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Violence Approved

Storie von: arne, am 13.04.2011 ]

VIOLENCE APPROVED präsentieren sich auf ihrem „No Free Rides“ unbequem, wütend und brachial. Das Quintett aus Saarlouis nimmt einen Weg, der für einen ruppigen „Kompromiss“ zwischen derbem Mid-Tempo-Mosh und offensiven Abgeh-Parts steht und metallischer Hardcore New Yorker Prägung im besten Sinne ist. Die Gastmusiker von Agnostic Front, The Warriors, Anticops, Bleed Into One und Dead End Tragedy sind da nur Bonus.

 
Das Zweitwerk der vor acht Jahren gegründeten Band erscheint vorerst nur auf Vinyl, was VIOLENCE APPROVED zufolge eine bewusste Entscheidung ist: „Im Zeitalter von Internet und illegalen Downloads wollten wir den Hörern mal wieder was zum Anfassen geben. Deshalb haben wir uns für eine Veröffentlichung auf diesem Medium entschieden. Tatsächlich existiert unter der Flagge von District 763 auch eine CD-Pressung, die jedoch nicht im Handel erhältlich sein wird, sondern lediglich für Promo-Zwecke bestimmt ist. Die CD gibt es beim Kauf einer LP aber gratis dazu. So ist es möglich, sich eine Platte mit einem richtig tollen Artwork in den Schrank zu stellen und trotzdem auf das flexiblere Medium CD nicht verzichten zu müssen.“ Der Ansatz hinterfragt den Wert von Musik und die Wertschätzung kreativer Arbeit und sollte wenigstens kurz zum Nachdenken anregen. Kaum weniger auffällig ist die Dichte prominenter Gäste, die den Musikern zufolge nichts mit Namedropping zu tun hat: „Mit den Jungs von Dead End Tragedy, Bleed Into One und Anticops sind wir privat befreundet. Ein musikalischer Austausch mit Bleed Into One und Dead End Tragedy hat sich auch schon deshalb angeboten, weil diese Bands aus derselben Gegend kommen wie wir. Die Zusammenarbeit mit The Warriors ist auf einen schon länger andauernden Kontakt über diverse Internet-Plattformen zurück zu führen. Mit den Mitgliedern liegen wir menschlich und musikalisch auf einer Wellenlänge.“

Die Gastdichte ist darüber hinaus Zeichen der Verankerung von VIOLENCE APPROVED in der Hardcore-Szene, die den Saarländern wichtig ist: „Uns als Band liegt der Zusammenhalt der Szene sehr am Herzen, gerade auch deshalb so viele Gastauftritte. Ganz besonders haben wir uns über die Zusammenarbeit mit den Anticops gefreut, denn die Features auf den Platten des jeweils anderen waren schon lange geplant. Auf „No Free Rides“ wurde eine Zusammenarbeit von privat eng befreundeten Sängern verwirklicht. Durch Micha kam auch das Feature mit Roger Miret zustande. Agnostic Front waren auf Tour und in seinem Studio, um ein Feature für eine andere Band aufzunehmen. Micha hat ihn spontan gefragt, ob er das auch für uns machen würde und Roger hat begeistert zugestimmt.“ In der HC-Szene versteht man sich halt und ist füreinander da. Über die Zeit ihres Bestehens haben VIOLENCE APPROVED ja auch mit namhaften Kalibern wie Terror, Biohazard, Death Before Dishonor, Hoods, Born From Pain, Teamkiller, Settle The Score und Black Friday 29 gespielt und sind dadurch motiviert worden, den Unity-Gedanken fort zu schreiben und trotz Widrigkeiten am Ball zu bleiben:

„Keiner von uns hätte sich je träumen lassen, mit solch namenhaften Bands auf einer Bühne zu stehen. Von den Genannten haben uns ganz klar Biohazard am meisten beeindruckt. Ihre Musik hat uns schon in unserer Jugend beeinflusst. Besonders das 1992 erschienene „Urban Discipline“ hat die gesamte Szene und auch uns nachhaltig geprägt. Eine andere Band, die uns auf unserem Weg begleitet hat, ist Born From Pain. Es war uns eine große Ehre, auf der Release-Show zu ihrem Album „War“ dabei zu sein.


