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Omega Massif

Interview von: arne mit Andreas, am: 08.09.2011 ]

OMEGA MASSIF melden sich mit neuem Material über Denovali Records zu Wort. „Karpatia“ ist das von vielen so sehnsüchtig herbei gesehnte Zweitwerk der Würzburger, die für einen ganzheitlich ausgetüftelten, ungemein kontrastreichen Instrumental-Metal stehen, der ebenso kraftvoll und erdig wie entkoppelt und übergreifend inszeniert wird. Mit dieser Anlage hat schon „Geisterstadt“ begeistert, und „Karpatia“ präsentiert die Unterfranken noch unheilvoller, markerweichender und noch zwingender.

 

Musicscan: Bisweilen werdet Ihr als Heilsbringer der hiesigen Doom-Sludge-Heavy-Szene gehandelt. Nehmt Ihr das an? Seht Ihr es als „gerechtfertigt“ an? Welche Sporen habt Ihr Euch nach eigener Einschätzung bereits erworben?

Omega Massif: Puh, das habe ich gelesen, dass wir so betitelt werden, ja. Da musste ich etwas schmunzeln. Ich glaube nicht, dass wir so bezeichnet werden sollten, da ich nicht glaube, dass die Doom-Sludge-Heavy-Szene Heilsbringer braucht. Wir haben für uns selbst sehr viel erreicht, viel mehr, als wir jemals gedacht hätten. Wir wollten unsere Musik machen, und diese hat wesentlich mehr Freunde gefunden, als erwartet. Das geht so weit, dass wir zu diversen Festivals, etc. eingeflogen werden. Besser geht es nicht. Wir sind sehr dankbar...und wenn, dann würde ich diese Leute, die für uns Shows veranstalten und zu unseren Shows kommen als Heilsbringer bezeichnen, nämlich als Heilsbringer für uns.

Musicscan: Gab es mit der Wiederveröffentlichung von „Geisterstadt“ via Denovali nochmal einen „Popularitätsschub“? Das Debüt ist ja gemeinsam mit dem „Kalt“-Demo neu aufgelegt worden. Es gibt Bands, die es nicht gerne sehen, wenn frühe Sachen später noch einmal hervor geholt werden. Wie ist das bei Euch? Fühlt Ihr Euch von beiden Releases als Band noch gut repräsentiert? Wie steht Ihr zu ihnen aus heutiger Sicht, was bedeuten sie Euch persönlich und für die Entwicklung des OMEGA MASSIF-Sounds?

Omega Massif: Da wir selbst verantwortlich sind für jede Pressung unserer Releases, sind wir selbstverständlich einverstanden. Wir segnen alles selbst ab, was mit unseren Songs und mit unserem Namen passiert. Die Entscheidung liegt immer bei uns. Das ist uns sehr wichtig. Und ja, wir sehen uns durch alle Releases, durch „kalt“, durch „Geisterstadt“, durch die Splits und durch Karpatia sehr gut repräsentiert. Ob es eine Popularitätsschub gab, kann ich nicht sagen. Ich kann es mir aber vorstellen. Denovali und vor allem Magnus von „creative eclipse“ (PR) machen eine sehr gute Arbeit, einer der Gründe, warum wir sehr gerne mit Denovali zusammenarbeiten.

Musicscan: Welche Schritte habt Ihr seit dem Debüt als Songwriter und als Band gemacht, und auf welchen Gebieten habt Ihr Euch in den letzten Jahren am meisten verstärken können oder klarer fokussiert? Wie spielt sich das auf der neuen Platte aus?

Omega Massif: Wir spielen besser zusammen, als zu kalt-Zeiten. Aber das ist ja ganz natürlich. Das merkt man denke ich vor allem live. Sonst hat sich wenig verändert...wollten wir auch nie. Omega Massif ist Omega Massif. War es von Anfang an und wird es auch bleiben. Ich mag keine großen Veränderungen bei Bands. Christof vergleicht das gerne mit Motörhead. Hört man die erste und die Letzte Platte, ist klar ein Unterschied zu hören. Hört man Album für Album, ist der Übergang fließend. So soll das sein.

