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Origin

Storie von: arne, am 13.06.2011 ]

Musikalisch gehen die Heavyweights von ORIGIN auf ihrem Nuclear Blast-Einstand „Entity“ keine Experimente ein und huldigen ein weiteres Mal dem Tech-Death. Seit ihrer Gründung 1997 hat die Band hart daran gearbeitet, die rohe Brachialität der eigenen Kompositionen mit einem gesunden Maß an handwerklicher Finesse zu kombinieren und auf diese Art und Weise flüssig hörbar und maximal rabiat in Erscheinung zu treten.

 
Nach dem 2008er „Antithesis“ haben ORIGIN ihre langjährige Heimat Relapse Records verlassen und bei Nuclear Blast angeheuert. Den dortigen Einstand „Entity“ nehmen die Metaller aus Kansas mit Unterstützung ihres neuen Shouters Jason Keyser in Angriff, der sich seine Sporen zuvor bei Skinless und Mucopus verdiente; sich glänzend und songdienlich einfügt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Unter Anhängern kompromissloser Death-Sounds erfreuen sich ORIGIN seit Jahren großer Beliebtheit, doch der Schritt heraus aus dem Underground in den Fokus der breiteren Metal-Gemeinde ist ihnen bislang nicht geglückt: „Mit solchen Dingen schlagen wir uns gar nicht mehr herum,“ entgegnet Schlagzeuger John Longstreth. „Zu Beginn einer Band ist es interessant, zu sehen, wie man ankommt und wo auf der Welt man besonders viel Interesse auf sich zieht. ORIGIN gibt es inzwischen aber schon viele Jahre, und die Leute wissen, was sie mit uns zu verbinden haben. Es ist uns klar, dass wir nie allen Metal-Hörern gefallen werden, doch das wollen wir gar nicht. Alles, was wir fordern, ist eine faire Chance. Der eine oder andere wird so eine positive Überraschung erleben. Wir sind überzeugt davon, gewichtige musikalische Argumente auf unserer Seite zu haben, auch wenn wir weder sonderlich ansehnlich sind noch uns die Mühe machen, das mit Make-Up, Kostümen oder Ähnlichem aufzupolieren. Die Band ist unser Leben, und wir leben sie auf reale, ungeschönte Art und Weise. Wir sind damit zufrieden, wie wir aufgenommen werden und ankommen und fühlen uns verstanden.“

Hinsichtlich der Ansprüche, die Hörer an Death Metal-Gruppen richten, gibt es deutliche Unterschiede, die häufig altersabhängig sind. Im harten Wettbewerb um nachwachsende Metal-Heads stehen ORIGIN gut da, wie John zu berichten weiß: „Dass sich der Geschmack der Hörer bestimmter Stile mit der Zeit verändert, gilt generell und ist keine Besonderheit im Metal. Zunächst ist all das spannend, was man vorher nicht kannte und saugt es begierlich auf. Man probiert eine Menge aus, um heraus zu finden, was am besten zu einem passt. Das braucht Zeit. Meine 16-jährige Tochter hat mir gerade erst kürzlich voller Stolz verraten, dass es an ihrer Highschool einige ORIGIN-Fans gibt. Damit ist belegt, dass wir auch jüngeren Metal-Fans etwas zu bieten haben. Und es läuft noch, wie früher, was mich beruhigt. Zum Metal bin ich als Jugendlicher gekommen. Der Rock, der im Radio lief, hat mich nicht angesprochen und ich wusste, dass es mehr gibt als ihn. Also habe ich angefangen, mich zu informieren und Bands anzutesten. In kleinen Plattenläden geht das problemlos. Zu Beginn haben mich Slayer, Carcass, Death, Fear Factory, Sepultura etc. begeistert und für den Metal gewonnen. Später habe ich meine Vorliebe für die bizarren und extremen Gruppen kennen und schätzen gelernt und bin ihr bis heute treu geblieben. Am Ende zählt die Qualität der Musik, und die ist universell. Ein guter Song, ist ein guter Song. So einfach ist es. Punkt. Im Metal klingt es nur härter und schroffer. Mit ORIGIN schreiben wir die Songs, die wir selbst gerne live gesehen hätten, die aber niemand gespielt hat. Wir erfüllen uns selbst unsere Träume, indem wir die Songs schreiben, die niemand für uns in seinem Programm führt. Wenn eine Band das tut, muss sie auf dem richtigen Weg sein, denn dann ist sie authentisch und spielt keinesfalls das, was die anderen auch spielen. Und dann findet man altersübergreifend Hörer, die das zu schätzen wissen.“

