Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1745

The Sorrow

Storie von: arne, am 04.11.2010 ]

Bringt man Österreich und MetalCore zusammen, landet man zwangsläufig bei THE SORROW. Das Aushängeschild der Alpenrepublik veröffentlicht sein drittes Album und bestätigt seine Relevanz in der Spielart. Das Quartett betont auf seinem selbst betitelten Drittwerk treffsicher seine Stärken und tut, wofür es von den Fans geschätzt und abgefeiert wird.

 
Ausgehend vom Debüt „Blessings From A Blackened Sky“ über das Zweitwerk „Origin Of The Storm“ bis hin zum neuen Longplayer haben die Musiker ihren Mix harter Strophen und eingängiger Refrains mit obligatorischem Clean-Gesang immer ausbalancierter und prägnanter angelegt. Natürlich ist das Strickmuster der 13 Stücke hinlänglich bekannt, doch mit Routine, Verinnerlichung und mit Selbstbewusstsein spielen THE SORROW leidenschaftlich und mitreißend auf: „Druck haben wir eigentlich keinen verspürt,“ äußert sich Gitarrist und Sänger Mathias „Mätze” Schlegel. „Wir haben dieses Mal sehr früh angefangen, Ideen zu sammeln und Songs zu schreiben, denn natürlich wollen wir an die Erfolge unser ersten beiden Alben anknüpfen. Am Wichtigsten für uns ist es aber immer, dass wir mit unserer Arbeit selbst zufrieden sind.“ Da kann man den eigenen Longplayer dann auch schon einmal selbst betitelt lassen, was als selbstbewusstes Statement zu werten ist: „Ich würde sagen, wir hatten schon immer unseren eigenen Stil, auch wenn viele Leute das Gegenteil behauptet haben,“ entgegnet Gitarrist Andreas „Andi“ Mäser. „Dieses Mal war unser Name THE SORROW aber wirklich Programm. Textlich und musikalisch sind wir noch tiefer gegangen. Deshalb haben wir keinen besseren Titel für das Album finden können.“ Seit der Veröffentlichung von „Origin Of The Storm“ sind noch nicht einmal zwei Jahre ins Land gezogen, da überrascht der Vierer schon wieder mit einer kompakten, starken Anzahl an Songs, die handwerklich und qualitativ allesamt ansprechen: „Wir sind eine Band, die ständig dran bleibt und nichts als Musik im Kopf hat,“ weiß Mätze. „Ich denke mir während der Arbeit oft Sachen aus, die ich dann am Abend am Rechner oder im Proberaum teste und weiter ausarbeite. Bei uns gab es in letzter Zeit aus diesem Grund einige Nacht-Sessions. Wir haben uns aber bewusst die nötige Zeit genommen und jede freie Minute in das Album gesteckt. Von nichts kommt nichts. Das war auch beim Schreiben unsere Devise.“ THE SORROW sind eine der wenigen MetalCore-Bands, die nach wie vor zur Sub-Spielart steht, die sich aber auch in der Metal-Sparte durchsetzen konnte. Viele andere Gruppen sind daran gescheitert. Vielleicht war das Quartett gerade deshalb erfolgreich, weil es nicht darüber nachdenkt, was es eigentlich tut:

„Keine Ahnung, wie die ganzen Stilbezeichnungen heute lauten oder was sie bedeuten,“ meint Andi. „Wir kümmern uns wenig darum, in welche Schublade man uns steckt. Wir stehen auf Heavy-Riffs und geile Melodien. Auf der neuen Platte haben wir versucht, das zu perfektionieren und optimale Verbindungen zu schaffen. MetalCore ist doch nur eine moderne Art des Metal. Wir haben immer dazu gestanden, was wir sind. Dabei sind wir von Beginn an mit einem druckvollen Sound angedrehten, der mit geilen Riffs gespickt ist.“ Für Live-Situationen sind die Österreicher dadurch bestens gerüstet. Für modern eingestellte Metal-Kapellen ist es aber gar nicht so einfach, zu den potenziellen Hörern zu kommen, wenn es stimmt, was Mätze erzählt: „Für Bands unserer Größenordnung ist es viel schwerer geworden, zu touren. Bei den heutigen Line-Ups auf diversen Festivals und Festival-Touren, wo man als Fan quasi alles auf einmal geboten bekommt, muss man Einiges bieten, um die Kids auf die eigenen Shows zu ziehen. Wir versuchen deshalb, weiterhin gute Alben zu schreiben und live zu überzeugen. Dann wird es hoffentlich werden.“ Unbekümmertheit und Selbstvertrauen koppelt sich in den Stücken des Quartetts mit einer natürlichen Hymnenorientierung und spritzigen Sounds: „Wir ziehen einfach unser Ding durch und machen, was uns gefällt,“ gibt sich Andi bescheiden. „Irgendwelche Trends beachten wir nicht. Musikalisch bewegen wir uns in einer eigenen Welt und die hat viel mehr zu bieten als irgendwelche Klischees.“ Wer Gruppen wie Killswitch Engage, As I Lay Dying, All That Remains, Caliban und Trivium schätzt, wird auch am eingängigen Treiben von Mätze, Andi & Co. seinen Spaß haben, denn THE SORROW spielen ebenso mitreißend und pointiert auf. Verglichen mit „Origin Of The Storm“ weist das selbst betitelte Drittwerk dabei mehr Tiefe und einen stärker auf die Atmosphäre abstellenden Tenor auf:

„Wir haben beim neuen Longplayer weniger darüber nachgedacht, was wir tun, sondern einfach wild drauf los geschrieben,“ so Sänger und Gitarrist Mätze. „Es war im Grunde genauso wie beim ersten Album. Wir haben viele Ideen gesammelt und wirklich nur das genommen, was uns zu 100 Prozent überzeugt hat. Ich bin der Meinung, dass wirklich für jeden etwas dabei ist. Vom sphärischen, trägen Song bis zum Heavy Metal-Knaller.


Dass die Platte orchestraler klingt, liegt daran, dass wir viel mehr Spuren eingespielt haben, u. a. auch Mandolinen. Auf „Origin…“ hatte uns dafür noch die Zeit gefehlt.“ Einige der neuen Songs des Vierers hören sich im Vergleich zu denen der beiden Vorgängerwerke zudem weitaus reifer und ausgetüftelter an. Veränderungen in der Arbeitsweise hat es Gitarrist Andi zufolge jedoch nicht gegeben: „Wir brauchen immer ziemlich lange, bis ein Song steht, da wir immer 100 Prozent rausholen wollen und totale Perfektionisten sind. An „THE SORROW“ haben wir ein halbes Jahr lang getüftelt, und das hört man dem Material auch an. Wie gesagt, beim Vorgänger hatten wir wenig Zeit. Dafür konnten wir dieses Mal noch einen drauf setzen. Ich hoffe, die Leute nehmen das Album auch so wahr.“

