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Communic

Storie von: arne, am 19.07.2011 ]

Der variable, vor Spielwitz übersprudelnde Metal-Ansatz von COMMUNIC liegt zwischen Traditions-bewusstsein und quirliger Moderne. Der vierte Longplayer der Norweger ist „The Bottom Deep“ betitelt. Wiederum ist ein lebendiges Abenteuer entstanden, das vom skandinavischen Trio mit Zitaten aus diversen Stilen und einem ganzheitlichen Musik-Verständnis inszeniert wird. Weshalb Bandkopf Oddleif Stensland & Co. unterschiedlichste Hörergruppen auf sich vereinen und allgemeine Wertschätzung genießen, ist nur allzu verständlich.

 
Bei COMMUNIC kommt eine Menge zusammen. Prog-, Power-, Doom- und Thrash-Metal sind zu nennen, doch auch eine Melo-Death-Kante ist herauszuhören, die von entspannter Rockigkeit und Storyteller-Tendenzen abgerundet wird. Doch egal, aus welchen Einflüssen sich die einzelnen Songs der Band speisen, ihnen allen sind fesselnde Spannungsbögen und nachhaltig wirkende Eingängigkeit gemein: „Ich schreibe Musik von jeher auf die gleiche Art und Weise, und auch meine Intentionen haben sich bis heute nicht verändert,“ verrät Oddleif. „Als Komponist schreibe ich die Musik, die ich persönlich mag und gerne hören möchte. Dabei kümmere mich weder um Trends noch darum, was andere Gruppen tun. Heute gestehe ich Tor Atle und Erik aber größeren Einfluss auf die Entstehung der Songs zu und lasse es zu, dass sie ihre Ideen und Einflüsse einbringen. Das war früher nicht der Fall. Obwohl das Songwriting noch immer allein in meiner Verantwortung liegt, ist der Einfluss der anderen Beiden entscheidend, denn sie setzen meine Ideen letztlich um. Manchmal hätte ich es gern noch progressiver, doch sie verstehen die Tracks grooviger. Dann probieren wir so lange herum, bis jeder von uns zufrieden ist. Als Fan lebe ich aber noch genauso, wie einst als Jugendlicher. Ich gehe zu Konzerten, teste neue Bands an und kaufe jeden Monat einen Haufen CDs.“

Nachhaltigen Eindruck auf den Norweger üben jedoch nur wenige Gruppen und Veröffentlichungen aus, wie er auf Nachfrage preisgibt: „Seit dem letzten Jahr ist in meinem Kopf eigentlich nur Platz für meine eigenen Songs und für das neue Album gewesen. Platten wie Machine Heads „The Blackening“, „The End Is Begun“ von Three und natürlich die ganzen Sachen von Porcupine Tree kamen aber immer mal wieder dazwischen. Älterer Thrash, wie von Overkill, Testament und Megadeth, fasziniert mich ebenfalls nach wie vor, aber auch die frühen Sabbat, Dio und King Diamond. Erik ist hingegen ein riesiger Manowar- und Sepultura-Fan, während Tor Atle extremere Bands und der amerikanische Groove-Metal interessieren. Aus dieser Gemengelage kommt unsere Mischung irgendwie zusammen.“

Zurück zu „The Bottom Deep“, das mit seinen Wechseln zwischen atmosphärischem Schwelgen, angezogenem Tempo, dosierter Härte und anspruchsvoller Komplexität sowohl fordert als auch zwanglos unterhält. COMMUNIC überraschen auf ihrem vierten Album dabei mit vergleichsweise kurzen Songs. Die knapp 60-minütige Spielzeit verteilt sich auf neun Tracks, so dass die Band fokussierter und direkter in Erscheinung tritt, ohne ihre epische Kante aufzugeben: „Es ist ein Album mit starker Dramaturgie,“ fasst es Oddleif. „Als Konzept dreht es sich um ein Ereignis, dass mich als Menschen stark geprägt hat. Es besitzt viele dunkle Töne und ist etwas schwerer als unsere früheren Platten. Und sehr persönlich – so persönlich, wie ich es zulassen konnte. Das Songwriting fiel mir teilweise sehr schwer, da ich tief in mich hinein hören musste. So etwas werde ich nicht so schnell wieder tun, obwohl ich das fertige Album über alles liebe und es mir unglaublich viel bedeutet.


