Absicht gewesen und sagt viel über das Selbstverständnis der Australier aus: „So konnten wir die Leute aussortieren, die uns nicht wirklich hören wollen und zugleich eine gute Basis für die späteren Stimmungsverschiebungen auf den Platten schaffen. Wer das unbequeme Ende unseres Sounds nicht durchstehen kann, soll auch nicht seine Vorzüge kennen lernen. Wir wollen nur Hörer, die bereit sind, sich mit allen Aspekten unseres Ansatzes zu beschäftigen.“ Wer das tut, findet in den Kompositionen von HEIRS vielschichtige Instrumental-Tracks, die von den Musikern bewusst deutungsoffen gehalten werden: „Wir wollen nichts einschränken und laden die Hörer zum einem Gedankenaustausch ein. Es ist immer sehr interessant, zu erfahren, welche Gefühle und Meinungen unsere Songs bei Anderen auslösen. Wenn wir unsere Intentionen verraten, nehmen wir den Interpretationsspielraum vorweg, der Teil der Rezeption ist. Die Leute sollen ja gerade eigene Rückschlüsse ziehen. Wer sich die Zeit nimmt, wird unsere Musik verstehen – ganz ohne weitere Erklärungen. Das ist wenigstens das Ziel, das wir umzusetzen suchen.“

 
 Links:
  heirs.com.au
 
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