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Betraying The Martyrs

Storie von: arne, am 15.10.2011 ]

„Breathe In Life“ wird die Franzosen von BETRAYING THE MARTYRS unter Deathcore- und Extrem-Crossover-Hörern schnell etablieren. Das Sextett hat starke Argumente auf seiner Seite; nicht nur die US-Pressung via Sumerian. Das in Europa auf Listenable erscheinende Debüt-Album der Band führt einen frischen, spannungsgeladenen und anspruchsvollen Stilmix im Programm, der tollkühn bis wahnwitzig inszeniert wird und schlichtweg großartig ist.

 
Das Sextett umgeht platte Standards jedweder Couleur und reichert seine Abrisssalven mal mit versierter, anspruchsvoller Technik und mal mit Keyboard-Flächen oder eingängigen Akzenten an, die die Tiefe und Intensität der Nummern verstärken: „Unser Sound ist von Beginn an breit angelegt gewesen, hat schon immer cleane Vocals, orchestrale Stellen, Synthies und andere Elemente umfasst, die uns gegenüber anderen Gruppen differenzieren,“ erzählt Bassist Valentine Hauser. „Mit der Zeit sind wir in ihrem Einsatz immer mutiger geworden, was sich sehr positiv ausgewirkt und uns auf unserem Weg bestätigt hat. Auf dem Album gehen wir deshalb noch weiter und integrieren neue Ideen und Einflüsse, die unsere Songs noch unberechenbarer machen. So gibt es heute Prog-Zitate, ausgeweitete Black Metal-Passagen, Old School-Death Metal-Riffs und vieles mehr. Zusätzlich ist unser Songwriting komplexer geworden, was sich in deutlich mehr Variation von Tempo und Stimmungen äußert. Der positive Nebeneffekt ist es, dass man uns stilistisch nicht greifen kann. Spaßeshalber sprechen wir von „symphonischem Extrem-Groove-Metal“, wenn uns Leute nach einer Beschreibung fragen. Wirklich ernst bekommen wir das jedoch nicht über die Lippen. Uns reicht es, wenn man uns als herausfordernden Metal versteht.“

Die Musiker aus Paris treten mit einem besonderen Selbstverständnis an. BETRAYING THE MARTYRS wollen ihrer Spielart neue Impulse verleihen und geben sich mit der Reproduktion bekannter Stereotype nicht zufrieden: „Wir führen unterschiedliche Metal-Stile zusammen,“ bestätigt es der Bassist. „Dabei lassen wir uns von vielen Dingen inspirieren, die sich von Tag zu Tag stark unterscheiden können. Die Vielschichtigkeit unserer Interessen und Stil-Kombinationen ermöglicht es uns, sowohl mit traditionellen Metal Bands zusammen zu spielen als auch mit Black-, Death-, Thrash- und modern getrimmten Gruppen. Auf unserer letzten Tour haben wir Shows mit Dark Funeral und regionalen MetalCore- und Deathcore-Kapellen absolviert, aber auch ein christliches Rock-Festival gerockt. Wir nehmen jede Chance an und machen das Beste aus ihr. Als Band von sechs Musikern treffen bei uns unterschiedliche Vorlieben aufeinander. Was uns vereint, ist die Breite unserer Einflüsse und der hohe Stellenwert, den die Musik in unseren Leben einnimmt.“ Bedingt durch Line-Up-Wechsel ließ der Vollzeit-Einstand der Franzosen länger als geplant auf sich warten. Dafür gibt es mit „Breathe In Life“ ein derbes Monster, das nichts zu wünschen übrig lässt und die Vorschusslorbeeren rechtfertigt: „Unsere offensichtlichen Einflüsse sind Born Of Osiris, Cannibal Corpse, Whitechapel und The Devil Wears Prada,” so Valentine. „Wir stehen aber auch dazu, dass wir auf Myspace erste Aufmerksamkeit bis hin zu einem kleinen Hype erregt haben. Bewusst sind wir von Beginn an aber auch in der realen Welt unterwegs gewesen und haben nicht nur auf das Internet gesetzt. Inzwischen ist Myspace tot, und wir sind immer noch da – sogar präsenter denn je.