Wer sich die Zeit nimmt, die Texte zu lesen und meine Motivation nachzuvollziehen, wird noch tiefer in die Songs eintauchen können. Wem es allein um die Musik geht, kann sich auf interessanten, abwechslungsreichen Metal freuen.“

Kreativer Ideenreichtum und handwerkliche Umsetzung lassen nichts zu wünschen übrig und werden Fans von Nevermore, Into Eternity, In Flames bis Candlemass bestens ins Ohr gehen. Die Balance zwischen freigiebigem Agieren und fordernder Progressivität setzen COMMUNIC nahezu perfekt: „Ich hatte eine klare Vorstellung davon, wie das Album klingen sollte,“ so der Bandkopf. „Ich wusste nicht, ob die Aufgabe, es selbst zu produzieren, nicht zu groß sein würde, doch ich wollte und konnte sie auch nicht aus der Hand geben. So habe ich meinen Ohren vertraut und darauf verzichtet, einen Produzenten anzuheuern. In einem professionellen Studio mit der Unterstützung eines qualifizierten Studio-Technikers haben wir aber natürlich schon aufgenommen. Als Notlösung hatten wir Dan Swanö in der Hinterhand, der das Album im Falle eines Versagens meinerseits gemischt hätte. Für ihn ist es letztlich beim Mastering geblieben, was belegt, dass wir mit dem Ergebnis wirklich zufrieden sind. Im Studio hatten wir etwa 20 Tage für die Aufnahmen, und die haben wir intensiv genutzt. Wenn ich „The Bottom Deep“ jetzt höre, erfüllt es mich mit Stolz, dass mir das organische und ehrliche Album gelungen ist, das ich machen wollte.“

Und genau diese Glücks- und Zufriedenheitsgefühle sind der Grund dafür, dass die Norweger nach wie vor aktiv und produktiv sind, auch wenn der sympathische Norweger noch größere Bescheidenheit an den Tag legt, wenn es um die Triebfeder für seine Kreativität geht:

„Wir haben schon 10-15 Jahre in diversen Bands gespielt, bevor wir unseren ersten Plattenvertrag bekamen. Mit oder ohne – wir hätten weiter gemacht und würden heute wohl ganz genauso klingen. Ohne Deal würden wir allerdings nach wie vor im Untergrund lauern und unsere eigenen Demo-Aufnahmen im Auto auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause hören. Moment, das tue ich ja. Wir schätzen uns glücklich, unsere Lieder auf die Massen loslassen zu können und unseren Platz im Dschungel der Bands gefunden zu haben. Es fällt mir schwer, zu verstehen, dass es bei all den Bands und unglaublich vielen Veröffentlichungen in Summe nachlassende CD-Verkäufe gibt. Da ist es ein mehr als glücklicher Zufall, dass die meisten Metal-Musiker mit Herzblut bei der Sache sind und ihren Bands ohne kommerzielle Absichten nachgehen. Wenn wir für Shows genug Geld bekommen, um die Spritkosten zu bezahlen, ist für uns alles gut. In unserem Fall ist ohnehin die starke Freundschaft das große Geheimnis. Das Schreiben von Musik ermöglicht es uns, uns mit unseren inneren Dämonen auseinander zu setzen und unsere Gedanken mit Anderen zu teilen. Das müsste ich so oder so tun, und in der Gruppe macht es einfach mehr Spaß. Zu großen Teilen ist COMMUNIC natürlich mein ganz persönlicher Genuss und meine Therapie, wenn man so will. Die Band und unsere Songs füllen meine Seele mit Wärme und Zufriedenheit und das ist es, was letztlich zählt.“

 
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