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Siege Of Amida Records

Storie von: arne, am 18.02.2011 ]

Das britische SIEGE OF AMIDA RECORDS hat ausschließlich talentierte Extrem-Metal-Newcomer im Programm. Zwischen den Säulen Deathcore, Death Metal und MetalCore zeichnet das Label von Sylosis-Shouter Jamie Graham und dem früheren Schlagzeuger von The Hurt Process, Darren Toms, für Platten von u. a. Annotations Of An Autopsy, Against The Flood, Armed For Apocalypse, The Breathing Process, The Bridal Procession, Eradication, Martyr Defiled, Postmortem Promises, Shaped By Fade, Waking The Cadaver und Whitechapel verantwortlich.

 
„Alles fing 2006 an, als ich als Marketing-Verantwortlicher vom Terrorizer Magazin geschäftlich viel mit Darren von Candlelight Records zu tun hatte,“ erinnert sich Jamie. „Unser musikalischer Geschmack stimmte von Beginn an überein. Wir haben stundenlang über unsere Lieblingsbands gesprochen und recht schnell den Entschluss gefasst, ein Label zu gründen. Davon, Alben herauszubringen, wussten wir nicht viel, haben aber trotzdem einfach losgelegt. Die Aufgabenteilung ist bis heute unverändert geblieben. Darren kümmert sich um die Promotion und das Marketing, während ich A&R und Produktion verantworte und der Ansprechpartner für unsere Bands im Tagesgeschäft bin. Wir sind noch immer verblüfft, wie schnell das Label gewachsen ist und was wir schon alles auf die Beine gestellt haben. Inzwischen werden wir auf der ganzen Welt vertrieben und haben schon einigen Bands entscheidend helfen können. Anfangs war es nicht unser Ziel, ein so zeit- und veröffentlichungsintensives Label aufzubauen. Das passierte einfach so und nun sind wir Getriebene des Erfolgs, die einfach weitermachen und schauen, wie weit sie mit SIEGE OF AMIDA kommen können.“

Der Name des Labels geht auf ein geschichtliches Ereignis zurück, steht jedoch auch im übertragenen Sinn für den Ansatz der Briten: „Die Belagerung von Amida war eine der ersten Schlachten der römisch-persischen Kriege und fand im Jahr 359 nach Christus statt. Zahlenmäßig unterlegene römische Einheiten verteidigten die Stadt mehr als 70 Tage, konnten die persische Übermacht irgendwann aber nicht mehr abwehren. Die Schlacht um die strategisch wichtige Stadt war die erste ihrer Art. Amida wurde völlig zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Dieses Schlachtgebaren wandten die Perser auch in anderen Städten an. Aus der Zerstörung erwuchs etwas Neues. Klingt extrem, doch diese Taktik war überaus erfolgreich. Die zugrunde liegende Mentalität haben wir auf das Label und unser Agieren innerhalb der Musik-Industrie übertragen. Darüber hinaus ist auch die Abkürzung S.O.A.R. mit unserem Ansatz zu assoziieren. Wir erheben uns und steigen in die Höhe auf. Das passt.“ Das Feld Death Metal-lischer Klänge bietet den Boden für SIEGE OF AMIDA, wobei Darren und Jamie vor allem modernen Extrem-Crossover-Kapellen eine Plattform bieten:

„Unsere erste Veröffentlichung ist die „Infernal Rise“ EP von Diskreet gewesen. Als die Master-CD und der Probedruck des Artworks bei mir ankamen, wurde mir erst richtig klar, was wir da angefangen haben. Ich bin so unsagbar stolz gewesen. Kurz danach supporteten Diskreet Necrophagist und wir haben die ganze Nacht zusammen gefeiert. Wir sind die größten Fans unserer Bands, arbeiten hart für sie und unterstützen sie so gut es uns möglich ist. Bei uns ist es weniger formal als bei anderen Labels. Die Bands schätzen gerade unsere persönliche und unorthodoxe Arbeitsweise. Es gehört einfach dazu, mit den Musikern abzuhängen und gemeinsam zu feiern. Schließlich arbeitet man ja für


dieselbe Sache.“ Der Sylosis-Shouter ist von der Qualität der Veröffentlichungen von SIEGE OF AMIDA RECORDS überzeugt: „Natürlich mag ich alle unsere Releases und kann aus persönlichen Gründen keines hervorheben oder zurückstellen. Von den Verkaufszahlen her kommend sind das Debüt von Annotations Of An Autopsy, „Before The Throne Of Infection“, und Whitechapel's „The Somatic Defilement“ unsere erfolgreichsten Alben. Was ich momentan am Häufigsten höre, ist das neue Album von Ageless Oblivion, das im Februar 2011 erscheinen und „Temples Of Transcendental Evolution“ heißen wird. Die Band spielt progressiven Death Metal im Stile Nile meets Cult Of Luna meets Gojira. Hörenswert ist aber auch das extrem schwergewichtige „Defeat“ von Armed For Apocalypse, das wir zusammen mit Metal Blade und Ironclad Records herausgebracht haben und das sich zwischen Crowbar und Eyehategod entwickelt.“

Hinsichtlich der Einschätzung der bisherigen Verdienste des Labels zeigt sich Jamie vorsichtig optimistisch: „Trotz erster Erfolge sind wir nach wie vor ein junges Unternehmen, das sich im Aufbau befindet und noch weit davon entfernt ist, etabliert zu sein. Wir haben ohne Eigenkapital begonnen und das Geld in SIEGE OF AMIDA RECORDS gesteckt, das wir nicht zum Leben brauchten und entbehren konnten. Schritt für Schritt machen wir unsere Erfahrungen mit den Mechanismen der Industrie und lernen jeden Tag dazu. Mit dem Deathcore-Label, das uns anhängt, können wir gut leben, denn unsere erfolgreichsten Veröffentlichungen stammen nun einmal aus diesem Subgene. Das liegt aber auch im Timing begründet. Als wir loslegten, brach gerade die erste Deathcore-Welle los. Unser Programm ist jedoch breiter gehalten und auch für die eine oder andere Überraschung gut.“ In der Bandauswahl lassen sich Darren und Jamie von ihrem Geschmack und ihrem Bauchgefühlt treiben: „Das Tolle ist, dass wir Platten von Gruppen herausbringen, die wir lieben und von denen wir vollends überzeugt sind. Eine Restriktion gibt es aber: Wir signen nur Bands, die kontinuierlich touren und Vollzeit-Musiker sind. Anders geht es heutzutage einfach nicht mehr. Bands müssen unterwegs sein und zu den Leuten gehen, damit sie bekannt werden und die eine oder andere CD verkaufen. Am besten direkt auf den Konzerten.“

SIEGE OF AMIDA RECORDS blicken erwartungsfroh in die Zukunft und geben sich trotz Fokussierung auf moderne Extrem-Metal-Sounds wenigstens in einem Punkt old schoolig: „Ich bin davon überzeugt, dass es auch in Zukunft ganze Alben und das Format der physischen CD geben wird. Die Leute verlieren bei ihren zahlreichen MP3-Ordnern irgendwann die Übersicht und auch die Lust. Denn die Intimität und die Beziehung zur Musik gehen verloren. Gerade im Metal sind die Konzepte wichtig und zu diesen gehören auch Artwork, Texte und Verpackung. Es geht nicht nur um die bloße Musik. Jedenfalls hoffe ich, dass es viele Leute so sehen wie wir und sie die Ideen von Bands auch visuell entdecken wollen.“

 
 Links:
  myspace.com/siegeofamidarecords
 
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