Wir hoffen das auch in näherer Zukunft wieder erleben zu dürfen. Warum wir für VIOLENCE APPROVED kämpfen, ist schnell erklärt. VIOLENCE APPROVED ist für uns mehr eine Band und mehr, als „einfach nur“ Musik. VIOLENCE APPROVED gibt uns die Möglichkeit, etwas zu bewirken. Wir selbst sehen uns in der Rolle der Opposition. In unseren Texten prangern wir Missstände an und fordern dazu auf, diese abzustellen. Das ist unsere Motivation und der Grund dafür, dass VIOLENCE APPROVED nicht aufhören darf.“ Den vermeintlich gewalttätigen Bandnamen und die Diskussionen um Violent Dancing sehen die Saarländer entspannt:

„Wir denken, dass das Thema Violent Dancing zu sehr hochgespielt wird. Leute, die sich darüber beschweren, scheinen entweder vergessen zu haben, wie Hardcore in den 80ern und 90ern gewesen ist, oder sie waren damals einfach noch zu jung, um auf Konzerte zu gehen. Hardcore ist extreme Musik, die ihre Wurzeln im Punk hat. Hardcore war früher nichts anderes als Punk, der hart und schnell gespielt wurde und für die Leute der eigentlichen Punk-Szene zu extrem war. So entstand die Hardcore-Szene. In den 90ern kam man von keinem HC-Konzert ohne blaue Flecken nach Hause! Eine blutige Nase zu bekommen, weil ein Stagediver einen mit seinen Stahlkappen erwischt hat, war damals an der Tagesordnung. Die Konzerte sind damals härter als heute gewesen. Jeder sollte sich auf einem Hardcore-Konzert so ausleben und die Band so abfeiern können, wie er das möchte. Respekt und eine gewisse Vorsicht sollten dabei aber nicht verloren gehen. Der Spaß hört auf, wenn Leute mit Vorsatz Andere verletzen oder wenn jemandem, der zu Boden gegangen ist, nicht aufgeholfen wird. Eine kurze Entschuldigung kann Wunder wirken, wenn man jemand versehentlich weh getan hat. Wie schon gesagt: Existent waren Härte und Gewalt schon immer, doch der Umgang damit war früher anders als heute. Gerade in einer Szene, die so vielschichtig ist wie Hardcore, sind Toleranz und Zusammenhalt das A und O. Das vermisse ich heute des Öfteren.“

Das geht damit einher, dass der Hardcore in den letzten Jahren seine kritische Haltung und die Formulierung von Protest ein Stück weit aufgegeben hat. Das sehen auch VIOLENCE APPROVED so: „Was auch uns stört, ist der von dir angesprochene Werteverlust. Es geht schon lange nicht mehr darum, zu protestieren und seinen Unmut raus zu schreien. Außerdem ist leider auch der politische Aspekt verloren gegangen. Die Songs der meisten Bands sind weder sozialkritisch noch richten sie sich gegen rassistische oder faschistische Ideen und solches Gedankengut. Auch die Weltpolitik und globale Ereignisse, und nicht mal mehr die alltäglichen Schwierigkeiten, die das Leben so mit sich bringt, finden sich in den Texten wieder. Früher kritische Texte sind stupiden Songs über irgendwelche Disco-Abende gewichen. Zum Glück schwimmen nicht alle Bands auf dieser Welle mit. Es gibt durchaus noch solche, die etwas zu sagen haben und den Hardcore und seine Ursprünge ernst nehmen. Wir verstehen VIOLENCE APPROVED als eine solche Band, die versucht, etwas zu vermitteln und durch ihre Texte und ihr Verhalten aktiv zu protestieren. Hardcore Still Lives!“

 
 Links:
  myspace.com/violenceapproved
 
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