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The Blackout Argument

Interview von: arne mit Chris und Eric, am: 12.02.2011 ]

„Detention“ überzeugt sowohl mit seinem Abwechslungsreichtum als auch mit der Nachhaltigkeit seiner Hymnen. THE BLACKOUT ARGUMENT bieten wiederum einen Mix kraftvoller, offensiver Hardcore-Passagen, treibender Rock-Parts und gefühlvoll-eingängiger Emo-Momente. Dabei wirkt der Fünfer jederzeit authentisch, niemals aufgesetzt oder pathetisch. Das ist wichtig, denn mit ihrer neuen Platte blicken die Bayern stärker als zuvor in Richtung Rock.

 

Musicscan: „Detention“ ist Euer drittes Album: Gemeinhin wird gesagt, dass sich mit der dritten Platte entscheidet, ob eine Band „es schafft“, und wie es wirklich um ihr kreatives Potenzial bestellt ist: Wie fällt Euer Resümee in diesen beiden Fragen/Aspekten aus? Schon fertig oder mehr denn je/weiter so?

The Blackout Argument: Chris: Stimmt, das "verflixte dritte Album" ;-) Wir haben uns da aber ehrlich gesagt überhaupt keine Gedanken drüber gemacht. Es war sogar eher Zufall, dass wir uns ausgerechnet "Detention" ausgesucht haben um eine neue, mehr fokusierte Arbeitsweise auszuprobieren. Man selbst ist als Musiker ja immer ein bischen im Zweifel über die eigene "Kunst" aber was wir bisher an Feedback bekommen haben scheint unser "kreatives Potential" von "Remedies" zu "Detention" noch mal einen Sprung gemacht zu haben.

Musicscan: Es war zu lesen, dass Ihr deutlich mehr Songs geschrieben habt, als letztlich im Album-Format zu hören sind. Diesen „Luxus“ gönnen sich nicht viele Bands, was auf Qualitätsbewusstsein und einen besonderen Anspruch schließen lässt: Woran habt Ihr festgemacht, was letztlich „würdig“ war, auf die Platte zu kommen? Welches Gesamtbild hattet Ihr vor Augen, dem die Stücke gerecht werden mussten?

The Blackout Argument: Eric: Gewissermaßen war eine exemplarische Trackliste das erste, was wir für Detention erstellt haben: 14 Platzhalter mit Beschreibungen wie "Schneller Song", "Midtempo", "Ruhig", usw. Dann haben wir begonnen, diese Platzhalter nach und nach durch echte Songs zu ersetzen. Wir haben also von Anfang an versucht, mit der Songkombination für einen gewissen Spannungsbogen und Abwechslung zu sorgen und haben die Songs am Ende auch danach ausgewählt.

The Blackout Argument: Chris: Stimmt, der Album-Flow war uns dieses mal extrem wichtig und die Songs die es letztendlich nicht auf "Detention" geschafft haben waren nicht schlechter oder B-Nummern, sie haben sich einfach nicht so gut in das Gesamtbild eingefügt.

Musicscan: Gibt es Pläne, das noch nicht genutzte Material über Singles, Split, etc. unter die Leute zu bringen?

The Blackout Argument: Chris: Yes, die Möglichkeit besteht durchaus. Wir haben zwar noch keine ganz konkreten Pläne aber die Idee steht auf jeden Fall im Raum.

Musicscan: „Detention“ ist bei 14 aus 20 gewissermaßen ein Best Of – welche Songs sind Euch warum die liebsten (im Sinne von Referenztracks, denen man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte) und für die weitere Entwicklung von The Blackout Argument richtungweisend?

The Blackout Argument: Eric: Naja, wenn Du diese Frage beispielsweise unserem Drummer Phil stellst, wird er mit Sicherheit "call the tiny sister´s dog" als überragenden Song nennen. Unser Gitarrist Schwede wäre da wiederrum ganz anderer Meinung! Man kann also nicht gerade sagen, dass wir uns da bandintern irgendwie einig sind. In welche Richtung das Songwriting für die nächste Platte gehen soll, beschäftigt uns ab jetzt immer mehr. Sicher ist bisher nur, dass wir, wie auch bei Detention, erst mit dem Schreiben beginnen werden, wenn wir genau wissen, wo es hingehen soll.

The Blackout Argument: Chris: Alle 14 Songs auf "Detention" haben einen ähnlichen Qualitätslevel, da allesamt mit der gleichen Sorgfalt, Ruhe und Aufmerksamkeit entstanden sind. Deshalb ist es wirklich schwierig einen bestimmten song als "Lieblingstrack" herauszupicken. Der Song der mich persönlich aber beim Hören am meisten kickt (und es ist schon etwas sehr besonderes, dass sich bei der eigenen Musik überhaupt etwas regt hahaha!) ist "Overweight Against Heart Attacks"! Wenn der Song von einer anderen Band wäre würde ich defintiv versuchen die Riffs und den Refrain abzurippen hahaha.

Musicscan: Ist es mehr Ausdruck von Selbstbewusstsein oder ein Anzeichen von Verzweiflung oder Mistrauen, wenn man sein Album selbst produziert? Inwiefern denkt Ihr, dass sich das Ergebnis gegenüber einer herkömmlichen Arbeitsweise mit externer Hilfe unterscheidet?

The Blackout Argument: Chris: Dadurch, dass der Entstehungsprozess von "Detention" so lange war, wäre gar keine andere Arbeitsweise möglich gewesen. Wir haben ja über 1 Jahr an den Songs gearbeitet, 3 Vorproduktionen aufgenommen und uns immer wieder mit den Songs befasst. Auf so lange Zeit hätten wir weder einen externen Produzenten, noch ein externes Studio in Anspruch nehmen können. Außerdem war es uns wichtig zu schauen welches kreative Potential (um das aus deiner ersten Frage noch mal aufzugreifen) noch in BOA steckt. Gerade durch unsere "neuen" Bandmitglieder Schwede und Eric ist ja ein ganz neuer Input dazu gekommen. Unterm Strich hat sich die Arbeitsweise durchaus bewährt, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir für Album No.4 wieder in ein externes Studio gehen.

