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Lento

Storie von: arne, am 07.05.2011 ]

Die visuelle Umsetzung von „Icon“ ist düster, undurchdringlich und irgendwie unheimlich. Dasselbe gilt für die Musikalität von LENTO. Die italienische Band nutzt Elemente aus dem Spannungsfeld zwischen Doom, Sludge und Downtempo einerseits und Psychedelic, Noise und Ambient andererseits, um beklemmende und aufputschende instrumentale Klangwelten zu kreieren.

 
„Drums, Gitarren und Verzerrungen sind alles, was wir brauchen, um unsere Gefühle auszudrücken. Um die musikalische Standortbestimmung machen wir uns weder Gedanken noch ist sie uns wichtig,“ erklärt Gitarrist Donato zum Ansatz der Band. „Wir jagen nicht einmal dem Mythos des Neuen oder Innovativen nach. Wichtiger ist es uns, einen ausgewogenen Stil zu finden, der wiedererkennbar ist. Formulierte Anforderungen an unsere Songs, die immer gültig sind, gibt es nicht. Deshalb sind wir mal sehr experimentell und dann wider sehr traditionsbewusst unterwegs. Die so entstehende Mischung macht es aus. Wenn man sich allein auf sich selbst und starke Kompositionen konzentriert, ist es möglich, etwas zu erschaffen, das anderen Gruppen noch nicht gelungen ist. Glückt das, wird man immer Hörer finden, die es zu schätzen wissen und sich für die Band interessieren.“ Der Teufel steckt im Detail, und natürlich sind die zehn Tracks von „Icon“ mehr als nur die Summe ihrer Bestandteile. Für ein Album im skizzierten Spannungsfeld entwickelt sich das Zweitwerk des italienischen Quintetts vergleichsweise flüssig und wider Erwarten entlang halbwegs klassischer Strukturen:

„Das Tolle in der Musik ist es ja, dass alle Bands und Musiker einen eigenen Blick und individuellen Ansatz haben bzw. verfolgen. Jeder fühlt Musik anders. Mehr als ein verbindendes Grundverständnis gibt es nicht,“ weiß der Gitarrist. „Theoretische Vorüberlegungen hinsichtlich der Zusammensetzung unseres Sounds gibt es bei uns selten. Die Stücke erarbeiten wir uns über hartes Proben – ganz klassisch. Natürlich unterscheiden wir uns hinsichtlich der Ansprüche an und dem Blick auf die Musik, doch auch wenn jedes Mitglied für sich versucht, besser zu werden und Ideen zu entwickeln, kommen wir doch stets im Proberaum zusammen und arbeiten gemeinsam an Songs. LENTO zieht seine Kraft gerade aus dem Umstand, dass wir schon so lange gemeinsam spielen und unseren Zusammenhalt auf Tour gefestigt haben. Hier lässt sich das Klischee der guten und der schlechten Zeiten anführen. Als Gruppe haben wir schon viel durchgestanden und sind daran gewachsen. So muss das in der Kunst auch sein, wenn man kontraststarke Musik spielt.“ Gitarrist Lorenzo ergänzt: „Für mich als Sound-Enginieer kommt außerdem das Experimentieren mit den Facetten des Recordings und Mixens hinzu. Ich beschäftige mich intensiv damit, welche Auswirkungen kleine Veränderungen haben können. Der Sound ist für LENTO von enormer Bedeutung, so dass ich wie besessen nach kleinen Nuancen suche und experimentiere, wie wir noch besser klingen können.“ Mit beständigen Verstärkungen, manischem Stakkato, verstörender Unruhe und einer experimentellen Grundhaltung laden LENTO zu einer Reise durch die Ängste und Abgründe der menschlichen Seele.


„Icon“ zielt auf menschliche Urinstinkte und ungeschönte, implizite Wirkungen beim Hörer ab. Heftige Reaktionen sind an der Tagesordnung: „Wir sind eine Band, die aggressive Songs scheibt, in die wir all die in uns sitzende Frustration, Angst und Empörung stecken. Musik wirkt nur dann, wenn sie auf starken Emotionen beruht. Unsere Songs habe ich von jeher als pure Katharsis verstanden. Der Hörer ist uns aber nicht egal, auch wenn die Kompositionen zunächst allein für uns entstehen,“ erläutert Schlagzeuger Frederico. „Völlig entkoppeln kann man sich nicht, denn natürlich will man auch gehört werden. „Icon“ beginnt beispielsweise mit einem orchestralen Stück, das sich deutlich von dem unterscheidet, was wir live spielen. Auch Ambient-Passagen, wie sie damals bei „Earthen“ zentral standen, beschäftigen uns regelmäßig immer wieder. Grundlegend ist es unser Ansatz, schnelle Lösungen auszuschließen und immer mindestens einen zweiten Versuch zu unternehmen, um heraus zu finden, wohin uns das bringen kann. So bleibt es sowohl für LENTO als auch für die Hörer interessant. Letztlich weiß man nie, in welche Richtung es gehen wird. „Earthen” und „Icon” sind sich vom Entstehungsprozess her ganz ähnlich. Jedenfalls erinnere ich mich in der Arbeit an beiden Platten an Phasen großer Frustration, weil wir die Songs im Proberaum immer und immer wieder umgestellt und auf den Prüfstand gestellt haben. Das beständige Vor- und Zurückgehen, kann sehr anstrengend sein, doch nur so gelangt man zu den besten Auflösungen. In der Gruppe sind die Ansprüche gut verteilt. Für die Hälfte von uns steht der Sound-Aspekt im Vordergrund, für die andere das Songwriting. In der Frühphase der Band haben wir einfach drauf los experimentiert. Heute gehen wir zumindest von einer Grundidee aus, auch wenn die Beziehung zur Musik dieselbe geblieben ist. Sie sind etwas außerhalb des Alltags, das uns lebendig fühlen lässt, fordert und vielfältige Möglichkeiten und Erlebnisse bietet.“

Um möglichst lange motiviert und gefordert zu bleiben, ist die Qualitätssicherung deshalb besonders wichtig: „Den nötigen Abstand herstellen zu können und sich kritisch zu überprüfen, ist wichtig,“ bestätigt Gitarrist Donato. „Im kreativen Prozess ist man häufig sehr fokussiert, bisweilen auch engstirnig, so dass man anschließend unbedingt schauen muss, ob die Stimmungen und Passagen auch harmonisch zusammen passen. Als Musiker muss man gleichzeitig spielen und zuhören können. Das klingt an sich nicht schwer, ist es aber, weil man sich selbst eigentlich nicht kritisieren will. Wer ehrlich zu sich ist, wird aber zugeben, dass man häufig nicht im ersten Anlauf die bestmögliche Lösung findet. Nur wer das berücksichtigt und sich hinterfragt, wird wirklich spannende Musik erschaffen können.“

 
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