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Textures

Storie von: arne, am 25.09.2011 ]

Wer den bisherigen Weg von TEXTURES verfolgt hat, wird in „Dualism“ ein Album finden, das gewohnt vielschichtig, kontrastreich und mit viel Sinn für die kleinen Details umgesetzt worden ist. Das Sextett verbindet Elemente aus dem Post-Hardcore und -Metal mit Prog-, Death und Heavy-Metal und einer rollenden Rock-Kante; neben vielen anderen Einflüssen. Der Nuclear Blast-Einstand der Niederländer ist jederzeit sphärisch gehalten und mindestens so intensiv und wohlklingend wie eruptiv und hart. Die Musiker achten darauf, dramaturgisch aufwühlende Spannungsbögen zu setzen und weder der melodisch-verträglichen noch der bratzigen Schlagseite ihres Sounds die Oberhand zuzugestehen.

 
Während des kreativen Arbeitsprozesses gab es wiederum nur spärliche Informationen aus dem Lager der TEXTURES. Schlagzeuger Stef (auch Exivious) zufolge steckt dahinter kein böswilliges Kalkül: „Wir haben unsere Fans zappeln lassen und die Spannung bewusst bis zuletzt aufrecht erhalten. Bis mit ,Singularity’ ein erster neuer Track online ging, haben wir diesen besonderen Moment über Monate hinweg herbei gesehnt. Seit der Veröffentlichung von „Silhouettes” sind schließlich drei Jahre vergangen, die für uns einer Ewigkeit gleich kamen. Den Fans zu beweisen, dass wir noch immer 100 Prozent abliefern, bedeutet uns viel.,Singularity’ steht nicht zufällig für all das, was unseren Sound auszeichnet – freaky Rhythmen, eingängige Gesangslinien, fesselnde Spannungsbögen und harte Gitarren. TEXTURES melden sich gewohnt stark zurück. Und selbst auf die Tatsache, dass wir einen neuen Sänger haben, ändert unser Antlitz nicht zu sehr. Die Leute reagieren bislang allein positiv. Das ist toll.“

An der Qualität der eigenen Arbeit zweifelt das Sextett ohnehin nie, insofern sind die bestätigenden Reaktionen vorprogrammiert. Der bandinterne Qualitätscheck ist erprobt und funktioniert: „Wir stehen immer voll und ganz zu dem, was wir veröffentlichen und sind von jedem einzelnen Stück überzeugt. Andernfalls wären sie nicht auf der Platte. So einfach ist es, und im Fall von „Dualism“ ist das nicht anders. So klingen TEXTURES 2011. Das ist der Sound, der Bart, Jochem, Stef, Daniel, Remko und Uri bewegt und repräsentiert. Wir sind allein uns selbst verpflichtet und unsere größten Kritiker.“ Um Routinen zu vermeiden und Bestleistungen abzuliefern, soll man gelegentlich seinen Kontext verändern, Neuem gegenüber aufgeschlossen bleiben und die eigenen Ideen mit denen Anderer teilen. Für die Niederländer ist das nicht neu, doch dass sie ihren vierten Longplayer unter derart veränderten Umständen angehen würden, haben sie 2008 auch nicht erwartet:

„Die beiden Veränderungen im Line-Up haben sich letztlich positiv ausgewirkt, was an sich paradox erscheinen mag,“ entgegnet der Schlagzeuger. „Als uns Sänger und Keyboarder verließen, waren wir zunächst niedergeschlagen und ernüchtert. Wir brauchen eine Zeit, um neue Motivation und Kraft aufzubauen. Schließlich hatten wir da schon das halbe Album geschrieben. Zunächst analysierten wir, was wir hatten und stellten es auf den Prüfstand, bevor wir weiter arbeiteten und Ersatz suchten. Die Folge des geteilten Arbeitsprozesses ist es, dass die einzelnen Stücke von „Dualism“ weitaus mehr Charakter besitzen als die unserer früheren Platten. Da uns mehr Zeit zur Verfügung stand, sind die Zutaten besser aufeinander abgestimmt und das Ergebnis ein exquisites Dinner. Unsere Ausdauer und Akribie haben sich ausgezahlt.“ TEXTURES sind klar als sie selbst erkennbar. Die kreative Achse ist schließlich dieselbe, und die reife, fordernde Musikalität des Sextetts besitzt längst Wiedererkennung:


