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The Red Shore

Storie von: arne, am 02.12.2010 ]

Ob man THE RED SHORE aus Melbourne nun als Tech-Death auffasst oder sie doch dem Deathcore - Trend zuordnet, ist unerheblich. Fest steht, dass die Australier extrem wirbeln und unerbittlich drücken. Auf seinem Zweitwerk setzt das Quintett wiederum auf direkte Blastbeats, die mit derben Grooves garniert werden. Anspruch ist es, brutal und bissig in Erscheinung zu treten. Entlang dieser Maßgabe entwickelt sich „The Avarice Of Man“.

 
„Wir treten mehr denn je mit Selbstvertrauen und Zuversicht an,“ äußert sich Bassist Jon Green im Gespräch. „Es gibt da draußen nicht viele Band, die wie wir über die gängigen Standards und Trends hinausgehen und unbequem austeilen. Viele Leute scheinen mehr darauf aus zu sein, Frauen zu beeindrucken und sich als cool zu inszenieren, anstatt die nötige Arbeit in die Musik zu stecken und kreativ an die Grenzen und über diese hinaus zu gehen. Wir als THE RED SHORE tun dies und streben vor allem danach, uns selbst zufrieden zu stellen. Nach den Wünschen Anderer richten wir uns nicht.“ Das ist bei der Gruppe, die in Europa via Listenable Records veröffentlicht, schon immer so gewesen und hat früher auch Jon beeindruckt: „Schon bevor ich Teil der Band wurde, habe ich sie immer wieder auf lokalen Shows gesehen. THE RED SHORE sind mir aufgefallen, weil sie anders als die Anderen waren. Auf den Shows sind sie immer nur direkt nach vorne gegangen und das sowohl auf der Bühne als auch mit ihren Songs. Keine andere Gruppe hat das getan. Heute Teil der Band zu sein und meinen Beitrag zu ihrer Weiterentwicklung zu leisten, erfüllt mich mit Stolz. Die ungestüme Attitüde lebt in uns fort, auch wenn die Song-Strukturen ein wenig klassischer ausfallen und wir längst zu einer Death Metal-Gruppe gereift sind. Dass wir als Deathcore verstanden werden, kann ich partiell nachvollziehen, doch ich sehe uns längst als reine Metal-Band.“

Es ist auffällig, dass sich einst ungestüme Deathcore-Acts zunehmend metallischer geben, Core-Elemente herunterfahren und sich in eher traditionellen Death-Strukturen präsentieren. Der Image- und Stilwechsel steht dem Quintett aus Down Under gut zu Gesicht: „Wir haben den Stil gefunden, der uns liegt und den wir im Moment spielen wollen,“ meint der Bassist. „Deshalb steht aktuell im Vordergrund, uns in der weltweiten Death Metal-Szene unseren Platz zu sichern und die Leute von unseren Qualitäten zu überzeugen. Wir wissen, dass unsere Songs das Potenzial bergen, jedem zu gefallen, der extremen Metal schätzt. Um uns noch unwiderstehlicher zu machen, werkeln wir an den kleinen Feinheiten, die darüber entscheiden können, ob die Leute dich mögen oder nicht. Die Reaktionen auf unsere Releases und Shows spiegeln uns, dass wir auf einem guten Weg sind und die Leute verstehen, worum es uns geht. Das spornt uns an, mit jedem neuen Stück noch mehr zu geben und auch die letzten Zweifler auf unsere Seite zu ziehen.“ Es ist noch gar nicht so lange her, dass Listenable Records das Debüt-Album des Fünfers mit Verspätung auf den europäischen Markt brachte. „Unconsecrated“ erschien dafür mit dem Bonus der „Lost Verses“ MCD, so dass man die Entwicklung der australischen Frickler bestens nachvollziehen konnte. Nun legen THE RED SHORE mit „The Avarice Of Man” gewichtig nach und präsentieren sich als gewachsene Einheit:

„Wir widmen uns der Band und allem, was dazu gehört, mit Haut und Haar und versuchen aus den ganzen Vorteilen und positiven Erfahrungen, die das Band-Dasein mit sich bringt, so viel Kraft und Motivation zu ziehen, dass sie die negativen Aspekte überlagern. Wir lieben es, unterwegs zu sein, unsere Songs für Leute auf der ganzen Welt zu spielen und gemeinsam kreativ zu sein. Wir stehen vorbehaltlos füreinander ein und teilen dasselbe Maß an Leidenschaft. Das ist auch nötig, um die teils harten Zeiten auf Tour durchzustehen. Gleichzeitig ist es die Basis unserer Musik und etwas, das uns von anderen absetzt. Etliche Bands scheinen es vergessen zu haben, dass Musik ihr hörbares Herzblut ist und es darum geht, Gefühle zu vertonen. Das äußert sich bei uns auch darin, dass wir trotz der extremen, brutalen Musik darauf achten, in den Texten immer auch eine positive Message zu transportieren, selbst wenn man diese bei uns nicht erwarten würde. In der Band lassen wir unseren negativen Empfindungen freien Lauf und durchleben sie gemeinsam mit den Hörern, um sie vor zerstörerischen Tendenzen zu bewahren. Metal dreht sich häufig um Satan, Depressionen und Selbstmord. Wir fordern dazu auf, nachzudenken, bevor man sich oder anderen Schaden zufügt.“

Kommerzieller Death Metal?


