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Winds Of Plague

Storie von: arne, am 01.05.2011 ]

PATHOS, BEATDOWN-MOSH UND DICKE-HOSE-ATTITÜDE. Seit annähernd einer Dekade treten WINDS OF PLAGUE mit breiter Brust und noch dickeren Sounds an. An Selbstbewusstsein mangelt es Shouter Johnny Plague & Co. dabei nicht. Der vierte Longplayer der Band, „Against The World“, belegt das tough wie theatralisch.

 
Die Kalifornier treiben ihren Mix zwischen MetalCore, Deathcore und Keyboard-Epik weiter denn je. Das Sextett agiert ebenso zornig und zerstörungswütig wie übergeordnet hymnisch und – unvermeidlich – klischeeüberladen. Letztgenanntes gehört bei WINDS OF PLAGUE zum Selbstverständnis: „Ich möchte gar nicht abstreiten, dass wir bisweilen über das Ziel hinaus schießen und sehr dick auftragen,“ stimmt der Frontmann zu. „Deshalb gibt es immer wieder Elemente oder Passagen, die von einzelnen Hörern als bestenfalls schockierend, aber häufiger als cheesy bis peinlich angesehen werden. Das setzt uns von anderen Gruppen ab, die eben nicht derart selbstbewusst und übertrieben daher kommen. Gerade in den markanten WINDS OF PLAGUE- Momenten haben wir immer den größten Spaß, und gerade ich als Sänger kann in ihnen am besten abgehen und auf der Bühne den Entertainer geben. Man kann uns also durchaus Absicht unterstellen.“ Dem Sextett um seinen exzentrisch-extrovertierten Shouter ist es tatsächlich gelungen, in seiner auf die Spitze getriebenen Anlage zu partieller Eigenständigkeit zu finden. So ist von Beginn an klar, von welcher Gruppe „Against The World“ stammt:

„Dass wir eine Metal-Band sind, steht ebenso außer Frage,“ ergänzt Johnny. „Und klar ist auch, dass wir keine gewöhnliche Metal-Kapelle in einem traditionellen Verständnis sind. Was uns mit anderen Gruppen und den Hörern verbindet, ist unsere Liebe zum Metal – insbesondere zu seinen extremen Ausdrucksformen. Das Lang-Haar-Image mit Nieten und Kutten ist jedoch nichts für uns. Überhaupt haben wir von Beginn an nie so richtig in die gängigen Schubladen gepasst. Bis heute sehe ich keine andere Band, die mit WINDS OF PLAGUE wirklich vergleichbar ist. Wir stehen zwischen verschiedenen Stühlen, vereinigen aber dennoch viele Hörer auf uns. Für uns ist das ein Segen, denn so sind wir überaus kompatibel. Das Spektrum der Gruppen, mit denen wir auf Tour gehen, reicht von DIMMU BORGIR bis HATEBREED. Wir nehmen jede Gelegenheit wahr und sind stets guten Mutes, dass wir die unterschiedlichen Hörergruppen mit unserem explosiven Auftreten begeistern können.“ Da passt es, dass Jamey Jasta mit einem Gastauftritt vertreten ist, und „Against The World“ bisweilen Assoziationen zu den norwegischen Metallern hervorruft. WINDS OF PLAGUE sind eine von Haus aus vielseitig interessierte Band, die selbst abstrusen Ideen und ungewöhnlichen Stilkombinationen nachgeht, was Johnny voller Stolz ausführt: „Wir nehmen jede Chance an, die sich uns bietet, und schauen, wohin uns das bringt. Es gibt schließlich nichts Besseres, als Fans und Skeptiker herauszufordern und mit ungewöhnlichen Ideen und Ansäten zu konfrontieren. Auf diese Weise halten wir es für die Hörer und uns selbst spannend. Wir wissen vorher ja auch niemals, wie sich unsere Songs später anhören werden. Das hängt mit unserem unorthodoxen Songwriting zusammen. Zunächst werkelt jeder für sich einige Tage lang an Ideen und Stücken.


Anschließend treffen wir uns, tauschen uns aus und verbinden die einzelnen Ansätze, bis neue Tracks entstanden sind. Das klingt vielleicht unglaublich und wenig Erfolg versprechend, doch für uns ist es inzwischen eine erprobte und genau die richtige Arbeitsweise.“

Hört man Songs wie ,Drop The Match’ vom neuen Album, gibt es daran keinen Zweifel. Die Durchmischung von Metal – Hardcore und Aggressivität – Eingängigkeit kommt nahezu perfekt auf den Punkt und wird von den unverblümten, schamlosen Vocals Johnnys abgerundet. So kennt man WINDS OF PLAGUE, und schuld ist natürlich das Elternhaus, wie der Fronter berichtet: „Schon als ich noch richtig jung gewesen bin, hat mich der Sound verzerrter Gitarren beeindruckt, auch wenn ich damals noch keine Bands kannte. Im Alter von zwölf Jahren hat mein Vater mir dann METALLICAs „Master Of Puppets“ geschenkt. Seit dieser Zeit ist es um mich geschehen. Als aktiver Musiker fühle ich mich im Underground pudelwohl, auch wenn nicht alle Leute unsere Interpretation des Metal mögen. Das ist aber okay. Man kann nie alle Leute für sich begeistern. Solange die Mehrheit des Publikums auf den Konzerten mit uns eine gute Zeit hat, sind wir zufrieden. Wir kümmern uns weder darum, irgendwo dazu zu gehören, noch streben wir danach, unseren Sound nach kommerziellen Erwägungen auszurichten. Vielmehr vertrauen wir darauf, dass die Qualität unserer Songs am Ende für sich spricht. Unser Metal ist modern wie extrem und aufgrund seiner Crossover-Orientierung für viele Ohren tauglich.“ Auf „Against The World“ überzeugt das kalifornische Sextett mit Variation zwischen blanker Wut mit rasendem Tempo, zermarternden Mid-Tempo-Grooves und einer derben Bollo-Attitüde:

„Anders als noch bei „The Great Stone War” sind uns dieses Mal Struktur und Energiefluss wichtig gewesen,“ so der Frontmann. „Der technische Aspekt und die Komplexität stehen nicht länger zentral. Auf diese Weise sind Songs entstanden, die das Interesse der Leute direkt beim ersten Hören fesseln und nicht drei oder vier Rotationen brauchen, bis klar ist, was wir wollen. Jeder Song steht für sich und ermöglicht einen schnellen Zugang. Die Klammer, die sie zusammen hält, sind wiederkehrende Themen in den Texten rund um Selbstsicherheit und Beharrlichkeit.“ Den vermeintlich harten Titel des Albums relativiert Johnny mit seiner Erläuterung jedoch direkt wieder: „Im Grunde sind wir friedfertige Zeitgenossen, die mit sich und der Welt im Reinen sind. Bisweilen gibt es aber Tage, die mich an der Gerechtigkeit und meinem positiven Denken zweifeln lassen. Das sind zumeist Off-Tage auf Tour, an denen es nicht viel zu tun gibt und man in seinen Gedanken versinken kann. Wenn ich mich weder behütet noch verstanden fühle, erkläre ich schnell mal den Krieg gegen meine Unterdrücker, mein Umfeld oder gleich gegen die Welt. Es ist eher eine Gemütslage als eine grundlegende Einstellung. „Against The World“ ist vor allem an Off-Tagen entstanden und deshalb weitaus wütender und unbeherrschter, als wir es von unserem Naturell her eigentlich drauf sind.“

 
 Links:
  myspace.com/windsofplague
 
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