„Erst kürzlich hat mir ein Fan erzählt, dass wir für ihn sechs Bands in einer wären,“ erzählt Stef. „Mit Blick auf die sechs Persönlichkeiten in unseren Reihen und die unterschiedlichen Einflüsse kann ich ihm nur zustimmen, auch wenn es eher noch mehr Bands als nur sechs sind. Wir passen in keine Schublade. Dass uns Leute mit Periphery oder Meshuggah vergleichen, ehrt uns, doch diese Gruppen stehen für einen eigenständigen Sound, der sich nicht fassen lässt. Das haben sie mit TEXTURES gemein. Wer unsere Ipods durchsieht, wird verstehen, weshalb bei uns Rock, Prog, Math, Thrash, Soul, Death, Ambient und noch eine Menge mehr einfließt. Wir hören auch Klangstudien, Singer/Songwriter, klassische Musik – wirklich fast alles. Jegliche Musik, die aufrichtig ist und Emotionen transportiert, kann schließlich gut sein.“

…und beim Hörer Wirkung hervor rufen. Das ist das Ziel, das die Niederländer mit ihrem Schaffen zu erreichen suchen: „Dann ist unser Job getan,“ stimmt der Drummer zu. „Animieren wir Hörer dazu, ein Buch zu schreiben, ist das toll. Fühlt sich jemand angesprochen, ebenfalls musikalisch aktiv zu werden, ist das noch besser. Führt die Auseinandersetzung mit TEXTURES dazu, dass jemand Mathematik studieren möchte, auch gut. Wegen mir können uns die Leute auch zur Arbeit im Garten hören oder um ausgiebig zu moshen. Jede Form von Kunst soll Wirkung hervor rufen. Ein richtig oder falsch gibt es dann nicht. Unserem Verständnis nach spielen wir modernen Metal, der auf einer vorwärtsdenkenden Einstellung basiert. Wir können allerdings damit umgehen, wenn uns das jemand abspricht und uns weder als metallisch, cool, true oder was-auch-immer versteht.“

Jeder Künstler hat eine Vision, in die eigene Erfahrungen und die Inspiration eingehen, die er durch die Beschäftigung mit den Ideen bzw. dem Schaffen anderer erfährt. Niemand steht im luftleeren Raum, ist immer das Ergebnis seiner Einflüsse. Im Fall von Stef fördert das eine Überraschung zutage: „So wie wir heute Leute stimulieren, sind wir von anderen inspiriert. Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit Vincent van Gogh. Er ist in derselben Stadt geboren, in der TEXTURES gegründet worden sind. Auf einer Reise durch Südfrankreich besuchte ich zufällig das Haus, in dem er seine letzten Jahre verbrachte. In Paris habe ich vor Jahren eines seiner Ateliers gesehen. Als mir bewusst wurde, dass sich meine Wege mit denen von van Gogh mehrfach gekreuzt haben, begann ich, mehr über sein Leben in Erfahrung zu bringen. Wir teilen dieselbe niederländische Herkunft, dieselbe Mentalität und dieselbe Melancholie. Wir könnten Geistesverwandte sein. Einige dieser Gedanken sind in die Texte von „Dualism“ eingegangen. Obwohl es verrückt klingt, hat ein Maler des späten 18. Jahrhunderts eine Metal-Band inspiriert, die 2011 neue Songs geschrieben hat. Was und wer einen stimuliert, lässt sich niemals mit Bestimmtheit sagen. Deshalb muss man als Mensch an seiner Umgebung interessiert bleiben.”

 
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