Musicscan: In meinem Review zu „Karpatia“ habe ich von einem „ganzheitlich ausgetüftelten, ungemein kontrastreichen Instrumental-Metal, der ebenso kraftvoll und erdig wie entkoppelt und übergreifend inszeniert wird“ geschrieben. Teilt Ihr diese Einschätzung, bzw. was wollt Ihr vom kreativen Standpunkt her kommend erreichen?

Omega Massif: Ich finde es super, dass du unsere Musik als „kontrastreich“ bezeichnest. Das ist sicher ein Teil unserer Musik. Trotz der stoischen Elemente keine Langeweile aufkommen lassen, Parts auswälzen, ohne zu langweilen. Stimmungen und Bilder erzeugen, vielleicht eine Geschichte erzählen...es soll sich etwas in den Leuten tun, wenn sie unsere Platten auflegen und die Augen schließen oder durch die Welt streifen. Und der Begriff „erdig“, was auch immer du damit meinst, ist auch sehr großartig. Den werde ich ab jetzt auch verwenden!

Musicscan: Selbst Hörer, die sich gesanglosen Heavy-Sounds sonst verschließen, müssen sich von der emotional aufwühlenden Musikalität von OMEGA MASSIF angesprochen fühlen, meine ich. Gab es in dieser Hinsicht Erfahrungen / Feedback, das hier als Bestätigung angeführt werden kann? Worauf führt Ihr den Eindruck zurück?

Omega Massif: Eine schöne Erfahrung diesbezüglich war das Doom Shall Rise Festival, auf dem ja eher „true doom“- Bands mit Gesang spielen. Dennoch haben uns die Leute sehr gut angenommen und es war ein toller Auftritt! Es gibt aber natürlich auch ab und an Leute, die schreiben, dass da „vocals“ fehlen. Wer auch immer das schreibt, hat unsere Musik nicht verstanden. Diese Musik ist extra dafür geschrieben, ohne vocals zu existieren. Glücklicherweise sind die meisten Fans absolut unserer Meinung. Als wir im Studio bei den Aufnahmen des Titelsongs von „Karpatia“ Chöre aufgenommen haben, die man ganz leise im Hintergrund hören kann, habe ich auf facebook aus Spaß gepostet, dass die „vocals“ jetzt im Kasten seien. Die Reaktionen waren vernichtend. Die Leute waren so empört, dass wir jetzt Gesang hätten, ich war richtig glücklich darüber. Natürlich habe ich das Ganze dann bald aufgelöst, da einige wirklich richtig enttäuscht und böse waren. OMEGA MASSIF = INSTRUMENTAL. Fertig.

Musicscan: Neben der barschen und brachialen Grundhaltung des Sounds setzt Ihr auch bewusst auf schöne Melodien und Harmonien. Wie wichtig sind Euch diese, gerade mit Blick auf die Wirkung der Songs?

Omega Massif: Wenn ich etwas Salziges esse, brauche ich anschließend einen süßen Nachtisch. Daraufhin kann ich wieder mit dem Salzigen weitermachen. So verhält es sich auch mit unserer Musik. Und mit ihrer Wirkung.

Musicscan: Ist es für Euch wichtiger, auf Platte ein möglichst rundes Ergebnis zu erzielen und Sachen weiter auszuarbeiten oder immer weiter zu experimentieren, neue Wege zu gehen und Euch selbst und die Hörer zu

Omega Massif: Puh...keine Ahnung...vielleicht ein bisschen von Beidem. Aber wie ich schon geschrieben habe...unsere Wege sind nur minimal „neu“...wir wollen uns selbst treu bleiben.

Musicscan: Wie versteht Ihr den Begriff des häufig beschworenen „Kopfkinos“, und wie verbindet Ihr in mit dem Leitmotiv, das ein Titel wie „Karpatia“ vorgibt?

