Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1739

Vomitory

Storie von: arne, am 22.04.2011 ]

Die Wurzeln von VOMITORY reichen bis ins Jahr 1989 zurück. Seither sind etliche Trends und noch mehr Bands aufgekommen und wieder verschwunden. Die Schweden aus Karlstad stehen noch immer in vorderster Front, wenn es um barschen Old School-Death Metal mit dezenten Grindcore- und Crust-Erweiterungen geht. „Opus Mortis VIII“ heißt der neueste Anschlag auf die Nackenmuskeln der Headbanger, und natürlich nimmt sich das Quartett nicht zurück.

 
Wo VOMITORY drauf steht, ist schließlich auch VOMITORY drin. Der brutale, wuchtige Frontalangriff mit derben Grooves zieht sich über zehn Tracks, die keine Frage unbeantwortet lassen. Kraftvoll und unerbittlich wird dem Old School-Death gehuldigt. Im Gespräch mit Schlagzeuger Tobias Gustafsson führt aber zunächst die Tatsache, dass Metal Blade Records auf dem Promo-Zettel zur neuen Platte als Genre-Bezeichnung Heavy Metal angibt für Belustigung: „Schreiben sie das wirklich?“, fragt der Schwede ungläubig. „Das ist verrückt! Wenn wir in die 80er Jahre zurück schauen, haben wir ja durchaus einen Heavy Metal-Background, doch der bezieht sich auf die Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Bands wie Iron Maiden, Saxon, Judas Priest, Metallica und all die anderen haben uns geprägt. Ich würde aber nie so weit gehen, zu sagen, VOMITORY seien eine Heavy Metal-Band. Wir sind Death Metal und nichts anderes. Man kann allenfalls sagen, dass wir sowohl Heavy als auch Metal sind, haha.“ Schon im frühen Jugendalter hat Tobias den Metal für sich entdeckt und ist ihm bis heute treu geblieben: „Mein älterer Bruder Urban, der bei VOMITORY Gitarre spielt, hat mich dem Heavy Metal näher gebracht. Er und seine Freunde sind Anfang der 80er Jahre direkt auf den Metal abgefahren. Ich und meine Freunde taten es dann kurze Zeit später. Heavy Metal war damals eine große Nummer in Schweden. Man kam an ihm nicht vorbei. Er war allgegenwärtig, in den Magazinen, im Fernsehen, im Radio und auch in den lokalen Plattenläden wurde er prominent gefördert. Wir hatten alles, was wir brauchten, um die wichtigen Klassiker zu finden und kennen zu lernen. Mit zwei Fans in der Familie konnten wir gleich noch mehr hören. Mit Iron Maiden, Accept und Running Wild fing es an und hat uns seither nicht mehr losgelassen. Seit mehr als drei Jahrzehnten bin ich nun sowohl Fan als auch aktiver Musiker. Als ich erstmals mit Metal in Kontakt kam, bin ich ungefähr acht Jahre alt gewesen. Heute bin ich 37 Jahre alt. Die frühen Sachen, mit denen ich aufgewachsen bin, höre ich nach wie vor. Das, was mir der Metal gibt, ist heute noch so stark, wie es damals im Teenager-Alter gewesen ist.“

Klingt ganz so, als sei der Drummer jung geblieben, was angesichts des brutalen Death Metal, den seine Band spielt, fast verwundert. Gemeinhin gelten ja gerade die extremen Spielarten als der Jugend vorbehalten: „Ob ich jung geblieben bin, weiß ich nicht. Mit VOMITORY ziehen wir einfach unser Ding durch. An unserem rabiaten Death Metal haben wir einfach Spaß. Wir sind von Beginn an gerade heraus gegangen und haben niemals über Gebühr mit unserem Sound experimentiert. Wir wussten schnell, dass wir unsere Ausrichtung gefunden hatten. Nicht jede Band muss das Rad neu erfinden oder große Sprünge zwischen ihren Alben dokumentieren. Das heißt jedoch nicht, dass wir stagnieren würden. Obwohl wir uns nicht so offensichtlich wie andere Gruppen entwickelten, haben auch wir die Herausforderung angenommen, besser zu werden. Schließlich muss man im Songwriting immer wieder neue Aspekte hervor heben und Songs auf einem mindestens ebenso hohen Qualitätsniveau schreiben, wie man es schon getan hat. Mit den Jahren fällt das nicht unbedingt einfacher, da man sich nicht wiederholen will. Gerade das macht es spannend.“ VOMITORY stehen für einen markanten Stil, der einen herben Wiedererkennungswert besitzt. Das sieht auch der schwedische Musiker so:

