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Agnostic Front

Storie von: arne, am 11.03.2011 ]

Die „Godfathers Of Hardcore“ sind zurück und setzen ihren Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten und den Alltag rabiat und schnörkellos fort. „My Life, My Way“ reiht sich in die metallische „One Voice“-Tradition ein, so dass es mit den ersten beiden Nuclear Blast-Scheiben von AGNOSTIC FRONT, „Another Voice“ und „Warriors“, ganz auf Linie liegt.

 
Roger Miret & Co. fackeln nicht lange und stellen bereits mit dem Opener ,City Street‘ klar, wer hier aufspielt und wo die eigenen Prämissen liegen. Die Songs der New Yorker Szene-Urgesteine dienen von jeher als Blaupause für wütende und aggressive Hardcore-Smasher mit schroffem Hymnen-Potenzial, das zum Mitgrölen einlädt. Daran hat sich auch nach mehr als 25 Jahren nichts geändert: „Ich bin weder müde noch desillusioniert,“ gibt sich der Shouter kämpferisch. „Die neue Platte zeigt ja, dass wir nach wie vor zu 100 Prozent motiviert sind und an den Idealen festhalten, die wir von jeher verkörpern. Wir sind Teil einer weltweiten Familie, in der man sich um die Familienmitglieder kümmert und sich gegenseitig Kraft und Zuversicht spendet. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns vor allem mit dem, was wir kennen und für uns wichtig ist. Wir wenden keine unnütze Energie auf, es Kritikern recht zu machen. Wer kein Teil des Hardcore ist, versteht auch nicht, was uns antreibt und warum wir so sind, wie wir sind.“

Tracks wie ,Us Against The World‘, ,That's Life‘, ,Until The Day I Die‘ oder das Titel-Stück sprechen eine gewohnt direkte Sprache; erzählen von den Erfahrungen der Musiker aus früheren Tagen: „Vor fünf Jahren bin ich weggezogen und lebe heute gar nicht mehr in New York City. Wenn man eine Familie zu ernähren und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten hat, ist New York einfach zu teuer. Die Entscheidung, zu gehen, fiel mir nicht schwer. Dank Giuliani existiert das New York meiner Jugend schon lange nicht mehr. Wenn man heute durch die Lower East Side geht, kann man nicht mehr nachvollziehen, wovon ich in meinen Songs singe. Das alte New York, in dem ich aufgewachsen bin, ist das, wie man es von „Taxi Driver“ her kennt.“

Der Titel „My Life, My Way“ ist programmatisch zu verstehen, und natürlich spielen AGNOSTIC FRONT ihre ganze Routine aus; stellen einmal mehr schlagkräftig unter Beweis, dass sie keinen Deut zahmer unterwegs sind und Hardcore im Blut haben: „Das heutige Umfeld und das unserer Anfangstage ist nicht ansatzweise vergleichbar. Natürlich ist es für neue Gruppen einfach, unseren Sound und unseren Stil zu kopieren. Unseren Lebensweg können sie jedoch nicht nachempfinden, denn unsere Schuhe passen ihnen nicht. Wer kennt heute schon noch die allgegenwärtige Gefahr, die den Alltag zu einem Überlebenskampf macht? Mitte der 80er Jahre war es noch längst nicht cool, Tattoos oder gefärbte Haare zu haben oder ein Skinhead zu sein. Die damalige Gesellschaft hat uns weder verstanden noch akzeptiert. Wir haben für unsere Überzeugungen gekämpft und uns auf die harte Tour Respekt verdient. Ich bin froh, dass wir diese Zeit heil überstanden haben.“

Ein Leben ganz ohne Kompromisse ist aber auch für Roger Miret nicht möglich: „Natürlich muss sich jeder hier und da anpassen. Was zählt, ist aber, an seinen Überzeugungen festzuhalten und sein Leben an ihnen auszurichten. Das habe ich bis heute getan, und darauf bin ich stolz. In den wichtigen Punkten und Fragestellungen hat es keine Kompromisse gegeben. Das, was ich in meinen Texten singe, nehme ich sehr


ernst und lebe entlang dieser Maximen. Diesbezüglich bin ich grundehrlich und absolut aufrichtig. Anders geht es ja gar nicht. Es ist einer der Schlüssel dafür, dass wir mit AGNOSTIC FRONT noch immer da sind. Die Regeln sind einfach. Was zählt, sind Stolz, Glaube und Respekt. Ohne diese drei Aspekte ist das Leben nichts wert.“ Ähnlich plakativ und verständlich fallen auch die Texte der Stücke von „My Life, My Way“ aus: „Ich bin kein Wissenschaftler und kann nur über das singen, was mir vertraut ist. Mein Leben ist einfach und hart. Die Songs spiegeln meine Erfahrungen wider und erzählen, wie ich meine Probleme löse. Unsere Musik kommt von der Straße. Wer von der Straße stammt, bringt es im Regelfall nicht zu einem High School-Abschluss. Stigma und ich sind nach der achten Klasse abgegangen, können dir aber alles von der harten Realität der Straßenschluchten erzählen. Das ist die Welt, die unsere Musik und Texte bestimmt. Wie man den Alltag unbeschadet übersteht, kann man nicht in der Schule lernen. Das muss man alleine herausfinden. Zahllose Menschen auf der ganzen Welt können sich mit AGNOSTIC FRONT identifizieren, weil sie vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen stehen. Die raue Realität verlangt nach deutlichen Worten und einfachen Lösungen. Wir geben sie.“

Mit dem geänderten Umfeld haben sich Miret & Co. arrangiert. Die Fashion Boutique in den früheren Räumlichkeiten des CBGB’s müssen sie ja nicht besuchen: „Es ist derselbe Ort, hat mit dem CBGB’s aber nichts zu tun. Die Transformation, die der Hardcore im Verlauf der Jahre durchlaufen hat, ist für alle Spielarten typisch. Jemand hat eine neue Idee, die schnell Anhänger findet und zu einer kleinen Revolution führt. Solange es im Underground bleibt, sind alle zufrieden. Mit zunehmender Größe und Verbreitung wird der Ansatz verwässert und zunehmend unpersönlich. Kommerzialität und Standardisierung sind dann nicht mehr weit. Diese Entwicklung lässt sich auch bei The Clash, Sex Pistols, The Ramones und The Misfits finden. Das lässt sich nicht einmal mit Authentizität vermeiden. Selbst, wenn man kein Teil der Norm sein will und sich treu bleibt, kann es passieren, dass man Ende von der Entwicklung überrollt wird. Für so etwas habe ich Verständnis. Für die Fashion-Show der jungen Gruppen heutzutage nicht.“

AGNOSTIC FRONT zelebrieren auf „My Life, My Way“ beinharten, direkten New York Hardcore und sind für ihre Spielart so relevant wie eh und je: „Mit der Szene unserer Anfangstage hat das heute nicht mehr viel gemein, doch die krassen Umbrüche liegen inzwischen schon einige Jahre zurück. Wir tragen unseren Teil dazu bei, dass die ursprünglichen Ideen nicht verschwinden. Es liegt an jeder Band selbst, was sie tut oder lässt. Wir drucken nach wie vor unsere eigenen Shirts und haben kein Problem damit, neben der Norm zu liegen. Alle wollen dazu gehören und als cool wahrgenommen werden. Das ist nicht unsere Welt und schon gar nicht unser Verständnis von Hardcore. Uns geht es um Individualität und Eigenständigkeit. Wir bleiben unserem Weg treu und fühlen uns in der Außenseiter-Position wohl.“

 
 Links:
  agnosticfront.com
 
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