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The Absence

Storie von: arne, am 26.09.2010 ]

Mit ihrem Debüt „From Your Grave” trafen THE ABSENCE 2005 noch völlig unverhofft, weil man die Band aus Tampa bis dahin nicht auf dem Schirm hatte. Zwei Jahre später legte die Metal Blade-Gruppe mit „Riders Of The Plague“ gewichtig nach, um nun mit „Enemy Unbound“ den endgültigen Siegeszug einzuläuten.

 
Dem Motto „Höher – schneller – weiter“ folgend, haben die Musiker aus Florida ihre Mixtur aus Death und Thrash-Metal in den letzten fünf Jahren immer weiter akzentuiert. Sprach man anfangs allein von einer Band im Fahrwasser von Testament, At The Gates & Co. haben sich THE ABSENCE mittels intensivem Touren und harter Arbeit schnell eigene Trademarks und Relevanz zugelegt: „Triebfeder unserer Bandaktivitäten ist der Wunsch, die Musik zu spielen, die wir selbst gerne hören,“ fasst Lead-Gitarrist Patrick Pintavalle die Essenz seiner Band in aller Kürze. „Mit der Zeit hat sich unsere Herangehensweise an die Songs allerdings stark geändert. Mit unseren Anfängen hat das, was wir heute tun, nicht mehr viel gemein. Zu Beginn haben wir versucht, möglichst viele verschiedene Metal-Spielarten miteinander zu kombinieren; haben mit Black Metal, Death Metal und vielen weicheren Genres experimentiert. Letztlich ging es aber vor allem um Härte und Brutalität. Heute nähern wir uns neuen Songs aus der Sicht von Rock-/Pop-Musikern. Das klingt vielleicht verrückt, doch so stellen wir sicher, dass starke Songs entstehen. Dabei haben die meisten Künstler, die populär werden, keine guten Strukturen und schon gar keine stimmigen Arrangements. Das hält uns jedoch nicht davon ab, vor allem auf den Sound-Fluss und die Konsistenz unseres Materials zu achten und aus einer Rock-/Pop-Brille zu überprüfen.“

Der Wechsel ansehnlicher, beeindruckender Technik und natürlicher, schroff-eingängiger Headbang-Grooves hat es in sich, doch der Gitarrist überrascht mit einer interessanten Sichtweise auf sein Outlet: „Ich für meinen Teil verstehe THE ABSENCE nicht als technisch orientierte Band und sehe uns eher als eine Art von Death-Rock. Wir sehen auf vielen Konzerten, dass die Fokussierung auf Rhythmen und Handwerk ihre Hörer findet, doch bei mir macht so etwas nicht Click. Meinem Anspruch nach muss Musik jederzeit hörbar und wiedererkennbar sein. Wann immer ich Songs der aktuell angesagten Technik-Kapellen höre, kann ich schon nach drei Liedern nicht mehr sagen, wie das erste geklungen hat oder irgendwas im Kopf reproduzieren, da es weder Melodien noch wiederkehrende Passagen gibt, sondern nur einen Hetzen von einem Riff zum nächsten. Solche Musik ist nichts für mich.“

Dennoch inszeniert sich das kongeniale Gitarrenduo Peter Joseph und Patrick Pintavalle auf „Enemy Unbound“ ebenso tight und fokussiert wie spielfreudig und ideenreich. Dasselbe gilt für den zurückgekehrten Schlagzeuger Jeramie Kling, der seine Vorderleute permanent antreibt: „Als Band haben wir endlich eine Evolutionsstufe erreicht, auf der wir nicht länger als Rip-Off von At The Gates und Lamb Of God beschrieben werden,“ zeigt sich der Lead-Gitarrist zufrieden. „Spätestens mit dem neuen, dritten Album haben wir zu einem eigenen Sound gefunden, den die Leute auch als solchen akzeptieren. Das sagen


wenigstens die Reaktionen, die uns erreicht haben. Wir spielen einen Tick kompakter und melodischer auf, sind aber nach wie vor typisch THE ABSENCE. Wir haben die für uns passende Arbeitsweise gefunden und fühlen uns in dem, was wir nun, absolut wohl, so dass wir das Beste aus uns herausholen können. Das heißt jedoch nicht, dass es so weitergehen muss. Den Namen THE ABSENCE haben wir uns einst bewusst gegeben, um zu betonen, dass wir keinen spezifischem Genre verschrieben sind und bei uns alles möglich ist. Wenn man Cannibal Corpse heißt, ist man schon irgendwie darauf festgelegt, bis zum Lebensende Death Metal zu spielen.“

Harsch und angriffslustig sind aber auch die Musiker aus Tampa unterwegs. Frontmann Jamie Stewart lässt sich nicht lange bitten und keift und kotzt, was seine Lungen hergeben. Ein variables, drückendes Sound-Bild stellt sich da von ganz allein ein: „Wir nähern uns den Songs gemeinsam und entwickeln Musik und Texte parallel,“ erläutert Patrick. „Wir setzen uns mit Jamie zusammen und tauschen uns über Pläne und Themen aus, um eine starke Verbindung zwischen dem Aufbau der Stücke und ihrer Aussage zu schaffen. Schließich soll das Ergebnis authentisch und für die Hörer inspirierend ausfallen. Darüber hinaus hoffe ich, dass die Leute unsere Melodiebögen schätzen.“ Anders als vermutet bleiben THE ABSENCE auf ihren Konzerten nah an den Studio-Versionen ihrer Stücke und improvisieren nicht: „Das kollidiert mit der Verantwortung gegenüber den Fans, die das hören wollen, was sie von den Platten kennen. Deshalb richtet man sich am Ende nach den Erwartungen des Publikums und versucht, die Stücke so zu spielen, wie sie im Original klingen. Für die Selbstverwirklichung gibt es die Arbeit im Proberaum und im Studio, wo man alle Freiheiten hat und tun und lassen kann, was man will.“

Das Drittwerk „Enemy Unbound“ ist hinsichtlich seiner Ausrichtung brutaler und kompakter als die beiden Vorgänger, bewahrt sich aber das Faible für auflockernde, wiedererkennbare Melodielinien, die ebenso mitreißend wie die wilden Tempo-Attacken ausfallen. Die Musiker aus Florida gehen in ihren Stücken auf. Das hört man: „Die Band ist unser Leben und wir haben mit ihr schon viel erreicht, auf das wir sehr stolz sind und nicht missen möchten. Finanziell ist es eine andere Geschichte. Wir sind immer an der Grenze, komplett abgebrannt zu sein und nichts als einige Platten vorweisen zu können, die sich in der Metal-Szene unter ferner Liefen schlagen. Doch wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich unsere harte Arbeit doch noch auszahlen wird. Das liegt aber nicht in unseren Händen.“ Im modern-spritzigen Death’n’Thrash führt an der Tampa-Truppe kein Weg vorbei. Jeder, der von übertriebenen Metal-Bands die Nase voll hat und nach authentischen, aufrichtigen Songs sucht, die gnadenlos rocken, ist bei THE ABSENCE genau richtig.

 
 Links:
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