Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1745

Withered

Storie von: arne, am 26.10.2010 ]

Die Heavy-Weights aus Atlanta melden sich mit ihrem Drittwerk zurück – und was für einem! WITHERED gehen auf „Dualitas“ keine Kompromisse ein und erreichen sogleich Betriebstemperatur. Rücksichtslos und gemeingefährlich geht es durch einen martialischen, ungeschönten Mix aus Black-, Death- und Heavy-Metal, Doom und Sludge, den das Quartett mit einer ruppigen Punk-Attitüde koppelt.

 
Die Gruppe um zwei Mannen von Social Infestation findet eine eigene Nische im amerikanischen Underground, die sie nun schon seit einigen Jahren bearbeitet und in der sie immer durchschlagender auftritt: „Als Musiker im extremen Metal aktiv und bei der Sache zu bleiben, fällt uns nicht schwer,“ sagt Gitarrist und Sänger Mike Thompson. „Wir alle schätzen die Möglichkeiten und Freiheiten, die sich uns mit der Band bieten. Wir sind genau dort, wo wir sein wollen, und tun das, was uns liegt. Metal zu spielen, gibt uns unglaublich viel; mehr, als es jeder beliebige andere Job jemals könnte. Solange das Gefühl stimmt, gibt es keinen Grund, etwas Anderes zu tun. Sicherlich sind wir nicht mehr die Jüngsten, doch mental haben wir das Teenager-Alter gerade erst hinter uns gelassen. Wir streben danach, Alben zu veröffentlichen, die jüngere Hörer ebenso stark beeindrucken und prägen, wie wir es mit den Platten der Helden unserer Zeit erlebt haben. Die Musiker von damals respektiere ich noch heute, und ich hoffe, dass uns einmal derselbe Respekt entgegen gebracht wird.“

Was man mit dem Debüt „Memento Mori“ (Lifeforce Records) und dem Prosthetic-Einstand „Folie Circulaire“ bereits so brachial begonnen hat, findet seine Fortsetzung auf „Dualitas“. Zwischen den drei Veröffentlichungen liegen dabei jeweils Welten: „Im Kontext von WITHERED hat sich mit den Jahren Vieles verändert“, erklärt Mike. „Gerade gestern haben wir uns bei einer Probe einige Stücke vom Debüt wieder vorgenommen, die wir längere Zeit nicht mehr gespielt haben. Sich wieder intensiv mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen und die alten Riffs aufleben zu lassen, ist schon eine komische Sache. Es scheint so, als läge das Jahrzehnte zurück. Sowohl unsere Einstellung zur Band als auch die den Songs zugrunde liegenden Ansprüche sind heute ganz andere. Überrascht hat es uns, festzustellen, wie sehr sich unser Sound entwickelt hat – glücklicherweise zum Besseren. Doch auch das Umfeld ist heute ein anderes. Es gibt einen weitaus größeren Markt für Metal, obwohl das vornehmlich für kommerziell orientierte Gruppen gilt. Davon wird mittel- und langfristig aber auch die extreme Sparte profitieren. Die Kids stoßen sich zunächst mit den populären Gruppen die Zähne ab und beginnen dann, sich mit härteten Sachen zu beschäftigen. Natürlich ist es für Musiker, die ernsthaft arbeiten und an ihr Schaffen einen gewissen Anspruch richten, bisweilen schwer zu ertragen, dass Gruppen, die es so offensichtlich darauf anlegen, Kohle zu machen, breiten Erfolg einfahren. Daneben gibt es aber viele inspirierte Bands, die für den nötigen Ausgleich sorgen. Am Ende des Tages wird jeder Geschmack bedient.“

Angesichts dieser Äußerung könnte man meinen, der Sänger und Gitarrist sei ernüchtert, doch das ist nicht


der Fall: „Ich höre und schreibe seit 17 Jahren Metal. In dieser Zeit ist viel passiert und der Metal wurde schon mehrfach totgesagt. Gleichzeitig gab es unzählige Trends und In-Gruppen, die neue Leute für die Szene interessierten, die aber mit den neuen Hörern nach kurzer Zeit wieder verschwunden waren. Das hat mich gelehrt, entspannt zu bleiben und alles so zu nehmen, wie es kommt. Als aktiver Musiker in einer Heavy-Band ist Metal mein Lifestyle, aber er ist nicht alles. Wer sich per Definition auf eine eng umrissene Szene festlegt und nur in ihr existieren will, karikiert sich von vornherein. Grenzen sind dafür da, überwunden zu werden. Jedenfalls in dem Verständnis, das WITHERED zugrunde liegt. Wir lieben den Metal, doch wir haben auch Interessen außerhalb des extremen Undergrounds. Man muss möglichst viel sehen und kennen lernen, um zu wissen, was es alles gibt. Wie könnte man sonst vorankommen?“

Auf „Dualitas“ gibt sich das Quartett aus Atlanta vor allem angriffslustig und radikal. WITHERED wollen keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen, sondern ihren Hörern vor den Kopf hauen und in die Magengrube treten: „Musik ist für uns zuallererst emotional und persönlich,“ relativiert Mike. „Erst auf einer zweiten Ebene stellen sich die Fragen nach den vorhandenen Fähigkeiten und der Dosierung der technischen Komponente. Es gibt keinen Grund, technisch aufzuspielen, nur um technisch zu sein. Unkonventioneller Kram, Brutalität und wilde Breaks machen ebenfalls nur Sinn, wenn sie in die Dramaturgie eines Stücks eingebunden sind und eine Funktion erfüllen. Für uns hat jeder einzelne Song eine emotionale Basis und ist die Projektionsfläche realer Gefühle im Metal-Gewand. Dabei bewegen wir uns zwischen Tradition und Moderne. Mit WITHERED streben wir danach, eigene Spuren im Metal zu hinterlassen. Unsere Wurzeln inspirieren uns, doch wir verstehen sie nur als Ausgangspunkt, um gemeinsam mit unseren Hörern in neue Schweregrade und Metal-Sounds hinein zu wachsen. Als Türöffner muss man etwas Vertrautes bringen, um die Bereitschaft zu wecken, zusammen weiter zu gehen und Neues zu entdecken. Doch dann drehen wir auf.“

…und das mit purer, unverfälschter Dunkelheit, die sich irgendwo zwischen Dissection, Entombed, Mastodon und Kylesa entlädt: „Offensichtlich sind die raue Brutalität und die blanken Emotionen, die eine direkte Rückkopplung zur eigenen Gefühlswelt ermöglichen. Auf Konzerten ist das noch einmal intensiver, sowohl in der Interaktion zwischen uns Bandmitgliedern als auch in der Beziehung zum Publikum. Manchmal stoppt sogar die Zeit und nur die Energie zählt noch.“ In der Zeit ihres Bestehens haben WITHERED viel erreicht, ohne dafür Kompromisse eingegangen zu sein oder sich angepasst zu haben. „Dualitas“ beweist das eindrucksvoll.

 
 Links:
  myspace.com/withered
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Suicide Silence
  Die My Demon
  He Is Legend
  The Offering
  Victims

Interviews/Stories:

  Crown The Empire
  Suicide Silence
  Polar

Shows:

  20.07. Burden Of Grief - Fritzlar
  20.07. Alcest - Weil Am Rhein
  20.07. Skunk Anansie - Cologne
  21.07. Skunk Anansie - Berlin
  23.07. Skunk Anansie - Dresden