„Mit dem, was wir tun, fühlen wir uns wohl, und das hört man. Die Leute wissen, was mit uns zu verbinden ist, und wir wissen, was wir zu tun haben. Schon früh hat sich mit jedem neuen Song die Einschätzung bestätigt, dass wir gar nichts Anderes machen müssen. Warum auch, wenn wir in dem, was wir am Besten können, gut sind und damit auffallen? Über die Jahre haben wir immer wieder gehört und gelesen, dass es „nur“ ein weiteres VOMITORY-Album sei, was wir da vorlegen. Das hat uns immer wieder frustriert, weil diese vorschnelle Wertung nur von Leuten stammen kann, die sich nicht die Zeit nehmen, die Platten wirklich zu entdecken. In den kleinen Aspekten hat sich bei uns im Verlauf der Zeit eine Menge getan, auch wenn der Death Metal im Kern stets derselbe geblieben ist. Einfach nur zu sagen, es sei zu brutal und direkt und deshalb nicht gut, kann ich als Begründung nicht akzeptieren. Der Stil, dem wir mit VOMITORY folgen, ist ebenso fundamental wie hart. Die Song-Strukturen sind einfach und niemals kompliziert. Alles greift flüssig ineinander und baut aufeinander auf. Unnötige Komplexität gibt es bei uns nicht. Auf einem extremen Level sind wir sogar richtig eingängig, wenn man es im Vergleich mit den ganzen Frickel-Gruppen sieht. Die bloße Musik erschließt sich bei uns schnell, denn der Ansatz


unseres Songwritings ist von jeher Natürlichkeit gewesen.“

Nachdem die Band 2009 ihr 20-jähriges Jubiläum feierte, überrascht der Bonus der Erstauflage von „Opus Mortis VIII“. Als Zugabe bietet das Quartett frühe Referenz-Tracks. Tobias erläutert die Hintergründe: „Es fiel uns nicht schwer, die Stücke neu einzuspielen, schließlich sind sie ja nach wie vor Teil unserer Live-Show. Wir haben zunächst darüber gesprochen, Cover-Songs aufzunehmen, doch dann gefiel uns die Ideen besser, ,Raped In Their Own Blood‘, ,Redemption‘ und ,The Voyage‘ neu aufzunehmen, um sie auch neuen Fans vorzustellen, die sie vielleicht noch nicht als Studio-Versionen kennen. Für ,Nervegasclouds’ wollten wir endlich eine richtig gute Produktion; überhaupt für alle vier Songs eine adäquate Aufnahme in unserem aktuellen Line-Up. Als Death Metal-Band Cover anderer Death Metal-Bands aufzunehmen, erschien uns zu langweilig. Da lag der Schritt, eigene Stücke wieder aufzugreifen, am Ende näher.“ VOMITORY blicken aber nicht nur zurück, sondern auch voraus, indem sie neue Akzente integrieren: „Es ist wichtig, zu wissen, woher der Stil kommt und welche Grundlagen es gibt. Ohne die Ursprünge zu kennen und sich der Traditionen bewusst zu sein, kann man sich meiner Meinung nicht daran machen, etwas Neues zu erschaffen, was ebenso wichtig ist. Selbst wenn die Weiterentwicklung, wie bei uns, nur in kleinen Details stattfindet. Auf „Opus Mortis VIII“ gehen wir dieses Mal weiter als auf den voran gegangenen Platten. Ein Akustik-Intro wie das von ,Hate In A Time Of War‘ hätte man von uns sicherlich nicht erwartet. So etwas hat es bei uns noch nicht gegeben. Dieses Intro ist allerdings nicht das ganze Album. Man darf es nicht überbewerten. Es ist neu für VOMITORY, doch es hat schon viele Gruppen gegeben, die etwas Ähnliches gemacht haben. Auch einen Song wie ,Shrouded In Darkness’, der eine Mischung aus Bolt Thrower, Morbid Angel und Grave ist, gab es bereits, nur eben nicht von uns. In Summe ist „Opus Mortis VIII“ von der Anlage her variabler und doch ist es zu einhundert Prozent VOMITORY. Tracks wie der Opener ,Regorge In The Morgue’ oder ,Torturous Ingenious’ sind so, wie sie typisch für uns sind. Das gilt auch für das beschließende ,Requiem For The Fallen‘. Die angerissenen Akzente sind neu für unsere Band, aber beileibe keine Revolution im Old School-Death Metal – zumal wir unseren Wurzeln treu bleiben. Vom kompositorischen Standpunkt und der Produktion her ist „Opus Mortis VIII“ jedoch unser bislang abwechslungsreichstes und bestes Album. Auch die Vocals kamen nie besser zur Geltung als auf dieser Scheibe.“

