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The Black Dahlia Murder

Storie von: arne, am 28.06.2011 ]

Deathcore, MetalCore, Melo-Death, Thrash, Heavy Metal? Egal! Im Falle von THE BLACK DAHLIA MURDER gilt es mehr denn je festzuhalten, dass sie eine gleichsam extrem orientierte wie schwer gewichtige Band sind, die sich von einengenden Stilgrenzen und gängigen Standards längst emanzipiert hat und heute einen ganzheitlichen Brutalo-Ansatz eigener Güte verfolgt.

 
„Ritual“ ist die fünfte Platte der Detroiter und der schlagkräftige Beweis dafür, dass Shouter Trevor Strnad & Co. über die Jahre zu einer professionell agierenden Gruppe gereift sind, die eine Brücke zwischen moderner Extrem-Kost und traditioneller Heaviness schlägt. Unabhängig von individuellen Vorlieben für die verschiedenen Metal-Spielarten wird man THE BLACK DAHLIA MURDER abfeiern. Es geht gar nicht anders, und selbst im Viking Metal-Umfeld sind dem Quintett Sympathien gewiss: „Wir stehen kurz davor, in unser nächstes Tour-Abenteuer aufzubrechen,“ erzählt der Shouter zum Auftakt des Gespräches, das einen Tag vor der Abreise der Band nach Europa stattfindet. „Wir sind hier zusammen in Detroit und proben wie verrückt. Wenn man sich eine kleinere Live-Auszeit gegönnt hat, muss man das ältere Material wieder intensiv proben, um alles wieder drauf zu bekommen. In letzter Zeit haben wir intensiv an der neuen Platte gearbeitet. Da standen natürlich allein die neuen Stücke im Fokus, die wir aus dem Effeff beherrschen. Die Fans wollen aber berechtigterweise auch Songs von den alten Platten hören. Wir sind inzwischen aber gut präpariert, die Shows mit Amon Amarth beginnen zu können.“

Berührungsängste kennen die Amerikaner nicht. Hinsichtlich der Shows gibt es ausschließlich Vorfreude: „Wir sind schon richtig aufgeregt,“ so Strnad. „Allein von den Venues her wird es die größte Tour, die wir bislang gespielt haben. Amon Amarth sind schlicht und ergreifend ein Killer. Davon, mit ihnen unterwegs zu sein, rechnen wir uns große Chancen aus, uns einem Publikum vorzustellen, das bislang noch nicht unbedingt Notiz von uns genommen hat. Ob das klappt, werden wir in Kürze wissen.“ Das Spektrum des Heavy Metal ist breit, und da THE BLACK DAHLIA MURDER ausgewiesenes Extrem-Crossover-Potenzial besitzen, können sie eigentlich jeden Metal-Fan von ihren Qualitäten überzeugen: „Da hast du recht. Die Tatsache, dass man uns schon so viele Label verpasst hat, dass ich mich gar nicht mehr an alle erinnere, belegt es. Deathcore, MetalCore, Death Metal, Thrash und alle nur denkbaren Kombinationen dazwischen – wir haben eigentlich alles durch. Anfangs lacht man noch darüber oder macht sich sogar Gedanken, doch irgendwann nimmt man kaum mehr Notiz davon. Solange die Leute überhaupt wissen, dass es uns gibt, ist alles gut. Zuletzt scheint sich allerdings durchgesetzt zu haben, uns als Death Metal einzuordnen. Es hängt aber stark davon ab, welches Alter die Leute haben, die die unterschiedlichen Kategorien verwenden. Auf unseren Shows kommen dann sprichwörtlich Generationen zusammen. Meiner Auffassung nach beweist das, dass wir nicht nur einem Stil zuzuordnen sind. Von Diehard-Deathern über stylishe Kids bis hin zu normalen Hörern sprechen wir ein breites Publikum an. Wir spielen so oder so für jeden und hoffen, den Leuten mit unseren Songs eine gute Zeit zu bescheren.“

Killer-Begabungen

In früheren Zeiten hat Trevor Strnad bisweilen gewitzelt, seine Band würde das Pech magisch anziehen. Heute herrscht eitel Sonnenschein, wie er verrät: „Die Situation hat sich für uns zum Besseren gewendet. Die schwarze Wolke folgt uns nicht länger. Pech hatten wir in den letzten Monaten jedenfalls keines mehr. Die Tour-Busse blieben nicht liegen, und wir hatten keine Unfälle mehr. Keiner von uns musste sich mit Verletzungen herum schlagen. Doch der Stolz, ein Album wie „Ritual“ geschaffen zu haben, würde ohnehin alles überlagern. Es läuft richtig gut, und ich kann mich nicht beschweren. Die Presse ist stärker denn je an uns interessiert. Die Preorders hier in den Staaten sind besser als erwartet angelaufen. Und jeder scheint begeistert zu sein. Wir nehmen das als gutes Omen und hoffen, dass es so weiter gehen wird. Jeder, der Metal hört, soll sich eingeladen fühlen, ein Album kennen zu lernen, dass leidenschaftlicher Metal ist und sich dafür nicht schämt.“ Unter dem Namen „Ritual“ erscheint eine Platte, die ebenso tight, bissig und handwerklich anspruchsvoll wie melodisch, atmosphärisch und intensiv ausfällt – rund um das Thema, das ihr Titel vorgibt: „Das inhaltliche Konzept und die Entwürfe der Visualisierung hatten wir schon sehr früh. Zu diesem Zeitpunkt war erst ein Bruchteil der Songs fertig. Das hat es uns ermöglicht, die Tracks musikalisch noch stärker in das Konzept einzubeziehen. Brian und Ryan haben sich bandintern einen Wettbewerb geliefert, wessen Ideen wir anderen besser und krasser finden. Sie stachelten sich gegenseitig an,


