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Mastodon

Storie von: arne, am 22.09.2011 ]

HEAVY-VISIONÄRE AUF DER PIRSCH. Im Feld zwischen Noise, Prog, Sludge und Heavy Metal werden MASTODON gottgleich verehrt. Dabei tun Troy Sanders, Brent Hinds, Bill Kelliher und Brann Dailor nichts anderes, als das Feld ihrer Einflüsse mit jedem Album neu zu deuten und ihrer jeweiligen Interessenlage zu folgen. „Hunter“ heißt der fünfte Streich des Quartetts aus Atlanta, auf dem unbändige Kraft, komplexe Rhythmen und mächtige Melodien in einem organischen Songwriting miteinander verbunden werden.

 
„Vor der Veröffentlichung jeder Platte ist man aufgeregt, auch wenn Künstler gerne das Gegenteil behaupten und man es nach dem x-ten Album natürlich besser sollte,“ äußert sich Schlagzeuger Brann Dailor bescheiden und aufgeregt zugleich. „Gerade dann, wenn man die Dinge jedes Mal ein wenig anders angeht, bleibt die Spannung aufrecht und man fiebert dem Tag entgegen, an dem die Fans die neuen Songs endlich hören können. Wir selbst sind von der neuen Platte natürlich begeistert, aber das muss auch so sein. Wir haben intensiv an den Stücken gearbeitet und sind voll und ganz in ihnen aufgegangen. Was man auf „Hunter“ hört, spiegelt unser gegenwärtiges Verständnis von Metal wider. Das sind MASTODON! Natürlich haben wir wieder Neuland betreten. Gerade die kontinuierliche Entwicklung hält die Dinge spannend – für uns und für die Fans. Der Arbeitsprozess verlief sehr natürlich und flüssig, was uns in der Überzeugung bestärkt, ein rundes Album erschaffen zu haben, das aufeinander aufbaut. Es wird unseren Fans nicht schwer fallen, die neue Platte zu mögen, egal, ob man nun unseren frühen Alben mehr zugewandt ist oder den abgedrehten letzten.“

Das Quartett aus Atlanta positioniert seinen fünften Longplayer tatsächlich in der Mitte dessen, was MASTODON bislang schon abgeliefert haben. Es kombiniert die harten „Remission“-Tage und mit der ergebnisoffenen Attitüde von „Crack The Sky“: „Die neuen Songs sind wieder ein Stück weit aggressiver und geradliniger,“ bestätigt es der Schlagzeuger. „Natürlich finden sich auch wieder progressive Momente, denn diese gehören bei MASTODON längst mit dazu. Dennoch ist die Platte von ihrer Anlage her instinktiver und ursprünglicher. Wir haben nicht lange nachgedacht, sondern einfach gemacht und das heraus gelassen, was sich in uns angestaut hatte. Im Songwriting nutzten wir alle Freiheiten und haben uns treiben lassen. Weder hat es uns interessiert, was wir in der Vergangenheit schon alles getan haben, noch das, was die Leute mit unserem Sound verbinden. Unserer Ansicht nach sind MASTODON von jeher offen für Interpretation gewesen. So wollen wir das auch zukünftig haben. Deshalb können wir uns gar nicht einschränken. Dafür sind wir selbst schon viel zu neugierig und entdeckungsfreudig. Mit dem, was wir erreicht haben, geben wir uns jedenfalls nicht zufrieden. Es muss weiter gehen – mit jedem neuen Song.“ Was Brann Dailor äußert, sind keine leeren Worte, wie es die Auseinandersetzung mit der neuen Platte der Band alsbald verdeutlicht:

„„Hunter“ nur an einem einzelnen Stück festzumachen, geht nicht bzw. greift zu kurz. Es gibt viele Wendungen und Schwerpunktverschiebungen, so dass man sogar den Eindruck gewinnen kann, die Tracks stammten von unterschiedlichen Bands. Und doch sind es immer MASTODON, die da zu hören sind. Wir vier schätzen an unserer Musik ganz unterschiedliche Facetten, wobei wir nach Möglichkeit all diese Aspekte in unseren Sound einbauen, um ihn spannend und unberechenbar anzulegen. Hörer sollten sich aus diesem Grund auf das Unerwartete gefasst machen und unvoreingenommen und mit offenen Ohren in die Platte gehen.


