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Trivium

Storie von: arne, am 15.08.2011 ]

Der fünfte Longplayer von TRIVIUM steht für ein Medien-übergreifendes Gesamtkunstwerk, das Musik, Artwork, Videos und Auftreten einbezieht und ein größeres Ganzes erschafft. Leader Matt Heafy hofft darauf, dass sich die Fans seiner Band mit den verschiedenen Facetten von „In Waves“ intensiv beschäftigen und die Intentionen der Künstler nachvollziehen. Eine tiefgreifende, intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept ist angeraten, jedoch kein Muss. Wem die Musik zwischen NeoThrash und Modern-Metal zum Glücklichsein reicht, ist mit der Platte ebenfalls bestens bedient.

 
„Wir sind schon eine Zeit lang unterwegs, um unsere neue Platte zu promoten – zwei Tage in Tokio, einen in New York, eineinhalb in Paris, dann wieder eineinhalb in Stockholm und nun sind wir hier in Köln, was nicht die letzte Station auf unserer Promo-Tour ist,“ erzählt Band-Leader Matt Heafy zum Auftakt. „Wir sprechen ausgesprochen gerne über das neue Album und unsere Hintergedanken, schließlich ist sehr viel Arbeit in all die verschiedenen Aspekte von „In Waves“ eingeflossen. Um unser Anliegen zu verstehen, muss man wissen, worauf es zu achten gilt und welche Intentionen zugrunde liegen. Die weltweite Promo-Tour bietet uns die optimale Gelegenheit, auf die wichtigen Punkte hinzuweisen und den Leuten unsere Sicht der Dinge darzulegen. Kann man das bereits vorab tun, und wird darüber berichtet, steigert sich die Vorfreude der Fans und vielleicht werden darüber hinaus sogar Leute interessiert, die uns zuvor noch nicht angetestet oder gekannt haben. TRIVIUM haben noch nie mehr zu bieten gehabt als dieses Mal – sowohl musikalisch als auch visuell. Für uns spielt beides mehr denn je zusammen und schafft eine Einheit, die unserer Kunst eine ganz neue Bedeutung beschert, indem die Musik in anderen Medien weiterentwickelt wird.“

Zur Freude des Gitarristen und Sängers hat die Beschäftigung mit dem Paket des fünften Longplayers bereits eingesetzt: „Einigen Leuten ist schon aufgefallen, dass die visuelle Komponente für uns wichtiger geworden ist, und sie fragen interessiert danach. Allen übrigen erzähle ich davon. Nicht nur mit TRIVIUM TV haben wir etwas Neues geschaffen und den Metal auf eine neue künstlerische Ebene gehoben. Das mag im ersten Moment anmaßend klingen, doch wer sich mit den verschiedenen Aspekten von „In Waves“ beschäftigt, wird schnell erkennen, dass wir uns von den gewöhnlichen Wegen, wie Album-Cover und Musik-Videos gemeinhin erstellt werden, deutlich absetzen und ganz andere Ansätze verfolgen. Wir gehen über die bloße Visualisierung von Musik hinaus. Auch hier fordern wir unsere Kreativität und sind bestrebt, eine erkennbare Einheit mit dem zu finden, was auf dem Album beginnt und im nächsten Schritt mit dem Artwork fortgesetzt wird. Videos sind die dritte Komponente, doch bei ihnen machen wir nicht halt. Clips, in denen wir nur unsere Instrumente spielen und performen, wird es von TRIVIUM nicht mehr geben. Unter professionellen Bedingungen produzieren wir heute Kurzfilme, die mit unserer Musik unterlegt sind. Auch die Art und Weise, wie wir uns auf unseren Konzerten und auf Bildern präsentieren, hat sich verändert. Wir versuchten es zunächst wie immer ohne einen definierten Look, waren mit den Ergebnissen aber nicht zufrieden. Die Zusammenarbeit mit einem Designer, der Kostüme für uns angefertigt hat, ist die logische Folge gewesen. Dazu kamen Choreographen und Art-Desinger, die auch ihren Teil dazu beigetragen haben, das Paket zu schnüren und die Einheit zu vervollkommnen. „In Waves“ ist nicht einfach nur ein Album, sondern eine Vision, die ganzheitlich umgesetzt worden ist.“

