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City Light Thief

Interview von: arne mit Tobi und Bringo, am: 27.01.2011 ]

Die Songs von „Laviin“ gereichen ihrem Titel zur Ehre, reißen die Hörer unvermittelt und plötzlich mit. CITY LIGHT THIEF aus Grevenbroich sind in nicht weiter zu bestimmbaren Weiten zwischen Post-Punk, -Core, Emo/Screamo, Mathrock und vertracktem Indie zu verorten. Wer mag, kann auch von Avantgarde-Rock mit einer subtilen Poppigkeit sprechen. In anderen Bands ausgedrückt, erinnern CITY LIGHT THIEF an Kaliber wie At The Drive-In, Alexisonfire, The Blood Brothers, These Arms Are Snakes und The Fall Of Troy. Hektisch, zügellos und intensiv geht zu auf „Laviin“.

 

Musicscan: Es heißt häufig, wir würden in einer Zeit leben, in der die Menschen nur über kurze Aufmerksamkeitsspannen verfügen und im Sekunden-/Minutentakt etwas Neues brauchen, dass sie reizt. Klingt Laviin deshalb so, wie es klingt?

City Light Thief: Tobi: Gleich zuerst eine klassische Fangfrage! Well played, Sir! Dass Laviin viele Haken schlägt, ist auch uns aufgefallen. Eine direkte Intention, um die Platte für den Hörer spannend zu halten, steckt allerdings nicht dahinter. Im Gegenteil sind die Haken wohl für die meisten Hörer eher ein Grund, die Musik nicht zu verstehen oder für zu hektisch zu halten. Das jedenfalls denken wir uns. Die Platte klingt einfach so, wie Musik in unseren Köpfen funktioniert. Bunt, detailreich. Sodass man bei jedem Durchhören neue Kleinigkeiten entdeckt, die man mögen kann. Und dass die Platte nur 36 Minuten lang, ist schlichtweg Punkrock. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt, was wir sagen wollen. Nicht mehr, nicht weniger.

Musicscan: Wie ist es um die Aufmerksamkeitsspannen und Interessengebiete der Mitglieder von City Light Thief bestellt? Was fordert Euch heraus? Wem/was widmet Ihr warum Zeit? Wie/womit regt Ihr Eure Kreativität an?

City Light Thief: Tobi: Also mindestens 3/5 der Band (bzw. ihre Aufmerksamkeitsspanne) sind auf jeden Fall durch ihr Studium gefordert, der Rest durch etwaige Jobs. Viel Zeit (eigentlich seeeehr viel Zeit) fließt natürlich in die Band, die man schon bei jedem von uns als größtes Hobby bezeichnen kann. Hier investieren wir viel. Unsere sonstigen Interessengebiete haben sich lustigerweise über die Jahre hinweg sehr stark an die Band angepasst. Benni hat sehr früh die Aufgabe des Bookers in der Band übernommen, und macht nun eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann, während z.B. Tobi alles technische was bei der Band so anfiel in die Hand genommen hat, und jetzt als Nebenjob in einem Studio und in einer Werkstatt für Gitarrenverstärker arbeitet.

City Light Thief: Bringo: Kreativität ergibt sich aus den kleinsten, unscheinbarsten Momenten und Erlebnissen und kommt von überall her. Bewusst etwas anregen lässt sich da leider nicht. Unterwegs sein, Filme, Bücher, Musik. Die meisten Songideen passieren einfach beim Rumspielen. Texte entstehen aus Worten und Satzfetzen, die einem in den Sinn kommen und sich irgendwann einmal notiert. Manche dieser Ideen stellen sich sehr schnell als Sackgasse heraus, aber einige wenige entwickeln sich weiter. Manche Songs schreibt man einfach runter, und wundert sich danach erstmal, wo das alles herkam. Andere wiederum kombiniert und zerstückelt man wie ein Puzzle, bis es sich wie ein guter Song anfühlt.

Musicscan: Um Euch musikalisch zu fassen, muss man verschiedene Begriffe wie Post-Punk, -Core, Emo/Screamo, Mathrock, etc. anführen und darauf verweisen, dass Ihr alles Mögliche zusammen schmeißt und für viele Überraschungseffekte sorgt. Schätzt Ihr die Unberechenbarkeit? Müsst Ihr so Crossover-like unterwegs sein, um selbst motiviert zu bleiben, die musikalische Entdeckungstour fortzusetzen?