Und natürlich sollen sie den Trip genießen.“ Etliche Künstler reden nur davon, was sie erreichen wollen und wie ihr Album klingen soll. In der Umsetzung, im kreativen Arbeitsprozess, scheitern sie dann dabei, die geäußerten Ideen und Ansprüche mit Leben zu füllen. MASTODON wissen, dass man Kreativität nicht erzwingen kann und Künstler niemals die volle Kontrolle über die eigene Musikalität erlangen. Gerade dann nicht, wenn man sich beständig auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten befindet:

„Viel hängt mit dem eigenen Anspruch zusammen. Für manche Musiker ist es okay, sich immer wieder zu wiederholen. Auch damit kann man glücklich werden, und einige Gruppen fahren damit gut. Für die RAMONES funktioniert es oder auch für SLAYER. Sie haben eine klare Positionierung und tun das, was sie am besten können. Man weiß, was man mit ihnen zu verbinden hat und will gerade ihren legendären Stil hören. Andere Bands sind dafür berüchtigt, sich zu verändern und neue Dinge auszuprobieren – etwa THE FLAMING LIPS, NEUROSIS oder THE MELVINS. In ihrer Karriere haben sie schon verrückte Sachen gemacht, und doch werden sie von vielen Hörern als relevant und hörenswert wahrgenommen. Jede Band muss ihren eigenen Weg finden und auf ihr Bauchgefühl vertrauen. Was wir mit MASTODON haben, ist etwas Besonderes, ohne dass wir es groß in die Welt hinaus posaunen müssen. Mir reicht es schon, gemeinsam mit Troy, Brent und Bill Musik zu machen, um Erfüllung zu finden. Wir schreiben ständig neue Songs und stacheln uns gegenseitig zu neuen Höchstleistungen an, von denen wir dann selbst überrascht sind. Das Gefühl, das sich dann einstellt, ist ungemein befriedigend und lässt uns immer weiter gehen. Wir wollen wissen, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt. In dieser Hinsicht hat sich seit der Gründung der Band nichts verändert.“

Hinsichtlich der Rezeption in der Öffentlichkeit wohl aber schon. Von einer noisig orientierten Sludge-Metal-Kombo avancierten MASTODON zu Heilsbringern des Prog und einer Heavy-Institution, die durch die Bank weg Anerkennung und Wertschätzung erfährt: „Um als progressiv betitelt zu werden, reicht es heutzutage schon, wenn man aus den bekannten und gängigen Bahnen einer Spielart ausbricht. Dann kommt das ganz von selbst,“ entgegnet Brann Dailor. „Doch natürlich lieben wir Prog; Sachen wie King Crimson, Genesis, Yes und Frank Zappa. Mit diesen Größen in eine Schublade gesteckt zu werden, ist für uns eine große Ehre und nicht ganz falsch. Evolution ist immer an die Vergangenheit gebunden. Man selbst steht schließlich nicht im luftleeren Raum und ist von seinen Erfahrungen und Interessen geleitet, die bei uns breit gestreut sind. Einen Funk-Beat zu spielen, kann genauso erfüllend sein wie die Double Bass straff durchzuziehen. Am Ende kommt es auf die Mischung an und darauf, gefordert zu werden, um sein Bestes zu geben. Wir lassen die Musik die Richtung vorgeben und folgen ihrem Weg. Solange das Feeling stimmt, ist alles in Ordnung.“ Verfolgt man das wuchtige Rollen und die ganzheitlichen Songstrukturen von „Hunter“ kann man gar nicht anders, als dem Schlagzeuger zuzustimmen.

 
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