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Condemned?

Storie von: arne, am 01.04.2011 ]

Die ersten Gehversuche der Kalifornier reichen ins Jahr 1983 zurück, als CONDEMNED? noch Condemned2Death hießen. In der Folge sorgte die Crossover-Kombo mit ihrem roh-direkten Sound zwischen Old School-Hardcore, Punk und Thrash-Metal zu allerlei Aufmerksamkeit und verbuchte mit „Humanoid Or Biomechanoid?” eine der ersten Veröffentlichungen von Nuclear Blast überhaupt. Dann war Schluss, bevor die Musiker 2009 ihren Ruhestand wieder beendeten. Ihren Neustart gehen die Underground-Veteranen konsequent mit einem Mix aus altem und neuem Material und unter dem Titel „Condemned2Death“ an.

 
„Das Album ist speziell und das nicht nur aufgrund seiner Mischung aus Klassikern und neuen Songs, mit denen wir einen Bogen in die heutige Zeit spannen,“ erläutert Bassist Keith Chatham. „Wir nehmen eine Standortbestimmung vor und werden schon bald weiter ziehen. In unseren Köpfen haben wir bereits ein komplett neues Werk, das wir möglichst bald aufnehmen wollen. „Humanoid Or Biomechanoid?” ist legendär und unser Eintrag in den Geschichtsbüchern. Es musste einfach wiederveröffentlicht werden. Damals ist es das erste richtige Album für Markus und Nuclear Blast gewesen. Ich kam gerade aus Australien und war mit Attitude unterwegs. „Humanoid…?” war noch in Down Under während meiner Zeit mit Vicious Circle entstanden. Ich wage es kaum zu sagen, aber vorab gab es gerade einmal drei Proben. Das Budget war so klein, dass wir uns keine Korrekturen leisten konnten. Die Rezeption war dennoch unglaublich; zwischen Prog-Core und Paisley-Punk haben wir die unterschiedlichsten Bezeichnungen bekommen, und die Leute mochten es. Die übrigen Stücke arbeiten unsere Entwicklung zwischen 1983 und 1993 chronologisch auf. Wie gesagt, es ist eine Standortbestimmung.“

CONDEMNED? geben sich 2011 unverändert ruppig, in ihrem Crossover-Universum auf das Wesentliche beschränkt und in den Texten deutlich: „Es gibt so viele Dinge, über die es lohnt, zu schreiben und sich mit ihnen zu beschäftigen,“ weiß der Bassist. „Je älter man wird und je mehr man erlebt, desto eher scheint man Zusammenhänge zu verstehen und sich für bestimmte Dinge besonders zu interessieren. Heute suche ich beispielsweise bewusst Informationen zu Themen wie Natur- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit, versuche ein erfülltes Leben zu führen und ein guter Mensch zu sein. Früher gab es andere Schwerpunkte. Geblieben ist die Musik, die mein Lebensweg ist und sich kaum verändert hat. Sie ist, was wir sind und unsere Art der Therapie, mit der wir das Leben verarbeiten. Musik ist eine universelle Sprache, die uns die Kommunikation und den Austausch von Ideen mit Leuten auf der ganzen Welt ermöglicht – über Grenzen und Systeme hinweg. Sie ist unsere Lebensversicherung.“

CONDEMNED? schlagen zwischen Motörhead, Dead Kennedys und den frühen Agnostic Front auf und verstehen es gekonnt, mit einfachsten Mitteln eine effektive, verheerende Wirkung zu erzielen. „Condemned2Death“ klingt genau so räudig und abgefuckt, wie es sein muss: „Für mich heißt Hardcore, immer mit 100 Prozent bei der Sache zu sein und alle Dinge, die ich beginne, auch zu Ende zu führen,“ entgegnet Keith Chatham. „Leidenschaft und Motivation sind eng damit verbunden, denn ohne Beides geht es nicht. Den Aspekt des Punks sehe ich im Streben, als Individuum wahrgenommen zu werden und eine eigene Sicht auf die Dinge zu haben;


sich diese anhand von Informationen und der Beschäftigung mit Themen zu bilden. Es geht aber auch darum, sich aus der gesellschaftlichen Enge zu befreien und sich nicht einschränken zu lassen. Entlang dieses Verständnisses sind für mich auch Bob Marley, Howling Wolf und Lemmy Punk! Anfangs war es sicherlich eine Spielart der Jugend, doch viele Leute orientieren sich bis heute an den Ideen und Idealen und versuchen sie auch jüngeren Generationen näher zu bringen.“

Die Kalifornier sind durch und durch old school und das aus einer unerschütterlichen Überzeugung heraus. Deshalb klingen CONDEMNED? auch in der neuen „Crossover-Realität“ noch so wie vor mehr als zwanzig Jahren: „Der offensichtlichste Unterschied zwischen unseren Anfangstagen und heute ist der Grad der Professionalisierung und Kommerzialisierung unseres Umfelds. Egal, ob man sich nun Punk, Hardcore oder Crossover anschaut. Es gibt ein Nebeneinander einer Untergrund- und einer Mainstream-Szene, die durchlässig in beide Richtungen sind. Selbst extremen Bands gelingt es bisweilen, in größerem Rahmen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Ich kann nicht behaupten, die alten Tage stark zu vermissen. Allein die stilistische Breite hatte früher mehr zu bieten, wodurch es mehr zu entdecken gab. Heute orientieren sich die meisten Musiker an den gängigen Stilrichtungen und scheinen nicht mehr so sehr darauf aus, etwas Eigenes zu schaffen. Bands wie die Dead Kennedys oder The Butthole Surfer sind gute Beispiele für einzigartigen Punk früherer Tage. Dieses Kaliber scheint heute ausgestorben.”

Die Hoffnung ist Keith zufolge dennoch nicht verloren, wie es auch ausreichend Nahrung für den lautstarken Protest der Band findet: „Wir schätzen die Tatsache, dass es nach wie vor junge Leute gibt, die den DIY-Spirit am Leben halten und Shows veranstalten, weil sie die Musik lieben und ihren Teil zur Verbreitung beitragen wollen. Mit CONDEMNED? standen wir aber schon immer ein Stück weit außerhalb des Wettbewerbs und haben nirgends richtig reingepasst. Deshalb haben wir uns unsere eigene Szene erschaffen und von Beginn an mit jedem gespielt, der uns die Chance dazu gegeben hat oder sich traute, vor uns aufzutreten. In den frühen Tagen teilten die Leute zwischen Punk, Hardcore und Metal dieselben Feinbilder und Ansichten, so dass es einen Grundkonsens gab, auf dem man aufsetzen konnte. Heute ist es schwieriger, einen gemeinsamen Nenner zu finden, da jede Szene ihre eigenen Regeln und Vorlieben hat. Was uns zu unseren Texten motiviert, sind Punk-verwandte Einstellungen, wie wir sie in den Äußerungen und Taten von Freiheitskämpfern wie dem Dalai Lama oder Michael Franti & Spearhaed finden. Filme wie „The Cove“, der das grausame Abschlachten von Delphinen dokumentiert, schüren unsere Wut zusätzlich.“

 
 Links:
  myspace.com/condemned
 
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