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Blackest Dawn

Storie von: arne, am 13.05.2011 ]

Die Frage, ob BLACKEST DAWN nun noch MetalCore oder doch schon astreiner Metal sind, ist im Grunde müßig. Attitüde und Mosh-Anteil lassen die Magdeburger am Ende eher in der Core-Ecke verorten, doch auch „gestandene Metaller“ werden mit „Soulgrinder“ ihren Spaß haben. Die sechsköpfige Band sucht auf dem Zweitwerk ihr Heil in der Offensive und drückt das Gaspedal ordentlich durch.

 
Gitarrist Sebastian stellt aus Sicht der Band unmissverständlich klar: „Wir spielen Death Metal! In der Anfangsphase von BLACKEST DAWN gab es Lieder, die mehr in Richtung MetalCore tendierten. Der Vorläufer Final Punch ist ja auch eine Hardcore-Band gewesen. Die Umstrukturierung hin zu BLACKEST DAWN war nicht zuletzt dadurch initiiert, dass wir die Metal-Ausrichtung stärker herausstellen wollten. Die Orientierung fiel uns in der Anfangsphase noch schwer, aber spätestens seit „Fear Of The Apocalypse“ machen wir Death Metal. Das ist es, was wir wollen. Ich glaube, MetalCore ist deshalb so verhöhnt, weil es eine Zeit gab, in der so ziemlich jede Band dem MetalCore-Trend gefolgt ist. Irgendwann hatten die Leute es satt, immer nur dasselbe zu hören. Es gibt wenige gute MetalCore-Bands wie beispielsweise Caliban oder Parkway Drive, die ihr Ding konsequent durchziehen. Zurzeit erleben wir dieselbe Geschichte mit dem Deathcore. What the fuck is Deathcore? Eines steht wohl fest: Dieses Genre wird bald genau so unbeliebt wie MetalCore sein, so dass nur die etablierten Größen überleben werden. Deshalb ist es für jede Band wichtig, ihr Ding langfristig durchzuziehen, ihrem Stil treu zu bleiben und nicht zu stagnieren, selbst wenn sie nicht so gut beim Publikum ankommt. Wir machen die Musik, die uns Spaß macht. Das ist der Grund, warum es uns heute noch gibt und noch lange geben wird!“

Auf ihrem Zweitwerk „Soulgrinder“ emanzipieren sich die Magdeburger von den offensichtlichen Inspirationsquellen, ohne dabei auf die Stärken, die Heaven Shall Burn, Caliban, etc. salonfähig gemacht haben, zu verzichten: „Wir versuchen nicht, HSB etc. zu kopieren,“ erwidert der BLACKEST DAWN-Gitarrist. „Von diesen Bands sind wir aber beeinflusst, keine Frage. Einen fetten Sound zu haben, ist heute das A und O – der Zeitgeist, wie man so schön sagt. Klar wollen wir ebenfalls einen solch fetten Sound. Wenn man diesen mit gutem Songwriting kombiniert, ist daran nichts auszusetzen. Hör dir doch die aktuellen Scheiben von Kreator und Destruction an. Selbst Bands wie Sodom und deren Fans beschweren sich über den Sound ihrer alten Alben. Der Anspruch der Zuhörer ist gestiegen, selbst im Underground. Gerade junge Hörer stumpfen angesichts der ultra-krassen Sounds ab, so dass es ihnen schwer fällt, sich an Kult-Alben heranzuwagen. Was uns mit Bands wie HSB verbindet, ist aber auch die politische Attitüde, die unsere Songs prägt. Es ist gewünscht, dass sich die Leute mit den Texten auseinandersetzen und nicht stumpf alles hinnehmen, was in der Weltgeschichte oder in Deutschland geschieht. Sieh dir doch nur die jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt an. Wir haben Glück gehabt, dass die Wahlbeteiligung wieder gestiegen ist. Diesem glücklichen Umstand haben wir es zu verdanken, dass die rechtsradikale NPD nicht die 5-Prozent-Hürde genommen hat.


Dennoch muss man es mit Argwohn sehen, dass sie aus dem Stand 4,6 Prozent erreichte, was für mich, uns und alle anderen klar denkenden Menschen in Sachsen-Anhalt ein Weckruf gewesen ist, das Wahlrecht in Anspruch zu nehmen und nicht diesen braunen Mist zu wählen!“

Wohl wahr, und glücklicherweise zeigen nicht nur Heaven Shall Burn und BLACKEST DAWN Flagge gegen rechts. Apropos Flagge zeigen – das Sextett ist auch live unterwegs und steht inzwischen mit den Gruppen auf der Bühne, die dafür verantwortlich sind, dass die Beteiligten aktiv wurden oder die sie nachhaltig beindruckt haben: „Mit Maroon zu spielen, war gerade in der Anfangsphase eine tolle Erfahrung,“ blickt Sebastian zurück. „Wenn du endlich mit Bands zusammen spielst, die du auch privat hörst, die du magst und deren Attitüde du unterstützt, ist das der Wahnsinn. Desweitern sind Maroon ein gutes Beispiel für eine Band, die das MetalCore-Image erfolgreich abgelegt hat. Als dann noch Bands wie Napalm Death und Suffocation dazu kamen, war es um uns geschehen. War From A Harlots Mouth ist eine Gruppe, die uns neben der Musik auch von der Bühnen-Show her umhaut. Wir bewegen uns reichlich auf der Bühne, aber im Gegensatz zu den Jungs, wirken wir wie eine tollwütige Affenbande – auf der Jagd nach Zucker!“ …und auf der Jagd nach Wertschätzung natürlich. Da haben es junge Gruppen wie BLACKEST DAWN bisweilen schwerer als andere: „Metaller halten uns manchmal für nicht true, vielleicht weil wir nur zwei Langhaarige in der Band haben. Oft spielen Äußerlichkeiten eine Rolle, etwa beim Deathcore-Publikum. Unsere Band besteht halt nicht nur aus tätowierten, zugepiercten und stereotypen Schock-Metallern. Es werden schnell Vorurteile gebildet, was traurig ist, da sich die Szene oft mit Toleranz brüstet. Das ist aber nicht die Regel. Musikalisch kann man es ohnehin nicht jedem recht machen. Insgesamt werden wir von „richtigen Metallern“ besser angenommen als vom Hardcore-Publikum. Vorurteile kann man letztlich nur ausräumen, indem man den Leuten eine bestmögliche Show bietet, so dass sie anschließend musikalisch befriedigt nach Hause gehen. Aber selbst mit zwei Gogo-Tänzerinnen, einer Zombie-Feuershow und einem riesigen pneumatisch gesteuerten Thorshammer auf der Bühne wird man nicht alle im Publikum für sich gewinnen können. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.“

Nicht aber über die Prämissen von BLACKEST DAWN, die auf ihrer zweiten Platte wuchtig und barsch in die Offensive gehen: „Bei uns gab es noch nie Clean-Gesang und Hart-Zart sowieso nicht. Von Anfang an haben wir den klassischen Death Metal in unseren Sound integriert. Diesen würzen wir mit dem Besten aus den gängigen Metal-Genres – Black und Thrash – und erreichen so unseren abwechslungsreichen Mix. Durch ständiges Ausprobieren neuer Ideen versuchen wir einen eigenen Sound für uns zu entwickeln. Das ist uns auf „Soulgrinder“ wesentlich besser gelungen als noch auf dem Debüt „Fear Of The Apocalypse“.“

 
 Links:
  myspace.com/blackestdawn
 
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