Trotz komfortabler Zeitspannen waren die vier Österreicher nicht komplett aufnahmebereit, als es schließlich ins Studio ging: „Bei uns ändert sich in letzter Sekunde immer noch sehr viel,“ reflektiert Sänger Mätze. „Wir waren auch dieses Mal bis zum Ende offen für gute Ideen. Das Material war zu 80 Prozent fertig, als wir aufnehmen wollten. Es kam dann noch der eine oder andere Teil dazu oder flog raus. Wenn man anfängt, die Songs einzuspielen, hört man schnell, ob es am Schluss auch wirklich so klingt, wie man es sich vorgestellt hat. Mit dem Ergebnis bin ich aber das erste Mal wirklich sehr zufrieden. Ich höre mir die Platte sogar auch gerne mal zu Hause an!“ Neben der bereits angesprochenen Tiefe und Komplexität der 13 Stücke überzeugen auch die Eingängigkeit und das wiedererkennbare Potenzial des Drittwerks inklusive des Clean-Gesangs, mit dem Metal-Puristen nach wie vor Probleme haben könnten: „Es stimmt, wir haben dieses Mal sehr darauf geachtet, dass die Melodien schön eingängig und ausgefeilt sind,“ bestätigt es Andi. „Wir stehen einfach auf große Hymnen und melancholische Passagen. Wir haben uns keine Grenzen gesetzt. Was die Diehard-Metal-Fans dazu sagen, ist uns eigentlich egal. Es klingt 100 Prozent nach THE SORROW – das ist uns wichtig, und wir hoffen, dass unsere Fans das auch so sehen.“ Die eigenen Qualitäten sind für Frontmann Mätze dabei offenbar: „Ich glaube, unsere Stärken als Band liegen vor allem darin, dass wir uns mit sehr vielen verschiedenen Musikrichtungen beschäftigen. Wir hören sehr genau hin, was die Anderen machen, und versuchen, uns dadurch weiter zu entwickeln. Ich bin mir sicher, dass wir uns vor allem im Songwriting stark gesteigert haben.“

Zusätzlich haben die Österreicher aus ihren Fehlern gelernt. Und sie nehmen sich die Freiheit, die eigene Bandkarriere zu genießen, die auf diesem Level niemals angepeilt war: „Wir haben nie erwartet, dass es mal so weit kommen würde und wir touren, Fans haben und dass sogar unsere CDs regulär im Regal stehen sehen würden,“ so Gitarrist Andi. „Unser Ziel war und ist es vor allem, Spaß zu haben. Egal, ob es Shows sind oder wir im Studio aufnehmen. Menschen auf der ganzen Welt mit unserer Musik zu berühren und vielleicht sogar mal davon leben zu können, ist immer noch ein Traum. Privat müssen wir zwar viele Kompromisse eingehen, aber die Motivation geht nie verloren, weil die Musik unser Leben ist.“ Solange die Mitglieder von THE SORROW nicht den Spaß an vollen Terminkalendern und ganz unterschiedlichen Verpflichtungen verlieren, kann es mit der Band noch lange Zeit weitergehen:

„Alles unter einen Hut zu bringen, ist oft gar nicht so einfach,“ weiß Mätze aus Erfahrung. „Ich habe einen festen Job, eine Freundin und spiele Eishockey. Mit der Band proben wir viel und sind zwei oder drei Mal im Jahr auf Tour. Ich kann gar nicht genau sagen, wie ich das alles koordiniere. Ohne einen geregelten Job wäre alles einfacher, doch diese Frage stellt sich ja nicht. Irgendwo müssen die Moneten ja herkommen.“ Vor der Zukunft ist dem Gitarristen und Sänger aber keinesfalls bange: „Jeder entwickelt sich auf seine Weise weiter und hat andere Ansprüche. Natürlich können unsere heute gemeinsamen Interessen schon morgen in verschiedene Richtungen laufen. Ich denke jedoch nicht darüber nach, ob es THE SORROW in fünf Jahren noch in der jetzigen Konstellation geben wird, oder nicht. Mir ist wichtig, dass ich ein Leben lang das machen kann, was mir am Herzen liegt, und das ist Musik. In welcher Form auch immer.“ Auf seinem selbst betitelten Drittwerk präsentiert sich das Quartett aus Österreich aktuell auf ein gemeinsames Ziel hin eingeschworen und als motivierte und intensiv aufspielende MetalCore-Kombo. Summa Summarum steht ein guter 13-Tracker, dessen Material wiederum intensive Shows verspricht.

 
 Links:
  myspace.com/thesorrowmetal
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Suicide Silence
  Die My Demon
  He Is Legend
  The Offering
  Victims

Interviews/Stories:

  Crown The Empire
  Suicide Silence
  Polar

Shows:

  21.07. Skunk Anansie - Berlin
  23.07. Skunk Anansie - Dresden
  24.07. Skunk Anansie - Munchen