Wir sehen, dass sich mehr und mehr Leute für uns interessieren. Und dann sind da ja noch großartige Labels wie Listenable und Sumerian, die an uns glauben, unsere Platte heraus bringen und für uns einen Traum erfüllt haben.“

Mit BETRAYING THE MARTYRS hat sich Listenable einen beachtenswerten Debütanten geangelt, der sich im Label-Programm neben The Red Shore richtig gut macht und quasi ein Selbstläufer ist: „Den Myspace-Stempel sind wir schnell wieder los geworden, nachdem die Leute gesehen haben, dass wir auch außerhalb des Internets hart arbeiten. Die Vorurteile gegen Hype-Bands verstehe ich allerdings nicht so recht. Jeder spricht über seine Proben, Studio-Aufenthalte und Touren. Das ist doch aber noch nicht alles. Marketing-Aktivitäten der Label, Video-Konzepte und Promotion-Strategien gehören für Gruppen, die voran kommen wollen, heutzutage mit dazu. Wer seinen Namen verbreiten und neue Hörer für sich interessieren will, muss alle Kanäle nutzen. Daran ist doch nichts verkehrt. Das Business funktioniert seit jeher so, nur bietet das Internet mit Plattformen wie Myspace und Facebook heute ganz andere Möglichkeiten.“ Das Sextett aus Paris verdient jegliche Beachtung. Die Musiker wissen, dass Brutalität und Kompromisslosigkeit nur die halbe Miete sind. Clean-Vocals und führende Melodien finden sich auf „Breathe In Life“ ebenfalls, was das reflektierte, findungsreiche Songwriting auszeichnet und den Songs nachhaltige Wirkung und partielle Wiedererkennung beschert:

„Im Metal sind klare Kategorisierungen nach wie vor weit verbreitet,“ weiß der Bassist. „Die Leute wollen schon vorab wissen, was sie erwartet. Das ist sowohl im Old School- als auch im New School-Lager so. Alles, was sich jenseits der gängigen Bahnen bewegt, muss darum kämpfen, getestet oder sogar akzeptiert zu werden. Gerade in der Anfangszeit hat man es sehr schwer, wenn man anders ist. Das kann ich dir sagen. Für uns geht es aber nicht ohne das Ausprobieren neuer Kombinationen und unserer Ideen. BETRAYING THE MARTYRS reflektiert all das, was wir privat hören, oder was wir als spannend erachten. Zum Glück hat anspruchsvoller Metal gerade eine gute Phase, wenn man sich die Rezeption von Djent, MetalCore und Deathcore anschaut. Das technische Level der Musik ist enorm, und einzelne Bands im selben Genre sind teilweise extrem verschieden. Schau dir beispielsweise Animals As Leaders und Periphery an, die beide als Djent bezeichnet werden und doch etwas völlig Unterschiedliches machen. Wir nehmen uns ebenfalls nicht zurück und machen, worauf wir Lust haben. Wenn sich ein poppiger Refrain aufdrängt, scheuen wir uns nicht davor, ihn einzubauen, selbst wenn wir anschließend einen krassen Black Metal-Part setzen. Wir lieben die Herausforderung und haben schon eine Vorstellung davon, was das nächste Album auszeichnen wird: ein Maximum an Crossover! Mit unserer ersten EP haben wir die Grundlagen unseres Stils gelegt. Auf „Breathe In Life” haben wir nun zu uns gefunden. Es ist reifer und technischer und ein erster wichtiger Etappenschritt. Nun werden wir weiter gehen und uns noch rigoroser ausleben. Was wir noch nicht kennen oder können, werden wir lernen. Wir sind bereit, alles zu geben.“

 
 Links:
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