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Betzefer

Storie von: arne, am 23.03.2011 ]

Von Touren mit Soulfly, Fear Factory, Ektomorf und Sepultura hat man BETZEFER noch in guter Erinnerung, auch wenn die Veröffentlichung ihres Debüts „Down Low“ schon einige Jahre zurück liegt. Nun melden sich die vier Israelis mit ihrem Zweitwerk „Freedom To The Slave Makers“ unvermutet ruppig und lautstark zurück. Die Basis des Band-Sounds liegt im Thrash-Metal, doch Hardcore-Elemente und Punk-Attitüde sind BETZEFER mindestens ebenso wichtig.

 
„Wenn ich versuche, zu definieren, wofür BETZEFER stehen, kann ich nur sagen, dass es unsere Marschroute ist, stets außergewöhnlich zu sein – was immer das auch heißen mag,“ meint Sänger Avital Tamir mit Blick auf den eigenen Sound. „Mit unserem Debüt wollten wir eine Platte schaffen, die man von einer Band aus Israel so niemals erwartet hätte. Zusätzlich sollte sie sich von den gängigen Industrie-Standards im Metal jener Zeit deutlich absetzen. Das ist uns wenigstens teilweise gelungen, so dass wir uns im internationalen Wettbewerb behaupten konnten. Sogar gegenüber den vielen jungen abgefeierten Bands, die alle dieselben Riffs und Songs spielten und allein über ihre Haarschnitte und Tattoos zu unterscheiden waren. Wenn man es überspitzt formuliert, schienen etliche dieser Trend-Kombos allein auf ihren „Marktwert“ zu schauen und die Musik hinten an zu stellen. Vielleicht ist unser traditionellerer Ansatz deshalb mit offenen Armen empfangen worden. Bei uns geht es ehrlich und authentisch zu, ohne das Ego vorne an zu stellen. Mit „Freedom To The Slave Makers“ sind wir nun dabei, andere Stilkombinationen aufzufahren und über das hinaus zu gehen, was wir auf „Down Low“ geboten haben. Wir wollen keinen Veteranen-Status, sondern als Band wahrgenommen werden, die etwas Frisches und Anderes spielt und sich nicht an aktuellen Trends orientiert. Wir ziehen unser Ding durch und wollen das noch lange tun.“

Das Zweitwerk der Israelis ist wuchtiger Crossover, wie er typisch für die 90er Jahre gewesen ist. Mit der Erfahrung ihrer seit 1998 währenden Karriere und der von zahllosen Konzerten liefern BETZEFER rohe, effektive Tracks ab, die sich jeweils direkte Wege suchen und die schroff-hymnisch ins Ohr gehen: „Zunächst danke dafür, dass du unsere Musik als Crossover beschreibst,“ erwidert der Sänger. „Das kommt nicht häufig vor, ist aber zutreffend und eine Wirkung, die wir mit den Songs von „Freedom To The Slave Makers“ forcieren wollten. Nach der Veröffentlichung von „Down Low“ sind wir vielen Sub-Genres zugeordnet worden. Bisweilen wurden sogar kühne Wortschöpfungen gefunden. Doch kaum jemand hat uns als Crossover verstanden. Das hat uns gewurmt, weil genau das unser Verständnis von BETZEFER ist. Sicherlich ist das Debüt ein großer Wink in Richtung traditioneller Metal gewesen, vom dem wir damals sehr fasziniert waren, doch einseitig war es nicht auf ihn zugeschnitten. Auf nur einen Stil können wir uns überhaupt nicht festlegen. Dieses Mal spannen wir den Bogen weiter, indem wir unterschiedliche Klänge und Elemente zusammen bringen, die das Publikum erst einmal verdauen muss. Ein Album zu schreiben, das nur von klassischem Rock oder norwegischem Black Metal inspiriert ist, kann ja jeder. Bei uns hingegen geht alles, denn wir schließen Nichts aus.“


Ihren Neustart via AFM Records wagen Shouter Avital Tamir und seine Mitstreiter mit intuitiv und geradlinig gehaltenen Tracks, die markante Riffs, Grooves, Hooks und Refrains transportieren und die ruppig austeilen: „Musikalische Aggressivität kann meinem Verständnis nach nicht subtil verpackt werden. Wenn wir Songs schreiben, sind sie direkt und ehrlich. Nur so kann man seine Empfindungen vertonen und Gefühle von Ohnmacht und Wut mittels Musik ausdrücken. Egal, ob wir im Proberaum, im Studio oder auf der Bühne spielen: Bei uns gibt es stets brutale Ehrlichkeit. Deshalb haben wir bewusst auf die Wunder der modernen Studio-Technik verzichtet und das Ergebnis nicht aufgehübscht. Wie in unseren frühen Tagen haben wir die Tracks live eingespielt. Kleine Fehler und ein nicht übertrieben perfektes Album sind einfach authentischer. Die Leute hören uns so, wie sie uns später auf der Bühne erleben. Es sollten sich mehr Gruppen trauen, diesen Schritt zu wagen. Wir wussten von Beginn an, dass wir unseren Sound auf verschiedenen Ebenen verändern würden. Bevor wir jedoch mit der kreativen Arbeit starteten, haben wir uns eine Pause voneinander genommen, so dass jeder neue Kraft tanken und neue Idee entwickeln konnte. Rund um „Down Low“ haben wir eine Menge erlebt und hockten lange auf engstem Raum aufeinander. Der Abstand tat uns gut, doch die Magie war sofort wieder da, als wir anschließend wieder zusammen kamen und mit der Arbeit an „Freedom To The Slave Makers“ begannen.“

Aus ihren Erfahrungen mit Roadrunner Records haben die Israelis übrigens interessante Schlüsse gezogen. Heute gibt es BETZEFER pur und unverfälscht: „Auf sein Baugefühl und seine innere Stimme zu hören, ist nicht so trivial, wie es klingen mag. Entweder macht man alles selbst oder man braucht Kooperationspartner, die einem den Rücken freihalten. Jedenfalls darf man im kreativen Bereich keine Kompromisse eingehen. Das haben wir in der Vergangenheit getan und es bereut. Heute sind wir dazu nicht mehr bereit. Die letzte Platte sollte eigentlich „Fuckin‘ Rock’n‘Roll“ heißen, doch das haben wir uns ausreden lassen. Das ärgert uns im Rückblick. Wir haben auf die harte Tour gelernt, wie wertvoll Unabhängigkeit ist. So sind wir als Persönlichkeiten und als Band gereift. Und musikalisch: This Is Fuckin‘ Rock’n’Roll! Wir akzeptieren keine Grenzen mehr, in keiner Hinsicht. Das ist ein großer Teil des Konzeptes hinter „Freedom To The Slave Makers“. Wenn man unsere Entwicklung von den Anfängen hin zu „Down Low“ als linear beschreibt, hat dieses Mal eine Transformation stattgefunden. Ich möchte nicht so weit gehen, zu sagen, wir hätten einen eigenen BETZEFER-Sound gefunden, weil wir spüren, dass wir noch mehr können. Doch im Ergebnis steht ein Album, dass uns nah an unsere Idealvorstellung dessen bringt, was wir als Band abliefern wollen.“

 
 Links:
  myspace.com/betzefer
 
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