City Light Thief: Tobi: Wir versuchen auf jeden Fall bewusst, unsere Musik spannend zu halten. Es gibt kaum etwas Langweiligeres als Musik, die immer wieder nach dem gleichen Schema funktioniert. Die Schwierigkeit, uns stilistisch einzuordnen, kennen wir nur zu gut, wir haben es einfach irgendwann aufgegeben und diesen Job anderen Menschen mit mehr Fantasie für Genre-Namen überlassen. Post-Irgendwas sind wir. Denn das ist man ja schließlich immer.

City Light Thief: Bringo: JA, wir schätzen die Unberechenbarkeit. Wir wollen eben keine Schublade schließen. Wir kombinieren, was wir selbst lieben und uns gerade begeistert. Hätte uns jemand vor 2 Jahren gesagt: „Ey, benutzt doch mal ’ne Orgel!“, hätten wir dankend abgewunken. Jetzt hat es einfach gepasst und war verfügbar. Als Motivation würden wir das aber nicht bezeichnen. Wir setzen uns nicht hin mit dem Gedanken: „SO, welches neue Instrument denn jetzt? Und wie quetschen wir es am besten in den Song?“ Es wird einfach genutzt, was da und gut ist.

Musicscan: Trotz des zwischenzeitlichen „Chaos“ gibt es bei Euch auch eine eigenwillige Eingängig- und Poppigkeit. Wie kommt’s? Seid Ihr am Ende „doch nur“ Popper, die zwischendurch freidrehen?

City Light Thief: Bringo: Pop ist zwar irgendwie gar nicht fassbar. Aber wenn Eingängigkeit das ist, was Pop ausmacht, dann sind wir wohl auch „Popper“. Denn im Endeffekt ist unsere Musik auch nur die Quintessenz unserer Einflüße, und diese Einflüße umfassen so fast jede Musikrichtung. Dass da dann auch Pop dabei ist, ist wohl kaum zu vermeiden. Klischee-beladen aber richtig ist da wohl die Aussage: Wir machen das, was wir selbst hören wollen. Und das soll uns ja nicht kontinuierlich nervig ins Hirn sägen, sondern was Beständiges haben. Darum Eingängigkeit.

Musicscan: Welche Reaktionen beobachtet Ihr denn auf Euren Konzerten? Gibt’s so etwas wie einen „typischen Verlauf“, den Leute durchleben, die Euch vorab offensichtlich noch nicht kannten?

City Light Thief: Bringo: Da wir ja Melodien für Millionen spielen, ist das ganz simpel: Pure Begeisterung und nachher kaufen sie uns den Merch-Stand ratzekahl! Scherz! In Wahrheit ist das natürlich sehr unterschiedlich, wie bei wohl jeder Band. Einige lieben dich, Andere hassen dich, Dritten bist du absolut egal. Was aber tatsächlich relativ häufig auftritt, ist eine verspätete Reaktion auf die Musik. Irgendwie scheinen die Leute zu immer erst reserviert, nicken mit, klatschen nett. Und wenn es ihnen dann Gefallen hat, steht dann am anderen Tag ein Kommentar auf der Facebook-Page und die CD wird bestellt. Als wir auf der letzten Tour in Kiel waren, wurde uns im Vorfeld gesagt, dass es bereits ein gutes Zeichen ist, wenn die Leute mit dem Fuß wippen. Je länger uns Leute kennen und uns näher stehen, desto häufiger beobachten wir aber, dass Texte wirklich mitgesungen werden und Konzerte schon irgendwie zum Erlebnis werden, was ein wahnsinnig gutes Gefühl ist.

Musicscan: Wie muss man sich denn eine City Light Thief-Show vorstellen? Schlägt da der spontane, impulsive Charakter noch stärker durch oder haltet Ihr Euch schon an die Strukturen und Tracks, wie man sie vom Album her kennt?

City Light Thief: Tobi: Wir sind keine großen Improvisationstalente. Gitarrensoli, Jam-Sessions wird man in keinem unserer Stücke live finden. Wir sind auch nicht die großen Publikumsanimateure. Es gibt ein Paar stellen die Live anders als auf Platte klingen (z.B. der Anfang von Architect vs. Avalanche), und dann auch wieder Teile die man einfach gar nicht exakt so wiederholen kann (wie das Gesause am Ende von Dangerosaurus!). Im Großen und Ganzen spielen wir die Songs aber so wie auf der Platte. Der impulsive Charakter drückt sich wohl eher in an partielle Spastik erinnernde Bewegungen aus.