Omega Massif: Wir geben mit den Titeln und dem Konzept eine grobe Richtung vor, das ist klar. Aber nichts ist wirklich festgelegt. „Aura“ zum Beispiel ist ein Titel, den ich von Walter Benjamin habe. Der spricht damit die Einmaligkeit der Natur und der Kunst an und tritt dadurch der Reproduzierbarkeit ablehnend gegenüber. Omega Massif ist nicht glattgebügelt, geschliffen und mit Filtern und Triggern übertönt. Wir haben Ecken und Kanten. Jemand andres, der den Titel liest und den Song hört, mag damit etwas komplett anderes assoziieren. Und genau das ist es, was wir wollen. Jeder soll sein eigenes Kopfkino kreieren, jeder soll seinen eigenen Weg mit unseren Songs gehen.

Musicscan: Beschreibt doch bitte das Grundgefühl, mit dem ihr „Karpatia“ geschrieben habt. Gibt es Unterschiede hinsichtlich Herangehensweise und bandinterner Stimmungen im Vergleich zu Euren anderen, früheren Releases?

Omega Massif: Da das Album in gut zwei Jahren entstanden ist, kann man nicht von einem Grundgefühl sprechen. Da spielen sehr viele Gefühle eine Rolle. Es ist immer ein langer Prozess, der viele Abänderungen der Songs beinhaltet. Im Endeffekt kommt es teilweise sogar am Tag vor den Aufnahmen noch zu Änderungen. Das Ganze wird so lange bearbeitet, bis wir glücklich damit sind. So war es schon immer.

Musicscan: Auch wenn instrumentale Musik per se deutungsoffen ist, scheint „Karpatia“ in jedem Fall irgendwie existenziell zu sein. Welche Themen, Stimmungen, Erlebnisse, Einflüsse wirken sich da aus?

Omega Massif: Nun ja, das Album ist eine Reise durch die Karpaten. Ich kann da die Dokumentation „carpatia“ empfehlen. Da erfährt man vor allem sehr viel über die Leute und die Einsamkeit, in der sie häufig leben. Das Album mit dem Artwork von Oliver Hummel (www.hummelgrafik.de) ist ein Gesamtwerk, das sich mit der Flora, Fauna, generell Natur und mit den Menschen beschäftigt, die „Karpatia“ beinhaltet. Das beschränkt sich allerdings nicht alleine auf die Karpaten! Das „Steinerne Meer“ ist zum Beispiel in Österreich und eher als Hommage an die gesamte Bergwelt zu sehen. Ich bin momentan mit meiner Frau in Kalifornien unterwegs und höre die Platte auf meinen Wanderungen durch das Death Valley und den Sequoia mit seinen Mammutbäumen. Michaels Frau ist aus Rumänien, wieder ein Bezug zum eigentlichen Thema. Im Endeffekt sind es aber unsere alltäglichen Erlebnisse mit unseren Familien und Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten, die wir hier verarbeiten und denen wir hier einen Kanal zur Entladung bieten. Nicht mehr und nicht weniger.

Musicscan: OMEGA MASSIF sind für ihre tief schürfende, düster-emotionale und intelligente Musikalität bekannt, die auf Ehrlichkeit, Sinnhaftigkeit und Geradlinigkeit basiert. Ist Tiefsinnigkeit nicht eine Sache, die sich in schnelllebigen Tagen wie unseren eher als unbequem herausstellt?

Omega Massif: Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob Instrumentalmusik für ihn „tiefsinnig“ sein kann...oder einfach nur Musik ist, zu der er sich entfaltet, fallen lässt, Zorn oder Wut abbaut. Dass unserer Musik nicht ganz so „schnellebig“ ist, mache ich übrigens unter anderem auch daran fest, dass Role aus der Tonmeisterei Oldenburg uns einen besonderen, „unseren“ Omega Massif Sound gibt. Er ist nicht so klar, überproduziert, verfälscht...und dennoch sehr druckvoll und gewaltig.

 
 Links:
  omegamassif.de
 
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