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Snapcase

Storie von: arne, am 29.12.2002 ]

Die einstiegen New School Vorreiter Snapcase meldeten sich zwei Jahre nach ihrer letzten Platte 2002 mit ihrem neuen Album "End Transmission" eindrucksvoll zurück. "Designs For Automotion", der direkte Vorgänger, schlug ja nicht soo große Wellen (zu unrecht, denn die Scheibe rockt!!) und nicht wenige dachten schon, Snapcase hätten ihren Zenit überschritten. Nun, diese Leute haben sich geirrt.

 
Dagegen sprechen zum einen die beiden erfolgreichen Euro-Touren und noch viel gewichtiger: das neue Album "End Transmission"! Klar, einigen Hardcore-Kids ist das Material sicherlich zu komplex und durchstrukturiert. Andere wider mögen die Stimme von Shouter Daryl nicht auf Dauer abkönnen, aber ich freue mich jedes Mal auf sie, denn derart markant sind nur wenige Frontmänner. Noch dazu ist sein Vocal-Einsatz inzwischen variabler und druckvoller geworden, so dass Gesang, wie natürlich auch die Musik, sehr fett daherkommen.

Von ihrer Anlage her zeigen sich die neuen Songs deutlich reifer. Vor allem die Feinheiten und Elemente "drum herum" sind es, die für mich den Charakter der Platte prägen, denn die sind schön durchstrukturiert, interessant und sehr divers. Ist das noch Hardcore? Ich denke nicht, eher Post-Hardcore. Es ist nicht das Eins-Zwei-und-ab-Schema sondern Musik, für die man sich (sehr) viel Zeit nehmen sollte. Das geht mit dem Anspruch der Band daher, die sich vor allem bescheiden zeigt:

"Ich weiß nicht, warum uns die Leute mögen." Erzählt mir Daryl im Gespräch: "Ich denke auch nicht, dass wir eine allzu populäre Band sind. Wir arbeiten hart und touren viel. In zehn Jahren haben wir aber nur vier Alben veröffentlicht. Wir versuchen einfach eine besondere Qualität anzubieten. Vor allem klingen wir eigen und nicht wie viele andere. Wir sind kein Teil eines Trends. Von Beginn an klangen wir zu keiner Zeit wie eine normale Hardcore-Band. Wir haben von Beginn an Einflüsse von Prong, Helmet, Quicksand integriert und waren schon immer allem gegenüber offen. Heute haben wir unseren eigenen Weg gefunden und der scheint den Leuten zu gefallen"

Von seiner Aussage her steht der vierte Song "Believe, Revolt" dabei zentral für das ganze Album: "Er handelt davon, dass eine Revolution geschieht und viele Leute es nicht glauben.

Heutzutage sind viele Leute mit ihrem Leben unzufrieden, weil sie in einer Monotonie leben und ihr Leben als langweilig empfinden. Wenn man an sich selbst und seine Träume glaubt, muss man versuchen sie zu erreichen und dafür kämpfen. Man muss sich aus seinen Zwängen befreien. Das ganze Album beschäftigt sich mit den Entwicklungen unserer Gesellschaft, und damit, dass die Leute immer stärker überwacht und reglementiert werden."

"End Transmission" geht dabei konsequent den Weg weiter, den sein Vorgänger eingeschlagen hat. Nach den ersten drei Beats der Platte ist klar, wer hier aufspielt. Der erste Song des Albums geht in bewährter Snapcase-Manier nach Vorne weg, doch dann offenbaren sich immer weitere Feinheiten. Einen gewissen europäischen Touch muss man dem Album zweifelsfrei zusprechen und immer wieder scheinen die neueren Refused die passendste Referenz zu sein.

Dennoch bewahren sich Snapcase stets die eigene Identität, die hörbar durchkommt. Als größten Erfolg wertet es Daryl als Band schon über zehn Jahre zu bestehen und sich in dieser Zeit einen eigenen Platz geschaffen zu haben, ohne sich damit selbst zu limitieren:

"Wir können vor verschiedensten Crowds spielen. Wir tourten mit No FX, wie auch den Deftones und haben auch schon Shows mit Cannibal Corpse gespielt. Es macht Spaß sich jeder neuen Herausforderung zu stellen."

Snapcase haben sich in jeglicher Beziehung weiterentwickelt und nach wir vor ihre Daseins-Berechtigung. Sie haben mit jeden neuen Album auf dem vorhergehenden aufgebaut und bis heute eine unglaubliche Steigerung hingelegt, die jetzt einen weiteren Höhepunkt erreicht hat. "End Transmission" rockt von Beginn bis Ende und hat keinen Schwachpunkt. Schön!

Wer die Band schon abgeschrieben hatte, sollte ihr eine zweite Chance geben. Besser als heute waren sie noch nie!!
 
 
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