Das musikalische Treiben von THE RED SHORE ist durch ungezügeltes Tempo, ansehnliche Komplexität und krasse Technik geprägt. So kennt man die Australier. Auf „The Avarice Of Man“ beweisen die Melbourner nun größere Reife als Songwriter, so dass sich Wut und Technik-Exzesse ein Stück weit kanalisierter und gewollt abwechslungsreicher entladen: „Das Songwriting war uns dieses Mal weitaus wichtiger als noch beim Debüt,“ bestätigt Jon. „Anstelle einzelne Passagen zufällig aneinander zu reihen gibt es heute bewusste Wiederholungen, wiederkehrende Elemente und gezielte Song-Entwicklung. Noch sind wir nur in Ansätzen so weit, von Hooks und herben Hymnen zu sprechen, doch erkennbare Strukturen finden sich durchaus. Einigen Leuten gefällt das nicht, sie sprechen von kommerziellem Death Metal, doch das ist quatsch und für uns die Richtung, in der es weitergehen musste. Auf „Unconsecrated“ war es vollkommen okay, dass wir spontan und willkürlich aufspielten. Auf diese Art und Weise glaubten wir, unsere technische Fokussierung ungeschönt herausstellen zu können. Inzwischen haben wir gelernt, dass es mehr braucht und man auch in traditionelleren Strukturen extrem und kompromisslos agieren kann.“

Schwer verdaulich und brutal ist der 13-Tracker zweifellos – ein perfekter Soundtrack, wenn man sich einmal abreagieren muss, der noch dazu eine Geschichte erzählt, wie der Bassist verrät: „Wir schätzen die Idee von Konzeptalben, weil wir denken, dass sich die Leute mit allen Stücken einer Platte beschäftigen, wenn sie miteinander in Verbindung stehen. Gleichzeitig versuchen wir, den Hörern nicht zu viel abzuverlangen und die Konzentrationsspannen kurz zu halten, indem wir immer wieder Neues anbieten, das fesselt. Die Konzepte zurren wir ohnehin nicht zu straff. Eigentlich ist es eher eine Sammlung ähnlich gelagerter Ideen und Themen. So haben wir uns dieses Mal mit Nihilismus, Anarchie, Gesellschaftsformen, etc. beschäftigt. Auch in dieser Hinsicht sind wir der Überzeugung, dass wir mit „The Avarice Of Man“ den Schritt zur Death Metal-Band genommen haben. Das war unser Anspruch für die neue Platte. Wir haben darauf geachtet, die Songs hörbarer anzulegen und eine andere Art von Technik in den Mittelpunkt zu stellen. Eine wesentliche Folge ist es, dass das Material insgesamt kompakter und variabler klingt. Wenn man so etwas musikalisch umsetzt, muss man textlich nachziehen.“

Diesem Anspruch folgen die Australier konsequent und inszenieren blastiges Gefrickel auf höchstem Niveau. Eine besondere Form der „Qualitätssicherung“ haben THE RED SHORE dabei nicht: „Wir sind zu stark involviert, um die Stücke auch nur ansatzweise unbeteiligt hören zu können,“ so Jon Green. „Im Arbeitsprozess der neuen Platte haben wir es versucht, hatten jedoch keine Chance. Jeder von uns hat sich in kleinen Details seiner eigenen Arbeit verloren, konnte sich aber nicht auf die kompletten Songs konzentrieren. Es interessiert uns natürlich schon, wie die Stücke auf Andere wirken. Deshalb ziehen wir Freunde oder uns nah stehende Leute hinzu und bitten sie um Feedback. Wichtiger ist es jedoch, dass wir am Ende völlig zufrieden sind. Dann haben wir unser Bestes gegeben, können uns nichts vorzuwerfen und haben die Chance, für Furore zu sorgen.“ Die fünf Musiker sind international längst aufgefallen. Das Zweitwerk „The Avarice Of Man“ wird weltweit veröffentlicht; in der Heimat der Band auf Roadrunner Records, in den Staaten auf Mediaskare (u.a. Suffokate, Murder Death Kill und Ambush!) und in Europa via Listenable:

„Wir lassen alles auf uns zukommen und machen jeweils das Beste aus den sich bietenden Möglichkeiten,“ gibt sich der Musiker bescheiden. „Letztlich bestimmen die Hörer, das Umfeld und die Mechanismen der Musik-Industrie, ob etwas geht oder nicht. Für Underground-Gruppen wie uns ist es jedoch ein Stück weit einfacher, denn die Trends und Strukturen ändern sich nicht so gravierend wie im Mainstream. Die Aufgabe der Bands ist es, an sich zu arbeiten und ein gutes Niveau zu erreichen. Death Metal ist noch lange nicht tot. Wir sind angetreten, das zu beweisen und unseren Platz im internationalen Wettbewerb zu finden.“

 
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