Mit klarem Fokus unterwegs

ORIGIN setzen auf „Entity“ auf die beständige Durchmischung von MidTempo-Rollen, harschen Attacken und technischen Feinheiten. Im Rahmen seines Ansatzes erschafft das Quintett ein variabel ausgestaltetes Album mit vielen Breaks und Wendungen, das in der Mitte zwischen Traditionsbewusstsein und Moderne liegt: „Es gibt gute Argumente für beide Strömungen. Jede Band muss für sich entscheiden, ob sie sich damit zufrieden gibt, Standards und Bekanntes zu reproduzieren, oder ob sie den Anspruch hegt, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, was unglaublich schwer ist,“ so der Schlagzeuger. „Doch selbst, wenn man traditionell orientiert ist, kann und muss man dem Sound eine eigene Note mitgeben. Dem gegenüber, was wir als traditionell verstehen, sind wir von jeher treu. In unseren Augen ist es keine Schande, Parts auf der Platte


zu haben, die an Malevolent Creation, Morbid Angel oder Carcass erinnern, denn wir sind von ihnen bewusst oder unbewusst inspiriert. Man darf die Vorreiter seiner Spielart nur nicht plump imitieren und muss diese Passagen in einen Kontext eigener Ideen einbetten. Wenn man wie wir den Geist des klassischen Death Metals lebt, ist es unvermeidlich, die Wegbereiter zu zitieren. Wonach wir vor allem streben, ist jedoch eine eigene Identität.“ Freunde des rabiaten US-Tech-Deaths kommen bei ORIGIN voll auf ihre Kosten, wobei die Band nicht die Konkurrenz zu den Deathcore-Formationen sucht, sondern ihren old schooligen Weg schnurstracks fortsetzt: „Es gibt einige junge Bands, die unverbraucht und frech neue Dinge probieren, die für sie bestens funktionieren,“ meint John Longstreth. „Gerade am ganz extremen Ende ist immer Potenzial, die Grenzen des Metal auszuweiten. Daneben gibt es andere Gruppen, denen es gelingt, den Old School-Spirit und klassische Strukturen aufzugreifen und diese selbst in der heutigen Zeit frisch und stimmig klingen zu lassen. Die originellen und hörenswerten Bands zu entdecken, ist heute allerdings schwerer als früher. Es gibt sehr viel Mittelmaß, doch das ist in jeder Musikrichtung so und bedingt durch einen Automatismus. Was neu und erfolgreich ist, wird alsbald von vielen anderen kopiert, bis die Leute genug davon haben und nur die Innovatoren übrig bleiben, die dann schon wieder weiter gezogen sind.“

Ali vs. Tyson

Unter Fans von Necrophagist, Atheist, Nile & Co. erfreuen sich ORIGIN seit Jahren großer Beliebtheit. Hinsichtlich der Wahrnehmung seiner Band hat Schlagzeuger John Longstreth im Verlauf der Zeit allerdings Veränderungen festgestellt: „In einem Moment zählst du noch zu den krassesten Gruppen überhaupt, und wenn du dich umdrehst, haben dich Newcomer bereits überholt und wirbeln noch extremer. Das ist der Lauf der Dinge und wie im Boxen. Muhammad Ali war lange Zeit das Maß aller Dinge und galt als der perfekte Boxer. Dann kam Mike Tyson, und die Leute waren sofort von ihm fasziniert und jubelten ihm zu. Die Dinge entwickeln sich, doch davon lassen wir uns nicht beeindrucken und folgen unserem Weg erhobenen Hauptes. Wir bleiben uns treu und konzentrieren uns ausschließlich auf uns selbst. Das Umfeld wichtig zu nehmen und zu analysieren, bringt nichts. Man muss den für sich optimalen Sound und Weg finden. Schau dir AC/DC an, die sich seit 40 Jahren kaum verändert haben und es auch niemals tun werden. Bei uns ist es nicht anders. Solange Paul (Gitarre), Mike (Bass) und ich die Songs schreiben, wird es immer nach ORIGIN klingen. Bewusste Pläne, bestimmte Dinge in unserem Sound weiter zu entwickeln, gibt es nicht. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen und schauen, wohin uns das führt.“ Jahre und Platten auf Relapse Records, dem amerikanischen Premium-Underground-Label, zeugen davon, dass die Gruppe aus Kansas mit ihrem Ansatz richtig liegt. Der Nuclear Blast-Einstand darf nun als weiterer Beleg gewertet werden: „Wir befinden uns in der komfortablen Situation, dass wir längst erfahrene Musiker sind, die sich und ihren Sound kennen und wissen, was sie wollen und können. Die Festival-Auftritte in Europa haben uns zu der Einschätzung verholfen, dass wir in der Lage sind, Songs zu schreiben, die auch ein größeres Publikum begeistern, ohne dass wir dafür Kompromisse eingehen müssten. Für mich besitzt jeder einzelne Song seine eigenen Qualitäten. „Entity“ basiert auf den Zutaten, die man von ORIGIN kennt, doch dieses Mal kommen sie noch kompakter und prägnanter zusammen. Es wird Leute geben, die keine großen Änderungen sehen, doch das beunruhigt uns nicht. Wir wissen, was wir mit dem Album geschaffen haben. Das ist die Art von Metal, die uns alles bedeutet und die wir kreieren wollten. Wenn sie den Leuten gefällt, ist das toll. Wem sie nichts gibt, soll sich etwas anderes suchen. Auch das ist okay, die Geschmäcker sind schließlich verschieden. Wir ziehen unser Ding so oder so durch. Das ist die einzige Maßgabe, nach der wir uns richten. Wenn wir Neuland betreten und neue Tricks setzen, ist das nur der Ausdruck unserer Grundhaltung, niemals still zu stehen und beständig weiter zu gehen. Die neuen Akzente von „Entity“ stehen keinesfalls im Widerspruch zu dem, was wir in der Vergangenheit getan haben, denn sie passen schlüssig in den Kontext.“

 
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