Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1649

As You Drown

Storie von: arne, am 24.10.2011 ]

Das 2009er Debüt-Album von AS YOU DROWN –„Reflection“ – hat den Hörern mit seiner beinharten Anlage zwischen Brutalo-Death-Attacken und derben Power-Grooves den Boden unter den Beinen weggezogen und die Nackenmuskulatur zum Schmerzen gebracht. Genau in diese Richtung geht es auch auf „Rat King“. Die Nordmänner haben ihren technisch anspruchsvollen Death Metal mit enorm viel Wut und Aggression aufgeladen und spielen sich ultraheavy durch die neun Tracks ihres Zweitwerks.

 
Der bewusste Neustart inklusive Namensänderung ist der richtige Weg gewesen. Seit drei Jahren firmieren die Schweden unter AS YOU DROWN und haben in dieser Spanne bereits mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als in der kompletten Zeit davor als Ethereal. Für Shouter Henrik, dessen Einstieg 2008 den Ausschlag für die Umbenennung gab, sind die Ziele klar gesteckt, denn Death Metal dient ihm von jeher zur Verarbeitung der eigenen Gefühlswelt: „Shadowbuilder, die ich im Alter von 16 Jahren gegründet hatte, sind meine erste Band gewesen. Damals bin ich ein abgefuckter Teenager gewesen, für den wildes Geschrei bis zur totalen Verausgabung eine prima Therapie war. In meinen Texten konnte ich all die abgedrehten Gedanken verarbeiten, die in meinem Kopf herum spukten. Die Band ermöglichte es mir, mit meinem Hass und meiner Frustration auf positive Art und Weise umzugehen. Und natürlich waren wir stolz darauf, aufzutreten und herum zu kommen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. AS YOU DROWN bietet mir in noch größerem Rahmen die Möglichkeit, Dampf abzulassen und meine Balance aufrecht zu erhalten. Ich muss einfach brutalen Metal spielen. Ohne ihn geht es in meinem Leben nicht.“

Mit der Frage, ob „Rat King“ nun Brutalo-Death oder vielleicht doch Deathcore ist, beschäftigen sich die Schweden erst gar nicht: „Wir streben danach, einen Stil zu erschaffen, der neue und alte Ansätze des Death Metal miteinander verbindet und im Ergebnis frisch und aufrichtig klingt,“ so der Shouter. „Die geradlinige, teils eingängige Brutalität von Slayer kombinieren wir mit der majestätischen Dunkelheit von Morbid Angel und dem technischen Riffing von Meistern wie Decapitated. Ebenso wichtig ist es uns, mit unseren Songs wirkliche Emotionen zu transportieren. Das haben all die großen Metal-Gruppen getan, die ich in meiner Teenager-Zeit vergöttert habe. Zu viele Bands vernachlässigen das heutzutage und wollen nur möglichst brutal aufspielen, ohne dass hinter dieser Brutalität starke Gefühle stehen. Ohne den richtigen Anschub in Form von Wut und Aggression kann man aber gar nicht richtig brutal sein. Dann fehlt etwas.“

AS YOU DROWN schlagen auf ihrem Zweitwerk eine Brücke zwischen der rabiaten US-Death-Schule und modernen Extrem-Fricklern, ohne dass sie dabei ihre Grundschwere und das massive Rollen aufgeben müssten, die sie auszeichnen. Deshalb ist „Rat King“ bestens geeignet, verschiedene Geschmäcker zu bedienen: „Für mich ist das, was wir spielen, einfach Death Metal,“ meint Henrik. „Was andere über uns sagen oder schreiben, interessiert mich nicht, und beeinflussen können wir es ohnehin nicht. Mir ist es wichtig, zu betonen, dass wir weder irgendwelchen Trends folgen noch Teil irgendeiner Szene sind. Das ist definitiv nicht der Fall. AS YOU DROWN bestehen schon länger, als es beispielsweise den so genannten Deathcore gibt.