sind über sich hinaus gewachsen und haben sich gegenseitig inspiriert. So etwas hat es bei uns noch nicht gegeben, so dass auch wir anderen Drei immer noch mehr eingebracht haben und der Arbeitsprozess sehr intensiv war.“ Die Verteilung des Songwritings auf zwei Schultern wirkt Wunder. Nachdem „Deflorate“ noch als kreatives Warmlaufen der beiden Gitarristen zu verstehen war, interagieren und ergänzen sich Brian Eschbach und Ryan Knight nun mit zuvor nicht gekannter Vehemenz und Effektivität: „Das Songwriting bei THE BLACK DAHLIA MURDER ist in der Vergangenheit immer ein privates Ding gewesen,“ verrät der Shouter. „Jeder hat zu Hause mit Ideen experimentiert. Die wesentlichen Ideen stammten aber allein von Brian. Seitdem wir mit Ryan einen zweiten Gitarristen haben, der sich auch ins Songwriting einbringt, verteilt sich die Kreativarbeit. Ryan ist sehr enthusiastisch und will sich mit jedem Stück beweisen. Er bringt frischen Wind in unsere Reihen und reißt uns mit seinem Elan mit. Er besitzt einer Killer-Begabung, was Metal-Songs anbelangt, auf die man sofort abgeht. So ist es wenigstens uns gegangen, als er seine Ideen vorstellte. Er ist eine klare Bereicherung, nachdem sein Vorgänger gewissermaßen nur Dienst nach Vorschrift geleistet hat.“

Schock, ich bin alt!

Das fünfte Album der Detroiter greift alle Qualitäten und Eckpfeiler des THE BLACK DAHLIA MURDER-Metals auf und setzt sie in den verbindenden Rahmen eines ganzheitlichen Verständnisses, das von Souveränität und Selbstbewusstsein zeugt: „Wir hatten uns lose darüber verständigt, das dieses Album noch abwechslungsreicher werden sollte,“ berichtet Trevor. „Wir wollten uns selbst und die Hörer auf eine Reise mitnehmen, bei der man ordentlich durcheinander gewirbelt wird und bei der immer etwas passiert. Mit konkreten Plänen haben wir uns zurück gehalten, weil wir aus Erfahrung wissen, dass immer anders kommt und Planung bei uns einfach nicht hilft. Wir sind ein Haufen Chaoten und stehen dazu. Mit Ryan wendet sich die Situation nun ein wenig zum Besseren. Er ist dafür verantwortlich, dass „Ritual“ mehr Struktur als seine Vorgänger aufweist. Er ist ein ausgebildeter Musiker, während wir anderen Punk-Rocker sind, die auf ihr Gefühl vertrauen und darauf, dass es schon gut werden wird. Jemanden in unseren Reihen zu haben, der über einen theoretischen Background verfügt, ist nicht verkehrt, denn so eröffnet sich eine andere Sichtweise auf unsere Songs. Ryan agiert weniger impulsiv und überdenkt die Dinge gerne. Wir sind häufig schon mit einer schlüssigen Auflösung zufrieden gewesen. Nun schauen wir, welche Alternativen es gegebenenfalls gibt und ob diese nicht noch stärker wirken. Dieser Ansatz hat etwas für sich.“

Nach einer Dekade mit der Band ließe sich aber auch von der Reife des Alters sprechen: „Das Alter ist natürlich ein weiterer Punkt,“ gibt der Shouter zu. „Nach all den Jahren schaut man schon einmal kritisch auf das zurück, was man gemacht hat. Dazu kommt eine stärkere Professionalisierung, die man zu Beginn einer Band einfach noch nicht haben kann. Heute wissen wir, wie das Business funktioniert, was wir erwarten dürfen und was von uns erwartet wird. Wir als Musiker, aber auch die Fans, haben den Anspruch, dass THE BLACK DAHLIA MURDER als THE BLACK DAHLIA MURDER erkennbar sind, wir mit unserem Sound aber nicht stagnieren. Es soll schließlich spannend bleiben, auch wenn „Ritual“ unser fünftes Album ist.“ Trevors Rezept, um jung und motiviert zu bleiben, ist die Band: „Auf einigen der Shows bin ich inzwischen der Älteste und bisweilen doppelt so alt wie die Kids, für die wir spielen. Das ist zwar erschreckend aber auch herausfordernd. Ich kann damit umgehen. THE BLACK DAHLIA MURDER fungieren längst als Brücke zwischen den angesagten Extrem-Stilen und dem etwas gesetzteren Death Metal, der gerne auch technisch sein darf. Was mich jung hält, sind die vielen Kids, die sich für den Metal begeistern und gemeinsam mit uns abfeiern. In dieser Szene unterwegs zu sein, lässt mich das Alter nicht spüren. Wir wollen nach wie vor so extrem aufspielen, wie es geht. Ich selbst will schreien und brüllen, bis ich mir alles ausgekotzt habe. Es macht Spaß! Harte Arbeit und frische Ideen zahlen sich nach wie vor aus. Auch als extreme Band findet man seinen Platz und kann ihn behaupten, und auch der Schneeball-Effekt, der uns von jeher begleitet, ist noch längst nicht zur Ruhe gekommen. Wir haben längst noch nicht das Maximum dessen erreicht, was für die Band möglich ist.“

 
 Links:
  metalblade.com/de/artists/theblackdahliamurder
 
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