Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1769

Rwake

Storie von: arne, am 24.08.2011 ]

Es ist zu schön, um wahr zu sein. Die so voluminös und gewaltig aufspielenden RWAKE stammen aus Little Rock in Arkansas. Klein ist bei der Relapse-Kombo sonst allerdings nichts. „Rest“ ist nach vierjähriger Durststrecke das erste neue Material des Sextetts, das sich martialisch, düster und primitiv durch eine Melange aus Doom, Sludge, Heavy Metal und okkulten Klängen spielt.

 
Frontmann CT äußert sich bescheiden, was die eigenen Erwartungen im Zuge der Veröffentlichung des sechsten Albums seiner Band und dessen Rezeption anbelangt: „Ich habe keine Ahnung, ob es da draußen Leute gibt, die auf ein neues Album von uns warten oder die sich darauf freuen. Woher soll ich das auch wissen? Das Internet nutze ich rein privat. Was da über unsere Band geschrieben wird, interessiert mich nicht. Erst heute habe ich mir ein Facebook-Profil zugelegt, vielleicht erfahre ich nun mehr. Natürlich gibt es Leute, die uns seit Jahren begleiten, doch sie entstammen primär unserem Freundes- und Bekanntenkreis. Andererseits scheint es mir so zu sein, als würden inzwischen mehr Leute zu unseren Shows kommen. Das führe ich aber eher darauf zurück, dass wir uns bewusst rar machen und nur ausgesuchte und nicht zu viele Konzerte spielen. Feedback zur neuen Platten haben wir bislang noch nicht gehört. Nur wenige Leute kennen „Rest“ überhaupt schon. Stevie von Dark Castle mag es sehr und die Leute bei Relapse ebenso. Das bedeutet uns viel, denn sie sind kritische Fans, die uns ehrlich ihre Meinung sagen und nichts beschönigen. Hoffentlich geht das so weiter.“

Die sechsköpfige Gruppe erschafft einen düsteren, destruktiven Anti-Sound, der jeglichen Optimismus im Keim erstickt und ausschließlich als fieser Downer wirkt. RWAKE geht es nicht darum, zu gefallen, sondern sich kreativ zu verwirklichen. CT bestätigt diese Vermutung: „Wir freuen uns über alles, was wir erreichen und nehmen nichts für selbstverständlich. Vor einiger Zeit haben wir uns bewusst dafür entschieden, weniger zu touren und in der Folge viele tolle Angebote ausgeschlagen. Wir akzeptieren, dass wie keine Tour-Junkies so wie Baroness oder Mastodon sind, doch wir wollen von der Band auch nicht unseren Lebensunterhalt bestreiten. Was wir jedoch einfordern, ist Respekt, und den haben wir uns in den relevanten Hörerkreisen verdient. Das ist uns wichtig. Was darüber hinaus geschieht, ist mehr, als wir erwarten.“ Das sechste Album der Musiker aus Arkansas wartet mit ebenso vielen Songs auf, wobei diese gewohnt ausladend, brachial und zähflüssig inszeniert werden. Mehr als alles andere stehen dabei düstere Emotionalität und ein unheilvolles Volumen zentral:

„Eine klare Message braucht man bei uns nicht zu suchen,“ weiß der Shouter. „Die Stimmung spricht für sich. Die Stücke werden immer größer und gewaltiger. Das ist immer so, egal, wann wir zusammen kommen und neue schreiben. Im Proberaum oder im Studio ist das nicht anders als auf der Bühne. Wir geben stets alles. Qualität ist uns dabei wichtiger als Quantität. „Rest“ ist unser bislang dunkelstes und brutalstes Album. Gleichfalls bietet es die größte Spannweite an Stimmungen und Kontrasten.


Davon sind wir selbst überrascht gewesen. Im Prozess des Songwritings sind wir fokussiert, sind aber immer nur beim konkreten Stück. Erst im Studio bekommen wir dann mit, was wir erschaffen haben.“ An zweiter Stelle des Longplayers findet sich ,It Was Beautiful But Now It's Sour’. Angesichts der bösartigen Klangkulisse, die das Sextett auffährt, kann man kaum glauben, dass RWAKE jemals positive Seiten des Lebens erfahren haben oder als Menschen mit sich im Reinen sind. CT widerlegt diese Vermutung:

„Es macht einfach Spaß, kreativ zu sein, Songs zu schreiben und sich auszuleben. Ich bin auch in weiteren Bands aktiv, die ganz anderer Musik nachgehen, doch RWAKE ist eine Sache für sich und anders. Interessanterweise ist das nicht nur für uns Beteiligte so, sondern auch für viele unserer Hörer. Dieser besondere Charme ist es, der dafür verantwortlich ist, dass es uns nach wie vor gibt. Wir haben harte Tage durchgestanden. Mitglieder sind gegangen und wieder zurück gekommen. Oftmals diskutieren wir scheinbar ewig, bevor es weiter geht. Doch trotz all dieser Widrigkeiten kann ich mir nicht vorstellen, dass es uns eines Tages nicht mehr geben wird.“ Die Musiker packen demnach all die negative Energie und ihre unterdrückten Aggressionen in ihre Kunst. Damit ist der Alltag für die Mitglieder der Band gerettet, doch der Sound von RWAKE klingt allein abgefuckt und ausweglos. Die Anreicherung der Doom-meets-Sludge-Welten mit füllender Elektronik und gekeiften Frauen-Vocals erweitert die Tiefe und Dichte von „Rest“ und verstärkt den klaustrophobischen Touch, den die Band aus Arkansas ihren Songs mitgibt: „Unsere Interessen sind breit gestreut. Abhängig davon, in welcher Stimmung das Songwriting geschieht, schlägt sich das stärker oder schwächer in den Tracks nieder. All unsere Einflüsse erschaffen so etwas wie ein biestiges Raubtier, das sich seine Beute sucht und durch nichts und niemanden aufzuhalten ist. Das Songwriting ist für uns eine rituelle Erfahrung, die sich in unseren Songs widerspiegelt.“

Dass sich unterschiedlichste Hörergruppen für RWAKE interessieren, ist für CT dennoch keine Überraschung: „Die Grenzen innerhalb der Heavy-Szene sind mit den Jahren immer weiter verschwommen. Das führt unweigerlich dazu, dass sich Leute für einen interessieren, die man selbst niemals erwartet hätte. Es ist toll, sich mit Indie-Fans über die Songs und unser Musik-Verständnis auszutauschen, oder auch mit Kids aus dem Crust oder Punk. Das zeigt mir, dass die Leute nicht so engstirnig sind, wie es gemeinhin heißt, und sie sich für unterschiedliche Stile interessieren. Letztlich zählt die Qualität, und das ist beim Metal-Publikum nicht anders. Weitaus mehr Metaller, als man meint, schätzen im Gegenzug Iron & Wine oder Wovenhand.“

 
 Links:
  myspace.com/rwake
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Aleister
  Beneath The Massacre
  Regarde Les Hommes Tomber
  Sylosis
  Eizbrand

Interviews/Stories:

  Spoil Engine
  Une Misere
  Eskimo Callboy

Shows:

  18.02. Petrol Girls - Hamburg
  20.02. Beartooth - Munchen
  20.02. Engst - Wiesbaden
  20.02. Erik Cohen - Dortmund