Kontroversen vorprogrammiert

TRIVIUM geben sich keine Blöße. Trotz des ansehnlichen Programms, das die Band aus Florida in den letzten elf Jahren hinsichtlich Touren und Veröffentlichungen absolviert hat, sind bislang weder kreative Abnutzungserscheinungen festzustellen noch kommt an der ungebrochenen Motivation der Protagonisten auch nur der geringste Zweifel auf. Mehr noch, dem Quartett gelingt es, seinen Ansatz fortzuschreiben und qualitativ zu erweitern: „Kontroversen begleiten uns von Anfang an,“ weiß Matt, der auch dieses Mal keinen ungeteilten Zuspruch erwartet. „Alles, was wir getan oder veröffentlicht haben, zog unweigerlich einen intensiven Disput nach sich – vor allem unsere Alben. Ich erinnere mich beispielweise an eine über längere Zeit geführte Diskussion, ob TRIVIUM nicht eigentlich zu poppig seien, um noch als Metal-Act durchzugehen. Es ist kaum zu glauben, dass sich Leute die Zeit nehmen, über so etwas zu streiten. Mit dem neuen Konzept-Absatz werden wir an diese lieb gewonnene Tradition anknüpfen. Es ist absehbar, dass es Leute geben wird, die es entweder nicht verstehen wollen oder unser Anliegen wirklich nicht nachvollziehen. Damit können wir allerdings umgehen, denn wir sind vor allem uns selbst verpflichtet und mit „In Waves“ mehr als glücklich. Wir sind Metal-Fans, die mit ihrer Musik eine Gegenposition zum Mainstream einnehmen. Das hat Metal schon immer getan, auch wenn es immer wieder mal Bands gibt, die auch im Mainstream Erfolge feiern. Das sind aber zumeist Ausnahmen, denn Metal bleibt in den Grenzen, die ihn natürlicherweise umgeben. Wir versuchen nun partiell, diese Grenzen ein wenig zu erweitern, indem wir nicht ausschließlich auf den musikalischen Aspekt abstellen und auch andere Kunstformen integrieren.

„In Waves“ ist nicht nur ein Album, bei dem es um technische Fragestellungen oder um Brutalität geht, oder darum, im Songwriting weiter als zuvor zu gehen. Das haben wir natürlich getan, doch damit war erst ein Teil der Arbeit beendet. Anschließend ging es weiter, um den Leuten unsere Vision auch auf andere Art und Weise näher zu bringen. Ziel dabei war es nicht, Interpretationsspielräume einzuschränken, sondern gerade, diese zu erweitern. Wir fordern jeden Interessierten auf, sich ein eigenes Bild darüber zu verschaffen, worum es TRIVIUM geht, wofür Musik, Texte und das Visuelle stehen. Schon bei den Pressetagen habe ich die unterschiedlichsten Eindrücke und Deutungen gehört, und es freut mich sehr, dass sich die Leute so intensiv mit allem beschäftigen. Diese Interaktion ist genau das, was wir forcieren wollten und muss Teil der Beziehung zwischen Künstlern und ihrem Publikum sein. Beide Seiten bringen ihre Kreativität ein. Das ist doch toll.“

Mehr als nur Musik

Ohne Mut, einen unerschütterlichen Glauben an die eigenen Fähigkeiten und einen tragfähigen Ansatz geht es allerdings nicht. Und natürlich nicht ohne Überzeugungskraft und Helfer, die die Vision teilen und auch dabei helfen, sie umzusetzen: „Es kann für Bands schwierig sein, ihre Ideen in die Tat umzusetzen, wenn man danach strebt, aus den normalen Bahnen auszubrechen,“


weiß Matt Heafy. „Als wir mit unserem Video-Konzept erstmals zu unserem Label gingen und ihnen ankündigten, dass wir nicht wieder performen würden und man nicht einmal Instrumente sehen würde, hat das zunächst Unverständnis hervorgerufen. An den Gedanken, dass alles in Slow-Motion abläuft und wir einen Kurzfilm produzieren wollten, mussten sie sich zunächst gewöhnen. Wir haben uns glücklicherweise durchgesetzt, doch die Zweifel blieben so lange bestehen, bis sie das fertige Material gesehen haben. Dann hat es Click gemacht und das, was wir zuvor nur mit Worten umschreiben konnten, war lebendig geworden und hat sie beeindruckt. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir als Band schon mehr als ein Jahr an der Visualisierung gearbeitet hatten und haargenau wussten, wie es werden sollte. Am gesamten Konzept werkelten wir seit mehr als zwei Jahren, so dass wir bestens vorbereitet gewesen sind. „In Waves“ ist ein ganzes Paket und mehr, als wir jemals zuvor abgeliefert haben.“

