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Chthonic

Interview von: Doris mit Daniel, am: 04.08.2011 ]

CHTHONIC sind eine Band mit klarer Agenda. Auch auf dem neuen, starken Album „Takasago Army“ paaren sie asiatische Volksmusik mit mitteleuropäischem Black Metal. Da machen Doris Yeh und ihre Kollegen aber längst nicht Halt. Politik, Spiritualität und ein klares Bekenntnis zur eigenen Geschichte und Kultur sind mindestens ebenso wichtig. Grund genug, der Band auch zum neuen Album ein paar Antworten abzuringen.

 

Musicscan: Zunächst muß ich euch gratulieren: „Takasago Army“ ist ein faszinierendes Album! Da die Scheibe ein lyrisches Konzept verfolgt, wärest Du so nett dies den Lesern kurz zu erläutern?

Chthonic: „Takasago Army“ war eine der mutigsten Armeen, gegründet von den sogenannten „Austronesischen Taiwanern“, die in den Bergen lebten. 1930 kämpften ihre Väter an der Seite der japanischen Armee, als Taiwan noch unter japanischer Kontrolle war, aber versagten letzten Endes und viele starben mutig im Krieg. Zehn Jahre später wurden die Söhne vom japanischen Kaiser in den Pazifikkrieg geschickt. Auch, wenn viele von ihnen starben, oder ernsthaft verletzt wurden, so erwarben sie sich dennoch den Respekt der japanischen Soldaten. 1945 schließlich endet der zweite Weltkrieg. Einige der Soldaten wurden auf Selbstmordmissionen geschickt, aber dieses tragische Schicksal verschaffte ihnen ein Gefühl von Erleichterung, denn es half ihnen, ihre Identität zu finden. Hier erfüllte sich die heilige Verpflichtung durch die Ahnen, daß sich jeder im Kampf stellen und beweisen muß, um ein vollständiger Mann zu sein.

Musicscan: So wie ich das verstehe, haben Soldaten der “Takasago Army” auch in Pearl Harbour an Seiten der japanischen Armee gekämpft. Verbindet ihr mit dem verwendeten Thema auch eine politische Botschaft?

Chthonic: Als wir am Konzept für dieses Album gearbeitet haben, dachten wir nur daran, den Wert dieser Soldaten hervorzuheben. Die einfache Botschaft lautet: Je näher Du am Tod bist, je eher weißt Du, wer Du bist.

Musicscan: Wenn wir schon beim Thema Politik sind: Taiwan steht immer noch im Schatten von China. Fühlt ihr als Künstler eine Art von Unterdrückung? Hindert man euch daran, kreativ tätig zu sein?

Chthonic: Die Unterdrückung Taiwans durch die chinesische Regierung hat nie aufgehört. Taiwan wurde systematisch von den UN und der Welt isoliert. China behauptet, Taiwan sei ein Teil der chinesischen Republik. Zwar ist Taiwan formal ein unabhängiges land, aber unsere Insel ist so nah an China und unsere Regierung war Bestandteil der chineischen Armee im zweiten Weltkrieg, so daß man uns nicht die wahre Geschichte unserer Ahnen beibrachte, sondern stattdessen mußten wie die Geschichte Chinas lernen. Wir denken, daß wir das Recht auf eine eigene Perspektive auf die Geschichte haben und nicht den Blick eines fremden Landes. Nur, wenn Du weißt, woher Du kommst, weißt Du, in welche Zukunft Du gehst. Wir versuchen die Punkte unserer Geschichte zu entschleiern, die Regierungen (egal ob Taiwanesisch, Japanisch oder Chinesisch) uns nie erzählen wollten. Das ist unsere Motivation Musik zu erschaffen.

Musicscan: Das neue Album scheint der perfekte Mix aus westlichem, symphonischen Black Metal und asiatischer Kultur zu sein. Ist es für euch schwierig, diese beiden doch sehr unterschiedlichen Bereiche zu mischen?

Chthonic: Für uns ist es ganz normal traditionelle Elemente in unseren Songs zu verarbeiten, denn unsere Wurzeln liegen ganz klar in traditioneller Volksmusik (die wir Taiwanesisches Enga nennen). Aber, wir sind schon während der Schulzeit schon mit westlicher Musik in Kontakt gekommen. Mittlerweile aber, besonders bei diesem Album, werden unsere Gefühle und Verbindungen zu unserer eigenen Kultur immer enger. So schaffen wir dennoch eine gute Balance zwischen diesen beiden Ende. Darüber hinaus ist unser Sänger Freddy fanatisch an Taiwanesischem Enga interessiert und allein daher kommen schon viele Elemente in unseren Sound.

Musicscan: Was denkt ihr wo der größte Unterschied zwischen „Mirror Of Retribution“ und „Takasago Army“?

Chthonic: Alles hängt von der Story, dem Konzept des Albums ab. „Takasago Army“ hat mehrere Elemente. Die Verwirrung um die eigene Identität, der Stolz des Kriegers auf dem Schlachtfeld, das schmerzliche Gefühl der Kriegsniederlage, bis hin zum inneren Frieden mit den eigenen Vorfahren. So ist das Gefühl ein stetiges auf und ab, viel deutlicher als auf „Mirror...“.

Musicscan: Empfindet ihr immer noch einen Unterschied zwischen europäischem und asiatischem Publikum?

Chthonic: Mittlerweile gleicht sich das Publikum immer mehr an, jedenfalls wenn wir auf der Bühne stehen :-). Die Leute sind einfach verrückt. Aber, nach den Shows gibt es schon noch Unterschiede, wenn die Fans sich mit uns unterhalten wollen, oder um ein Autogramm bitten. Asiatische Fans werden dich nicht umarmen, sondern sie stehen höflich in einiger Entfernung, während Europäer dich direkt umarmen und körperlicher Nähe suchen. Anfans waren wir noch ein bisschen schüchtern, aber wir gewöhnen uns mehr und mehr an diese Unterschiede.

Musicscan: Was würdet ihr als größten Einfluß auf eure Musik ansehen? Musik? Literatur? Kultur?

Chthonic: Musikalisch ist das in jedem Fall die Volksmusik aus Taiwan. Dahinter folgt dicht Metal! Literarisch muß ich da wohl die Geschichte und Mythologie Ostasiens nennen. Kulturell gesehen interessieren wir uns sehr für den Orient.

Musicscan: Zum guten Schluß: Was würdet ihr mit Chthonic in der nahen oder fernen Zukunft noch erreichen?

Chthonic: In naher Zukunft hoffen wir erstmal mit dem neuen Album die nächste Stufe erreichen zu können. Wir sind selbstbewußter als je zuvor. In ferner Zukunft hoffen wir die Barriere überwinden zu können, die unsere Regierung und setzt, so daß wir die Menschen sein können, die wir sein wollen. Wir hoffen, daß wir Menschen inspirieren und ihr Bewußtsein schärfen können, wer sie wirklich sind.

 
 Links:
  myspace.com/chthonictw
 
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