Musicscan: Von jeher habt Ihr viel Verantwortung rund um die Band auf die eigenen Schultern genommen. Inzwischen scheinen auch andere Gruppen vermehrt dazu über zu gehen. Ist das ein kleines DIY-Revival? Welche Vor-/Nachteile habt Ihr über die Jahre erfahren? Was könnt Ihr anderen Bands raten?

The Blackout Argument: Eric: Ich würde sagen, der größte Vorteil am Selbermachen ist: Es wird gemacht! Und als Band kann man unfassbar viel mehr machen, als Songs schreiben und Shows spielen. Aber vielleicht sollte die Frage besser Chris beantworten - schließlich ist er hier eindeutig der Macher! Chris: Viele Bands reden immer von "Kontrolle" wenn sie Anfangen Dinge selbst zu tun. Ich würde eher mit einem anderen Wort argumentieren, nämlich "Gespühr". Ich denke, dass es unglaublich wichtig ist für die eigene Band, ihre internen Prozesse und ihre Außenwirkung ein Gespühr zu entwickeln und das klappt einfach am besten wenn man vieles selbst macht. Viele Bands lassen sich einfach von Labels und Agenturen "verfrühstücken" und bekommen alle die gleiche Standardabfertigung übergestülpt. Was dabei raus kommt ist eine Armee von uniformierten Einheits-Bands, die sich fast nicht mehr unterscheiden.

Musicscan: Inwiefern hat sich Euer Blick auf die Hardcore-Sparte verändert? In den letzten Monaten und Jahren ist viel passiert, es ging insgesamt wieder zurück in die Szene, heraus aus dem Fokus der breiteren Öffentlichkeit, die man zwischenzeitlich erreicht hatte. Welche Effekte habt Ihr in der Folge festgestellt und wie wertet Ihr die Entwicklung insgesamt?

The Blackout Argument: Chris: Ich denke die Hardcore-Szene durchläuft in enier ständigen Wellenbewegung verschiedene Phasen, verändert sich dabei im Kern jedoch recht wenig. Egal ob Hardcore gerade besonders populär ist, sich wieder einmal mit einem anderen Musikstil vermischt oder eine Ideologie wie Straight Edge, Vegetarismus, Krishna Consciousness, etc. in den Vordergrund tritt, ein "harter Kern" bzw. eine gemeinsame Basis ist immer zu erkennen. Es ist witzig, dass ich in sehr vielen Interviews zu diesem Thema befragt werde. Vielleicht erwartet man von einem Ü30-Hc-Kid, dass er automatisch verbittert ist und über die "Szene von Heute" lästert aber bei mir ist das absolut nicht der Fall. Natürlich hat sich über die Jahre viel verändert und viele Dinge kann ich absolut nicht nachvollziehen weil sie rein gar nichts mit meiner Hardcore-Sozialisation der frühen 90er Jahre zu tun hat. Nichtsdestotrotz sehe ich jeden Tag eine unglaubliche Energie, Eigenständigkeit, einen starken Zusammenhalt und viel (Selbst-)Reflektion in dieser Szene was für mich unterm Strich genau das ist worum es bei Hardcore geht.

Musicscan: „Detention“ geht schon stark in Richtung Hardcore-Rock: Zollt Ihr da dem zunehmenden Alter und einer abgeschwächten Revolutionseinstellung Tribut? ;-) Insgesamt wirkt die Platte sowohl reifer und ausgeglichener als auch einen Tick (!) zahmer…

The Blackout Argument: Eric: Ganz ehrlich - schau uns an: Wir sind einfach sowas von zahm. Meine Schwester meinte mal nach ner Show: "Ihr ward richtig süß in euren Hemdchen!" haha! Chris: Hahaha da hat Eric schon recht, wir sind so wie wir sind und dementsprechend klingt auch unsere Musik ;-) Da draussen gibt es hunderte andere Bands die den Kids besonders toughe Musik präsentieren, wir sind jedenfalls sehr happy damit uns nicht verstellen zu müssen und 100%ig hinter dem stehen zu können was wir tun.

Musicscan: Den Gedanken weiter gesponnen: Ihr bewahrt Euch den Basis-Sound, mit dem man The Blackout Argument kennen gelernt habt, überführt ihn aber gleichzeitig auf ein generelleres Level. Ist das ein beabsichtigtes Ergebnis oder eher ein Zufall, mit dem Ihr gut leben könnt?

The Blackout Argument: Chris: Auch wenn wir an "Detention" viel bewusster rangegangen sind als an unsere bisherigen Aufnahmen gab es doch viel Freiraum in dem Dinge einfach passiert sind. Natürlich war uns eine gewisse Weiterentwicklung wichtig, und es stimmt auch, dass wir uns dabei gleichzeitig nicht zu viel von unseren Stärken bzw. unserm Grundsound entfernen wollten. Wie das nächste Album klingen wird können wir jetzt noch nicht sagen.

Musicscan: Anmerkungen/Kommentare/letzte Worte?

The Blackout Argument: Chris: Vielen Dank für das Interview! Wir wissen es sehr zu schätzen wenn uns Leute über einen so langen Zeitraum "begleiten". In der heutigen "Chew & Spit"-Musikindustrie ist das keine Selbstverständlichkeit.

 
 Links:
  myspace.com/theblackoutargument
 
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