Der Eindruck, dass der Sänger und Gitarrist überaus zufrieden und selbst positiv überrascht ist, täuscht nicht: „Es ist besser geworden, als wir es für möglich gehalten haben. Die Herausforderung war enorm, denn derart viele Ebenen miteinander in Einklang zu bringen, haben wir vorher noch nie versucht. Es dauerte lange, bis alles aufeinander abgestimmt war. Schon als wir die Songs schrieben, haben wir unsere Ideen mit Künstlern besprochen, die sie zeitnah grafisch umsetzen sollten. Dafür mussten sie unser Anliegen verstehen und nachempfinden, was wir fühlten. Dadurch wurde der gesamte Arbeitsprozess noch intensiver als er schon beim bloßen Songwriting ist. TRIVIUM ist diesbezüglich erweitert worden, und nicht nur wir Musiker sind für das Resultat verantwortlich. Wenn ich mir nun „In Waves“ und alles drum herum anschaue, kann ich immer noch nicht glauben, wie gut alles geworden ist und wie stimmig alle Komponenten ineinander greifen. Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Das Quartett aus Florida ist nicht die erste Gruppe, die Derartiges versucht. Dennoch zählt sie zu einem erlauchten Kreis. Matt ist sich dessen bewusst: „Eines der wenigen anderen Beispiele sind Rammstein. Ihre Videos und Auftritte stehen ebenfalls außerhalb des Wettbewerbs und sind kaum mit etwas anderem zu vergleichen. Sie haben für sich eine einzigartige Ästhetik und Bildsprache gefunden, die man sofort erkennt und die sie seit Jahren durchziehen. In ihren Videos gibt es durchaus Performance, doch diese ist reduziert und immer an eine bizarre oder eigenwillige Story geknüpft, die auch jenseits der Musik interessant bleibt und Beachtung findet. Sinnfreie Liebesgeschichten im Format von zwei bis drei Minuten, die von Bildern wirbelnder Musiker unterbrochen werden, gibt es bei ihnen nicht. Rammstein haben sogar Videos, in denen man keine Instrumente sieht. Dennoch funktionieren sie und man erinnert sich an sie. Wir streben nun danach, das zu erreichen, was Rammstein schon gelungen ist – mehr, als nur Musik zu erschaffen.“

Ein umfassendes Erlebnis

Hält man sich die Entwicklung von TRIVIUM vor Augen, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass ihre besondere Musikalität anerkannt und sie über die Jahre und Veröffentlichungen immer erfolgreicher und klarer akzentuiert worden ist: „Das ist eine Position, aus der heraus sich vieles angehen lässt, was für Bands, die derartiges noch nicht erreicht haben, unmöglich ist, selbst wenn sie es wollten,“ gibt Matt zu. „Für uns stand im Vorfeld der Arbeit von „In Waves“ fest, dass Technik und Songwriting gewissermaßen selbstverständlich sind und wir damit keine Probleme haben würden. So ist es gekommen. Wir haben auf das gehört, was in uns ist, und die Songs geschrieben, die sich ganz von selbst einstellten. Die Spanne reicht von sehr brutalen, harten Stücken bis hin zu atmosphärischen Passagen und melodischen Parts mit Clean-Gesang, so dass sich all das wieder findet, was die Fans von uns kennen. Dabei sind wir zu jeder Zeit intensiv und kraftvoll unterwegs, gehen aber noch einen Tick weiter als in der Vergangenheit. Wer „In Waves“ hört, wird schnell verstehen, was ich damit meine.“ Die Basis des 13-Trackers bildet der dynamisch und variabel gesetzte Mix aus NeoThrash und Modern Metal, für den die Musiker aus Orlando bekannt sind. Die wieder etwas härtere Orientierung von TRIVIUM nimmt man gerne zu Kenntnis, obwohl ihnen auch die Breiten-Rock-Attitüde gut zu Gesicht steht. Neu ist indes der konsequent umgesetzte Konzeptansatz:

„Die Erweiterung unseres Verständnisses des Metal resultiert ja gerade aus dem Wunsch, uns heraus zu fordern und weiter zu gehen als bisher. Vielleicht greift es einen Tick zu weit, zu sagen, wir hätten uns neu erfunden, doch in diese Richtung geht es. Wichtig ist mir, zu betonen, dass wir nach wie vor Fans sind, die den Metal über alles lieben. In den letzten Jahren hat es allenfalls hinsichtlich Brutalität und technischer Fokussierung Neuerungen gegeben, während sich die bekannten Standards immer weiter eingeschliffen haben. Wir hegen mit „In Waves“ den Anspruch, dem Metal frische Ideen und neue Ansätze zu geben, die hoffentlich auch von anderen Gruppen aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, wenn jemand TRIVIUM als Inspirationsquelle bezeichnet. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass ich selbst nur Fan gewesen bin und die Stücke der Bands nachgespielt habe, die ich Tag für Tag hörte. Dass ich heute das, was ich am meisten mag, tun kann und davon meinen Lebensunterhalt bestreite, ist ein Traum, der wahr geworden ist. Ich bin dankbar für jeden neuen Tag und schätze mich außerordentlich glücklich, einen Status erreicht zu haben, in dem andere zu uns aufblicken und sich von uns beeinflussen lassen. Das ist nicht nur eine Anerkennung für mich. Es spornt mich an, hart zu arbeiten und die Wertschätzung, die uns entgegen gebracht wird, zu rechtfertigen und zu bestätigen. Die Erweiterung der Musik um die visuelle Komponente in Bildern und Videos ist der erste Schritt. Nun werden wir schauen, was wir für unsere Shows übernehmen können, um auch live ein umfassendes TRIVIUM-Erlebnis zu erschaffen, das nicht bloß eine Band darstellt.“

 
 Links:
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