Auch nach mehr als 20 Jahren geht es bei den Schweden demnach weiter. Ein Selbstläufer ist das nicht, wie der für das Songwriting verantwortliche Schlagzeuger zugibt. 2011 erscheint schließlich schon das achte Album der Schweden: „Das ist ein Punkt, über den ich gelegentlich nachdenke. Bisweilen fällt es mir schwer, neue Ansätze und Inspiration für neue Songs zu finden, weil ich im Laufe der Zeit schon so viel geschrieben habe. Wenn das Gefühl nicht stimmt oder sich keine guten Ideen einstellen, schreibe ich einfach nichts und warte, bis es wieder besser läuft. Gerade im kreativen Bereich lässt sich nichts erzwingen. Sich immer wieder neu herauszufordern und neu zu motivieren ist jedoch einer der Aspekte, der mich antreibt und weitermachen lässt und der viel Spaß und Erfüllung mit sich bringt. Wenn man Songs erschafft, die richtig rund sind und die richtig gut reingehen, ist man unglaublich stolz. Deshalb bin ich in der Band und mache weiter. Es wäre gelogen, wenn ich etwas anderes sagen würde. VOMITORY ist zuallererst für uns selbst da und bietet uns die Plattform, uns auszuleben und selbst zu verwirklichen. Der Spaß steht klar im Vordergrund. Wäre das nicht so, hätten wir uns schon vor langer Zeit aufgelöst, denn mit der Band verdienen wir kein Geld. Musik ist unsere Leidenschaft.“

Mit „Opus Mortis VIII“ zeigen die Schweden zudem auf, dass Gruppen wie ihre immens wichtig für die gesamte Death Metal-Sparte sind. Ohne den dreckig-rabiaten Sound schwedischer Prägung würde der Szene etwas fehlen: „Old School-Death Metal hat nach wie vor seine Hörer, auch wenn er in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert scheint. Das liegt daran, dass Gruppen wie Sonic Syndicate, etc. mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren. Sie sind trendy und spielen etwas Neues. Das ist für die Medien interessanter als der alte Hut, den sie schon seit Jahren kennen. Hier in Schweden gibt es aber nach wie vor eine aktive Old School-Death Metal-Szene, die die Spielart am Leben hält. Diesbezüglich mache ich mir keine Sorgen. Der Nachwuchs ist gesichert. Es gibt viele Bands, die uns nachfolgen.“

 
 Links:
  vomitory.net
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Carnifex
  Sum 41
  Art Of Dying
  Crown The Empire
  Heart Of A Coward

Interviews/Stories:

  Tluf
  Full Of Hell
  The Butcher Sisters

Shows:

  20.06. Darkness - Bussfeld
  21.06. Jaded Heart - Duisburg
  21.06. Corrosion Of Conformity - Netphen
  22.06. The Prophecy 23 - Bussfeld
  22.06. Emerald - Weselberg