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Unearthly Trance

Storie von: arne, am 18.12.2010 ]

Nach zwei Alben für Lee Dorrians’ Rise Above Records und zwei weiteren für Relapse legt das New Yorker Heavy-Trio UNEARTHLY TRANCE nun seinen fünften Longplayer vor. Ihrer pragmatischen Arbeitsmaxime folgend haben die Musiker die neue Platte kurzerhand „V“ getauft.

 
„Schwere Gitarrenmusik hat mich schon im Teenager-Alter gefesselt und seither nicht mehr losgelassen,“ verrät Gitarrist und Shouter Ryan Lipynsky. „Als ich elf war, habe ich meine erste Gitarre geschenkt bekommen und mich schnell obsessiv mit ihr beschäftigt. Damit war es um mich geschehen. Was unsere Musik so besonders macht, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Doch von ihr geht eine tiefsitzende Faszination aus, die die Hörer berührt und die mich weitermachen und nach immer neuen Ausdrucksformen suchen lässt.“ Setzt man sich mit den zwölf neuen Kompositionen des Trios auseinander, stellt man fest, dass UNEARTHLY TRANCE ihre Entwicklung Revue passieren lassen und gleichzeitig einen Ausblick in die Zukunft wagen. Das Dreiergespann aus Brooklyn bewegt sich in einem eigenen Heavy-Universum, das sich Elementen aus dem Doom und Sludge, Heavy-Rock, Ambient und Drone bedient:

„Es ist meine Hoffnung, dass wir eine Verbindung zu den Hörern herstellen und mit ihnen unsere Empfindungen und Absichten auf einem mentalen Level teilen,“ so der Musiker. „Unseren Bandnamen tragen wir schließlich nicht zufällig. Wir streben danach, den Hörern andere, okkulte Erfahrungen zu verschaffen, die esoterisch gefärbt und für sie faszinierend sind. Deshalb experimentieren wir mit gefährlichen Sounds und bewegen uns in einem Bereich der kreativen Grenzerfahrung. Uns selbst zurückzunehmen und nur dass nachzuahmen, was andere spielen, kommt für uns nicht in Frage. Wir wollen die Ersten sein, die bestimmte musikalische Sphären und Sounds erreichen.“ Im Verlauf ihrer Karriere hat die Band ihre Stücke immer flüssiger und dynamischer angelegt. „V“ ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung und erlangt bisweilen manische Rockigkeit: „Egal was wir im Detail tun, all unsere Songs sind durch eine besondere Ästhetik miteinander verbunden, die sie als Stücke von UNEARTHLY TRANCE auszeichnen. Unser Sound ist unverkennbar, denn wir haben uns einen eigenen Stempel geschaffen, mit dem wir jeden einzelnen Track versehen. Das setzt sich in den Texten fort, die stets introvertiert, tiefsinnig und latent obskur gehalten sind.“ Die New Yorker stellen auf ihrem fünften Album wiederum auf die düstere, beängstigende Seite der menschlichen Psyche ab und adressieren ihre Musik an das Primitive, Martialische im Hörer:

„Seit unseren frühen Tagen haben wir den Arbeitsprozess unseres Songwritings kaum verändert,“ erzählt Ryan. „Unser Anspruch ist jedoch gewachsen und der Qualitätscheck ist heute weitaus härter. Ausgang aller Tracks sind nach wie vor Gitarren-Riffs, die ich Zuhause schreibe und auf einem 4-Spur-Gerät aufnehme. Dann feile ich so lange an ihnen herum, bis ich


sicher bin, etwas Starkes geschaffen zu haben. Erst dann nehme ich sie mit in die Proben und wir arbeiten weiter, bis ein Song entsteht. Die Kreativität sucht sich ihren eigenen Weg und wir lassen ihr freien Lauf. Dabei achten wir lediglich darauf, Wiederholungen zu vermeiden und jedem Album eine eigene Anmutung zu verpassen. Etliche Fans wären glücklich darüber, wenn wir unser Debüt „Season of Séance…“ wiederholt hätten. Das wäre uns jedoch zu wenig; wir streben nach mehr und wollen uns immer wieder neu entdecken.“

Diese Arbeitsskizze erklärt, weshalb UNEARTHLY TRANCE längst nicht mehr nur destruktiv und nihilistisch aufspielen. Die New Yorker integrieren heute auch melodische Zitate und sogar einen unterschwelligen Optimismus, der als Licht am Ende des düsteren Heavy-Tunnels eingearbeitet wird: „Als wir mit den Aufnahmen für „V“ fertig waren, haben wir zwischen den Stücken eine tiefsitzende Verbindung bemerkt,“ bestätigt es auch der Sänger und Gitarrist. „Das neue Album berührt viele Aspekte unserer Vergangenheit, doch wir richten den Blick zugleich nach vorn und erkunden andere Facetten unseres Sounds. „Electrocution“ und „The Trident“ haben mir als Ventil gedient, angestaute Aggressionen zu verarbeiten. Das neue Album geht darüber hinaus und ist von den Zwängen und der Wut des Alltags entkoppelt. Wir haben mit den Stücken eine höhere Bewusstseinsebene erreicht und erschaffen den schwersten uns möglichen Heavy-Sound. Manchmal entwickelt sich diese Schwere langsam, mal im MidTempo und seltener ist auch eine rabiate Attacke für uns heavy. In jeder Gewichtung achten wir darauf, in Bewegung zu bleiben und das Songwriting interessant anzulegen.“

Auf „V“ wirkt sich die partielle Neuausrichtung in Form eines epischen Anstriches aus, der einen spannenden Gegensatz zur drückenden Schwere der „normalen“ UNEARTHLY TRANCE schafft. Einfach fällt der Umgang mit dem Schaffen des Dreiergespanns deshalb noch lange nicht: „Wir lieben die Herausforderung, limitieren dabei aber weder uns selbst noch die Rezeption unserer Stücke. Jegliche Deutung ist zulässig. Es gibt keine richtige oder falsche Interpretation. Selbst innerhalb unserer Band verbinden wir unterschiedliche Gefühle und Sichtweisen mit den Tracks. Wer meint, die Weisheit für sich gepachtet zu haben und nur eine einzige Wahrheit zuzlassen, muss falsch liegen. Unabhängig davon steht für mich fest, dass wir immer intensiv und Kraft raubend aufspielen werden, egal, aus welchen Elementen sich unsere Songs zusammen setzen. Wir sind dafür bekannt, beklemmend und verführerisch zugleich zu klingen. Diese Umschreibung schätze ich, denn sie bestätigt mir, vieles richtig gemacht zu haben.“

 
 Links:
  unearthlytrance.com
 
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