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Livarkahil

Storie von: arne, am 21.10.2011 ]

Mit zunehmender Häufigkeit treten französische Bands auf den Plan, die nicht nur internationales Format besitzen, sondern auch internationale Ambitionen mitbringen. LIVARKAHIL sind eines der möglichen Beispiele. Das Quintett aus Paris spielt einen schwarzmetallisch gefärbten Death Metal, der sich überwiegend zwischen Morbid Angel und – mehr noch – Behemoth entlädt. „Signs Of Decay“ ist das Zweitwerk der Franzosen und ebenso boshaft extrem wie kraftvoll und intensiv.

 
Frontmann und Band-Initiator HK zufolge verfolgt das Outlet zudem einen Bildungsauftrag und kümmert sich um den heimischen Metal-Nachwuchs: „Ohne, dass ich wie ein alter Sack klingen will: Ich bin seit zwanzig Jahren in der Szene und habe in dieser Spanne viele Entwicklungen als Zeitzeuge begleitet. Das betrifft nicht nur die bloße Musik und neue Stile, sondern auch die Mentalität der Metalheads und die Art und Weise, wie sie denken und sich geben. Alles entwickelt sich weiter, aber nicht immer zum Besseren. Was vor zwei Jahrzehnten geteilter Konsens gewesen ist, wird von den Kids heutzutage nicht mehr angenommen. Manchmal kennen sie es nicht einmal. Die Jugend hat eigene Codes und Vorstellungen, und oftmals interessiert sie nicht, was gewesen ist. Wenn ich sehe, was heute alles als extrem angesehen wird, muss ich bisweilen aber schmunzeln. Cannibal Corpse, die zu meiner Zeit hoch kamen, waren schon immer weitaus brutaler. Ich verstehe es als unsere Aufgabe, den jungen Metalheads aufzuzeigen, woher wir und unser Sound kommen und wo unsere Wurzeln liegen. Aus meiner Sicht muss man die Ursprünge kennen, um würdigen zu können, was man hat und wie es einzuordnen ist. Diesen kurzsichtigen Ansatz, jeden zweiten Tag etwas Neues abzufeiern und alles davor direkt wieder fallen zu lassen, kann ich weder gut heißen noch nachvollziehen. Deshalb versuchen wir, als so etwas wie ältere Brüder auf die Kids einzuwirken und ihnen die wichtigen Referenzwerke und -bands früherer Tage näher zu bringen.“

Musikalisch entfachen LIVARKAHIL einen furiosen, technisch geprägten Sturm der Entrüstung, wenn sie ihr Konzept-Album „Signs Of Decay“ rund um religiöse Autokratie umsetzen. In den temporeichen Attacken agieren die Musiker bissig, präzise und mit zügelloser Brutalität: „Es ist unser Ziel gewesen, einen nach vorne gehenden, effektiven Metal zu spielen, der textlich einen philosophischen Anspruch erhebt,“ so der Shouter. „Der Name LIVARKAHIL bedeutet schließlich Karma und ist nicht nur zufällig gewählt. Wir beschäftigen uns mit skirituellen Kulten und mit den Auswirkungen religiöser Machtstrukturen auf die Menschheit. Diese beleuchten wir aus verschiedenen Perspektiven und benutzen dabei nicht ein einziges Mal das nahe liegende Klischee von Satan. Stilistisch gehen wir dabei heute stärker in Richtung Death Metal.“ Mit zunehmender Spielzeit treten häufiger Passagen zutage, die organische Brachialität im Sinne von Gojira leben und für nötige und wichtige Entlastung und Kontraste sorgen. Es ist jedoch eine andere Referenz, die deutlich über der ganzen Platte steht: „Überall und ständig begegnet uns der Vergleich mit Behemoth,“ weiß der Frontmann.


„Er stört uns aber nicht, sondern erfüllt uns mit Stolz. Behemoth sind eine fantastische Band, die tolle Platten veröffentlicht und auch auf der Bühne kaum zu übertreffen ist. LIVARKAHIL sind eine ungleich kleinere Gruppe, die noch nicht ansatzweise so viel erreicht hat, wie sie. Deshalb ist es eine Ehre für uns, als „französische Behemoth“ betitelt zu werden. Musikalische Gemeinsamkeiten sind ja gegeben, auch wenn sich der zugrunde liegende künstlerische Ansatz unterscheidet. Auf eine bloße Kopie möchte ich jedenfalls nicht reduziert werden. Das würde unserem Sound nicht gerecht werden. Neben den bestehenden Parallelen gibt es schließlich auch etliche Passagen, in denen wir eine eigene Identität heraus stellen.“

Im Songwriting beweisen die Franzosen ein gutes Gespür für Variabilität und Dramaturgie. Nach straff durchgezogenen Parts lassen die Musiker die Zügel leicht schleifen, um Kraft zu tanken und in den nächsten Frontalangriff über zu gehen: „Mit „Signs Of Decay“ hat sich unsere Band gefunden; sowohl was den Sound anbelangt als auch menschlich,“ erzählt HK. „Nun ist die Rollen- und Aufgabenverteilung klar. Jeder ist am Songwriting beteiligt gewesen und hat auch zum textlichen Konzept beigetragen bzw. dessen Entstehung mit begleitet. An den Arrangements, Lyrics und der Produktion haben wir lange und hart gearbeitet. Wir redeten scherzhaft davon, eine längere Rede zu schreiben. So viel anders ist es ja nicht. Wenn man ein breites Publikum überzeugen will, muss man klar strukturiert vorgehen, wissen, was man will, und in der Umsetzung auf den Punkt kommen. Genau das haben wir getan, und es ist uns gelungen. Das Album ist die Essenz unseres Sounds. Alles greift stimmig ineinander, klingt wie aus einem Guss und lässt aus fünf Personen eine gemeinsam agierende Einheit werden. Wir haben stets die Kontrolle und arbeiteten aus einem kompakten Block unterschiedliche Facetten heraus.“

Die Güte der Umsetzung ist dabei das Ergebnis eines akribischen Entstehungsprozesses: „Wir haben uns mehr als ein Jahr auf die eigentlichen Aufnahmen vorbereitet und mit mehreren Demos und Vorproduktionen ausgiebig getestet, bis wir haargenau wussten, wie alles werden sollte,“ verrät HK. „In meinem Studio haben wir die Songs geschrieben und überarbeitet, bis alles passte. Erst dann haben wir das Album eingespielt. Ab diesem Zeitpunkt lief alles schnell und reibungslos, und auch für den Mix hatten wir klare Vorstellungen. Unser Death Metal weist einen polnischen Touch auf, insofern lag es nahe, das Hertz Studio zu beauftragen.“ Damit sind LIVARKAHIL Gruppen wie Vader, Decapitated, Hate oder Nervecell gefolgt und befinden sich in bester Gesellschaft. Und natürlich zählen auch Behemoth zu den Referenzen des Studios. So schließt sich der Kreis, und die Franzosen können ihren Aktionsradius mit „Signs Of Decay“ und dessen vorwärts gerichteter, effektiver Anlage ausweiten.

 
 Links:
  livarkahil.com
 
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