Musicscan: Und wie war es vor und im Studio – standen die Tracks und waren aufnahmebereit oder habt Ihr bis zuletzt verändert, ausprobiert oder gar am Ende improvisiert?

City Light Thief: Tobi: Alle Songs waren zum größten Teil bereits als Vorproduktion vorhanden. Am meisten hat uns eigentlich beim Gesang gefehlt, was wir dann in den Vocal-Sessions aufgeholt haben. Ein paar Gitarren- und Bass-Parts haben wir im Studio verändert oder komplett umgeworfen, z.B. der bereits erwähnte C-Teil in Dangerosaurus ist im Studio recht spontan und als First Take entstanden, als Tobi, unser Gitarrist, ein bisschen an seinem Fuzz Factory rumgespielt hat. Einige Vocals, gerade Chöre, sind dann erst vor Ort so entstanden. Fazit: Die Tracks standen, und dennoch wurde noch viel dran rumgeschraubt.

Musicscan: Wie stellt Ihr sicher, dass sich die einzelnen Stücke am Ende doch immer nachvollziehbar auflösen und nicht zufällig wirken? Den Überblick zu behalten, fällt ja vielen Gruppen schwer. Euch aber offenkundig nicht…

City Light Thief: Tobi: Darüber haben wir uns ganz ehrlich noch nie Gedanken gemacht. Ein Aspekt mag auf jeden Fall sein, dass in den meisten Tracks trotz aller Haken und Überraschungen ein Thema oder Riff immer wieder auftaucht. Klassische Beispiele dafür stellen wohl 'Architect vs. Avalanche' und 'Circa Now' dar.

City Light Thief: Bringo: Außerdem ufert keines unserer Stücke in siebenminütige Keyboardpassagen oder vergleichbarem aus, so dass wir uns die Rückkehr zum Song total verbauen oder man bereits vergessen hat was am Anfang des Songs passiert ist. Andererseits ist da aber so ein Song wie Pioneers, der sich zu keinem Zeitpunkt wiederholt, sondern geradewegs zum Höhepunkt marschiert. Aber wohl gerade deswegen in sich stimmig ist.

Musicscan: Wie schätzt Ihr es denn ein: Sollte man sich Gedanken machen, wenn man Laviin richtig gut findet und es schon dutzendfach gehört hat? Welche Folgen / Langzeitschäden fürchtet Ihr?

City Light Thief: Tobi: Wenn der Zustand länger als fünf Stunden anhält sollten sie einen Arzt aufsuchen.

Musicscan: Da die Platte jetzt schon einige Tage auf dem Markt ist: Wie ist sie denn bislang angekommen und wie bewertet Ihr das, was Ihr mit Laviin abgeliefert habt, mit dem heutigen Abstand?

City Light Thief: Tobi: Die bisherigen Reviews sind überwältigend gut, was uns natürlich stolz wie Oskar macht. Wir hatten keine Vorstellung davon, wie die Platte ankommen wird und ob jemand auch nur annähernd etwas damit anfangen kann. Wir sind extrem stolz auf die Platte, sonst hätten wir sie auch nicht rausgebracht. Im Nachhinein können wir wohl nur sagen, wie zufrieden wir damit sind, wie alles gelaufen ist. Das Schreiben, die Aufnahmen oder die Produktion, die Bastian Hartmann (der Produzent) da abgeliefert hat, haben letztendlich zu einem Ergebnis geführt, das uns zum jetzigen Zeitpunkt perfekt umschreibt und das festhält, was wir sind. Es gibt da diesen Selbsttest: Wenn man sich die Songs, die man da aufgenommen hat, nach all den Aufnahmesessions und Mixen und Mastern, dann auch noch zum 1000. Mal freiwillig anhören kann, dann hat man irgendwas richtig gemacht. Und irgendwie können wir das.

City Light Thief: Bringo: Im Kopf sind wir aber schon weiter. Bei neuen Texten, neuen Songideen, die mit Laviin nur noch in Grundzügen etwas zu tun haben.

Musicscan: Was darf man neben der Platte von City Light Thief in 2011 erwarten?

City Light Thief: Bringo: Endlich ist hier mal eine kurze Antwort: Eine Menge Auftritte, Touren, neue Songs und Videos. Keine Rockoper, keine Mode-Label, kein Parfüm, keine Promi-Hochzeit. Ausrufezeichen!

 
 Links:
  myspace.com/citylightthief
 
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