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Abigail Williams

Storie von: arne, am 17.10.2010 ]

Die Konstante im Line-Up von ABIGAIL WILLIAMS ist Ken Sorceron, der auch Teil von Aborted ist. Der Multi-Instrumentalist (Gitarre, Bass und Keyboard) und Sänger hat für das Zweitwerk „In The Absence Of Light“ mit Schlagzeuger Ken Bedene (u. a. Abysmal Dawn und Blood Of) und Gitarrist Jan Jekelis (Abysmal Dawn, Live-Gitarrist von God Dethroned) zusammen gearbeitet. Die Songs entwickeln sich weitaus dunkel und mysteriöser als noch auf dem Debüt „In The Shadows Of A Thousand Suns“, doch auch in der atmosphärisch-intensiven Anlage weiß der Black Metal der Gruppe zu überzeugen.

 
„Die Basis für alles in diesem Geschäft ist Leidenschaft, ohne die man die schwierigen Zeiten zu Beginn einer Band nicht bewältigen kann,“ äußert sich Ken Sorceron auf die neuerlichen Besetzungswechsel bei ABIGAIL WILLIAMS angesprochen. „Wenn die Leidenschaft fehlt, wird man schnell unzufrieden und verliert den Glauben. Aus diesem Grund haben wir in der Vergangenheit schon zahlreiche Mitglieder verloren, die nicht so motiviert waren, wie ich es bin. Teil einer Band zu sein, bedeutet auch, die eigenen Songs Abend für Abend mit Motivation und Spaß auf der Bühne zu spielen. Gerade das macht meiner Meinung nach das Wesen jeder Gruppe aus. Viele Musiker sehen das jedoch anders. Ich hingegen liebe es, unterwegs zu sein und ständig neue Leute und Städte kennen zu lernen und immer wieder neu inspiriert zu werden.“ Das Extrem-Metal-Trio entwickelt seinen Weg symphonischen Black Metals auf dem Zweitwerk akzentuierter und weniger berechenbar. Die pompöse, bombastische Kante des Debüts ist zugunsten einer Konzentration auf die Gitarren zurück genommen worden, wodurch die Tracks automatisch geradliniger und direkter ausfallen: „Die Leute sind selten zufrieden, denn sie wollen immer genau das, was sie nicht bekommen,“ weiß Ken. „Aktuell scheinen sich aber etliche Leute für uns zu interessieren, so dass wir eigentlich nur gewinnen können. Wer von uns allerdings erwartet, noch einmal genau so ein Album wie „In The Shadows Of A Thousand Suns“ abzuliefern, wird sich wundern, denn so läuft es bei uns nicht. Der Schlüssel, um voran zu kommen, ist es, weiter zu gehen und neue Dinge auszuprobieren. Natürlich greifen wir wiederum Elemente auf, die es schon auf dem Debüt gegeben hat, doch wir gehen weit über die Grenzen der alten Song hinaus.“

Entlang der Entwicklung, die der Sound seiner Band von den Anfängen bis heute durchlaufen hat, kann der Gitarrist und Sänger das gut verdeutlichen: „Der erste richtig starke Song von ABIGAIL WILLIAMS ist für mich ,Watchtower‘ von der „Legend“ MCD. Es war das erste Stück, das den späteren ABIGAIL WILLIAMS-Stil transportierte, den wir wenig später finden sollten. Darüber hinaus war es der erste Track, der von mir als Ein-Mann-Band geschrieben wurde, nachdem schon in diesem frühen Stadium alle anderen Mitglieder die Band fast zeitlich verlassen hatten und ich alleine da stand. Ich erinnere mich noch genau daran, mit ,Watchtower‘ den Verlust der anderen Musiker verarbeitet und den Willen dokumentiert zu haben, nun gerade weiter zu machen und den Neustart als Chance zu begreifen. Die ersten drei Stücke der MCD waren über den Zeitraum eines Jahres und mit verschiedenen Leuten entstanden. Deshalb klangen sie alle verschieden. Seither schreibe ich fast alle Stücke alleine und lerne zusehends, meine eigenen


Erwartungen zu erfüllen. Mit einzelnen Songs von „In The Shadow Of A Thousand Suns” war ich zufrieden – etwa mit ,Floods’, ,The World Beyond’ und ,The Departure’. Für die neue Platte lag dennoch von Beginn an ein anderer Anspruch zugrunde, weil ich auf dem Album auch ein ganz anderes Feeling transportieren wollte. Auf „In The Absence Of Light” sollte alles vom Tenor her zusammen passen und ein verbindendes Gefühl ergeben.“

Das Trio inszeniert seine Songs atmosphärisch dicht und schroff melodisch; achtet dabei aber jederzeit auf seine ruppige Kratzigkeit: „Das Songwriting ist insgesamt bescheidener und songdienlicher, weniger großspurig und auf wenige Highlights fokussiert,“ bewertet der Kreativkopf das Zweitwerk von ABIGAIL WILLIAMS. „Ich weiß, dass viele Leute die Keyboards mochten, aber rückblickend ist es einfach zu viel des Guten gewesen. Die neue Platte ist dafür organischer, was für die Wirkung der Stücke weitaus wichtiger ist. Ich wollte ein Album schreiben, das wir vom ersten bis zum letzten Song live spielen können. Da wir aktuell genau das tun, sind wir mit der Arbeit für „In The Absence Of Light“ erfolgreich gewesen.“ Die Wertschätzung Sorcerons für das Schaffen von Bands wie Dimmu Borgir, Emperor, Old Man’s Child und Cradle Of Filth bleibt im Songwriting offenbar, doch er sucht auf dem Zweitwerk längst eigene Wege und die Emanzipation von den offensichtlichen Inspirationsquellen:

„Ich habe mehr Sorgfalt auf das Gitarrenspiel gelegt und in den zurück liegenden Monaten zudem stärker als in der Vergangenheit viele unterschiedliche Stile und Bands auf mich wirken lassen – u. a. Godspeed You Black Emperor, Neurosis, Khanate, Old Man Gloom und A Forest Of Stars. Das hört man vielleicht nicht in jedem Fall, doch wenigstens gedanklich hat es unseren Sound beeinflusst. Was mir zunehmend auffällt, ist, dass viele Bands und Musiker technisch immer versierter aufspielen. Ob es in jedem Fall auch besser ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Songs ohne Emotionen, die so klingen, als kämen sie direkt aus der Konserve und als würden sie nicht von Menschen gespielt, sprechen mich nicht an. Spannender und herausfordernder ist es meiner Auffassung nach, sich ausgiebig mit der Atmosphäre und den Stimmungen der eigenen Songs zu beschäftigen. Das habe ich allerdings erst mit der Zeit gelernt. Auf den ersten beiden Veröffentlichungen von ABIGAIL WILLIAMS stand es auch für uns noch im Vordergrund, uns technisch mit verrückten Jazz-Parts zu profilieren. Davon haben wir uns inzwischen entfernt. „In The Absence Of Light“ stellt für mich einen Übergang zwischen der Vergangenheit und unserer Zukunft dar, in der wir uns noch intensiver mit dunklen Stimmungen und der Dichte der Soundscapes beschäftigen werden.“

 
 Links:
  myspace.com/abigailwilliams
 
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