Einen gewissen Anteil an „chuggy“ Riffs will ich gar nicht abstreiten, doch mit Gruppen wie Decapitated, Meshuggah oder Gojira lasse ich mich partiell gerne vergleichen.“

Die anspruchsvolle Mixtur aus Highspeed-Geprügel, deftigem Mosh an den richtigen Stellen und fiesem Grooven kommt auf den Punkt. Mit ihr ist das Quintett schonungslos effektiv. Genau so wollen es die Schweden haben, wie der Frontmann verrät: „Es war uns wichtig, ein dynamisches, brutales und extrem angepisstes Album heraus zu bringen. Im Metal ist es wie in allen anderen Musik-Stilen: Es gibt unglaublich viele Bands, von denen manche interessant und besonders sind, die Mehrzahl allerdings nicht sonderlich spannend in Erscheinung tritt. Wir wollen zur erstgenannten Gruppe zählen. Deshalb schauen wir nur auf uns. Es bringt ja nichts, festzustellen, dass andere besser oder schlechter sind. Wir richten unsere Kraft lieber darauf, individuell und als Einheit stärker zu werden und uns beständig weiter zu entwickeln. Was das Songwriting anbelangt, setzen wir uns deshalb keine Grenzen. Prinzipiell ist alles vorstellbar, sofern es in den Kontext passt und wir uns damit wohl fühlen. Da AS YOU DROWN seit Jahren aus denselben Leuten bestehen, wird sich unser Stil nicht mehr gravierend ändern, doch wir werden keine zwei Alben veröffentlichen, die gleich klingen. Es muss voran gehen. Andernfalls wäre es ja langweilig.“

Kein Wunder also, dass „Rat King“ eine kompakte Durchschlagskraft erreicht, die das Quintett als reflektierte Death Metaller auszeichnet: „Im Songwriting sind wir vollkommen frei und allein unseren Ideen verpflichtet. Natürlich wird es immer Sachen geben, die wir rein handwerklich nicht umsetzen können, doch wir wollen ja nicht ultra-super-technisch aufspielen. Das können andere besser als wir. Mit dem Stil von AS YOU DROWN sind wir mehr als zufrieden. Jeder, der Emotionen wie Wut, Hass und Verzweiflung nachvollziehen kann, wird einen Zugang zu unserem Sound finden.“

Diese Aussage ist nachvollziehbar und stimmt, wobei insbesondere Fans zwischen Morbid Angel, Job For A Cowboy, Decapitated und Meshuggah das Quintett antesten sollten. Vielleicht ist es ja von Vorteil, dass die Schweden die ihnen zur Verfügung stehende Zeit intensiv nutzen, um voran zu kommen und besser werden: „Wir proben nicht so viel, wie es nötig und richtig wäre. Das liegt daran, dass wir in verschiedenen Städten leben und jede Probe viel Zeit und Fahrerei bedeutet. Aus diesem Grund sind Touren für uns besonders wichtig, denn auf ihnen sind wir längere Zeit am Stück zusammen. Unsere Europa-Tour mit Vader im letzten Jahr hat uns sehr geholfen und viele interessante Erkenntnisse gebracht, die sich nun auf „Rat King“ widerspiegeln. Es ist ein offenes Geheimnis: Wir wollten eine brutale, intensive Platte abliefern, die unsere Vision des Death Metal abbildet. Genau das haben wir umgesetzt. Die Kombination alter und neuer Elemente lässt uns dabei außerhalb des Wettbewerbs stehen.“

 
 Links:
  metalblade.com/de/artists/asyoudrown
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Noiseast
  Seeds Of Mary
  The Yellow King
  LDOH & SxRxOxM
  Process Of Guilt

Interviews/Stories:

  Asking Alexandria
  All Will Know
  Minipony

Shows:

  14.12. Stahlmann - Wuppertal
  14.12. Peter And The Test Tube Babies - Hannover
  14.12. Deadsmoke - Dresden
  14.12. B.o.s.c.h. - Wuppertal
  15.12. Doro - Ravensburg