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Heirs

Storie von: arne, am 07.11.2010 ]

Stagnation oder Routinen kennen die Australier von HEIRS nicht. Das Songwriting des Zweitwerks „Fowl“ stammt aus der Feder des Gitarristen Brent Stegeman, der neue Schwerpunkte im elektronischen Bereich setzt, und nicht länger vom Schlagzeuger der Band. Der andere Blick auf den Sound ändert jedoch nichts an dessen Basisanlage zwischen Dark-Ambient, Drone-Rock, Industrial-Metal und noisiger Elektronik.

 
Die hypnotische, repetitive Entwicklung der Stücke von HEIRS wird beibehalten, und rein instrumental bleiben die Australier auch angelegt. „Fowl“ steht für 45 Minuten fordernder, monolithischer Rhythmen und einen bedrohlichen, allumfassenden Trip durch unheilvolle Klangwelten: „Wir legen es darauf an, die verrücktesten Vorstellungen und Fantasien der Hörer heraus zu kitzeln, indem wir uns langsam und erbarmungslos entlang der dunkelsten Geheimnisse des Unterbewusstseins dahin schleppen,“ formuliert Brent Stegeman den eigenen Anspruch. „Wir wollen unsere Hörer dazu bewegen, sich ihren Dämonen zu stellen und wie ein Baby an der Brust der Bestie zu saugen.“ Schon mit ihrem Debüt „Alchera“ und auf der anschließenden Europa-Tour haben sich die vier Musiker aus Down Under viele Sympathien erspielt. Mit dem Zweitwerk stellen sie nun unter Beweis, dass sie eine uneingeschränkt experimentierfreudige Band sind, die ihre Soundscapes immer so weit führt, wie es möglich ist:

„Im Bereich der extremen Musik hat es zum letzten Mal vor 20 Jahren wirklich bahnbrechende Entwicklungen gegeben. Heutzutage sind zwar viele Gruppen komplexer und technischer unterwegs, doch der überwiegende Teil ist nicht mehr als ein emotionsloser Exzess,“ holt der Gitarrist und Soundtüftler aus. „Unser Ansatz mit HEIRS ist es, die Dinge auf die essentielle Basis herunter zu brechen. Wir konzentrieren uns ganz auf die Atmosphäre und die Intensität unserer Songs und folgen ihrer Entwicklung. Wir blenden unsere Egos und all das komplett aus, was es anderen Gruppen verwehrt, sich allein auf die bloße Musik einzulassen. Wir zollen dem Respekt, was es bereits vor uns gegeben hat, öffnen den Stücken aber gleichzeitig die Tür, sich eigene Wege in die Zukunft zu suchen.“ Godflesh, Jesu, Nadja, Swans und Neurosis sind nur einige der möglichen Gruppen, die sich anführen lassen, wenn man nach Referenzen sucht. HEIRS begnügen sich jedoch nicht damit, den benannten Größen „nur“ auf Augenhöhe nachzueifern:

„Wir haben fast alle Songs von „Fowl“ als elektronische Demos aufgenommen, bevor wir sie überhaupt das erste Mal geprobt haben. So wussten wir schon vorab, in welche Richtung es gehen sollte. Für den Erfolg der Platte war es von entscheidender Bedeutung, zunächst einen Hybrid aus Electronics und der Rhythmus-Sektion einer Live-Band zu schaffen. Dazu war es eine bewusste Entscheidung, die Gitarrenarbeit aus dem Dunstkreis des Post-Rocks zu entfernen. Ich habe uns nie in diesem Segment gesehen, doch weil wir auf „Alchera“ mit ähnlichen Song-Strukturen gearbeitet haben, sind wir in diese Ecke gerutscht. Deshalb habe ich auf „Fowl“ die Industrial-Elemente stärker gewichtet und sie mit einem allgemeinen, melodischen Ansatz kontrastiert. Mit dem zweiten Album stehen wir nun außerhalb der früheren Vergleiche und wenigstens ein Stück weit selbstständig. Wir haben das erreicht, was wir uns vorgenommen haben: Etwas Eigenes zu schaffen.“ Dem Quartett gelingt es tatsächlich,


>auf seinem Zweitwerk neuartige Akzente zu setzen. Das ist der Lohn der konsequent vorwärts denkenden Arbeitsweise von HEIRS, die sich beständig auf der Suche nach neuen Sound-Kollagen und wirkungsstarken Kontrasten befinden:

„Als wie „Alchera“ aufgenommen haben, gab es unsere Band gerade einmal drei Monate. Dass „Fowl“ nun ein reiferes, geschlossenes Album ist, überrascht aus diesem Grund nicht. Die 80 Shows, die wir innerhalb von drei weiteren Monaten in Europa, UK und Japan gespielt haben, um unser Debüt zu promoten, waren für die Band eine einschneidende Erfahrung. Es ging darum, uns frei zu schwimmen oder unter zu gehen. Alles nahm einen glücklichen Verlauf. Wir kamen mit einer klaren Vorstellung unserer Stärken und Schwächen zurück und auch davon, was wir künftig machen wollten. Unrein gesprochen ist „Alchera“ das Ergebnis unserer Gemeinschaftserfahrungen mit Drogen und ihren Auswirkungen auf die Arbeitsweise der Band gewesen. Wir haben uns mit unseren Lastern und Unzulänglichkeiten arrangiert, sie hinter uns gelassen und es geschafft, uns als Menschen und Musiker weiter zu entwickeln. Wir haben all das auf den Prüfstand gestellt, was wir als negativen Einfluss auf unsere Persönlichkeiten angenommen haben und geschaut, was sich tatsächlich negativ auswirkt und was überbewertet ist. Für mich persönlich war das ein voller Erfolg. Ich habe mich von unnötigem Ballast befreit und gelernt, meine Fehler anzunehmen. Heute leide ich weniger unter den Narben, die das Leben auf mir hinterlassen hat. Diese Erfahrung habe ich in das Songwriting von „Fowl“ eingebracht. Ich wollte ein umfassendes Konzept entwickeln, das sich mit der Wirkung von unnützem Ballast und seiner Beziehung zum christlich gefärbten Moralverständnis unserer Gesellschaft beschäftigt. Jeden Tag häufen wir mehr Schmutz in uns an; sei es nun in Form von Fastfood, Unterhaltungskonsum, Drogen, sexueller Betätigung, etc. Diese ganzen Verunreinigungen sind schädlich, doch jeder steht anders zu ihnen. Wo setzen die moralischen Maßstäbe an? Warum sind einzelne Dinge für manche Leute vulgär und gleichzeitig für Andere attraktiv? Die Grenze zwischen Mensch und Bestie ist schmal und unscharf. Nicht nur deshalb, weil jeder einige Grundsätze ansetzt und individuelle Wertungen vornimmt.“

Im Kontext von HEIRS achten die Australier stets darauf, ihre Hörer nicht zu sehr zu beeinflussen und sich selbst nicht einzuschränken: „Wir lassen die Tür weit geöffnet und verschließen uns neuen Ansätzen und Ideen gegenüber nicht. Und doch haben wir für uns eine grundlegende Ästhetik definiert, die unseren Sound kennzeichnet und zentral für unser kreatives Schaffen steht. Diesen Grundkonsens wollen wir über unsere Entwicklung nach Möglichkeit beibehalten, doch wir sind frei, uns in alle nur erdenklichen Richtungen zu verändern. Unsere Kraft und Motivation entspringt ja gerade aus dem Umstand, dass wir in der Band alle Freiheiten haben und tun und lassen können, wonach uns ist.“

 
 Links:
  myspace.com/heirsmusic
 
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